Affektkrampf vs. Epilepsie: Unterschiede und Erkennungsmerkmale

Affektkrämpfe und Epilepsie können bei Kindern ähnliche Symptome hervorrufen, was Eltern oft beunruhigt. Es ist wichtig, die Unterschiede zwischen diesen beiden Zuständen zu kennen, um richtig reagieren und die notwendige medizinische Hilfe suchen zu können. Dieser Artikel beleuchtet die Charakteristika von Affektkrämpfen und Epilepsie, um Eltern und Betreuern eine klare Unterscheidung zu ermöglichen.

Einführung

Paroxysmale Ereignisse, also plötzliche und anfallsartige Zustände, sind bei Kindern keine Seltenheit. Wenn ein Kind einen Anfall hat, denken viele sofort an Epilepsie. Es gibt jedoch viele andere Ursachen für solche Anfälle, darunter Affektkrämpfe, Migräne, Synkopen (Kreislaufkollaps) und psychische Störungen. Eine genaue Diagnose ist entscheidend, um unnötige Sorgen und Fehldiagnosen zu vermeiden.

Was ist ein Affektkrampf?

Affektkrämpfe sind gutartige, vorübergehende Anfälle, die typischerweise im Kleinkindalter auftreten. Sie werden oft durch starke Emotionen wie Wut, Schmerz oder Frustration ausgelöst. Etwa 3 bis 4 % der Kinder unter 5 Jahren erleben einen Affektkrampf. Diese Anfälle beginnen meist im Alter von 6 bis 18 Monaten, erreichen ihren Höhepunkt zwischen dem 1. und 2. Lebensjahr und verschwinden in der Regel spontan, wenn das Kind ins Schulalter kommt. Es gibt keinen Unterschied in der Häufigkeit zwischen Jungen und Mädchen.

Arten von Affektkrämpfen

Mediziner unterscheiden zwischen drei Hauptformen von Affektkrämpfen:

  • Blaue Affektkrämpfe (Zyanotische Affektkrämpfe): Diese Form ist die häufigste (ca. 60 %). Sie wird durch Wut, Frustration oder Schmerzen ausgelöst. Das Kind weint heftig, schreit bis zur Bewusstlosigkeit und hält den Atem an, was zu einer Blaufärbung der Haut (Zyanose) führt. Die Atemaussetzer können bis zu 30 Sekunden dauern. Gelegentlich kann es zu Bewusstlosigkeit und Erschöpfung kommen, manchmal auch zu kurzzeitigen Krämpfen.

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  • Blasse Affektkrämpfe: Diese Form (ca. 20 %) wird typischerweise durch kleinere Verletzungen, Stürze, Erschrecken, Angst oder Schmerzen ausgelöst. Das Kind schreit kurz auf, dann wird ein Nervenreflex ausgelöst, der zu einer langsamen Herzfrequenz oder sogar einem kurzzeitigen Herzstillstand führt. Das Kind wird blass, bewusstlos und schlaff oder streckt die Gliedmaßen stark durch. Im Gegensatz zu den blauen Affektkrämpfen setzt hier die Bewusstlosigkeit vor dem Atemaussetzer ein.

  • Gemischte Affektkrämpfe: Einige Kinder zeigen sowohl Symptome der blauen als auch der blassen Affektkrämpfe.

Ursachen und begünstigende Faktoren

Die genauen Ursachen für Affektkrämpfe sind noch nicht vollständig geklärt, aber es gibt einige Faktoren, die eine Rolle spielen können:

  • Emotionale Auslöser: Wut, Frustration, Schmerz, Angst oder Erschrecken können Affektkrämpfe auslösen.
  • Reflexmechanismen: Bei blassen Affektkrämpfen spielt ein Nervenreflex eine Rolle, der die Herzfrequenz verlangsamt oder den Herzschlag kurzzeitig aussetzen lässt.
  • Eisenmangel: Ein Eisenmangel kann das Auftreten von Affektkrämpfen begünstigen.
  • Genetische Veranlagung: In etwa 25 % der Fälle tritt eine Häufung von Affektkrämpfen innerhalb der Familie auf.
  • Schlafmangel: Unzureichender Schlaf kann die Anfälligkeit für Affektkrämpfe erhöhen.

Diagnose und Abklärung

Die Diagnose von Affektkrämpfen basiert in erster Linie auf der Anamnese (Krankengeschichte) und der Schilderung der typischen Anfälle und ihrer Auslöser durch die Eltern. In den meisten Fällen sind keine weiteren Untersuchungen erforderlich. Wenn die Diagnose jedoch nicht eindeutig ist, kann ein EEG (Elektroenzephalogramm) durchgeführt werden, um Epilepsie auszuschließen.

Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für die Anfälle auszuschließen, wie z. B.:

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  • Epilepsie
  • Keuchhusten (Pertussis)
  • Schlafstörungen (z. B. Nachtschreck)
  • Herzrhythmusstörungen (sehr selten)

Um eine möglichst sichere Diagnose zu stellen, sollte der Arzt die Eltern nach folgenden Aspekten fragen:

  • Was geschah vor dem Anfall?
  • Hat das Kind geschrien?
  • Welche Farbe hatte die Haut des Kindes vor und während des Anfalls?
  • War das Kind nach dem Anfall erschöpft?
  • Sind weitere Familienmitglieder von ähnlichen Anfällen betroffen?

Was tun bei einem Affektkrampf?

Obwohl Affektkrämpfe beängstigend aussehen können, sind sie in der Regel harmlos und hinterlassen keine bleibenden Schäden. Hier sind einige Maßnahmen, die Eltern ergreifen können, wenn ihr Kind einen Affektkrampf hat:

  • Ruhe bewahren: Es ist wichtig, ruhig zu bleiben, auch wenn es schwerfällt.
  • Kind beobachten und vor Stürzen schützen: Achten Sie darauf, dass sich das Kind nicht verletzt.
  • Stabile Seitenlage: Bringen Sie das Kind in die stabile Seitenlage, um zu verhindern, dass es erbricht und erstickt.
  • Abwarten: Der Affektkrampf ist in der Regel nach wenigen Sekunden bis Minuten vorbei. Die regelmäßige Atmung sollte nach etwa 30 Sekunden von allein wieder einsetzen.
  • Nicht schimpfen: Schimpfen Sie das Kind nach dem Anfall nicht, sondern behandeln Sie es normal.
  • Arztbesuch: Beim ersten Anfall ist ein Arztbesuch ratsam, um andere Ursachen auszuschließen.

Es ist wichtig, das Kind während des Anfalls gut zu beobachten und sicherzustellen, dass es atmet. Nehmen Sie das Kind nicht hoch und schütteln Sie es nicht.

Behandlung und Vorbeugung

Es gibt keine standardmäßige medikamentöse Therapie gegen Affektkrämpfe. In einigen Fällen kann eine Eisensubstitution sinnvoll sein, insbesondere bei Kindern mit nachgewiesenem Eisenmangel. Eisen kann auch bei Kindern ohne Anämie helfen, da es möglicherweise die Überreizung des vegetativen Nervensystems verbessert. In schweren Fällen, in denen eine Eisengabe keine Besserung bringt, kann versuchsweise das Antiepileptikum Piracetam eingesetzt werden.

Um Affektkrämpfen vorzubeugen, können Eltern versuchen, ihr Kind in seiner Wut zu bremsen und es abzulenken, wenn sich ein Anfall anbahnt. Ungewöhnliche Klänge oder lautes Zurufe können helfen, den Ärgerkreislauf zu durchbrechen. Es ist jedoch wichtig, dem Kind nicht jeden Wunsch zu erfüllen, um weitere Anfälle zu vermeiden, da dies zu einem Teufelskreis führen kann.

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Prognose

Die Prognose für Kinder mit Affektkrämpfen ist im Allgemeinen gut. Mit zunehmendem Alter verschwinden die Anfälle meist spontan. Bei der überwiegenden Mehrheit der Kinder treten nach dem 7. Lebensjahr keine Affektkrämpfe mehr auf.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine chronische Erkrankung des Gehirns, die durch wiederholte, unprovozierte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch abnormale elektrische Entladungen im Gehirn. Epilepsie kann in jedem Alter auftreten, beginnt aber häufig im Kindesalter oder im höheren Erwachsenenalter.

Ursachen von Epilepsie

Die Ursachen von Epilepsie sind vielfältig und können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden:

  • Genetische Faktoren: Einige Formen von Epilepsie sind erblich bedingt und werden durch bestimmte Gene verursacht.
  • Strukturelle Hirnschäden: Hirnschäden, die durch Verletzungen, Infektionen, Schlaganfälle oder Tumore verursacht werden, können Epilepsie auslösen.
  • Entwicklungsstörungen: Einige Kinder kommen mit Hirnfehlbildungen zur Welt, die zu Epilepsie führen können.
  • Stoffwechselstörungen: Seltene Stoffwechselstörungen können ebenfalls Epilepsie verursachen.
  • Unbekannte Ursachen: In vielen Fällen kann die Ursache der Epilepsie nicht festgestellt werden.

Symptome von Epilepsie

Die Symptome von Epilepsie sind vielfältig und hängen von der Art des Anfalls ab. Es gibt viele verschiedene Arten von epileptischen Anfällen, die sich in ihren Symptomen und ihrem Verlauf unterscheiden. Einige häufige Symptome sind:

  • Bewusstseinsverlust: Der Betroffene ist nicht ansprechbar und erinnert sich möglicherweise nicht an den Anfall.
  • Krämpfe: Unkontrollierte Muskelzuckungen oder -steifheit.
  • Veränderungen im Verhalten: Plötzliche Verwirrtheit, Angst oder andere Verhaltensänderungen.
  • Sensorische Störungen: Kribbeln, Taubheitsgefühl,Halluzinationen oder Veränderungen des Seh- oder Hörvermögens.
  • Starren: Ein leerer Blick, begleitet von einem kurzzeitigen Bewusstseinsverlust (Absencen).

Diagnose von Epilepsie

Die Diagnose von Epilepsie basiert auf einer sorgfältigen Anamnese, einer neurologischen Untersuchung und verschiedenen diagnostischen Tests:

  • EEG (Elektroenzephalogramm): Das EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns und kann abnormale Entladungen aufzeigen, die auf Epilepsie hindeuten.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Die MRT kann strukturelle Veränderungen im Gehirn aufdecken, die Epilepsie verursachen könnten.
  • CT (Computertomographie): Die CT ist eine weitere bildgebende Methode, die zur Beurteilung der Hirnstruktur eingesetzt werden kann.
  • Video-EEG-Monitoring: Bei dieser Untersuchung wird das EEG über einen längeren Zeitraum aufgezeichnet, während der Patient gefilmt wird. Dies kann helfen, Anfälle zu identifizieren und zu klassifizieren.

Behandlung von Epilepsie

Die Behandlung von Epilepsie zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die wichtigsten Behandlungsmethoden sind:

  • Antiepileptika: Dies sind Medikamente, die die Häufigkeit und Schwere der Anfälle reduzieren können. Es gibt viele verschiedene Antiepileptika, und die Wahl des Medikaments hängt von der Art der Epilepsie und den individuellen Bedürfnissen des Patienten ab.
  • Chirurgie: In einigen Fällen kann eine Operation eine Option sein, um die Anfälle zu kontrollieren. Dies kommt in Frage, wenn die Anfälle von einem bestimmten Bereich des Gehirns ausgehen, der chirurgisch entfernt werden kann.
  • Vagusnervstimulation (VNS): Bei der VNS wird ein kleines Gerät unter die Haut implantiert, das elektrische Impulse an den Vagusnerv sendet. Dies kann helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
  • Ketogene Diät: Diese spezielle Diät, die reich an Fett und arm an Kohlenhydraten ist, kann bei einigen Kindern mit Epilepsie helfen, die Anfälle zu kontrollieren.

Affektkrampf vs. Epilepsie: Die wichtigsten Unterschiede

Obwohl Affektkrämpfe und Epilepsie ähnliche Symptome aufweisen können, gibt es einige wichtige Unterschiede, die bei der Unterscheidung helfen können:

MerkmalAffektkrampfEpilepsie
AuslöserStarke Emotionen (Wut, Schmerz, Frustration, Angst)Oft unprovoziert, kann aber durch bestimmte Faktoren wie Schlafmangel, Stress oder Lichtblitze ausgelöst werden
AtemAtemaussetzer (insbesondere bei blauen Affektkrämpfen)Atmung kann während des Anfalls verändert sein, aber Atemaussetzer sind nicht typisch
HautfarbeBlaufärbung (Zyanose) bei blauen Affektkrämpfen, Blässe bei blassen AffektkrämpfenKeine typischen Veränderungen der Hautfarbe
BewusstseinsverlustKurzzeitig (wenige Sekunden bis Minuten)Dauer kann variieren, von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten
KrämpfeKönnen auftreten, sind aber nicht immer vorhandenHäufig, aber nicht immer vorhanden
DauerIn der Regel weniger als 1 MinuteKann variieren, von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten
ErholungSchnelle Erholung (innerhalb weniger Minuten)Kann länger dauern, der Betroffene kann sich müde, verwirrt oder desorientiert fühlen
AlterTritt typischerweise im Kleinkindalter auf (6 Monate bis 5 Jahre)Kann in jedem Alter auftreten
EEGIn der Regel normal, es sei denn, es wird durchgeführt, während der Anfall stattfindetKann abnormale elektrische Aktivität zeigen, auch zwischen den Anfällen
BehandlungIn der Regel keine spezifische Behandlung erforderlich, Eisensubstitution bei EisenmangelAntiepileptika, Chirurgie, Vagusnervstimulation, ketogene Diät
PrognoseGut, Anfälle verschwinden meist spontan im SchulalterVariabel, abhängig von der Art der Epilepsie und der Wirksamkeit der Behandlung

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Ihr Kind zum ersten Mal einen Anfall hat.
  • Sie sich unsicher sind, ob es sich um einen Affektkrampf oder einen epileptischen Anfall handelt.
  • Die Anfälle häufiger oder schwerwiegender werden.
  • Ihr Kind nach einem Anfall nicht schnell wieder zu sich kommt.
  • Ihr Kind andere Symptome hat, die Sie beunruhigen.
  • In der Familie Epilepsie bekannt ist.

Ein Arzt kann die notwendigen Untersuchungen durchführen, um die Ursache der Anfälle zu ermitteln und die geeignete Behandlung einzuleiten.

Elternberichte

Die bereitgestellten Elternberichte verdeutlichen die Vielfalt der Symptome und die damit verbundene Unsicherheit:

  • Ein Vater berichtet, dass sein Sohn (2 Jahre) beim Schreien die Luft anhält und bewusstlos wird. Die Anfälle treten häufig auf und dauern länger. Der Vater hat Angst, dass es sich um Epilepsie handeln könnte, da sein Cousin an schwerer Epilepsie leidet.
  • Eine Mutter erzählt, dass ihre 18 Monate alte Tochter die Augen verdreht und blass wird. Sie ist während dieser Zeit nicht ansprechbar.
  • Eine andere Mutter berichtet, dass ihre 10 Wochen alte Tochter nach einem Schlag ins Auge hysterisch schreit und kurzzeitig nicht atmet.
  • Eine Mutter ist besorgt, weil ihre 3 Monate alte Tochter komische Bewegungsabläufe hat, wenn sie müde ist.
  • Ein Vater berichtet von Nachtschreck bei seinem 7-jährigen Sohn und ist beunruhigt.
  • Eine Mutter erzählt, dass ihr Sohn (21 Monate) nach dem Baden schreit und sich in die Situation hineinsteigert.
  • Eine Mutter berichtet, dass ihre Tochter (10 Monate) nach einem Schreck schreit, die Luft anhält und blau wird.

Diese Berichte zeigen, wie wichtig es ist, die Symptome genau zu beobachten und mit einem Arzt zu besprechen, um die richtige Diagnose zu erhalten.

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