Akne inversa, auch Hidradenitis suppurativa (HS) genannt, ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die durch wiederkehrende Entzündungen der Haarfollikel gekennzeichnet ist. Diese Entzündungen führen zur Bildung von schmerzhaften Knoten, Abszessen, Fisteln und Narben, vor allem in den Achselhöhlen, der Leistengegend, im Genitalbereich und am Gesäß. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, manifestiert sich jedoch typischerweise bei jungen Erwachsenen nach der Pubertät. Schätzungsweise 1 % der Bevölkerung in Westeuropa ist betroffen, wobei Frauen häufiger erkranken als Männer. Die genauen Ursachen der Akne inversa sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung, hormonellen Faktoren, Lebensstil und einer Fehlfunktion des Immunsystems eine Rolle spielt.
Was ist Akne Inversa?
Akne inversa ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Haut, die durch eine Entzündung der Haarfollikel ausgelöst wird. Im Verlauf der Erkrankung bilden sich spontan entzündliche, schmerzhafte Knoten, Abszesse, Fisteln und Narben, die bevorzugt in den Achseln, der Leisten-, Genital-, Gesäß- und Analregion auftreten. Die Erkrankung verläuft typischerweise in Schüben, wobei sich Zeiten mit und ohne Beschwerden abwechseln.
Symptome von Akne Inversa
Die Symptome der Akne inversa können je nach Schweregrad der Erkrankung variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Knoten: Kleine, erbsengroße Knoten unter der Haut, die schmerzhaft sein können.
- Abszesse: Abgekapselte Eiteransammlungen im Gewebe, die durch Entzündungen verursacht werden.
- Fisteln: Entzündete, röhrenförmige Gänge, die sich unter der Haut bilden und Eiter oder andere Flüssigkeiten absondern können.
- Narben: Wiederholte Entzündungen können im Laufe der Zeit zu Vernarbungen führen.
Betroffene Körperregionen
Akne inversa tritt typischerweise in bestimmten Körperregionen auf, in denen sich viele Schweißdrüsen und Haarfollikel befinden. Dazu gehören:
- Achselhöhlen
- Leistengegend
- Genitalbereich
- Gesäß
- Analbereich
- Innenseite der Oberschenkel
- Unter der Brust (bei Frauen)
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen von Akne inversa sind bis heute nicht abschließend geklärt. Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass die typischen Hautveränderungen die Folge einer Verstopfung des Haarwurzelkanals und einer Fehlleitung des Immunsystems sind. Zusätzlich gibt es eine Reihe von Risikofaktoren, die zur Entstehung von Akne inversa beitragen können.
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Verstopfter Haarwurzelkanal und Entzündung
Die Hautveränderungen bei Akne inversa entstehen durch eine Entzündung des Haarbalgs (Haarfollikels). Bei Akne inversa kommt es zu einer Verstopfung des Haarwurzelkanals am oberen Teil des Haarbalgs. In der Folge schwillt der Haarbalg an und kann aufreißen (Ruptur). Durch die Ruptur können Keratin und Bakterien in die umliegenden Unterhautschichten gelangen. Das Immunsystem reagiert darauf mit einer Entzündung.
Risikofaktoren
Verschiedene Faktoren können dazu beitragen, dass Akne inversa entsteht. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:
- Alter: Akne inversa tritt besonders häufig bei jungen Erwachsenen Anfang 20 auf. Ab etwa dem 55. Lebensjahr nimmt die Häufigkeit ab.
- Geschlecht: Frauen erkranken häufiger an Akne inversa als Männer.
- Erbliche Faktoren: Es scheint eine erbliche Veranlagung für Akne inversa zu geben. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen sind im familiären Umfeld weitere Personen erkrankt.
- Hormonelle Faktoren: Da die Erkrankung bei Frauen im gebärfähigen Alter besonders häufig auftritt, wird vermutet, dass es eine Verbindung zwischen Geschlechtshormonen und Akne inversa gibt.
- Lebensstil: Auch zwischen Rauchen, Übergewicht und Akne inversa scheint es einen Zusammenhang zu geben, der jedoch nicht vollständig geklärt ist. Ein hohes Körpergewicht kann die Beschwerden durch erhöhte Schweißbildung und Reibung in den Körperfalten ungünstig beeinflussen.
Diagnose von Akne Inversa
Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend für eine wirksame Behandlung der Akne inversa. Auf Akne inversa spezialisierte Hautärzte sind die richtigen Ansprechpartner für die Diagnose und Behandlung. In einigen Kliniken gibt es zudem Ambulanzen oder Zentren, die sich auf die Erkrankung spezialisiert haben.
Klinische Untersuchung
Die Diagnose der Akne inversa erfolgt in erster Linie anhand der typischen Hautveränderungen und der betroffenen Körperregionen. Der Hautarzt wird die Haut sorgfältig untersuchen und nach Knoten, Abszessen, Fisteln und Narben suchen.
Anamnese
Der Arzt wird auch nach der Krankengeschichte des Patienten fragen, einschließlich des Beginns der Symptome, des Vorhandenseins von Akne inversa in der Familie und anderer relevanter Erkrankungen.
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Laboruntersuchungen
Bestimmte Blutwerte können auf eine Entzündung im Körper hinweisen. Sie weisen Akne inversa zwar nicht sicher nach, können jedoch einen Anhaltspunkt geben. Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion können mikrobiologische Abstriche aus tiefen Gewebsschichten entnommen werden.
Bildgebende Verfahren
In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden, um das Ausmaß der Erkrankung zu beurteilen und andere Erkrankungen auszuschließen.
Behandlung von Akne Inversa
Akne inversa ist eine chronische Erkrankung, die nicht geheilt werden kann. Es gibt jedoch verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Symptome zu lindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und den individuellen Bedürfnissen des Patienten.
Medikamentöse Therapie
Die medikamentöse Behandlung der Akne inversa umfasst sowohl lokale als auch systemische Therapieansätze.
- Topische Therapie: Bei leichten Formen der Akne inversa können topische Antibiotika wie Clindamycin oder Erythromycin eingesetzt werden, um Entzündungen zu reduzieren und bakterielle Infektionen zu bekämpfen.
- Intraläsionale Therapie: Bei einzelnen, entzündeten Knoten können Kortikosteroide direkt in die Läsionen injiziert werden, um die Entzündung zu reduzieren.
- Systemische Antibiotika: Bei mittelschweren bis schweren Formen der Akne inversa können systemische Antibiotika wie Doxycyclin oder Clindamycin eingesetzt werden, um die Entzündung zu reduzieren und bakterielle Infektionen zu bekämpfen.
- Biologika: Biologika sind gentechnisch hergestellte Medikamente, die gezielt in das Immunsystem eingreifen und Entzündungen reduzieren können. Adalimumab, ein TNF-α-Inhibitor, ist das einzige Biologikum, das derzeit für die Behandlung der Akne inversa zugelassen ist. Secukinumab (IL-17A-Inhibitor) kann ebenfalls eingesetzt werden.
- Hormontherapie: Bei Frauen mit Akne inversa, die unter hormonellen Schwankungen leiden, kann eine Hormontherapie mit Ethinylestradiol/Cyproteronacetat in Betracht gezogen werden.
Chirurgische Therapie
Die chirurgische Therapie spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Akne inversa, insbesondere bei fortgeschrittenen Krankheitsstadien. Es gibt verschiedene chirurgische Verfahren, die je nach Art und Ausmaß der Läsionen eingesetzt werden können.
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- Inzision und Drainage: Bei Abszessen kann eine Inzision und Drainage durchgeführt werden, um den Eiter abzulassen und den Druck zu reduzieren.
- Deroofing: Beim Deroofing wird das "Dach" oberflächlicher Tunnel entfernt, während der Boden intakt bleibt. Diese Methode eignet sich besonders für Hurley-Stadium II.
- Lokale Exzision: Bei begrenzten, nicht entzündlichen Arealen können einzelne Abszesse oder Knoten vollständig entfernt werden.
- Radikale Exzision: Bei schweren Verläufen mit ausgedehnter Tunnelbildung und konfluierenden Abszessen ist eine vollständige Exzision des betroffenen Gewebes notwendig.
Lasertherapie
Die Lasertherapie kann eine effektive Ergänzung zur medikamentösen und chirurgischen Behandlung der Akne inversa darstellen. Verschiedene Laser-Typen können eingesetzt werden, um Entzündungen zu reduzieren, Haarfollikel zu zerstören und erkranktes Gewebe zu entfernen.
- CO2-Laser: Der CO2-Laser ermöglicht die gezielte Entfernung von Abszessen und Tunnelgängen.
- Neodym-YAG-Laser: Der Neodym-YAG-Laser reduziert entzündliche Knoten und zerstört Haarfollikel.
- Intense Pulsed Light (IPL) und Radiofrequenz (RF): Die Kombination aus IPL und RF reduziert entzündliche Knoten und fördert die Gewebsheilung.
Weitere Therapiemöglichkeiten
Zusätzlich zu den medikamentösen, chirurgischen und apparativen Behandlungsmethoden können weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität und der Krankheitskontrolle beitragen.
- Physikalische Therapien: Regelmäßige Wundreinigung, Kompressionstherapie und gezielte Narbenpflege können die Hautstruktur unterstützen und die Heilung fördern.
- Ernährungsumstellung: Eine Ernährungsumstellung mit Fokus auf Gewichtsreduktion kann bei Übergewicht den Entzündungsdruck mindern.
- Verzicht auf Nikotin: Der Verzicht auf Nikotin zeigt positive Effekte auf den Krankheitsverlauf und kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.
- Psychologische Unterstützung: Psychologische Unterstützung kann hilfreich sein, um mit chronischen Schmerzen und der psychischen Belastung der Erkrankung umzugehen.
Leben mit Akne Inversa
Akne inversa kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Schamgefühle und soziale Isolation sind häufige Folgen der Erkrankung. Es ist daher wichtig, dass Betroffene lernen, mit der Erkrankung umzugehen und Strategien entwickeln, um ihre Lebensqualität zu verbessern.
Tipps für den Alltag
- Kleidung: Tragen Sie weite, luftige und atmungsaktive Kleidung sowie Unterwäsche aus Baumwolle, um eine Reizung der Haut zu vermeiden.
- Körperpflege: Verwenden Sie milde Waschlotionen und verzichten Sie auf Bürsten und andere reizende Produkte. Achten Sie darauf, dass Ihre Körperpflegeprodukte alkohol- und parfümfrei sind.
- Haarentfernung: Vermeiden Sie Trocken- und Nassrasuren der betroffenen Körperbereiche. Notwendige Rasuren führen Sie am besten mit einem Haarschneidegerät durch.
- Rauchen: Verzichten Sie auf das Rauchen, da dies den Krankheitsverlauf ungünstig beeinflussen kann.
- Gewichtskontrolle: Achten Sie auf ein gesundes Gewicht, da Übergewicht die Beschwerden verschlimmern kann.
- Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene und bewusste Ernährung. Vermeiden Sie überzählige Pfunde und stark zuckerhaltige Lebensmittel.
- Stressbewältigung: Lernen Sie, mit Stress umzugehen, da Stress die Erkrankung verschlimmern kann.
- Austausch: Suchen Sie den Austausch mit anderen Betroffenen, um sich gegenseitig zu unterstützen und Erfahrungen auszutauschen.
- Psychologische Unterstützung: Nehmen Sie psychologische Unterstützung in Anspruch, wenn Sie Schwierigkeiten haben, mit der Erkrankung umzugehen.