Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die von Anfällen gekennzeichnet ist und in unterschiedlichen Formen und Ausprägungsgraden auftritt. Die Diagnose und das Leben mit Epilepsie können eine Herausforderung darstellen, insbesondere im akademischen Umfeld. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Akademikern mit Epilepsie, die verfügbaren Unterstützungsangebote und die Chancen, die sich trotz der Erkrankung bieten.
Neurodiversität und Epilepsie
In den letzten Jahren hat das Konzept der Neurodiversität zunehmend an Bedeutung gewonnen. Neurodiversität beschreibt die Vielfalt der Gehirnfunktionen und neurologischen Variationen innerhalb der menschlichen Bevölkerung. Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung, ADHS oder Epilepsie gelten als neurodivergent, da ihre Gehirnfunktionen sich von dem unterscheiden, was in der Gesellschaft als "normal" definiert wird.
Prof. Dr. André Frank Zimpel, Leiter des Zentrums für Neurodiversitätsforschung an der Universität Hamburg, betont, dass jedes Gehirn einzigartig ist, ähnlich wie Schneeflocken. Diese Individualität der Gehirnfunktionen kann dazu führen, dass neurodivergente Menschen Schwierigkeiten haben, sich an standardisierte Bedingungen anzupassen, insbesondere im Bildungsbereich. Es ist daher wichtig, die Bedürfnisse von neurodivergenten Studierenden und Akademikern zu berücksichtigen und ihnen die notwendigen Nachteilsausgleiche zu gewähren.
Herausforderungen im Studium und Beruf
Akademiker mit Epilepsie können im Studium und Beruf mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert sein. Dazu gehören:
- Anfälle: Unvorhersehbare Anfälle können den Studien- oder Arbeitsalltag beeinträchtigen und zu Unsicherheiten führen.
- Medikamente: Antiepileptika können Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Stimmungsschwankungen verursachen, die die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können.
- Stigmatisierung: Epilepsie ist in der Gesellschaft oft mit Vorurteilen und Stigmatisierung verbunden, was zu sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung führen kann.
- Eingeschränkte Berufswahl: Einige Berufe sind für Menschen mit Epilepsie aufgrund des Anfallsrisikos oder bestimmter Arbeitsbedingungen nicht geeignet.
Unterstützungsmöglichkeiten für Akademiker mit Epilepsie
Trotz der genannten Herausforderungen gibt es eine Vielzahl von Unterstützungsmöglichkeiten, die Akademikern mit Epilepsie helfen können, ihr Studium erfolgreich abzuschließen und im Berufsleben Fuß zu fassen.
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Nachteilsausgleiche
Viele Hochschulen und Universitäten bieten Nachteilsausgleiche für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen an. Diese können beispielsweise längere Bearbeitungszeiten für Klausuren, flexible Studienpläne oder die Bereitstellung von Assistenzleistungen umfassen. Es ist ratsam, sich frühzeitig bei den Behindertenbeauftragten der Hochschule über die verfügbaren Nachteilsausgleiche zu informieren.
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat seine Nebenbestimmungen zur "Förderung begabter Studierender sowie begabter Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler" aktualisiert. Diese Richtlinien enthalten eine Regelung zum Nachteilsausgleich für Studierende und Akademiker*innen mit Behinderungen. Eine inhaltlich identische Regelung gibt es für das "Aufstiegsstipendium für Berufserfahrene".
Stipendien und finanzielle Unterstützung
Es gibt verschiedene Stiftungen und Organisationen, die Stipendien und finanzielle Unterstützung für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen anbieten. Dazu gehören unter anderem:
- Begabtenförderungswerke: Konrad-Adenauer-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, Cusanuswerk
- Stiftung der Deutschen Wirtschaft
- Rosa-Luxemburg-Stiftung
- aktion luftsprung - Stiftung für chronisch schwerstkranke Kinder und Jugendliche
- Hildegardisverein e. V.
- Stiftung Darmerkrankungen
- Elfriede-Breitsameter-Stiftung
- Inge und Johann Heinrich Berger-Landefeldt Stiftung
Es ist ratsam, sich frühzeitig über die verschiedenen Stipendienprogramme zu informieren und sich bei den jeweiligen Stiftungen zu bewerben.
Beratung und Coaching
Viele Hochschulen und Universitäten bieten spezielle Beratungsangebote für Studierende mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen an. Diese Beratungsstellen können bei Fragen zum Studium, zur Studienfinanzierung, zu Nachteilsausgleichen oder zur Karriereplanung behilflich sein. Darüber hinaus gibt es auch unabhängige Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die Unterstützung und Informationen für Menschen mit Epilepsie anbieten.
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Arbeitsplatzanpassungen
Auch im Berufsleben gibt es Möglichkeiten, den Arbeitsplatz an die Bedürfnisse von Menschen mit Epilepsie anzupassen. Dazu gehören beispielsweise flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit, Pausen einzulegen, oder die Bereitstellung eines sicheren Arbeitsumfelds. Arbeitgeber sind in der Regel verpflichtet, angemessene Anpassungen vorzunehmen, um Menschen mit Behinderungen die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen.
Telemedizinische Netzwerke
Mit dem Schlaganfall-Zentrum "STENO" wird nun auch das bundesweit erste telemedizinische Netzwerk "TelEP" für Epilepsie aufgebaut.
Erfolgsgeschichten und Perspektiven
Trotz der Herausforderungen gibt es zahlreiche Beispiele von Akademikern mit Epilepsie, die erfolgreich ihr Studium abgeschlossen und eine erfolgreiche Karriere gestartet haben. Diese Erfolgsgeschichten zeigen, dass Epilepsie kein Hindernis für akademische oder berufliche Leistungen darstellen muss.
Ein wichtiger Faktor für den Erfolg ist eine positive Einstellung und der Mut, offen mit der Erkrankung umzugehen. Es ist wichtig, sich nicht von Vorurteilen entmutigen zu lassen und die eigenen Stärken und Fähigkeiten zu nutzen. Mit der richtigen Unterstützung und den passenden Rahmenbedingungen können Akademiker mit Epilepsie ihre Ziele erreichen und einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft leisten.
PROMI - Promotion inklusive
Das Projekt „PROMI - Promotion inklusive“ soll schwerbehinderten Akademikerinnen und Akademikern eine Promotion zu ermöglichen.
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Neuro-inklusives Bildungssystem
Es ist wichtig, dass Bildungseinrichtungen neuro-inklusiver werden, das heißt, dass sie auf Menschen mit ADHS, auf Menschen im Autismusspektrum, mit Epilepsie, mit Tourette-Syndrom vorbereitet sind und Nachteilsausgleiche bereithalten, die passen.
Medikamente im Auslandsstudium
Studenten mit Epilepsie sollten darauf achten, ob das jeweils von ihnen benötigte Medikament im Zielland erhältlich ist. Oft verbirgt sich das gleiche Medikament hinter einem anderen Namen eines Handelspräparats im Ausland. Bei einer längeren An- und Abreise mit dem Flugzeug, sollte vor allem die Zeitverschiebung beachtet werden. Um sich dementsprechend auf eine Verschiebung bei der Einnahmezeit vorzubereiten, sollte die Medikamenteneinnahme vorher an einen jeweils veränderten Schlafrhythmus angepasst werden.
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