Migräne mit Aura: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, die Millionen Menschen weltweit betrifft. In Deutschland sind laut dem Robert Koch-Institut (RKI) etwa 28 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer betroffen. Die Migräne zeichnet sich durch wiederkehrende, heftige Kopfschmerzattacken aus, die von weiteren belastenden Symptomen begleitet werden können. Eine besondere Form der Migräne ist die Migräne mit Aura, bei der neurologische Symptome den Kopfschmerzen vorausgehen.

Was ist Migräne mit Aura?

Mediziner unterscheiden zwei Hauptarten von Migräne: Migräne ohne Aura und Migräne mit Aura. Bei der Migräne mit Aura treten vor den eigentlichen Kopfschmerzen neurologische Symptome auf, die als Aura bezeichnet werden. Etwa 15 bis 25 Prozent der Migränepatienten sind von dieser Form betroffen. Die Aura kündigt die Migräne an und dauert meist höchstens 60 Minuten. Sie kann aber auch ohne nachfolgende Migräne auftreten.

Der Begriff "Aura" wurde von Medizinern nach Aurora, der römischen Göttin der Morgenröte, benannt. Ähnlich wie die aufsteigende Sonne den Tag einleitet, kündigen Wahrnehmungsstörungen die bevorstehende Kopfschmerzphase an.

Symptome der Migräne mit Aura

Die Symptome einer Migräne mit Aura sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Sie lassen sich in kortikale Symptome (die die Hirnrinde betreffen) und Hirnstammsymptome unterteilen.

Kortikale Symptome:

  • Sehstörungen:
    • Flimmerskotom: Betroffene sehen ein Flimmern, das von der Mitte des Gesichtsfeldes nach außen wandert.
    • Negatives Skotom: Gesichtsfeldausfall, bei dem in bestimmten Bereichen des Blickfeldes nichts mehr gesehen wird.
    • Positives Skotom: Wahrnehmung von gezackten Linien, die das Flimmerskotom umgeben oder ausfüllen.
    • Lichtblitze (Photopsien): Plötzliches Auftreten von Lichtblitzen im Gesichtsfeld.
    • Grelle Farbwahrnehmung: Farben werden plötzlich intensiver und stechender wahrgenommen.
  • Sensibilitätsstörungen: Kribbeln und Taubheit (Parästhesien), meist in Händen, Armen oder Wangen.
  • Aphasie: Sprachstörungen, bei denen den Betroffenen die Worte nicht einfallen oder sie die Worte nicht richtig aussprechen können.

Hirnstammsymptome:

  • Beidseitige Gesichtsfeldausfälle oder Doppelbilder.
  • Sprachstörungen (Dysarthrie): Artikulationsstörung, bei der die Betroffenen Schwierigkeiten haben, die Sprechwerkzeuge zu koordinieren.
  • Bewegungsstörungen (Ataxie): Störung der Bewegungsabläufe und Koordinationsfähigkeiten.
  • Hörminderung: Verschlechterung des Hörvermögens, begleitet von Tinnitus und Schwindel.
  • Bewusstseinsstörungen: Verminderte Ansprechbarkeit.

Atypische Migräne-Aura:

  • Migräne mit Hirnstammaura: Betroffene leiden an Hirnstammsymptomen wie Drehschwindel, Tinnitus, Doppelbildern oder Bewusstseinsstörungen.
  • Hemiplegische Migräne: Die Aura geht mit motorischen Störungen wie einer halbseitigen Lähmung einher.
  • Retinale Migräne: Seltene Form, die durch vorübergehende, visuelle Phänomene wie plötzliches Flimmern vor dem Auge, Gesichtsfeldausfälle oder eine Erblindung gekennzeichnet ist.

Die Dauer der Aura-Symptome beträgt in der Regel zwischen 5 und 60 Minuten. In manchen Fällen können die Symptome auch länger anhalten. Nach der Aura setzt bei den meisten Betroffenen der eigentliche Migräne-Kopfschmerz ein.

Lesen Sie auch: Erfahrungen mit Epilepsie Aura

Ursachen der Migräne mit Aura

Die genauen Ursachen der Migräne mit Aura sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, neurologischen, biochemischen und umweltbedingten Faktoren eine Rolle spielt.

Genetische Faktoren:

Studien haben gezeigt, dass das Risiko, an Migräne zu erkranken, bei Personen mit Familienangehörigen, die ebenfalls an Migräne leiden, deutlich erhöht ist. Bestimmte Genvarianten wurden mit einem erhöhten Risiko für Migräne mit Aura in Verbindung gebracht. Es gibt eine familiäre Veranlagung (Disposition).

Neurologische und biochemische Mechanismen:

Es wird vermutet, dass eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Prozessen im Gehirn, der Dysregulation von Neurotransmittern und einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit eine Rolle spielt. Bei Migräne mit Aura wurde zudem eine verminderte Hirndurchblutung in bestimmten Hirnarealen festgestellt, was möglicherweise zu einem Sauerstoffmangel in den betroffenen Regionen führt. Die Wissenschaft hat die genauen Ursachen der kurzzeitigen Veränderung in der Gehirnaktivität bislang nicht vollständig verstanden.

Triggerfaktoren:

Bestimmte Triggerfaktoren können bei Betroffenen Anfälle auslösen. Zu den häufigsten Triggern gehören:

  • Stress
  • Hormonelle Veränderungen (z. B. Schwankungen des Östrogenspiegels)
  • Schlafmangel oder Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Bestimmte Lebensmittel und Getränke (z. B. Alkohol, Käse, Schokolade, Nüsse)
  • Intensive Gerüche
  • Grelles Licht
  • Starke körperliche Anstrengung
  • Wetterwechsel
  • Unregelmäßige Mahlzeiten oder Unterzuckerung

Es ist wichtig zu beachten, dass die Triggerfaktoren von Person zu Person unterschiedlich sein können. Ein Migränetagebuch kann helfen, die persönlichen Trigger zu identifizieren und zu meiden.

Lesen Sie auch: Was tun bei Epilepsie Aura?

Diagnose der Migräne mit Aura

Die Diagnose der Migräne mit Aura erfolgt in der Regel durch einen Arzt oder Neurologen. Dieser wird eine detaillierte Anamnese erheben und eine körperliche und neurologische Untersuchung durchführen. Wichtig sind die Angaben des Patienten, wo genau der Schmerz sitzt und wie lange er anhält. Ebenfalls wichtig ist der Abstand zwischen den Attacken und eventuelle Begleitsymptome. Ein Kopfschmerz-Fragebogen und -Tagebuch (in Papierform oder als App) erleichtern die Diagnose.

Um andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen, können bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt werden. Insbesondere bei Auren mit motorischen oder Sprachstörungen ist die Abgrenzung zum Schlaganfall wichtig.

Behandlung der Migräne mit Aura

Die Migräne mit Aura ist nicht heilbar, aber es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um die Symptome zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren. Die Behandlung umfasst sowohl die Akuttherapie bei einer Attacke als auch die Prophylaxe zur Vorbeugung von Anfällen.

Akuttherapie:

  • Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Attacken können rezeptfreie Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Aspirin helfen.
  • Triptane: Bei stärkeren Attacken können Triptane eingesetzt werden. Diese spezifischen Migränemedikamente wirken auf Rezeptoren der geweiteten Blutgefäße im Gehirn, die sich daraufhin wieder verengen. Außerdem verhindern sie die Aktivierung entzündungsauslösender Eiweißstoffe. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.
  • Antiemetika: Gegen Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika eingenommen werden.
  • Ruhe und Entspannung: Während einer Attacke sollten sich Betroffene in einen ruhigen, abgedunkelten Raum zurückziehen und sich entspannen.

Prophylaxe:

  • Vermeidung von Triggerfaktoren: Das Meiden von bekannten Triggerfaktoren ist ein wichtiger Bestandteil der Migräneprophylaxe.
  • Regelmäßiger Lebensstil: Regelmäßige Schlaf- und Mahlzeiten sowie ausreichend Flüssigkeitszufuhr können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie Yoga, progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training können den Stresspegel verringern und die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
  • Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren kann ebenfalls helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
  • Medikamentöse Prophylaxe: Wenn die Attacken häufig auftreten oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen, kann eine medikamentöse Prophylaxe in Erwägung gezogen werden. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, darunter:
    • Betablocker (z. B. Metoprolol, Propranolol)
    • Antidepressiva (z. B. Amitriptylin)
    • Antiepileptika (z. B. Valproinsäure, Topiramat, Lamotrigin)
    • CGRP-Antikörper (z. B. Erenumab)

Die Auswahl des geeigneten Medikaments erfolgt in Absprache mit dem Arzt und richtet sich nach der individuellen Situation des Patienten.

Leben mit Migräne mit Aura

Migräne mit Aura kann eine erhebliche Belastung für die Betroffenen darstellen. Die Attacken können den Alltag stark einschränken und die Lebensqualität beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und Strategien zu entwickeln, um mit den Symptomen umzugehen.

Lesen Sie auch: MS und Migräne: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Tipps für den Alltag:

  • Führen Sie ein Migränetagebuch, um Ihre persönlichen Trigger zu identifizieren.
  • Achten Sie auf einen regelmäßigen Lebensstil mit ausreichend Schlaf, regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeitszufuhr.
  • Vermeiden Sie Stress und sorgen Sie für ausreichend Entspannung.
  • Treiben Sie regelmäßig Ausdauersport.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über geeignete Behandlungsmöglichkeiten.
  • Suchen Sie Unterstützung bei Selbsthilfegruppen oder Therapeuten.

tags: #aura #bei #migrane #vorher #nachher