Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Viele Betroffene suchen nach alternativen oder ergänzenden Behandlungsmethoden, um die Häufigkeit und Intensität ihrer Migräneattacken zu reduzieren. Akupunktur und Akupressur, beides traditionelle chinesische Heilverfahren, erfreuen sich dabei zunehmender Beliebtheit. Dieser Artikel beleuchtet die Grundlagen, Anwendung und Wirksamkeit dieser Methoden bei der Behandlung von Migräne.
Was ist Akupunktur?
Die Akupunktur ist eine etwa 4.000 Jahre alte Behandlungsmethode aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Ihr Grundprinzip basiert auf der Vorstellung, dass der Körper von Energiebahnen, sogenannten Meridianen (Jing Luo), durchzogen ist, durch die die Lebensenergie Qi fließt. Störungen dieses Energieflusses sollen zu Beschwerden und Krankheiten führen. Durch das Einstechen feiner Nadeln in spezifische Akupunkturpunkte entlang dieser Meridiane soll der gestörte Energiefluss normalisiert und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden.
Die klassische chinesische Akupunktur bei Migräne
Bei der klassischen chinesischen Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne werden Nadeln aus Stahl, Silber oder Gold senkrecht oder schräg in ausgewählte Akupunkturpunkte gesetzt. Der Akupunkteur kann die Nadeln anschließend drehen, senken oder anderweitig stimulieren, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Die Auswahl der Akupunkturpunkte erfolgt individuell nach einer genauen Diagnose, bei der der Therapeut Blockaden in den Energiebahnen des Patienten identifiziert. Häufig sind beispielsweise die Gallen- oder Leberleitbahnen betroffen. Die Stimulation dieser Punkte soll den Körper in einen harmonischen Zustand versetzen und das innere Gleichgewicht von Yin und Yang wiederherstellen.
Varianten der Akupunktur
Neben der traditionellen Nadelakupunktur gibt es verschiedene Abwandlungen der Methode:
- Wärme (Moxibustion): Hierbei wird die Akupunkturnadel mithilfe eines chinesischen Heilkrauts (Moxa), das zu einer Zigarre gepresst wurde, erwärmt.
- Strom (Elektroakupunktur): Der Therapeut verbindet die eingestochene Nadel mit einem Stimulationsgerät und reizt den Punkt mit geringer Stromstärke.
- Druck (Akupressur): Viele Akupunkteure bieten zusätzlich eine Massage der Akupunkturpunkte an, um die Energie zum Fließen zu bringen.
Sham-Akupunktur
Bei der sogenannten Sham-Akupunktur (Scheinakupunktur) werden die Nadeln nicht direkt auf die klassischen Akupunkturpunkte gesetzt und auch nicht so tief in die Haut gestochen. Stattdessen platziert der Therapeut die Nadeln an anderen Stellen. Studien haben gezeigt, dass auch die Sham-Akupunktur eine gewisse Wirksamkeit bei der Migräneprophylaxe aufweisen kann, was auf einen Placebo-Effekt hindeutet.
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Was ist Akupressur?
Die Akupressur ist ebenfalls ein Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und basiert auf denselben Prinzipien wie die Akupunktur. Anstatt Nadeln werden bei der Akupressur jedoch die Akupunkturpunkte durch Fingerdruck, Reiben, Pressen oder Massieren stimuliert. Auch hier geht es darum, den Fluss der Lebensenergie Qi in den Meridianen zu harmonisieren und Blockaden zu lösen.
Anwendung der Akupressur
Unsere Hände wandern oft instinktiv dorthin, wo der Schmerz ist. Dieses Prinzip ähnelt dem der Akupressur. Durch die Stimulation einer Vielzahl von Akupressur-Punkten, die vom Scheitel bis zur Sohle über den Körper verteilt sind, kann der Qi-Fluss angeregt oder gedämpft werden.
Akupressur kann vor allem bei leichten Beschwerden wie Verspannungen, Schluckauf, Bauch- und Kopfweh sowie allgemein Schmerzen aller Art Linderung verschaffen. Oftmals genügt es schon, wenn die Haut um einen Akupressurpunkt herum massiert wird. Wichtig zu wissen: Akupressur ist kein Ersatz für schulmedizinische Therapien schwerwiegender Erkrankungen. In einem solchen Fall solltest du Akupressur allenfalls begleitend und in Absprache mit deinem behandelnden Arzt oder deiner behandelnden Ärztin praktizieren.
Akupressurpunkte bei Kopfschmerzen
Es gibt verschiedene Akupressurpunkte, die bei Kopfschmerzen und Migräne hilfreich sein können:
- Handrücken: Lege den Daumen deiner rechten Hand auf die weiche Stelle auf dem Handrücken zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger deiner linken Hand. Drücke diese Stelle zehn Sekunden lang und lass dann für etwa zwei Sekunden locker. Diesen Rhythmus wiederholst du eine Minute lang, dann wechselst du die Seite.
- Brust: Um den Brustpunkt gegen Stress zu finden, brauchst du zunächst einmal die Stelle oberhalb deines Bauchnabels, wo die Knochen des Brustbeins zusammenlaufen. Der Brustpunkt befindet sich vier Finger breit darüber. Massiere ihn mit Zeige- und Mittelfinger bis zu fünf Minuten lang kräftig nach oben.
- Stirn: Massiere den Punkt zwischen deinen Augenbrauen mit dem rechten Mittelfinger mindestens fünf Minuten lang sanft nach unten.
- Fingerkuppen: Drücke mit dem Daumen der einen Hand nacheinander ganz leicht auf die vier Fingerkuppen der anderen Hand. Danach wechselst du die Seite.
- Handgelenk: Kopfschmerzen auf der linken Seite kannst du durch eine Akupressur des linken Handrückens lindern und umgekehrt. Den Punkt findest du, indem du den Daumen der einen Hand zwischen dem kleinen und dem Ringfinger der anderen Hand ansetzt und von dort aus bis zum Handgelenk fährst. An der Stelle, wo man gewöhnlich eine Armbanduhr trägt, ist ein Knöchel. Kurz davor befindet sich eine kleine Vertiefung - presse deinen Daumen fest auf diese Stelle.
- Unterschenkel: Der Punkt liegt eine Hand breit unterhalb der Kniescheibe und eine Daumenbreite nach außen neben der Schienbeinkante.
Akupunktur und Akupressur bei Migräne: Was sagt die Wissenschaft?
Viele Betroffene schwören zur Vorbeugung von Migräne-Attacken auf die Heilkraft der Akupunktur. Tatsächlich nimmt die Migräne-Häufigkeit auch nach wissenschaftlichen Erkenntnissen oft in der ersten Zeit nach einer Akupunkturbehandlung ab. Allerdings ist eine Scheinakupunktur (manche Mediziner sprechen auch von einer Placebo-Behandlung) genauso wirksam. Im Klartext: Es gilt als wissenschaftlich gesichert, dass Akupunktur einen Nutzen in der Prophylaxe der episodischen Migräne bringt. Dieser Erfolg stellt sich auch dann ein, wenn Migräne-Patienten gar nicht mit der traditionellen chinesischen Akupunktur behandelt werden, sondern mit einer Scheinakupunktur. Ob die Akupunktur auch bei chronischer Migräne hilft, ist wissenschaftlich noch nicht ausreichend untersucht. Auch gibt es Hinweise darauf, dass die Akupunktur nur Menschen hilft, die ihr grundsätzlich positiv gegenüberstehen.
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Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) weist auf widersprüchliche Ergebnisse aus Studien zur Wirksamkeit der Akupunktur verglichen mit einer Scheinakupunktur hin. Insgesamt wird die Wirksamkeit einer Akupunktur als „moderat“ eingestuft. Eine Leitlinie stammt von der britischen Gesundheitsbehörde National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Sie sagt, dass Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne in Betracht gezogen werden kann, wenn Medikamente nicht wirken oder die Einnahme von Medikamenten nicht geeignet oder von den Patientinnen oder Patienten nicht gewünscht ist.
Studienergebnisse im Detail
Eine Analyse der internationalen Forschungsergebnisse durch das wissenschaftliche Team des IGeL-Monitors kam zu folgenden Ergebnissen:
- Verglichen mit einer vorbeugenden Medikamentengabe waren die Ergebnisse der Akupunktur hinsichtlich „Häufigkeit von Kopfschmerzen“, „Anzahl an Migräneanfällen“, „Anzahl an Tagen mit Migräne“ und „Einnahme zusätzlicher Schmerzmittel“ gleichwertig. In Bezug auf „Stärke der Kopfschmerzen“ und „Ansprechen auf die Behandlung“ war die Akupunktur besser als eine vorbeugende Medikamentengabe.
- Bei dem Vergleich der Akupunktur mit einer Scheinakupunktur wurden fast keine Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen gefunden. Lediglich in Bezug auf „Ansprechen auf die Behandlung“ zeigten sich Vorteile der Akupunktur gegenüber einer Scheinakupunktur. Grund dafür können Placebo-Effekte sein.
- Im Vergleich zu keiner vorbeugenden Behandlung schnitt die Akupunktur bei fast allen Endpunkten besser ab.
Nutzen und Schaden
Die Studien liefern folgende Ergebnisse in Bezug auf Nutzen und Schaden der Akupunktur bei Migräne:
- Nutzen: Eine Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne wäre nützlich, wenn sie zu weniger Migräneanfällen, zu einer Linderung der Beschwerden oder zu einer Verbesserung der Lebensqualität führen würde. Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die Akupunktur tatsächlich zu einer Reduktion der Migränefrequenz und -intensität beitragen kann.
- Schaden: Eine Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne wäre schädlich, wenn durch die Behandlung Nebenwirkungen auftreten würden oder die Lebensqualität beeinträchtigt würde. Die Studien zeigen, dass die Akupunktur im Allgemeinen gut verträglich ist und nur selten Nebenwirkungen verursacht. Im Vergleich zu einer medikamentösen Migräne-Vorbeugung berichteten die Patientinnen und Patienten, die mit Akupunktur behandelt wurden, von weniger Nebenwirkungen.
Bewertung
Der IGeL-Monitor bewertet die Akupunktur zur Migräneprophylaxe nach Abwägung von Nutzen und Schaden als „tendenziell positiv“. Anhand der Studienergebnisse ließ sich für die Akupunktur insgesamt ein Hinweis auf einen Nutzen ableiten. Verglichen mit vorbeugenden Medikamenten kam die Akupunktur meistens zu gleichwertigen Ergebnissen. Bezogen auf „Stärke der Kopfschmerzen“ und „Ansprechen auf die Behandlung“ schnitt sie besser ab. Vorteile zeigte sie auch im Vergleich mit keiner vorbeugenden Behandlung. Was das Risiko eines Schadens angeht, wurde kein Hinweis auf einen Nachteil der Akupunktur gegenüber den Kontrollgruppen festgestellt. Im Vergleich zur vorbeugenden Medikamentengabe wurden sogar weniger Nebenwirkungen berichtet.
Was gilt es im Vorfeld einer Akupunkturbehandlung zu beachten?
Bevor du einen Akupunkteur aufsuchst, solltest du folgende Dinge klären:
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- Diagnose: Du hast die Bestätigung, dass du an Migräne oder Spannungskopfschmerzen leidest, von einem Arzt erhalten. Das ist wichtig, denn wenn du beispielsweise Cluster-Kopfschmerzen hast, kann eine Akupunktur sogar auslösend wirken.
- Innere Haltung: Am besten ist es, du glaubst an die Effekte einer Akupunktur. Wenn du hingegen der Meinung bist, dass es sowieso nichts bringt, wird sich eventuell kein Erfolg einstellen.
- Experten finden: Bei der Akupunktur kann viel falsch gemacht werden. Such dir daher einen Fachmann, der sich mit TCM nachweislich auskennt, also eine Weiterbildung oder ein Diplom vorweisen kann. Für dich als Laie ist es schwer nachvollziehbar, ob du wirklich richtig akupunktiert wirst.
Kosten und Dauer der Akupunktur bei Migräne
Akupunktur gegen Migräne oder spannungsbedingte Kopfschmerzen wird derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Dies liegt unter anderem daran, dass die Wirksamkeit der Akupunktur gegenüber einer Nichtbehandlung zwar nachgewiesen, gegenüber einer Scheinakupunktur jedoch nicht bestätigt ist. Personen mit Migräne müssen die Kosten je Sitzung von 30 bis 70 Euro also in der Regel selbst bezahlen. Bei der Akupunktur der Migräne wird üblicherweise zwei Mal pro Woche für 20 bis 30 Minuten therapiert. Im Durchschnitt stellen sich die ersten Erfolge nach circa sieben bis acht Sitzungen ein. Sollten nach einem Behandlungszyklus kaum Verbesserungen eingetreten sein, kann ein weiterer Zyklus folgen. Bei erfolgreicher Akupunktur empfehlen Therapeuten, nach einigen Monaten mit wenigen Sitzungen aufzufrischen.
Vor- und Nachteile der Akupunktur im Vergleich zu Medikamenten
Akupunktur kann eine wirksame Möglichkeit sein, Migräne vorzubeugen. Vorteil ist, dass du nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen brauchst. Wenn die Behandlung nicht anschlägt, kannst du einfach etwas anderes probieren. Der Nachteil der Akupunktur besteht darin, dass sie nicht bei jedem Patienten anschlägt. Zudem bezweifeln einige Experten, dass sie wirklich einen Effekt hat. Beispielsweise unterstellen sie den Studien, dass die Teilnehmer schon im Vorfeld von der Methode überzeugt waren und daher eine vorurteilsfreie Bewertung kaum möglich war. Ein weiteres Manko der Akupunktur: Im Akutfall, also während einer Migräne-Attacke, kann sie nicht helfen. Eine medikamentöse Prophylaxe birgt hingegen immer das Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen, da Patienten über einen längeren Zeitraum Arzneimittel einnehmen müssen. Auch kann sie bei manchen wirkungslos bleiben.
Das Migräne-Piercing: Ein neuer Trend?
Seit einiger Zeit verbreitet sich ein Trend, der Migränebetroffene hellhörig werden lässt: das sogenannte Daith-Piercing bei Migräne. An der korrekten Stelle am Ohr angebracht soll es dazu in der Lage sein, die Migränehäufigkeit spürbar zu reduzieren. Das Migräne-Piercing beruht auf dem Prinzip der Akupunktur. Im Fall eines Daith-Piercings bei Migräne wird nicht nur vorübergehend eine Nadel gesetzt, sondern dauerhaft ein Ohrstecker angebracht. Der Piercer macht den Akupunkturpunkt gegen Migräne im Ohr ausfindig - er liegt auf der knorpeligen Falte über dem Eingang ins Gehör - und sticht genau dort das Piercing.
Wissenschaftliche Bewertung
Die Meinungen zum Daith-Piercing bei Migräne sind allerdings nicht uneingeschränkt positiv. Von wissenschaftlicher Seite wird es nicht als medizinisches Heilmittel anerkannt. Aktuell gibt es keine Studien, die ihm eine Wirkung nachweisen. Viele Ärzte und Migräne-Experten stehen dem Daith-Piercing äußerst skeptisch gegenüber. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. veröffentlichte sogar ein Statement, in dem sie Migränekranken dringend vom Migräne-Piercing abrät. Aufgrund der nicht nachweisbaren Wirkung und der möglichen Gesundheitsrisiken sollten Patienten von einem Daith-Piercing bei Migräne absehen. Stattdessen sollten sie mit ihrem Arzt sprechen und konventionelle Behandlungsmethoden wie Triptane und Schmerzmittel nutzen.
Risiken des Migräne-Piercings
Das Daith-Piercing zählt zu den anspruchsvolleren Piercings, da die vorgesehene Stelle im Ohr klein und eng ist. Bei einigen Personen ist diese Stelle sogar so eng, dass es anatomisch nicht möglich ist, dieses Piercing zu stechen. Außerdem ist der Ohrknorpel an dieser Stelle sehr fest und wenig durchblutet, wodurch die Heilung bis zu 6 Monate betragen kann. Auf Grund der schlechteren Durchblutung besteht ebenfalls ein höheres Risiko einer verzögerten Wundheilung und einer möglichen Infektion. Es kann zu Entzündungen und kosmetischen Folgen wie einer Verformung der Ohrmuschel kommen.
Fazit zum Migräne-Piercing
Ein Migräne- oder auch Daith-Piercing scheint bei einigen Betroffenen die Anzahl der Migräne-Attacken sowie die Schmerzintensität der einzelnen Anfälle zu reduzieren. Wissenschaftliche Belege gibt es dafür jedoch keine und darüber hinaus einige Risiken, die mit diesem kleinen Eingriff einhergehen und denen man sich bewusst sein sollte.
Ohr-Akupunktur als spezielle Form der Akupunktur
Die Ohr-Akupunktur, auch als Aurikulotherapie bekannt, eröffnet eine ganzheitliche Perspektive auf die Förderung der Gesundheit. Sie basiert auf der Vorstellung, dass das Ohr eine Reflexzone darstellt, ähnlich den Reflexzonen an Händen und Füßen. Im Ohr spiegelt sich der Körper in Form eines Embryos in Kopflage wider. Obwohl Behandlungen über das Ohr bereits im Altertum bekannt waren, stellt die Ohr-Akupunktur eine vergleichsweise moderne Therapieform dar, die auf den französischen Arzt Paul Nogier zurückgeht. Durch die Anwendung von dünnen, kurzen Nadeln werden die Reaktions- oder Reflexpunkte im Bereich des Ohrs stimuliert.
Anwendung der Ohr-Akupunktur
Zentral in der Akupunktur ist die Annahme, dass der Körper mit der Lebensenergie Qi durchflossen und von Meridianen durchzogen ist. Ist der Fluss ungestört und frei, geht es dem Menschen gut. An festen Akupunkturpunkten, beispielsweise im Ohr und an der Ohrmuschel, lässt sich der Qi-Fluss mit Akupunkturnadeln gezielt anregen. Gelingt es, diese Areale zu stimulieren, werden die Schmerzen gelindert.
Während der Akupunktur-Behandlung liegt der Patient bzw. die Patientin entspannt auf einer Liege. Vor der eigentlichen Ohr-Akupunktur werden alle potenziellen Punkte durch Abtasten identifiziert. Oft handelt es sich dabei um größere Bereiche, in denen schmerzhafte Punkte gesucht werden. Dabei werden verschiedene Tastinstrumente oder sogar die Akupunkturnadeln selbst verwendet, um den richtigen Punkt zu lokalisieren. Außerdem wird die RAC-Diagnostik nach Nogier bei der Lokalisation der Punkte verwendet.
Ablauf einer Ohr-Akupunktur-Therapie
Ein typischer Verlauf der Ohr-Akupunktur-Therapie umfasst in der Regel zehn bis zwölf Sitzungen, die jeweils ein bis vier Mal pro Woche stattfinden. Während jeder Sitzung bleiben die eingeführten Einmal-Nadeln für 20 bis 30 Minuten in der Haut, wobei durchschnittlich sechs bis sieben Nadeln pro Ohr verwendet werden können. Am dominaten Ohr nadeln wir immer fünf Punkte, das Sogenannte p-e-ac Basisschema. Die positive Wirkung der Ohr-Akupunktur kann oft schon während der Behandlung spürbar sein. Allerdings sollte spätestens nach vier bis fünf Sitzungen eine deutliche Verbesserung der Beschwerden feststellbar sein.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Ohr-Akupunktur
Wissenschaftlich ist die Wirkweise von Akupunkturnadeln im Ohr noch nicht einwandfrei nachgewiesen, obwohl es viele positive Stimmen gibt. Inzwischen gibt es die ersten Studien, die die Wirksamkeit belegen: bei Schmerzen im Knie und in der Wirbelsäule wird die Wirksamkeit durch die GE-RAC-Akupunktur-Studie belegt!
Weitere alternative Behandlungsmethoden bei Migräne
Neben Akupunktur, Akupressur und dem Migräne-Piercing gibt es noch weitere alternative Behandlungsmethoden, die bei Migräne eingesetzt werden können:
- Biofeedback: Biofeedback ist eine Methode, bei der Patienten lernen, Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Muskelspannung und Hauttemperatur bewusst zu beeinflussen. Dies kann helfen, Stress abzubauen und Migräneattacken vorzubeugen.
- Muskelentspannung nach Jacobson: Die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson ist eine Entspannungstechnik, bei der verschiedene Muskelgruppen nacheinander angespannt und wieder entspannt werden. Dies kann helfen, Verspannungen zu lösen und Stress abzubauen, was wiederum Migräneattacken reduzieren kann.
- Ernährungsumstellung: Einige Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Ernährungsweisen, wie beispielsweise eine kohlenhydratarme oder ketogene Ernährung, bei manchen Migränepatienten die Häufigkeit und Intensität der Attacken reduzieren können. Auch das Vermeiden von bestimmten Nahrungsmitteln, die als Trigger für Migräneattacken gelten, kann hilfreich sein.
- Entspannungstechniken: Verschiedene Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training und Meditation können helfen, Stress abzubauen und die Entspannung zu fördern, was sich positiv auf die Migräne auswirken kann.
- sinCephalea App: Die sinCephalea App ist eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA), die von Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen in deren Praxen oder auch per Videosprechstunde über unseren telemedizinischen Partner Teleclinic verschrieben werden kann, wenn bei dir eine Migräne diagnostiziert wurde.
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