Mandelentfernung und Nervenschäden: Ein umfassender Überblick

Die Entfernung der Mandeln, auch Tonsillektomie genannt, ist ein chirurgischer Eingriff, der seit vielen Jahren durchgeführt wird. Obwohl sie oft als Routineeingriff angesehen wird, ist es wichtig, sich der möglichen Komplikationen und langfristigen Auswirkungen bewusst zu sein. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Mandelentfernung, einschließlich der Gründe für den Eingriff, des Operationsablaufs, der möglichen Komplikationen und der langfristigen Folgen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Nervenschäden und Geschmacksstörungen (Dysgeusie) im Zusammenhang mit der Mandelentfernung.

Gründe für eine Mandelentfernung

Die häufigsten Gründe für eine Mandelentfernung sind:

  • Chronische Mandelentzündung (Tonsillitis): Wiederholte Entzündungen der Gaumenmandeln, die zu Schmerzen, Schluckbeschwerden und Fieber führen.
  • Vergrößerung der Mandeln (Tonsillenhyperplasie): Vergrößerte Mandeln können die Atemwege verengen und zu Schnarchen, Schlafapnoe und anderen Atmungsstörungen führen.
  • Knocheneiterung (Cholesteatom): Hier muss auf lange Sicht das Mittelohr durch eine Operation saniert werden. Das Fortschreiten der Erkrankung lässt sich durch konservative Massnahmen nicht aufhalten.
  • Wiederholte akute Entzündungen und Vergrößerungen der Gaumenmandeln (Tonsillen) betreffen besonders Kinder und Jugendliche. In Deutschland hat sich bisher keine einheitliche Indikationsstellung zum operativen Entfernen der Gaumenmandeln etabliert, ob teilweise (Tonsillotomie) oder vollständig (Tonsillektomie). Die Operationshäufigkeiten unterscheiden sich regional bisweilen erheblich.

Operationsablauf

Die Mandelentfernung wird in der Regel unter Vollnarkose durchgeführt. Dabei werden die Mandeln durch den geöffneten Mund ausgeschält und an ihrem Ansatz an der Zunge abgetragen. Anschließend erfolgt die Blutstillung. Es gibt zwei Haupttypen von Mandeloperationen:

  • Tonsillektomie: Die vollständige Entfernung der Gaumenmandeln.
  • Tonsillotomie: Die teilweise Entfernung der Gaumenmandeln, bei der das Mandelgewebe nur verkleinert wird.

Mögliche Komplikationen

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff birgt auch die Mandelentfernung Risiken. Zu den möglichen Komplikationen gehören:

  • Nachblutungen: Treten bei circa zwei bis drei Prozent aller Patienten bis zu circa 14 Tage nach der Operation auf.
  • Infektionen: Können im Operationsbereich auftreten.
  • Wundheilungsstörungen: Die Wunden im Rachenbereich können schlecht heilen.
  • Nervenverletzungen: In der Nähe der Mandeln liegen Nerven für das Schlucken, Sprechen, Fühlen und Schmecken. Daher können in diesen Bereichen temporäre oder bleibende Störungen auftreten wie zum Beispiel Überschlucken oder Gefühlsstörungen der Zunge.
  • Schmerzen: Schmerzen im Rachenbereich sind nach der Operation normal.
  • Übelkeit und Erbrechen: Können als Folge der Narkose auftreten.
  • Atembeschwerden: In seltenen Fällen können Atemprobleme auftreten.
  • Dysgeusie (Geschmacksstörungen): Eine Schmeckstörung, also eine Störung der Geschmackswahrnehmung. Sie ist selten. Am häufigsten sind qualitative Dysgeusien (siehe nächster Punkt).

Dysgeusie (Geschmacksstörungen) nach Mandelentfernung

Dysgeusie ist eine Störung der Geschmackswahrnehmung, die nach einer Mandelentfernung auftreten kann. Es gibt verschiedene Formen von Dysgeusie:

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  • Qualitative Dysgeusien:
    • Parageusie: Veränderte Geschmackswahrnehmung, bei der normale Geschmäcker falsch wahrgenommen werden.
    • Phantogeusie: Halluzinatorische Geschmackswahrnehmung, bei der Geschmäcker ohne äußere Reize wahrgenommen werden.
  • Quantitative Dysgeusien:
    • Hypogeusie: Verminderter Geschmacksinn.
    • Hypergeusie: Überempfindlicher Geschmacksinn.
    • Ageusie: Aufgehobener Geschmacksinn.

Ursachen von Dysgeusie nach Mandelentfernung

Die Ursachen für Dysgeusie nach einer Mandelentfernung können vielfältig sein:

  • Nervenverletzungen: Bei der Operation können Nerven verletzt werden, die für die Geschmackswahrnehmung wichtig sind, insbesondere der Gesichtsnerv (Nervus facialis) und der Zungenerv (Nervus lingualis).
  • Schädigung der Geschmacksknospen: Die Geschmacksknospen auf der Zunge können durch die Operation oder die anschließende Entzündung geschädigt werden.
  • Medikamente: Einige Medikamente, die nach der Operation eingenommen werden, können als Nebenwirkung Geschmacksstörungen verursachen.
  • Psychische Faktoren: In manchen Fällen können psychische Faktoren wie Stress oder Angst eine Rolle spielen.

Behandlung von Dysgeusie

Die Behandlung von Dysgeusie richtet sich nach der Ursache der Störung. Einige mögliche Behandlungsansätze sind:

  • Absetzen oder Umstellung von Medikamenten: Wenn Medikamente die Ursache für die Geschmacksstörung sind, kann das Absetzen oder die Umstellung auf andere Präparate helfen.
  • Gabe von Zink: Zinkpräparate können in manchen Fällen die Geschmackswahrnehmung verbessern.
  • Behandlung von Grunderkrankungen: Wenn die Dysgeusie im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung steht, sollte diese behandelt werden.
  • Unterstützende Maßnahmen:
    • Verzicht auf Nikotin und Alkohol: Diese Substanzen können den Geschmackssinn beeinträchtigen.
    • Gute Mundhygiene: Eine gute Mundhygiene kann helfen, Infektionen und Entzündungen im Mundbereich zu vermeiden.
    • Anregung des Speichelflusses: Mittel, die den Speichelfluss anregen, können bei Mundtrockenheit hilfreich sein.
    • Nachwürzen der Speisen: Bei Hypogeusie kann das Nachwürzen der Speisen den Geschmackssinn stimulieren.
    • Lokale Betäubungsmittel: Bei qualitativen Schmeckstörungen können lokale Betäubungsmittel wie Lidocain helfen, die Beschwerden zu lindern.

Prognose

Die Prognose für Dysgeusie nach einer Mandelentfernung ist unterschiedlich. In vielen Fällen erholt sich der Geschmackssinn spontan wieder, dies kann jedoch Monate oder sogar Jahre dauern. In einigen Fällen kann die Geschmacksstörung jedoch dauerhaft bestehen bleiben.

Langfristige Folgen einer Mandelentfernung

Neben den unmittelbaren Komplikationen kann eine Mandelentfernung auch langfristige Folgen haben. Einige Studien deuten darauf hin, dass eine Mandelentfernung im frühen Kindesalter das Risiko für bestimmte Erkrankungen der Atemwege erhöhen könnte. Die Mandeln spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem, indem sie Erreger frühzeitig erkennen und abwehren. Durch die Entfernung der Mandeln könnte diese Schutzfunktion beeinträchtigt werden.

Alternativen zur Mandelentfernung

Bevor eine Mandelentfernung in Betracht gezogen wird, sollten alternative Behandlungsmethoden ausgeschöpft werden. Dazu gehören:

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  • Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika helfen, die Entzündung zu bekämpfen.
  • Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Entzündungshemmende Medikamente: Entzündungshemmende Medikamente können helfen, die Entzündung zu reduzieren.
  • Konservative Therapie: Bei einer Größenzunahme der Mandeln wird der obere Atemwegstrakt verengt und kann zu Schnarchen, Apnoe und Atemaussetzern während dem Schlaf führen.

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