Beweglichkeit ist ein entscheidender Faktor für Lebensqualität und Langlebigkeit. Einschränkungen der körperlichen Mobilität können jedoch durch verschiedene Erkrankungen verursacht werden, darunter periphere Nervenschäden und periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung des Gehtrainings bei peripheren Nervenschäden, insbesondere im Zusammenhang mit der pAVK, und bietet einen umfassenden Überblick über Ursachen, Symptome, Behandlungsoptionen und präventive Maßnahmen.
Einführung in periphere Nervenschäden und pAVK
Periphere Nervenschäden, auch Polyneuropathie (PNP) genannt, sind Erkrankungen des peripheren Nervensystems, die Nerven außerhalb des Gehirns und Rückenmarks betreffen. Diese Schäden beeinträchtigen die Reizweiterleitung und können zu Missempfindungen, Sensibilitätsstörungen und Schmerzen führen. Ursachen können Diabetes mellitus, Alkoholismus, Infektionen, Giftstoffe oder Krebserkrankungen sein.
Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) hingegen ist eine verkalkungsbedingte Verengung der Schlagadern in den Gliedmaßen, die zu Durchblutungsstörungen führt. Betroffen sind meist die Beine, seltener die Arme. Risikofaktoren sind Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin und familiäre Veranlagung.
Was ist Polyneuropathie (PNP)?
Polyneuropathien sind eine Gruppe von Erkrankungen des peripheren Nervensystems, bei denen Nerven außerhalb des Gehirns und Rückenmarks geschädigt werden. Dies beeinträchtigt die Reizweiterleitung in den Nervenbahnen, was zu Missempfindungen, Sensibilitätsstörungen oder Schmerzen führen kann.
Ursachen und Häufigkeit
Polyneuropathien entwickeln sich oft als Folge einer zugrundeliegenden Vorerkrankung. Einige häufige Auslöser sind:
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- Diabetes mellitus: Weit fortgeschrittene Diabeteserkrankungen (diabetische Neuropathie).
- Alkoholismus: Alkoholische Polyneuropathie.
- Infektionskrankheiten: Bestimmte Infektionen können Nervenschäden verursachen.
- Giftstoffe: Kontakt zu Giftstoffen (toxische Polyneuropathie).
- Krebserkrankungen: Krebserkrankungen oder deren chemotherapeutische Behandlung.
Die Häufigkeit von Polyneuropathien variiert, wird aber auf etwa 1 von 2.000 Einwohnern geschätzt, wobei die Häufigkeit mit zunehmendem Alter steigt.
Formen der Polyneuropathie
Je nach betroffenem Teil der Nervenzellen und Ausprägung der Schäden werden verschiedene Formen unterschieden:
- Demyelinisierende Polyneuropathie: Die schützende Myelinschicht der Nervenfasern zerfällt, was die Reizweiterleitung stört.
- Axonale Polyneuropathie: Das Axon selbst ist betroffen, was oft schwerwiegendere Beschwerden und eine schlechtere Prognose zur Folge hat.
- Symmetrische Polyneuropathien: Nervenschädigungen betreffen beide Körperhälften.
- Asymmetrische Polyneuropathien: Nervenschädigungen betreffen nur eine Körperseite.
- Distale Polyneuropathien: Schäden betreffen hauptsächlich Körperregionen, die vom Rumpf entfernt liegen (z.B. Hände, Beine, Füße).
- Proximale Polyneuropathie: Eine seltene Form, bei der sich die Erkrankung auf rumpfnahe Körperteile beschränkt.
Diagnose von Polyneuropathie
Bei Verdacht auf Polyneuropathie ist eine frühzeitige Diagnose wichtig, um den Verlauf positiv zu beeinflussen. Der Arzt wird zunächst die Krankengeschichte erheben (Anamnese) und sich nach Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamenteneinnahme erkundigen.
Anschließend folgen körperliche Untersuchungen, bei denen Reflexe, Pupillenreaktion und mögliche Fehlbildungen des Skeletts geprüft werden. Weitere Untersuchungen sind:
- Elektroneurografie (ENG): Messung der Nervenleitgeschwindigkeit.
- Elektromyografie (EMG): Prüfung der elektrischen Muskelaktivität.
- Quantitative sensorische Untersuchung: Prüfung der Reaktion eines Nervs auf bestimmte Reize.
- Elektrokardiografie (EKG): Beurteilung, ob die autonomen Nervenfasern des Herzens geschädigt sind.
- Ultraschall-Untersuchung der Harnblase: Feststellung, ob Restharn in der Blase verbleibt.
- Nervenbiopsie: Entnahme und mikroskopische Untersuchung einer Gewebeprobe des Nervengewebes (nur in bestimmten Fällen).
- Hautbiopsie: Entnahme und Untersuchung eines kleinen Hautstücks.
- Blutuntersuchungen: Erkennung häufiger und behandelbarer Ursachen der Nervenschädigung.
- Genetische Untersuchung: Bei familiärer Häufung von Polyneuropathie.
Was ist periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)?
Die pAVK ist eine Durchblutungsstörung der Beine oder Arme, überwiegend aber der Beine, die durch Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) verursacht wird. Dabei bilden sich Ablagerungen (Plaques) in den Arterien, die diese zunehmend verengen und verhärten.
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Ursachen und Risikofaktoren
Die Arteriosklerose beginnt mit kleinen Verletzungen der innersten Arterienschicht. Im Bereich der Schädigung lagern sich verschiedene Stoffe ab, was langfristig zur Gefäßeinengung bis zum Verschluss von Blutgefäßen führt. Zu den Risikofaktoren zählen:
- Rauchen: Schädigt die Gefäße auf lange Sicht.
- Diabetes mellitus: Hoher Blutzuckerspiegel kann die Arterien schädigen.
- Bluthochdruck: Hoher Druck kann die Arterien schädigen.
- Erhöhtes Cholesterin: Fördert die Ablagerung von Fett in den Gefäßen.
- Familiäre Veranlagung: Erhöht das Risiko.
- Alter: Mit zunehmendem Alter verlieren die Gefäße an Elastizität.
Beschwerden und Stadien
Die pAVK verläuft in verschiedenen Stadien, die nach Fontaine eingeteilt werden:
- Stadium I: Gefäßverkalkungen ohne Beschwerden.
- Stadium II (Claudicatio intermittens): Muskelschmerzen in Wade, Oberschenkel oder Gesäß nach einer bestimmten Gehstrecke, die durch Stehenbleiben verschwinden (Schaufensterkrankheit).
- Stadium III: Schmerzen auch in Ruhe, meist im Fuß oder den Zehen, nachts stärker, oft durch Herabhängen des Beines gelindert.
- Stadium IV: Gewebeuntergang (schwarze Stellen, meist an den Zehen, Raucherbein).
Bei Betroffenheit der Armschlagader treten im Stadium II Muskelschmerzen bei Arbeit mit den Armen auf, insbesondere bei Überkopfarbeit. Stadium III und IV rufen ähnliche Symptome wie am Bein hervor.
Diagnose der pAVK
Die Diagnose der pAVK umfasst:
- Anamnese: Fragen zu Symptomen und Risikofaktoren.
- Körperliche Untersuchung: Abtasten der Pulse.
- Apparative Diagnostik:
- Doppler-Sonographie: Messung der Blutdruckwerte an Armen und Beinen
- Duplexsonographie: Ultraschalluntersuchung der Gefäße
- Angiographie: Darstellung der Gefäße mit Kontrastmittel (CT-Angiographie, MR-Angiographie, Digitale Subtraktionsangiographie)
- Laufbandergometrie: Beurteilung der schmerzfreien Gehstrecke und des Knöchel-Arm-Index unter Belastung
Gehtraining als Therapie bei pAVK und peripheren Nervenschäden
Das systematische Gehtraining ist eine wichtige Grundlage der Behandlung von pAVK im Stadium I und II. Regelmäßige Bewegung führt zur Ausbildung von Umgehungsschlagadern (Kollateralen), wodurch die schmerzfreie Gehstrecke deutlich verlängert werden kann. Auch hier ist Ihre Mitarbeit unerlässlich. Die Regelmäßigkeit ist wichtig und zahlt sich aus! Im Stadium III und IV ist diese Methode nicht geeignet, da die Gliedmaße schwer durchblutungsgestört ist. Hier muss eine Operation, Katheterbehandlung oder eine sinnvolle Kombination von beidem zur Wiederherstellung der Durchblutung dringend und zeitnah durchgeführt werden, da sonst die Amputation droht.
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Vorteile des Gehtrainings
- Verbesserung der Durchblutung: Gezielte Übungen fördern die Durchblutung und können Nervenschäden entgegenwirken.
- Stärkung der Muskulatur: Regelmäßiges Training stärkt die Muskulatur und verbessert die Stabilität.
- Verbesserung des Gleichgewichts und der Koordination: Spezielle Übungen helfen, Gleichgewicht und Koordination zu verbessern, um Stürze zu vermeiden.
- Erhöhung der Lebensqualität: Gezielte Bewegung kann Sensibilitäts- und Bewegungsstörungen verbessern und den Alltag sicherer gestalten.
Übungsempfehlungen für zu Hause
- Zehenstand: Auf die Zehenspitzen stellen, Position halten und langsam absenken.
- Fußkreisen: Im Sitzen ein Bein anheben und den Fuß langsam in beide Richtungen kreisen.
- Ballrollen: Mit den Fußsohlen einen kleinen Ball hin und her rollen.
- Balanceübungen: Auf einem Bein stehen und die Balance halten (ggf. an einer Wand abstützen).
- Fingerübungen: Hände öffnen und schließen oder kleine Bälle zwischen den Fingern hin und her rollen.
Gehtraining bei Polyneuropathie
Auch bei Polyneuropathie kann Gehtraining helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Durch die Bewegung werden die Muskeln gestärkt, die Koordination verbessert und die Durchblutung gefördert.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten bei pAVK
Neben dem Gehtraining gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten bei pAVK, die je nach Stadium und individueller Situation eingesetzt werden:
- Behandlung von Risikofaktoren: Gute Einstellung von Blutdruck, Cholesterin und Diabetes sowie Raucherentwöhnung.
- Medikamente: Durchblutungsfördernde (Prostaglandine) und blutverdünnende Medikamente (z.B. ASS und Clopidogrel).
- Katheterintervention: Aufdehnen von Engstellen/Verschlüssen mit einem Ballon (Angioplastie) und ggf. Einsetzen eines Gitterröhrchens (Stent).
- Operation: Ausschälen des Kalkes oder Bypassoperationen (Anlegen von Umleitungsschlagadern).
- Hybrideingriff: Kombination aus Katheterverfahren und Operation.
Katheterintervention
Mit dem Katheterverfahren kann über einen Einstich (z. B. in der Leiste) ein Ballon in die Schlagader eingebracht und so unter Röntgenkontrolle eine Engstelle/Verschluss aufgedehnt werden (Angioplastie). Bei Bedarf kann auch ein Gitterröhrchen (Stent) zum Offenhalten der Schlagader eingebracht werden. Diese Eingriffsmethode ist sehr schonend, kann meist in Lokalanästhesie durchgeführt werden und erfordert in der Regel nur einen kurzen Krankenhausaufenthalt. Mittlerweile können sehr viele und auch langstreckige Verschlussprozesse so behandelt werden. Durch die Verwendung medikamentenbeschichteter Ballons und Stents konnten hier auch in den letzten Jahren die mittelfristigen Ergebnisse deutlich verbessert werden.
Operation
In bestimmten Fällen ist jedoch nach wie vor die Operation die beste Methode, um die Durchblutung der betroffenen Gliedmaße auch längerfristig wiederherzustellen, insbesondere bei langstreckigen, komplexen Verschlüssen und bei Verschlüssen im Bereich von Bewegungssegmenten der Schlagadern (z.B. Leistenarterie). Die Möglichkeiten der Rekonstruktion reichen von Ausschälen des Kalkes bis hin zu Bypassoperationen, also dem Anlegen von „Umleitungsschlagadern“ um den verengten oder verschlossenen Schlagaderanteil herum, so dass die Durchblutung des Beines wiederhergestellt ist. Der Krankenhausaufenthalt beträgt je nach Operation einige Tage bis eine gute Woche, je nach Wundheilung und individuellem Erholungsverlauf auch etwas länger.
Hybrideingriff
Unter Hybridverfahren versteht man die sinnvolle Kombination aus Katheterverfahren und Operation. Diese Kombination ermöglicht oft auch bei komplexeren Erkrankungsbefall in unterschiedlichen Regionen eine maßgeschneiderte Behandlung in einer Sitzung. Da sowohl komplexe Katheterbehandlungen als auch offenen Operationen zu unserem Behandlungsspektrum gehören, führen wir viele Hybdrideingriffe durch, um für den Patienten die schonendste Lösung mit der längsten Haltbarkeit anbieten zu können. Paradebeispiel für eine Hybridbehandlung ist z.B. eine Ausschälplastik der Leistenschlagadern in Kombination mit einer Katheter-Behandlung der Beckenschlagadern. Bei guten Langzeitergebnissen bleibt dem Patienten dabei ein früher üblicher belastender Bauchschnitt erspart, da die Behandlung über einen kleinen Leistenzugang erfolgt.
Weitere Therapiemöglichkeiten bei Polyneuropathie
Die Therapie der Polyneuropathie richtet sich nach der Ursache.
- Diabetische Polyneuropathie: Stabile Blutzuckereinstellung durch Ernährung, Bewegung und ggf. Medikamente.
- Alkoholbedingte Polyneuropathie: Konsequenter Verzicht auf Alkohol.
- Entzündungsbedingte Nervenschädigung: Antibiotika- oder antivirale Therapie.
- Autoimmunentzündung: Entzündungshemmende Medikamente wie Kortison oder Immunglobuline.
- Vitaminmangel: Gezielte Ernährungsumstellung oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.
Schmerzen oder Gangstörungen können medikamentös oder durch physikalische Therapie (Physiotherapie, Gleichgewichts- und Gehtraining, gelenkschonende Sportarten) gebessert werden.
Alltagstipps für Patienten mit pAVK und Polyneuropathie
- Fußpflege: Achten Sie auf Ihre Füße! Verletzungen sollten unbedingt vermieden werden. Tragen Sie gutes und nicht drückendes Schuhwerk. Pflegen Sie Ihre Füße mit äußerster Sorgfalt und Vorsicht bzw. lassen Sie Ihre Füße von ausgewiesenen Fußspezialisten (Podologen) pflegen. Neu aufgetretene Wunden sollten unbedingt ärztlich untersucht werden.
- Hautkontrolle: Kontrollieren Sie täglich sorgfältig Ihre Hände und Füße und achten Sie auf Rötungen, kleine Schnitte oder Druckstellen.
- Hautpflege: Regelmäßiges Eincremen beugt trockener, rissiger Haut vor.
- Schutz vor Verbrennungen/Erfrierungen: Nutzen Sie ein Thermometer, um die Wassertemperatur zu überprüfen. Verzichten Sie auf Wärmflaschen oder Heizdecken. Im Winter können warme Handschuhe und gut isolierte Schuhe vor Kälte schützen.
- Sturzprophylaxe: Achten Sie zuhause auf rutschfeste Böden, ausreichende Beleuchtung und das Entfernen von Stolperfallen. Im Freien sollten Sie auf festes Schuhwerk, Gehhilfen, gut beleuchtete Wege und die Vermeidung glatter oder unebener Flächen achten.
Schlagaderverkalkung und weitere Erkrankungen
Die Schlagaderverkalkung ist eine generalisierte Erkrankung und kann in vielen Fällen auch die Herzkranzgefäße oder die Halsschlagader betreffen, so dass unter Umständen auch diese untersucht werden sollten.
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