Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die neben den klassischen motorischen Symptomen häufig auch kognitive Beeinträchtigungen und neuropsychiatrische Symptome wie Unruhe, Angst und Depression verursacht. Wenn diese kognitiven Defizite so schwerwiegend sind, dass sie das unabhängige Leben des Betroffenen beeinträchtigen, spricht man von einer Parkinson-Demenz.
Einführung
Die Parkinson-Demenz stellt eine erhebliche Belastung für die Betroffenen, ihre Angehörigen und das Gesundheitssystem dar. Die Symptome können vielfältig sein und reichen von Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen bis hin zu Gedächtnisproblemen, Persönlichkeitsveränderungen und psychomotorischer Unruhe. Insbesondere nächtliche Unruhe kann für Angehörige sehr belastend sein und nicht selten zu einer Heimeinweisung führen.
Symptome der Parkinson-Demenz
Es gibt keine Demenzsymptome, die spezifisch für die Parkinson-Demenz sind. Allerdings sind bestimmte Merkmale typisch und können in Verbindung mit einer bestehenden Parkinson-Diagnose auf eine Parkinson-Demenz hindeuten:
- Aufmerksamkeits- und Konzentrationsverlust: Betroffene haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und Aufgaben zielgerichtet zu erledigen.
- Beeinträchtigung der Exekutivfunktionen: Probleme beim Planen und Ausführen von Handlungen sowie beim Treffen von Entscheidungen.
- Räumliche Orientierung: Schwierigkeiten, sich im Raum zurechtzufinden.
- Psychische Auffälligkeiten: Verringerter Antrieb, Motivations- und Interessenverlust.
- Gedächtnisschwierigkeiten: Im späteren Verlauf der Erkrankung kann auch das Lang- und Kurzzeitgedächtnis nachlassen.
- Verlangsamte Informationsverarbeitung: Menschen mit Parkinson-Demenz verarbeiten Informationen oft langsamer.
- Persönlichkeitsveränderungen: Es kann zu Veränderungen im Verhalten und der Persönlichkeit kommen.
Es ist wichtig zu beachten, dass einige dieser Symptome mit einer depressiven Phase verwechselt werden können. Im Unterschied zu einem Delir entwickelt sich die Parkinson-Demenz schleichend über Monate bis Jahre.
Ursachen und Risikofaktoren
Bei der Parkinson-Krankheit kommt es zu einem Abbau von Nervenzellen in einer bestimmten Region im Mittelhirn, der Substantia nigra. Diese Zellen sind für die Produktion von Dopamin zuständig, einem Botenstoff, der unter anderem unsere körperlichen Bewegungen steuert. Ein Dopaminmangel führt zu den typischen motorischen Symptomen der Parkinson-Krankheit.
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Im weiteren Verlauf der Krankheit sterben aber auch Nervenzellen ab, die das Acetylcholin regulieren. Dies führt zu einem Acetylcholinmangel, der unter anderem kognitive Störungen begünstigen kann. Auch Stress, Medikamente oder Depressionen können zu diesen Veränderungen beitragen.
Die genauen Ursachen und Zusammenhänge für das Absterben der Nervenzellen sind noch nicht vollständig geklärt. Eine entscheidende Rolle scheint ein Protein namens Alpha-Synuclein zu spielen. Es verklumpt sich in den Nervenzellen zu kleinen Ablagerungen, den Lewy-Körperchen.
Das Risiko für eine Parkinson-Demenz steigt vor allem mit dem Alter. In der Altersgruppe der Menschen über 75 entwickelt ungefähr jeder zweite Mensch mit Parkinson zusätzlich eine Demenz. Außerdem wird vermutet, dass ein genetischer Faktor, die sogenannte GBA1-Mutation, eine Rolle spielt. Diese könnte sowohl das Risiko für Parkinson als auch für eine Parkinson-Demenz erhöhen.
Parkinson-Demenz und Lewy-Körperchen-Demenz
Die Lewy-Körperchen-Demenz ähnelt der Parkinson-Demenz in einigen Punkten. Beide Krankheiten führen zu Problemen beim Denken und bei der Bewegung. Es gibt jedoch zwei wichtige Unterschiede:
- Bei der Parkinson-Demenz sammeln sich schädliche Proteine vor allem in der Substantia nigra, während sie sich bei der Lewy-Körperchen-Demenz hauptsächlich in der Großhirnrinde befinden.
- Die Reihenfolge der Beschwerden ist unterschiedlich: Bei der Lewy-Körperchen-Demenz treten die Probleme mit dem Denken oft zuerst oder gleichzeitig mit den Bewegungsstörungen auf. Bei der Parkinson-Demenz entwickelt sich die Demenz im Verlauf der Parkinson-Erkrankung.
Diagnose
Die Diagnose der Parkinson-Demenz basiert auf einer umfassenden Untersuchung, die Folgendes umfasst:
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- Neurologische Untersuchung: Beurteilung der motorischen und kognitiven Funktionen.
- Neuropsychologische Tests: Überprüfung der geistigen Fähigkeiten, wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache und Exekutivfunktionen. Ein speziell für Menschen mit Parkinson entwickelter Test ist der PANDA-Test (Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment).
- Bildgebende Verfahren: MRT-Untersuchungen können zeigen, ob Teile des Gehirns geschrumpft sind.
- Ausschluss anderer Ursachen: Es ist wichtig, andere mögliche Ursachen für die kognitiven Beeinträchtigungen auszuschließen, wie z.B. Depressionen, Medikamentennebenwirkungen oder andere neurologische Erkrankungen.
Behandlung
Die Behandlung der Parkinson-Demenz zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu verbessern. Die Behandlung umfasst in der Regel eine Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien.
Medikamentöse Therapie
- Medikamente zur Behandlung der Parkinson-Symptome: Diese Medikamente zielen darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und die motorischen Defizite abzumildern. Dazu kommen Medikamente zum Einsatz, die den Dopaminmangel wieder ausgleichen, wie zum Beispiel Levodopa (in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer).
- Cholinesterase-Inhibitoren: Rivastigmin ist ein Cholinesterase-Inhibitor, der für die symptomatische Behandlung der leichten bis mittelschweren Demenz bei Parkinson-Patienten zugelassen ist. Er kann die kognitiven Funktionen verbessern, hat aber auch Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Tremor.
- Weitere Medikamente: Je nach den spezifischen Symptomen können weitere Medikamente eingesetzt werden, z.B. Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen oder Antipsychotika zur Behandlung von psychotischen Symptomen.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Kognitive Therapie: Unterstützung der Erkrankten, ihre bestehenden kognitiven Fähigkeiten und Alltagskompetenzen möglichst lange zu erhalten.
- Physiotherapie: Zur Linderung der motorischen Symptome der Parkinson-Erkrankung wird möglichst viel körperliche Aktivität empfohlen.
- Ergotherapie: Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagsaktivitäten und der Anpassung der Wohnumgebung.
- Logopädie: Behandlung von Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen.
- Psychotherapie: Unterstützung bei der Bewältigung von psychischen Problemen wie Angst, Depression und sozialer Isolation.
- Lichttherapie und Melatonin: Bei nächtlicher Unruhe können Lichttherapie und Melatonin helfen, den Tag-Nacht-Rhythmus wieder ins Lot zu bringen.
- Unterstützung der Angehörigen: Angehörige spielen eine wichtige Rolle bei der Betreuung von Menschen mit Parkinson-Demenz. Sie benötigen Informationen, Beratung und Unterstützung, um mit den Herausforderungen der Erkrankung umgehen zu können.
Delir bei Parkinson-Demenz
Ein Delir ist ein akuter Verwirrtheitszustand, der häufig bei Menschen mit Parkinson-Demenz auftritt. Es ist wichtig, ein Delir frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, da es zu schweren Komplikationen führen kann.
Risikofaktoren für ein Delir bei Parkinson-Patienten:
- Höheres Lebensalter
- Kognitive Störungen bzw. Demenz
- Polypharmazie (insbesondere Psychopharmaka)
- Elektrolytstörungen
- Sensorische Störungen (Seh- bzw. Hörverlust)
- Infektionen
- Metabolische Störungen
- Schmerzen
- Operative Eingriffe
- Längere Krankenhausaufenthalte
Prävention und Behandlung des Delirs:
- Nichtmedikamentöse Maßnahmen: Reorientierungsmaßnahmen, Einhaltung des Tag-Nacht-Rhythmus, Benutzung von Hilfsmitteln, frühzeitige Mobilisierung, ausreichende Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr, ruhige Umgebung, Vermeidung von Kathetern und Zugängen.
- Medikamentöse Therapie: Behandlung potenziell ein Delir verursachender Faktoren, wie akute Infektionen, Schmerzen oder metabolische Störungen. Kritische Überprüfung der bestehenden Medikation und Absetzen prodelirogener Medikamente, insbesondere Anticholinergika. In einigen Fällen kann eine symptomatische medikamentöse Behandlung des Delirs erforderlich sein. Neuroleptika sollten bei IPS-Patienten aufgrund ihrer antidopaminergen Eigenschaften nicht angewandt werden. Clozapin und Quetiapin können in niedriger Dosierung eingesetzt werden.
Schlafstörungen bei Parkinson
Schlafstörungen sind ein häufiges Problem bei Parkinson-Patienten. Sie können durch die Parkinson-Symptome selbst, aber auch durch Medikamente verursacht werden. Schlafprobleme können zu einer Verschlechterung der Parkinson-Symptome und zu neuen Problemen wie Müdigkeit, Stimmungsschwankungen oder Konzentrationsstörungen führen.
Ursachen von Schlafstörungen bei Parkinson:
- Motorische Symptome: Steifigkeit, Zittern und Unruhe in den Beinen und Armen können den Schlaf stören.
- Nicht-motorische Symptome: Depressionen, Angstzustände und Nykturie (nächtliches Wasserlassen) können ebenfalls zu Schlafstörungen führen.
- Medikamente: Einige Parkinson-Medikamente können Schlafstörungen verursachen.
Behandlung von Schlafstörungen bei Parkinson:
- Anpassung der Parkinson-Medikamente: In einigen Fällen kann eine Anpassung der Parkinson-Medikamente vor dem Schlafengehen sinnvoll sein. Es gibt speziell für die Nachtstunden entwickelte Medikamente mit verzögerter Wirkung.
- Schlafhygiene: Regelmäßige Schlafzeiten, eine entspannende Schlafumgebung und der Verzicht auf Koffein und Alkohol vor dem Schlafengehen können den Schlaf verbessern.
- Medikamente: In einigen Fällen können Schlafmittel erforderlich sein, um den Schlaf zu verbessern.
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