DSA-Untersuchung des Gehirns: Ablauf, Anwendung und Bedeutung

Die digitale Subtraktionsangiographie (DSA) ist ein fortschrittliches Röntgenverfahren, das eine detaillierte Darstellung der Blutgefäße ermöglicht. Sie gilt als Goldstandard in der Gefäßdiagnostik und ist bei der Erkennung und Behandlung verschiedener Erkrankungen unerlässlich. Dieser Artikel beleuchtet den Ablauf einer DSA-Untersuchung des Gehirns, ihre Anwendungsbereiche und die damit verbundenen Aspekte.

Was ist Digitale Subtraktionsangiographie (DSA)?

Bei der digitalen Subtraktionsangiographie (DSA) handelt es sich um ein Röntgenverfahren, bei welchem ausschließlich die Blutgefäße dargestellt werden. Die DSA ist die beste Methode zur Darstellung von Gefäßen im Körper und zur Diagnostik vieler Erkrankungen unumgänglich. Bei der DSA wird jodhaltiges Kontrastmittel unmittelbar in eine Arterie oder Vene gespritzt, in der Neuroradiologie in der Regel im Kopf-Halsbereich oder Wirbelsäule/Rückenmark. Um die hirnversorgenden Gefäße zu erreichen, wird ein Kunststoffschlauch (Katheter) von der Leiste oder über den Arm bis zu den Halsschlagadern geführt.

Ablauf einer DSA-Untersuchung des Gehirns

Eine DSA wird im Wachzustand durchgeführt. Der Untersucher hat Blickkontakt zum Patienten/Patientin und kann während der Untersuchung mit den Patientinnen und Patienten sprechen. Zunächst wird eine lokale Betäubung über eine kleine Nadel an die gewünschte Punktionsstelle gespritzt (Leiste, Oberarm oder auch Handgelenk). Anschließend wird das gewünschte Gefäß mit einer Nadel punktiert und eine dünne Kunststofftülle (Schleuse) in das Gefäß eingebracht, über welche im Folgenden der Katheter eingeführt werden kann. Den Katheter im Gefäß spürt man nicht, wenn Kontrastmittel gespritzt wird können Hitzegefühl, Harndrang, Lichtblitze und Schwindel auftreten. Alle diese Nebenwirkungen verschwinden in der Regel nach kürzester Zeit wieder. Die Untersuchung dauert üblicherweise zwischen 20-30 Minuten. Nach Beendigung der Untersuchung wird ein Druckverband angelegt und es muss Bettruhe gehalten werden, damit es nicht zu einer Nachblutung kommt.

Vorbereitung auf die Untersuchung

Die Angiographie wird zumeist ambulant durchgeführt. Als Patient oder Patientin müssen Sie mindestens vier Stunden vor der Untersuchung nüchtern bleiben. Das heisst sie dürfen keine feste Nahrung und nur wenig und nur klare Flüssigkeiten zu sich nehmen.

Wenn Sie von einem mit uns kooperierenden Gefäßchirurgen überwiesen werden, erhalten Sie in der Regel bereits dort eine Aufklärungsbogen für die Untersuchung. Ansonsten besteht die Möglichkeit diesen Bogen auf dieser Internetseite herunterzuladen (siehe oben). Wir bitten Sie diesen Bogen gründlich zu lesen und die Fragen zu beantworten. Zusätzlich sollte vor der Untersuchung ein persönliches Aufklärungsgespräch durchgeführt werden um noch offene Fragen und mögliche Gefahren und Risiken abzuklären. Auch können Alternativen besprochen werden. Um mögliche Risiken erkennen zu können, sollten Sie aktuelle Blutwerte mitbringen (Quick, PTT, Kreatinin und TSH basal) um Störungen der Blutgerinnung, der Nieren- und Schilddrüsenfunktion auszuschließen oder ggf. entsprechende vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Vor der Untersuchung dürfen Sie ganz normal frühstücken, trinken und mit wenigen Ausnahmen ihre Medikamente einnehmen.

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Der Untersuchungsablauf im Detail

Die Untersuchung erfolgt in einem speziell ausgestatteten Angiographie-Raum unter sterilen Bedingungen. Dabei wird unter örtlicher Betäubung ein dünner Katheter über die Leistenarterie (oder alternativ die Armarterie) eingeführt und bis zum zu untersuchenden Gefäßsystem vorgeschoben. Anschließend wird ein Kontrastmittel verabreicht und es werden hochauflösende Röntgenbilder in Serie aufgenommen. Durch ein digitales Verfahren werden alle nicht gefäßführenden Strukturen aus dem Bild „subtrahiert“ - so bleiben ausschließlich die Blutgefäße kontrastreich und scharf sichtbar. Die Kontrastmittelgabe spüren Sie durch ein Wärmegefühl im Kopf, oft auch durch Blitze hinter den Augen oder ein kurzzeitiges Schwindelgefühl.

Nach der Untersuchung

Am Ende der Untersuchung werden Katheter und Einführhülse an der Leiste entfernt, die Punktionsstelle komprimiert und anschließend dort ein Druckverband angelegt. Nach der Untersuchung müssen Sie in der Klinik für sechs Stunden mit dem Verband strenge Bettruhe einhalten, um eine Nachblutung zu vermeiden. Die Untersuchung dauert in der Regel 30 bis 60 Minuten, anschließend bleiben Sie zur kurzen Überwachung noch für einige Stunden in unserer Klinik.

Nach dem Eingriff sollten Sie für einige Stunden liegen, um Nachblutungen an der Punktionsstelle zu vermeiden. Sie erhalten von uns alle wichtigen Hinweise zur Nachsorge und zum weiteren Vorgehen. Die Auswertung erfolgt unmittelbar nach der Untersuchung, in dringenden Fällen auch sofort im Anschluss.

Nach der digitalen Subtraktionsangiographie sollten Sie einige wichtige Punkte beachten:

  • Sie dürfen am Untersuchungstag nicht selbst Auto fahren. Lassen Sie sich bitte abholen oder nutzen Sie ein Taxi. Idealerweise sollten Sie von einer Begleitperson nach Hause gebracht werden.
  • Schonen Sie sich am Tag der Untersuchung. Vermeiden Sie körperliche Anstrengung, langes Gehen oder Heben schwerer Gegenstände.
  • Nach dem Eingriff erhalten Sie einen Druckverband an der Punktionsstelle (meist in der Leiste), der in der Regel bis zum Folgetag getragen wird.
  • Der Druckverband kann selbstständig entfernt werden, da er mit einem einfachen Klettverschluss fixiert ist.

Anwendungsbereiche der DSA

Die Angiografie ist ein bildgebendes Verfahren, welches hauptsächlich zur Untersuchung von Gefäßen eingesetzt wird. Neben der reinen Darstellung der Blutgefäße ist auch eine minimalinvasive Behandlung krankhafter Gefäßveränderungen möglich. So lassen sich z.B. Gefäßengstellen (Stenosen) mittels Ballon-s und Stents wieder erweitern und offenhalten, um Schlaganfälle zu verhindern. Bei akuten Schlaganfällen können die verschlossenen Blutgefäße im Gehirn mechanisch wiedereröffnet werden, indem das verschließende Blutgerinnsel abgesaugt wird (Aspiration) oder mittels Stentretriever entfernt wird. Auch ein Aneurysma der Gehirnarterien ist in vielen Fällen endovaskulär minimalinvasiv behandelbar. Hierfür gibt es vielfältige Optionen wie z.B. der Einsatz von Platinspiralen (sog.

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Dabei ist die DSA oft nicht der erste aber ein essentieller Schritt bei der Untersuchung von vaskulären Erkrankungen.

Behandlungsmethoden im Rahmen der DSA

Welche Behandlungsmethoden können vorgenommen werden?

  1. Aufdehnen von Engstellen mittels Ballonkathetern (PTA= percutane transluminale Angioplastie) und falls erforderlich Einbringen von Gefäßstützen (Stents), wenn die alleinige Ballondilatation die Stenose nicht beseitigen kann. An welchen Gefäßen können diese Interventionen durchgeführt werden? Bauchhauptschlagader (Aorta)Becken-Bein-Arterien einschließlich der Unterschenkelgefäße•Halsarterien (Carotiden) und intrakranielle HirngefäßeNierenarterienArmarteriengroße Darmarterien
  2. Lokale Lyse über einen Katheter, um gezielt thrombotische Verschlüsse mit Medikamenten aufzulösen. Alternativ können heute mechanische Entfernungen mit Absaugtechniken, oder Entfernen mit Fangkörbchen und Reusen durchgeführt werden. Auch können alte Gefäßverschlüsse ausgeschält werden. Siehe auch neue Behandlungsmethoden.
  3. Stillung von Blutungen bei Tumoren, ausgedehnten entzündlichen Veränderungen oder bei Gefäßverletzungen. Die verwendeten Materialien sind kleine Partikel (Acrylpolymere), kleine Platinspiralen, Plugs (Okkluder), Flüssigkleber und moderne Embolisate, wie Onyx.
  4. Verschließen von Kurzschlussverbindungen (AV-Fisteln) mit Platinspiralen, speziellen Okkludern, Stentgraft (ummantelte Stents) oder Flüssigembolisate.
  5. Transarterielle Chemoembolisation von Lebertumoren (TACE). Hier wird das Chemotherapeutikum über einen dünnen Katheter direkt in den Tumor gegeben und die Tumorgefäße anschließend verschlossen. Hierdurch lässt sich die Menge des Chemotherapeutikums deutlich reduzieren mit konsekutiv geringerer Nebenwirkungsrate, bei gleichzeitig deutlich stärkerer Wirkung im Tumor. Bei Gabe über eine Armvene sind wesentlich größere Mengen erforderlich.
  6. Verschluss (Embolisation) von Gefäßmissbildungen (Gefäßmalformationene) in allen Körperabschnitten mit Klebern, speziellen Embolisaten, Partikeln und Spiralen
  7. Aufdehnen von Verengungen in Dialyseshunts mittels Ballonkathetern.
  8. Verschluss von inneren Venennbei pelvinem venösen Kongestionssyndrom
  9. Behandlung von Verletzungen der großen Gefäße oder von Aneurysmen der Aorta und der Beckengefäße mit Stentgraft, ggf. mit Seitenärmchen oder fenestrierte Prothesen (EVAR, FEVAR, Side branch).
  10. Es werden ferner zahlreiche Spezialverfahren und neue Behandlungsmethoden einschließlich venöser Interventionen sowie spezielle Behandlungsmethoden im Kopf-/Halsbereich und im Wirbelsäulenbereich (sog. die Abklärung bei Verdacht auf eine zerebrale oder spinale Gefässerkrankung (z.B.

Vorteile der biplanaren Angiographieanlage

Unsere biplanare Angiografieanlage kann zwei Röntgenbilder in unterschiedlichen Richtungen simultan aufnehmen, wodurch die Untersuchung beschleunigt wird und Kontrastmittel und Röntgendosis gespart werden kann. Zudem bekommt der Untersucher hierdurch einen besseren anatomischen Überblick über die Hirngefäße. Um optimale hygienische Voraussetzungen zu haben ist dieses Angiografiegerät im OP-Bereich angesiedelt.

Expertise und interdisziplinäre Zusammenarbeit

Unsere Klinik ist eine international renommierte Institution die bekannt ist im Gebiet der Diagnostik und der minimal-invasiven, bildgesteuerten Behandlung. An der Klinik für Neuroradiologie nutzen wir die modernsten interventionellen Methoden, die fortschrittlichsten Materialien und Instrumente und die neusten bildgebenden Verfahren. In wöchentlichen interdisziplinären Konferenzen mit Experten und Expertinnen aus der Neurochirurgie, der Neurologie und der Neuroradiologe erarbeiten wir für jeden Fall ein individuelles Therapiekonzept, welches wir dann mit unseren Patienten und Patientinnen besprechen.

Risiken und Komplikationen

Die Angiographie ist ein von uns häufig durchgeführtes Routineverfahren, bei dem in den allermeisten Fällen keine Komplikationen auftreten. Sie ist jedoch ein invasives Verfahren und somit nicht frei von Risiken. In durchschnittlich 0,3% der Untersuchungen muß mit einem Schlaganfall durch Bildung von Blutgerinnseln gerechnet werden, was zum Beispiel Sprachstörungen oder Lähmungen, eventuell auch dauerhaft, zur Folge haben kann.

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Wichtige Hinweise

Das Angiografie-Kontrastmittel ist jodhaltig und wird über die Nieren ausgeschieden, weshalb die Nierenfunktion ausreichend gut sein sollte. Da die Schilddrüse Jod zum Schilddrüsenhormon verarbeitet, muss beim Vorliegen einer Schilddrüsenüberfunktion („heißer Knoten“) die Funktion der Schilddrüse zuvor medikamentös blockiert werden.

Wenn Sie Medikamente einnehmen, die die Blutgerinnung bzw.

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