Eine Nervenentzündung im Zahn, oft verbunden mit starken Schmerzen, ist ein weit verbreitetes Problem. Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) bietet hier einen ganzheitlichen Ansatz, der über die rein symptomatische Behandlung hinausgeht und die Zusammenhänge zwischen Zähnen und dem gesamten Körper berücksichtigt. Dieser Artikel beleuchtet die Möglichkeiten der Akupunktur und anderer TCM-Methoden bei Nervenentzündungen im Zahn.
Ursachen und Symptome einer Nervenentzündung
Eine Nervenentzündung im Zahn (Pulpitis) kann verschiedene Ursachen haben. Häufige Auslöser sind:
- Karies: Eine Entzündung des Zahnmarkes aufgrund von Karies.
- Trauma: Eine Verletzung des Zahnes durch Unfall, Sturz oder auch während einer zahnärztlichen Behandlung (z.B. Schlag oder Überhitzung des Zahnes).
- Überlastung: Überbelastung des Zahnes durch ungleichmäßige Beißverhältnisse.
- Kieferorthopädische Behandlung: Starke Krafteinwirkung während einer kieferorthopädischen Behandlung.
- Absterben des Zahnnervs: Absterben des Zahnnervs ohne äußere Ursachen. Hier sind meistens ganzheitliche Gründe mit verantwortlich, da jeder Zahn über Meridiane mit anderen Organen und Geweben im Körper verbunden ist.
Die Symptome einer Nervenentzündung können vielfältig sein:
- Druckschmerzen oder ziehende Schmerzen.
- Schmerzen beim Draufbeißen oder Berühren.
- Schmerzempfindlichkeit bei Kontakt mit Luft, Kaltem, Warmem, Süßem oder Saurem.
- Kopfschmerzen auf der jeweiligen Kopfseite.
- Schmerzen im Hals-, Schulter- oder Brustbereich, sogar in den Armen.
Die Wurzelbehandlung als schulmedizinische Standardtherapie
In der Schulmedizin ist die Wurzelbehandlung die Standardtherapie bei einer irreversiblen Nervenentzündung. Dabei wird das entzündete Innere des Zahns (Zahnnerv, Arterien und Venen) entfernt. Der entstehende Hohlraum, der Wurzelkanal, wird gründlich gereinigt und mit einem künstlichen, harzartigen Material gefüllt.
Die Perspektive der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)
Die TCM betrachtet den Körper als eine Einheit, in der die Lebensenergie Qi in Meridianen fließt. Eine Störung dieses Energieflusses kann zu Schmerzen und Krankheiten führen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass jeder Zahn über Meridiane mit anderen Organen und Geweben im Körper verbunden ist, kann eine energetische Fernwirkung zu diesem Krankheitsbild führen. Schmerzen sind der „Schrei des Qi“, das nicht ungehindert fließen kann. Daher ist es das zentrale Anliegen der TCM, wieder für einen durchgängigen, freien Energiefluss (chinesisch: tong) zu sorgen.
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Die Verbindung der Zähne zu den Organen
Über die Energiebahnen sind Zähne und Organe nach der TCM miteinander verbunden und stehen daher in Wechselwirkung miteinander. Das bedeutet, ist ein Zahn erkrankt kann dies ein Hinweis auf ein Problem bei dem verbundenen Organ sein, muss dabei auch noch nicht offensichtlich in Erscheinung getreten sein. Gleichzeitig kann die Erkrankung eines Organs als Folge eine Zahnproblematik nach sich ziehen.
Die Zuordnung der Zähne zu den Organen ist wie folgt:
- Obere Weisheitszähne: Herz.
- Untere Weisheitszähne: Dünndarm.
- Schneidezähne: Niere und Blase.
- Eckzähne: Magen, Leber, Gallenblase.
- Kleine Backenzähne: Lunge und Zwölffingerdarm.
- Große Backenzähne: Magen, Bauchspeicheldrüse und Dickdarm.
Kommt es beispielsweise zu Zahnschmerzen an einem der großen Backenzähne, sollte neben der Symptombehandlung ein Blick auf den Magen, die Bauchspeicheldrüse oder den Dickdarm geworfen werden, was eventuell eine präventive Diagnose möglich macht. Ist ein Weisheitszahn entzündet, kann sich das Störfeld, dort wo die Energie stagniert, wiederum in Beschwerden des Herz-Kreislauf-Systems bemerkbar machen. Wurzelbehandelte Zähne stellen häufig ein Störfeld dar und können Grund für immer wiederkehrende Beschwerden an den entsprechenden Organen sein. Durch die Zusammenhänge wird der „Zahn“ nicht isoliert betrachtet, sondern es ist ein ganzheitlicher Blick auf diverse Zahn- und Organerkrankungen möglich.
Die fünf Säulen der TCM
Die TCM umfasst fünf Säulen, die in der Behandlung von Nervenentzündungen im Zahn Anwendung finden können:
- Akupunktur: Die Stimulation spezifischer Akupunkturpunkte mit Nadeln, um den Energiefluss zu harmonisieren und Schmerzen zu lindern.
- Qigong: Körperübungen zur Stärkung des Qi und zur Förderung des Energieflusses.
- Tuina: Eine spezielle Massagetechnik, um die Meridiane zu aktivieren und Blockaden zu lösen.
- Arzneimitteltherapie: Die Anwendung von chinesischen Heilkräutern, um die zugrunde liegenden Ungleichgewichte im Körper zu behandeln.
- Diätetik: Eine auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Ernährung, um den Körper zu stärken und Entzündungen zu reduzieren.
Akupunktur in der Zahnheilkunde
Die Akupunktur hat sich in der Zahnheilkunde als wirksame Methode zur Schmerzlinderung und Unterstützung der Heilung bewährt. Sie kann bei verschiedenen Zahnproblemen eingesetzt werden, darunter:
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- Zahnschmerzen: Akupunktur kann akute und chronische Zahnschmerzen lindern.
- Kieferbeschwerden: Bei Kiefergelenksproblemen und Zähneknirschen kann Akupunktur helfen, die Muskeln zu entspannen und Schmerzen zu reduzieren.
- Wundheilung: Nach zahnärztlichen Eingriffen kann Akupunktur die Wundheilung fördern und Entzündungen reduzieren.
- Angst: Akupunktur kann Angstpatienten beruhigen und die Behandlung angenehmer gestalten.
- Würgereiz: Akupunktur kann den Würgereiz bei zahnärztlichen Behandlungen reduzieren.
- Vorbeugung von Entzündungen: Akupunktur kann präventiv eingesetzt werden, um Entzündungen im Mundraum vorzubeugen.
Wie funktioniert Akupunktur bei Zahnschmerzen?
Bei der Akupunktur werden dünne Nadeln an bestimmten Akupunkturpunkten gesetzt, die in Verbindung mit den Zähnen und den zugehörigen Organen stehen. Die Stimulation dieser Punkte kann den Energiefluss harmonisieren, Schmerzen lindern und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren. Für die Behandlung von Zahnschmerzen mit Akupunktur eignet sich vor allem der Dickdarm-Meridian. Dieser enthält Akupunkturpunkte, die bei Zahnschmerzen für Linderung sorgen können. Der Dickdarm-Meridian entspringt der Spitze des Zeigefingers und läuft bis zum höchsten Punkt in der Schulter.
Ohrakupunktur
Ein vertiefendes Gebiet der Akupunktur ist die Ohrakupunktur. In der Ohrmuschel erfolgt die Abbildung aller Organe. Angstbesetzte Punkte werden in dem Fall getriggert und gleichzeitig das mulmige Gefühl des Patienten gelindert. Manche Patienten mit Zahnarztangst leiden unter einem übermäßigen Schluckreflex, der meist nervös bedingt ist. Auch hier setzt die Therapie mit den Nadeln erfolgreich an. Energetische Punkte werden genadelt, dieses Verfahren beruhigt und kann sogar der Verabreichung eines Schmerzmittels gleichkommen. Dazu gibt es spezielle „Zahnpunkte“, die mit Nadeln versorgt werden, wenn eine Behandlung in diesem Bereich stattfinden soll.
Die Vorteile der Akupunktur in der Zahnmedizin
Die Akupunktur in der Zahnmedizin hat den großen Vorteil, dass kaum mit Nebenwirkungen der Behandlung zu rechnen ist. Da die alternative Heilmethode keine Medikamentengabe erfordert, sind ungewünschte Nebenwirkungen bei Akupunktur äußerst selten. Zudem ist das Verfahren relativ schmerzarm und es kann ein schneller Wirkungseintritt gegen Schmerzen erzielt werden.
Weitere TCM-Methoden zur Unterstützung der Zahngesundheit
Neben der Akupunktur können auch andere TCM-Methoden zur Unterstützung der Zahngesundheit eingesetzt werden:
- Chinesische Arzneimitteltherapie: Chinesische Heilkräuter können eingesetzt werden, um Entzündungen zu reduzieren, den Körper zu stärken und das Qi zu harmonisieren.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Gemüse, Obst und Vollkornprodukten kann die Zahngesundheit unterstützen. Bestimmte Lebensmittel, die das „Feuer“ im Körper zu stark anheizen, sollten vermieden werden, insbesondere bei Parodontitis. Ideal sind antientzündliche Nahrungsprodukte wie Selleriestangen, Gurken, Tomaten und Kokosmilch. Viel Vitamin C-Haltiges gehört auf den Speiseplan.
- Mundhygiene: Eine gute Mundhygiene mit regelmäßigem Zähneputzen und der Verwendung von Zahnseide ist wichtig, um Karies und Entzündungen vorzubeugen. Gerne gibt der Zahnarzt in Hamburg Mitte auf den jeweiligen Patienten zugeschnittene Mundhygiene-Tipps.
Störfelder im Kiefer und ihre Auswirkungen
Auf verschiedene Weise können Störherde im Kiefer entstehen über:
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- Tote und wurzelbehandelte Zähne
- Verlagerte Zähne oder Wurzelreste
- Leerkieferstellen, schlecht geheilte Wunden im Kieferknochen und Narben
- Fremdkörper
Das Immunsystem wird durch diese Störherde geschwächt und über die sogenannte Fernwirkung erkranken andere Körperregionen. Es können folgende Symptome entstehen:
- Alle Formen von Rheuma im Frühstadium
- Funktionelle Beschwerden an Muskeln und Gelenken
- Nervenschmerzen
- Migräne und Kopfschmerzen
- Ekzeme und Hauterkrankungen
Mit einem speziellen Test, dem Orotox-Test, können Störherde entdeckt werden, die auf dem Röntgenbild nicht zu sehen sind. Wenn die Neuraltherapie zur Beseitigung des Störherds nicht ausreicht, kann ein minimal invasiver Eingriff ratsam sein. In Zusammenarbeit mit einem Heilpraktiker, der spezialisiert ist auf die Herdlokalisierung über Reflexzonen an den Füßen, können störende Entzündungsherde millimetergenau lokalisiert und entfernt werden.
Die Rolle der ganzheitlichen Zahnmedizin
Die ganzheitliche Zahnmedizin berücksichtigt die Zusammenhänge zwischen Zähnen, Kiefer und dem gesamten Körper. Sie bezieht alternative Verfahren wie Akupunktur und Homöopathie in die zahnärztliche Behandlung mit ein, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und die Gesundheit ganzheitlich zu fördern.
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