Die Regeneration der Myelinscheiden bei Neuroborreliose ist ein komplexes Thema, das eng mit der Behandlung peripherer Nervenverletzungen und der Multiplen Sklerose (MS) verbunden ist. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Myelinscheidenregeneration, von innovativen Implantaten bis hin zu therapeutischen Ansätzen bei MS und Polyneuropathie.
Periphere Nervenregeneration: Innovative Implantate als Hoffnungsträger
Verletzungen peripherer Nerven stellen eine besondere Herausforderung dar, da die Nervenfortsätze zwar eine ausgeprägte Fähigkeit zur Selbstheilung besitzen, diese jedoch von der richtigen Führung abhängt. Der aktuelle Goldstandard zur Reparatur größerer Defekte ist das Nerventransplantat, bei dem patienteneigene Nerven von einer anderen Körperstelle entnommen werden. Ein häufig verwendeter Nerv ist der Nervus suralis an der Außenseite des Unterschenkels, der jedoch bei großen Menschen kaum länger als 30 Zentimeter ist. Die Entnahme kann zudem Probleme an der Entnahmestelle verursachen.
Um diese Nachteile zu umgehen, arbeiten Forscher an alternativen Implantaten. Ein Beispiel ist ein Implantat auf Basis von Kollagen Typ I und Kollagen Typ III, das von der Klinik für Plastische Chirurgie am Universitätsklinikum der RWTH Aachen entwickelt wurde. Dieses Implantat besitzt eine longitudinale Röhrenstruktur, die durch das Einwachsen feinster Eiskristalle ins Kollagen entsteht. Nach der Gefriertrocknung bleiben feine Röhrchen übrig, die den Myelinscheiden der natürlichen Nervenfasern ähneln. Im Tiermodell konnte mit diesem Implantat ein Defekt im Nervus ischiadicus in der Hälfte der üblichen Zeit überbrückt werden.
Auch die Arbeitsgruppe von Professor Burkhard Schlosshauer am Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut Reutlingen forscht intensiv an Nervenimplantaten. Ziel ist es, ähnlich gute Ergebnisse wie mit autologen Nervus-suralis-Transplantaten zu erzielen. Schlosshauer setzt dabei auf einen multimodalen Ansatz und verknüpft Polymere mit kurzen RNA-Molekülen (siRNA), die Gene stummschalten und die Toleranz der Nervenzellen gegenüber dem Implantat erhöhen.
Obwohl die Markteinführung dieser modernen Nervenimplantate noch bevorsteht, ist der Bedarf groß. Sie sollen nicht nur Unfallopfern helfen, sondern auch bei Erkrankungen wie Multipler Sklerose eingesetzt werden.
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Multiple Sklerose: Demyelinisierung und Remyelinisierung
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der es zu einem Abbau der Myelinscheiden kommt (Demyelinisierung). Diese schützende Hülle um die Nervenfasern wird durch Autoimmunreaktionen angegriffen, was zu weitreichenden Schädigungen an Nervenzellen und ihren Nervenfasern führen kann. In der schubförmigen Krankheitsphase sind die körpereigenen Reparaturvorgänge meist noch in der Lage, geschädigte Nervenbahnen durch die Bildung von neuem Myelin (Remyelinisierung) wieder funktionstüchtig zu machen. Deshalb bilden sich die Symptome bei vielen MS-Patienten zunächst wieder zurück.
Die Diagnose der MS erfolgt in der Regel durch eine Magnetresonanztomographie (MRT), die MS-bedingte Veränderungen von Gehirn und Rückenmark sichtbar macht. Eine Liquoruntersuchung kann Entzündungszellen und Antikörper nachweisen. Für eine sichere Diagnose müssen die McDonald-Kriterien (2017) erfüllt sein, die auf dem Konzept der zeitlichen und räumlichen Dissemination beruhen.
Symptome der Multiplen Sklerose
Die Symptome der MS sind vielfältig und können in unterschiedlicher Intensität und Kombination auftreten, je nachdem, welche Bereiche des zentralen Nervensystems betroffen sind. Häufige Symptome sind:
- Sehstörungen
- Empfindungs- und Koordinationsstörungen
- Bewegungsstörungen (z.B. Sprechstörungen)
- Lähmungserscheinungen
- Psychische Beeinträchtigungen (z.B. Depressionen)
- Schmerzen (neuropathische oder nozizeptive Schmerzen)
Therapie der Multiplen Sklerose
Die Ziele der schulmedizinischen Therapie sind, MS-Schübe zu verhindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und Behinderungen möglichst lange hinauszuzögern. Die Therapie umfasst:
- Schubtherapie: Kortisonstoßtherapie zur Behandlung akuter Schübe.
- Verlaufsmodifizierende Therapie: Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen (immunmodulierend oder immunsuppressiv).
- Symptomatische Therapie: Behandlung der einzelnen Symptome, z.B. Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Psychotherapie.
Begleitend zur medikamentösen Behandlung haben sich nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Physio- und Ergotherapie, Logopädie, Psychotherapie, Gruppentherapie, neuropsychologische Therapie und andere Behandlungsmöglichkeiten bewährt. Hinzu kommen Therapiestrategien, die gezielt zur Linderung der vorherrschenden Symptome eingesetzt werden, etwa Beckenbodengymnastik als Begleitbehandlung zur Linderung von Blasenstörungen oder kognitive Verhaltenstherapie bei Depression.
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Alpha-Liponsäure bei MS
Studien deuten darauf hin, dass die Einnahme von Alpha-Liponsäure den Verlauf einer MS günstig beeinflussen, die Symptome lindern und möglicherweise auch einem krankheitsbedingten Verlust an Hirnvolumen (Hirnatrophie) entgegenwirken kann. Alpha-Liponsäure besitzt ausgeprägte antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften, die zum Abklingen der MS-Entzündungsherde im Gehirn beitragen könnten.
Polyneuropathie: Schädigung peripherer Nerven
Polyneuropathie (PNP) ist eine Erkrankung, bei der mehrere Nerven des peripheren Nervensystems gleichzeitig geschädigt sind. Die Ursachen können vielfältig sein, darunter Diabetes, Vitaminmangel (insbesondere Vitamin B12 und Vitamin D), Vergiftungen, Medikamente, Infektionen (z.B. Borreliose, HIV) und Autoimmunerkrankungen.
Symptome der Polyneuropathie
Die Symptome der PNP hängen davon ab, welche Nerven betroffen sind (sensible, motorische oder autonome Nerven). Häufige Symptome sind:
- Missempfindungen (z.B. Kribbeln, Taubheitsgefühle)
- Schmerzen
- Muskelschwäche
- Muskelatrophie
- Gangunsicherheit
- Herzrhythmusstörungen
- Verdauungsstörungen
- Gestörte Sexualfunktion
Therapie der Polyneuropathie
Die Behandlung der PNP zielt darauf ab, die Ursache zu behandeln und die Symptome zu lindern. Mögliche Therapieansätze sind:
- Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Diabetes)
- Vermeidung von auslösenden Faktoren (z.B. Medikamente, Alkohol)
- Vitamin-Substitution (insbesondere Vitamin B12 und Vitamin D)
- Schmerztherapie (z.B. mit Antidepressiva oder Opioiden)
- Physiotherapie
- Ergotherapie
- Rotlicht-Therapie
- Uridinmonophosphat (UMP) in Kombination mit Folsäure und Vitamin B12
- Alpha-Liponsäure
- Magnesium
- Heilpflanzen (z.B. Kalmus, Estragon, Salbei, Kurkuma, Capsaicin, Helmkraut)
- Nachtkerzenöl
- Rizinusöl-Packungen
Uridinmonophosphat (UMP) bei PNP
Uridinmonophosphat (UMP) ist ein wichtiger Baustein für Nervenzellen und kann die Regeneration geschädigter Nerven unterstützen. In Kombination mit Folsäure und Vitamin B12 konnte UMP in einer Studie mit über 200 PNP-Patienten die Nervenschmerzen signifikant reduzieren.
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Nervenentzündungen (Neuritis)
Neuritis bezeichnet eine Entzündung der Nerven, die sowohl die peripheren Nerven als auch die Hirnnerven betreffen kann. Ursachen können Infektionen, mechanischer Druck (z.B. beim Karpaltunnelsyndrom), Medikamente oder übermäßiger Alkoholkonsum sein. Typische Symptome sind Schmerzen, Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schwäche und motorische Beeinträchtigungen.
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann Medikamente (z.B. Antibiotika, Virostatika, Schmerzmittel), Operationen oder alternative Heilmethoden umfassen. Eine gesunde Lebensweise mit wenig Stress, Alkohol in Maßen, ausreichend Erholung und regelmäßigem Sport kann dazu beitragen, Nervenentzündungen vorzubeugen.
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