Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der fast 15 % der US-Amerikaner und zwischen 8,4 % und 12,7 % der Menschen in Asien betroffen sind. Migräneanfälle sind für viele Betroffene eine enorme Belastung. Die Suche nach natürlichen und schonenden Behandlungsmethoden führt oft zur Akupressur. Dieser Artikel untersucht die Wirksamkeit von Akupressur bei der Behandlung von Migräne, erklärt die Anwendung und stellt alternative Behandlungsmethoden vor.
Was ist Akupressur?
Akupressur ist eine Heilkunst, die ihre Wurzeln in der fernöstlichen Medizin hat. Akupressur ist neben Akupunktur die bekannteste Heiltechnik der traditionellen chinesischen Medizin. Die Methode arbeitet mit Druck, der auf bestimmte Punkte des Körpers ausgeübt wird, um die Energieflüsse zu harmonisieren und Heilungsprozesse zu fördern. Akupressur basiert auf der Idee, dass Energie (Qi) durch Meridiane im Körper fließt. Blockaden dieser Energie werden für Beschwerden wie Migräne verantwortlich gemacht.
Laut der traditionellen chinesischen Medizin gibt es 365 Akupressur-Punkte entlang der 12 Meridiane. Bestimmte Meridiane haben einen direkten Bezug zu Organen, wie beispielsweise Lunge, Dickdarm, Herz, Milz, Leber oder Nieren.
Wie wirkt Akupressur?
Das Drücken bestimmter Akupressur-Punkte soll die eigenen Selbstheilungskräfte aktivieren, Energie-Blockaden lösen und so die natürliche Balance im körperlichen Organismus wieder herstellen. Auf biochemischer Ebene wird angenommen, dass Akupunktur die Ausschüttung von Endorphinen, den körpereigenen Schmerzmitteln, stimuliert.
Akupressur bei Migräne: Wirksamkeit
Die Wirksamkeit von Akupunktur bei Migräne wurde in mehreren klinischen Studien untersucht. Studien geben Hinweise, dass Akupunktur helfen kann, Migräneanfällen vorzubeugen und/oder deren Intensität abzuschwächen. Das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors bewertet diese IGeL deshalb mit „tendenziell positiv“. Der medizinische Nutzen der Akupunktur, insbesondere im Kontext von Kopfschmerzen, wurde in den letzten Jahrzehnten intensiv erforscht. In einer groß angelegten Studie, die im „Journal of the American Medical Association“ veröffentlicht wurde, zeigte sich, dass Akupunktur eine signifikant wirksame Ergänzung zur Standardbehandlung mit Schmerzmitteln und prophylaktischen Medikamenten war.
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Eine Arbeitsgruppe aus China hat jetzt eine prospektiv-randomisierte Studie vorgelegt, in der die Akupunktur als Präventivum bei Patienten mit Migräne ohne Aura getestet wurde. Die Nadelung erfolgte an 4 Punkten, bis das charakteristische De-Qi-Gefühl ausgelöst wurde, ein dumpfes Ziehen, einer elektrischen Reizung ähnlich. Die Scheinbehandlung erfolgte an 4 nicht als Akupunkturstellen bekannten Punkten. Primäres Studienziel war die Reduktion der Zahl der innerhalb von 16 Wochen auftretenden Migräneattacken. Diese nahmen bei den tatsächlich akupunktierten Patienten im Schnitt um 3,2 Attacken binnen 16 Wochen ab. In der Shamgruppe ging diese Zahl um 2,1 und in der Gruppe der Unbehandelten um 1,4 zurück. Die durchschnittliche Zahl der Tage mit Migräne innerhalb eines 4-wöchigen Zeitraumes sank bei den akupunktierten Patienten von 5,9 bei Baseline auf 2,4 während der Therapiephase.
Es gilt als wissenschaftlich gesichert, dass Akupunktur einen Nutzen in der Prophylaxe der episodischen Migräne bringt. Dieser Erfolg stellt sich auch dann ein, wenn Migräne-Patienten gar nicht mit der traditionellen chinesischen Akupunktur behandelt werden, sondern mit einer Scheinakupunktur. Ob die Akupunktur auch bei chronischer Migräne hilft, ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht. Auch gibt es Hinweise darauf, dass die Akupunktur nur Menschen hilft, die ihr grundsätzlich positiv gegenüberstehen.
Anwendung von Akupressur
Vor Aufnahme einer Akupunkturbehandlung ist es sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen und die Eignung zu besprechen. Eine Akupunktursitzung beginnt typischerweise mit einer gründlichen Anamnese, bei der der Therapeut Fragen zum allgemeinen Gesundheitszustand, Lebensstil und spezifischen Symptomen stellt. Die Nadeln, die in der Akupunktur verwendet werden, sind sehr dünn und Sie werden diese in der Regel kaum spüren. Die Nadeln bleiben für 20 bis 30 Minuten im Körper. Die Häufigkeit und Anzahl der Behandlungen variieren je nach Beschwerdebild. In der Anfangsphase sind häufig 1-2 Sitzungen pro Woche empfehlenswert. Im Schnitt sind 15 Behandlungen notwendig. Mit fortschreitender Besserung kann die Frequenz reduziert werden. Es kann sein, dass Sie nach einer initialen Serie von Behandlungen regelmäßige Auffrischungssitzungen benötigen, um die Ergebnisse aufrecht zu erhalten.
Akupressur-Punkte bei Migräne
Welche Akupunkturpunkte bei Migräne gewählt werden, ist unterschiedlich. Der Therapeut macht sich im Idealfall erst einmal ein genaues Bild der Erkrankung. Er prüft dabei, an welchen Energiebahnen seines Patienten er Blockaden erkennen kann und setzt dementsprechend die Nadeln an verschiedene Punkte. Häufig sind beispielsweise die Gallen- oder Leberleitbahnen betroffen.
Hier sind einige Übungen zum Ausprobieren:
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Kopfschmerzen und Migräne: Der Punkt für Kopfschmerzen oder Migräne befindet sich am unteren Hinterkopf, wo der Schädelknochen endet. Suchen Sie aus der Mitte des Nackens mit den Fingern in Richtung Ohr entlang nach einem vertieften Punkt. Drücken Sie diese Stelle nun für ein bis drei Minuten, am besten auf beiden Seiten gleichzeitig.
Kopfschmerzen und Migräne: Ein weiterer Punkt, der Kopfschmerzen und Migräne zugeordnet ist, liegt auf dem Handrücken in der Wulst zwischen Zeigefinger und Daumen. Üben Sie sanften Druck für zwei Minuten auf die betroffene Stelle aus, bis die Kopfschmerzen nachlassen. Anschließend wechseln Sie die Seite.
Akupressur-Helfer
Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die die Akupressur-Anwendung erleichtern und effektiver gestalten. Auch der Einsatz von speziellen Akupressur-Massagegeräten kann eine gute Alternative sein.
- Akupressur-Matte: Diese Matte ist mit etwa 4.000 bis 6.000 leichten Kunststoffspitzen bedeckt, die bei Kontakt mit der Haut viele Akupressur-Punkte gleichzeitig stimulieren. Sie kann zur Entspannung, Schmerzlinderung und Stressreduktion verwendet werden.
- Igelball: Der Igelball ist ein kleiner, stacheliger Ball, der ideal für die Selbstmassage und Stimulation von Akupressur-Punkten an Händen, Füßen und anderen Körperbereichen geeignet ist. Der kleine Helfer regt die Durchblutung und den Kreislauf an, aktiviert das Lymphsystem und hilft bei Stress und Anspannung.
- Nadel-Roller: Der Nadel-Roller ist geeignet für die Massage der Beine oder zur gezielten Narbenbehandlung. Er verbessert die Durchblutung, Sauerstoff- und Nährstoffversorgung, lindert Schmerzen und regt die Kollagenproduktion an.
- Fingerringe und Akupressur-Band: Fingerringe kommen zur Linderung von Arthrose-Schmerzen in den Fingern, aber auch zur Narbenbehandlung nach Operationen an der Hand oder Kapselverletzungen zum Einsatz. Das Akupressur-Band soll bei Schwangerschafts- oder Reiseübelkeit Abhilfe schaffen. Das Hilfsmittel ersetzt die Druckmassage und kann zu jeder Zeit getragen werden.
- Massageknauf: Die kleinen Gebilde aus Hartplastik, Holz, Edelstahl oder Glas sind mit Knubbeln oder abgerundeten Spitzen versehen und ermöglichen so eine gezielte Druckausübung. Das Hilfsmittel reduziert Stress, lindert Schmerzen und verbessert die Durchblutung.
- Akupressur-Stifte: Diese Stifte haben abgerundete Spitzen und können präzise auf einzelne Akupressur-Punkte angewendet werden. Die gezielte Stimulation spezifischer Akupressur-Punkte hilft Schmerzen zu lindern und trägt zur Stressreduktion bei.
Alternativen zu Akupressur
Neben Akupunktur und Akupressur gibt es noch andere Möglichkeiten, Migräne zu behandeln und vorzubeugen. So können bei Migräne Akupressur, verschiedene Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training helfen, Spannungszustände im Körper zu lindern, die Migräne und andere Kopfschmerzen begünstigen können. Eine regelmäßige sportliche Betätigung fördert Durchblutung und Stressabbau. Nicht zuletzt sorgt ausreichender und vor allem regelmäßiger Schlaf für die nötige Regeneration. Wichtig ist es auch, die Triggerfaktoren zu kennen, die Migräne oder Spannungskopfschmerzen auslösen. Häufig sind es Schlafmangel, Stress, Verspannungen evtl.
Auch eine ausreichende Versorgung mit lebensnotwendigen Mikronährstoffen kann vorbeugend wirken. Bei Migränepatienten hat sich herausgestellt, dass sie oft niedrige Werte von Vitamin B2, (Riboflavin), Coenzym Q10 und Magnesium haben, die sehr wichtig für den Energiestoffwechsel im Gehirn sind. Kapseln, die ausreichend hoch dosiert sind, haben sich in der Prophylaxe der Migräne als hilfreich erwiesen, sollten aber über längere Zeit eingenommen werden.
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Insbesondere als Akuttherapie hat eine ärztlich begleitete Schmerzmedikation schon vielen Patienten Erleichterung verschafft. Verschiedene Wirkstoffgruppen stehen rezeptfrei zur Verfügung, wie z.B. Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure und Paracetamol. Diese sind teilweise auch mit einander kombiniert, manche Präparate enthalten ergänzend Coffein. Bei Migräne ist zusätzlich die Einnahme von Triptanen eine Möglichkeit, wobei manche Wirkstoffe in geringer Menge auch ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sind.
Neben Akupunktur hat sich die Heilpflanze Mutterkraut als natürliche Unterstützung zur Migräneprophylaxe bewährt. Der enthaltene Wirkstoff Parthenolid hilft, die Gefäßerweiterung im Gehirn zu hemmen, die oft Migräneanfälle auslöst. Für optimale Ergebnisse bietet sich die Einnahme von Mutterkraut in Tablettenform an, da diese eine standardisierte Dosierung gewährleisten und einfach in den Alltag integriert werden können.
Vor- und Nachteile der Akupunktur im Vergleich zu Medikamenten
Akupunktur kann eine wirksame Möglichkeit sein, Migräne vorzubeugen. Vorteil ist, dass du nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen brauchst. Wenn die Behandlung nicht anschlägt, kannst du einfach etwas anderes probieren. Der Nachteil der Akupunktur besteht darin, dass sie nicht bei jedem Patienten anschlägt. Zudem bezweifeln einige Experten, dass sie wirklich einen Effekt hat. Beispielsweise unterstellen sie den Studien, dass die Teilnehmer schon im Vorfeld von der Methode überzeugt waren und daher eine vorurteilsfreie Bewertung kaum möglich war. Ein weiteres Manko der Akupunktur: Im Akutfall, also während einer Migräne-Attacke, kann sie nicht helfen.
Eine medikamentöse Prophylaxe birgt hingegen immer das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen, da Patienten über einen längeren Zeitraum Arzneimittel einnehmen müssen. Auch kann sie bei manchen wirkungslos bleiben.
Kosten und Dauer der Akupunktur bei Migräne
Akupunktur gegen Migräne oder spannungsbedingte Kopfschmerzen wird derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Dies liegt unter anderem daran, dass die Wirksamkeit der Akupunktur gegenüber einer Nichtbehandlung zwar nachgewiesen, gegenüber einer Scheinakupunktur jedoch nicht bestätigt ist. Personen mit Migräne müssen die Kosten je Sitzung von 30 bis 70 Euro also in der Regel selbst bezahlen.
Bei der Akupunktur der Migräne wird üblicherweise zwei Mal pro Woche für 20 bis 30 Minuten therapiert. Im Durchschnitt stellen sich die ersten Erfolge nach circa sieben bis acht Sitzungen ein. Sollten nach einem Behandlungszyklus kaum Verbesserungen eingetreten sein, kann ein weiterer Zyklus folgen. Bei erfolgreicher Akupunktur empfehlen Therapeuten, nach einigen Monaten mit wenigen Sitzungen aufzufrischen.
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