Alois Alzheimer: Leben und Werk des Entdeckers der Alzheimer-Krankheit

Alois Alzheimer, dessen Name untrennbar mit der häufigsten und schwersten Form der Demenz verbunden ist, wäre am 14. Juni 1864 geboren worden. Sein Name ist weltweit bekannt, steht er doch für die häufigste und schwerste Form der Demenz: Alois Alzheimer. Die moderne pathologische Diagnose der Alzheimer-Krankheit basiert noch immer auf denselben Untersuchungsmethoden wie 1906, als Alzheimer diese das erste Mal verwendete. Dieser Artikel beleuchtet sein Leben, seine Arbeit und sein Vermächtnis in der Erforschung dieser komplexen Krankheit.

Frühes Leben und Ausbildung

Alois Alzheimer wurde am 14. Juni 1864 in Marktbreit im Kreis Kitzingen, Unterfranken, geboren. Sein Vater, Eduard Alzheimer, war königlicher Notar. Um eine bessere Schulausbildung zu erhalten, zog der zehnjährige Alois nach Aschaffenburg und besuchte dort das humanistische Gymnasium. Nach seiner Schulzeit in Aschaffenburg studierte Alzheimer an den Universitäten Berlin, Tübingen und Würzburg Medizin. Berlin war im ausgehenden 19. Jahrhundert das Mekka der Medizin und so beginnt Alzheimer 1884 dort ein Medizinstudium. Später wechselt er nach Würzburg und Tübingen und wieder zurück nach Würzburg. An der Julius-Maximilians-Universität schrieb er 1887 seine Dissertation zum Thema „Über die Ohrenschmalzdrüsen“. Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für das Mikroskopieren. Das Mikroskop wird später für ihn das entscheidende Instrument seiner Promotion: In einer mikroskopisch-anatomischen Arbeit untersucht er die Ohrenschmalzdrüsen. Sein Staatsexamen beschließt er schließlich mit der Note „Sehr gut“.

Berufliche Anfänge in Frankfurt

1888 begann Alzheimer seine berufliche Laufbahn als Assistenzarzt an der „Städtischen Anstalt für Irre und Epileptische“ in Frankfurt am Main. Dort arbeitet er - nachdem er bereits einen harten Arbeitstag in der Klinik hinter sich gebracht hat -mit seinem Freund und Kollegen Franz Nissl oft bis tief in die Nacht an mikroskopischen Untersuchungen des zentralen Nervensystems. Die Anstalt beherbergte nur die schwersten Geisteskranken. Damals war der Klinikleiter Emil Sioli der einzige Arzt für 254 Kranke gewesen. Bei seiner ersten Visite sah er in der Abteilung für unruhige Patienten entkleidete und ausgekühlte Menschen. Sie lagen auf zerrissenen Strohsäcken und Matratzen in Zellen, die mit Essensresten und Kot verschmiert waren. Dem Direktor Sioli und seinem Oberarzt Alzheimer kam ein dritter Arzt zu Hilfe, Franz Nissl, der bald zum guten Freund Alzheimers wurde. Den drei Männern gelang es, die Anstalt in ein "fortschrittliches psychiatrisches Krankenhaus mit Sanatoriumscharakter umzuwandeln", schreiben die Eheleute Ulrike und Konrad Maurer in ihrer ausführlichen Alzheimer-Biographie. Konrad Maurer ist der jetzige Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität in Frankfurt, der Nachfolgeklinik jener Anstalt, in der Alzheimers Karriere begann. Die Einrichtung der Dauerbäder half dabei, dass sich erregte Patienten beruhigten. Sie mussten nun kaum noch Zwangsanwendungen erhalten oder in Isolierzimmer gesperrt werden. Zudem wurde die Klinik umgebaut und zum Beispiel durch ein Mikroskopierzimmer erweitert, in dem Alzheimer zusammen mit Nissl viele Stunden verbrachte. Alzheimer untersuchte dort Gehirnschnitte von Verstorbenen, die an der progressiven Paralyse litten, im Volksmund "Gehirnerweichung" genannt. Mit dieser Arbeit habilitierte er sich später. Damals war noch unbekannt, dass diese Geisteskrankheit eine Spätfolge der Syphilis ist. Zum Anstaltsareal gehörten auch ein Park, Äcker und eine Gärtnerei, wo sich fast jeder dritte Kranke betätigte. 1895 wurde er schließlich Oberarzt in Frankfurt.

Ein einschneidendes Erlebnis war seine Reise nach Algerien, wo er den kranken Frankfurter Diamantenhändler Otto Geisenheimer untersuchte. Nach dessen Tod kehrte er 1894 mit dessen Witwe Cecilie nach Frankfurt zurück und heiratete sie, nachdem Cecilie Geisenheimer vom Judentum zur protestantischen Konfession konvertiert war. Das Paar bekam drei Kinder: Gertrud, Hans und Maria. 1901 erlebte Alzheimer ein weiteres Schicksalsjahr, als seine Frau Cecilie starb. Trotz seiner Kinder heiratete er nie wieder.

Die Begegnung mit Auguste Deter und die Entdeckung

Am 25. November 1901 wurde Auguste Deter in die Städtische Irrenanstalt Frankfurt am Main eingeliefert. Einige Monate später, am 25. November 1901, untersuchte Alois Alzheimer die einundfünfzigjährige Patientin Auguste Deter aus Frankfurt-Sachsenhausen, die von ihrem Ehemann in die „Städtische Anstalt für Irre und Epileptische“ gebracht worden war, weil sie sich im Verlauf eines Jahres psychisch verändert hatte. Ihre Stimmungen wechselten in rascher Folge. Auguste Deter konnte sich kaum an frühere Erlebnisse erinnern und war sowohl örtlich als auch zeitlich desorientiert. Auf Fragen gab sie des Öfteren unpassende Antworten. Dr. Alzheimer behandelte die 51-jährige Patientin 1901 in der Städtischen Anstalt für Irre und Epileptische in Frankfurt. Sie erinnerte sich kaum an ihren Vornamen, war misstrauisch, aggressiv und weinerlich. „Ich habe mich sozusagen verloren“, sagte Auguste Deter zu ihrem Arzt Alois Alzheimer. Alzheimer traf Auguste Deter erstmals 1901, als er sie in Frankfurt am Main behandelte. Er beobachtete bei ihr starke Gedächtnisprobleme, Desorientierung und auch Halluzinationen. Alzheimer notierte folgende Besuchsszene: "Wie heißen Sie?" "Mai." - "Schreiben Sie Ihren Namen auf." Sie schrieb "Mai". Ein Vierteljahr später konnte sich Alzheimer nicht mehr mit seiner Patientin unterhalten, die er fast täglich besuchte. Die Frau jammerte oder schrie oft anfallsartig mehrere Stunden lang.

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Alzheimer vermutete biologische Ursachen für den geistigen Verfall seiner Patientin. „Wie heißen Sie?“ „Auguste.“ „Familienname?“ „Auguste.“ „Wie heißt Ihr Mann?“ - Auguste Deter zögert, antwortet schließlich: „Ich glaube… Auguste.“ „Ihr Mann?“ „Ach so.“ „Wie alt sind Sie?“ „51.“ „Wo wohnen Sie?“ „Ach, Sie waren doch schon bei uns.“ „Sind Sie verheiratet?“ „Ach, ich bin doch so verwirrt.“ „Wo sind Sie hier?“ „Hier und überall, hier und jetzt, Sie dürfen mir nichts übel nehmen.“ „Wo sind Sie hier?“ „Da werden wir noch wohnen.“ „Wo ist Ihr Bett?“ „Wo soll es sein?“ Zu Mittag isst Frau A. Deter Schweinefleisch mit Karfiol. Alzheimer war wie besessen von Spezialfällen. Wohl auch deshalb war dem damals 37-Jährigen Auguste Deters ungewöhnliche Krankheit sofort aufgefallen.

Auguste Deter starb am 8. April 1906. Als er am 9. April 1906 vom Tod seiner früheren Patientin Auguste Deter erfuhr, ließ er sich von Emil Sioli die Krankenakte und das Gehirn der Toten schicken. Da zu diesem Zeitpunkt in der Medizin eine derartige Verwirrtheit nur bei älteren Menschen als Krankheitsbild bekannt war, wollte Alzheimer das Gehirn der Patientin erneut untersuchen. Er vermutete bereits zum damaligen Zeitpunkt, dass es biologische Ursachen für den Verwirrtheitszustand seiner Patientin geben konnte. Nach dem Tod der "völlig verblödet" gestorbenen Frau im Jahr 1906 sezierte der Mediziner deren Gehirn. Alzheimer untersuchte dort Gehirnschnitte von Verstorbenen. Er war sich sicher, einen Fall gefunden zu haben, der den Lehrsatz des Berliner Arztes Wilhelm Griesinger bestätigte. Dieser hatte 1845 die naturwissenschaftliche Epoche der Psychiatrie eingeleitet: "Geisteskrankheiten sind Gehirnkrankheiten", postulierte Griesinger, sie haben eine organische Ursache. Mit großem Eifer untersuchte Alzheimer das Gehirn der Verstorbenen. Dabei stieß er auf Eiweißablagerungen (Plaques) und tote Nervenzellen - und hatte damit erstmals eine Erklärung für die seltsamen Symptome gefunden. Tatsächlich wurde Alzheimer fündig: In den Gehirnschnitten entdeckte er unter dem Mikroskop "sehr merkwürdige Veränderungen der Neurofibrillen", also des Zellskeletts der Nervenzellen. Diese Veränderungen führten offenbar dazu, dass die Zellen starben. Dabei bemerkte er, dass die Hirnrinde dünner war als bei gesunden Gehirnen und zudem Ablagerungen (Plaques) zu finden waren. In der Hirnrinde fand Alzheimer in anderen Nervenzellen "hirsekorngroße Herdchen, welche durch Einlagerung eines eigenartigen Stoffes bedingt sind."

Am 03. November 1906 hielt Alois Alzheimer einen Vortrag bei der 37. Versammlung Südwestdeutscher Irrenärzte und beschrieb dort erstmals das „eigenartige Krankheitsbild“, das er bei Auguste Deter entdeckt hatte. Anfang November 1906 trug der ambitionierte Nervenarzt seine Entdeckungen mit eindrücklichen Abbildungen auf der Versammlung der Süddeutschen Irrenärzte in Tübingen vor. Und er beschrieb den Fall in einem Fachartikel mit dem Titel „Eine eigenartige Krankheit der Hirnrinde“.

Weitere Karriere in Heidelberg und München

1902 folgte Alzheimer seinem Interesse an der Forschung und wurde wissenschaftlicher Assistent in Heidelberg bei Emil Kraepelin, damals Deutschlands bedeutendster Psychiater. Als der renommierte Psychiater Emil Kraepelin Alzheimer im Jahr 1903 anbot, bei ihm in Heidelberg zu forschen, zögerte dieser nicht. Im darauffolgenden Jahr ging Alzheimer mit Kraepelin nach München an die dortige Psychiatrische Klinik und übernahm das Hirnanatomische Laboratorium. Alzheimer bezog eine Wohnung in der Rückertstraße, nur hundert Schritte von der Klinik entfernt. Er holte seine drei Kinder und auch seine Schwester nach, die sich um die Halbwaisen kümmerte. Auch die Münchner Klinik befand sich im Umbau, und Alzheimer stand Kraepelin mit seiner Erfahrung zur Seite. Ein Jahr später habilitierte er sich.

Alzheimer richtete sich ein modernes Labor ein, in dem er später internationale Forscher ausbildete, von denen einige berühmt wurden - zum Beispiel Hans-Gerhard Creutzfeldt und Alfons Jakob, nach denen die BSE-ähnliche Prionenkrankheit beim Menschen benannt ist. Anfänglich wurde Alzheimer von der Klinik nicht bezahlt, was ihn aber nicht störte. Die Hinterlassenschaft seiner Frau hatte ihn "steinreich" gemacht, wie Konrad Maurer sagt. Sein Vermögen verdankte er Cecilies erstem Ehemann, einem Frankfurter Diamantenhändler, der kurze Zeit Alzheimers Patient war, bevor er an den Folgen der progressiven Paralyse starb, der Syphilis also.

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Die Anerkennung seiner Entdeckung

Zu seiner Enttäuschung wurden seine Erkenntnisse zunächst überhaupt nicht ernst genommen. Denn damals ging man noch davon aus, dass „Altersblödsinn“ keine biologischen Ursachen habe, sondern auf einen unzüchtigen Lebenswandel zurückzuführen ist. Doch noch immer zweifelten die Kollegen - vielleicht auch deshalb, weil Alzheimer, der auch "der Irrenarzt mit dem Mikroskop" genannt wurde, als Vorreiter einer modernen Psychiatrie besonders kritisch beäugt wurde. Doch nach seinem Vortrag war er irritiert und enttäuscht: Keiner der anwesenden renommierten Psychiater hatte eine Frage gestellt. Es hatte keine Diskussion gegeben. Nicht einmal einen Kommentar. Hatten ihn seine Kollegen womöglich gar nicht verstanden?

Vier Jahre später sollte der Münchner Klinikleiter Kraepelin das "senile und präsenile Irresein" in seinem Lehrbuch "Allgemeine Psychiatrie" detailliert schildern. 1910 verwendete Emil Kraepelin den Fall unter dem Namen „Alzheimersche Krankheit“ in seinem Buch, was für viele Jahre die einzige Beachtung der Forschungsergebnisse Alzheimers bleiben sollte. Sein Vorgesetzter Dr. Emil Kraepelin nahm die Krankengeschichte von Auguste Deter 1910 in einem Lehrbuch auf und nannte sie die „Alzheimersche Krankheit“. Er nannte das Leiden, das damals äußerst selten war, nach seinem "langjährigen treuen Mitarbeiter" die "Alzheimer-Krankheit". Erst nach dem Tod des Mediziners und Wissenschaftlers beginnt die lange Karriere seines Namens. Heute ist Kraepelins Bekanntheitsgrad hinter den von Alois Alzheimer zurückgetreten.

Professur in Breslau und früher Tod

1912 erhielt Alzheimer einen Ruf als ordentlicher Professor für Psychiatrie an die Friedrich-Wilhelm-Universität in Breslau. Doch steht seine Professur in Breslau unter einem unglücklichen Stern: Schon bei Dienstantritt ist er krank und leidet bei geringsten Anstrengungen unter Atemnot und Herzbeklemmungen. Auf der Reise erkrankte er an einer infektiösen Krankheit, die unter Anderem sein Herz betraf und von der er sich sein restliches Leben nicht mehr erholen sollte. Sein ehemaliger Chef Kraepelin erkennt bei ihm eine infektiöse Angina mit Nephritis und Gelenkentzündung. Auch ein Kuraufenthalt in Wiesbaden 1913 bringt keine dauerhafte Besserung. Im Jahr 1915 leidet er unter qualvollen Herzbeschwerden und verstirbt schließlich am 19. Dezember desselben Jahres im Kreise seiner Familie. Seine letzte Ruhe findet Alzheimer neben seiner Frau Cecilie auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.

Das Vermächtnis von Alois Alzheimer

Alois Alzheimer starb am 19. Dezember 1915. Sein früher Tod verhinderte, dass er die volle Anerkennung für seine bahnbrechende Arbeit erlebte. Die von Alois Alzheimer vor über 100 Jahren entdeckten Veränderungen im Gehirn von Auguste Deter bilden bis heute die Grundlage der aktuellen Alzheimer-Forschung.

Alzheimer entdeckte eine Krankheit, die stellvertretend für das Dilemma des medizinischen Fortschritts steht: Die Menschen werden zwar immer älter, doch mit der Lebenserwartung steigt auch die Zahl schwerer Krankheiten. Genau so verhält es sich mit dem Absterben eines Großteils der Nervenzellen im Gehirn: Anfang des 20. Jahrhunderts galt dies noch als exotische Krankheit. Im 21. Jahrhundert weiß die Medizinwelt längst die Forschungen des von seinen Biografen als lebenslustig und besessen beschriebenen Wissenschaftlers zu würdigen. Und auch in der Öffentlichkeit stößt die Alzheimer-Krankheit auf enormes Interesse - nicht zuletzt wegen der vielen prominenten Patienten. 1994 hatte sich der kürzlich verstorbene frühere US-Präsident Ronald Reagan mit den Worten geoutet, er gehe dem "Sonnenuntergang seines Lebens" entgegen.

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Heute arbeiten weltweit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Erforschung dieser komplexen und bis heute unheilbaren Krankheit. Es gibt jedoch Therapien und Medikamente, die den Krankheitsverlauf verzögern und die Lebensqualität der Erkrankten verbessern können. Seit dieser ersten Beschreibung hat sich dank Forschung unser Verständnis der Krankheit stetig vertieft - die wichtigsten Entwicklungen zeigen unsere Meilensteine der Alzheimer-Forschung.

Experten erwarten, dass die Zahl der Patienten weiter drastisch zunehmen wird. Hauptrisikofaktor der Erkrankung bleibt das Alter: Von den 60-Jährigen sind rund ein Prozent betroffen, von den 90-Jährigen leiden bereits 30 Prozent an dieser Demenz-Form, die sich in einer gravierenden Persönlichkeitsveränderung, Verhaltensstörungen, Gedächtnis- und Konzentrationsschwächen äußert.

Die Alzheimer-Krankheit heute

Die Alzheimer-Krankheit ist heute eine der bekanntesten neurodegenerativen Erkrankungen. Ende des Jahrhunderts ist der Name Alzheimer weltbekannt und steht für eine Krankheit, die unser Gesundheitssystem in Zukunft auf eine ernste Probe stellen wird. Ihr Schicksal machte auf eine Krankheit aufmerksam, die eine große und offenkundig weiter wachsende Zahl von Menschen trifft: „Rund 1 Million Menschen leiden in Deutschland an dieser Demenzerkrankung, die meist im hohen Alter ausbricht, aber auch schon 50-Jährige treffen kann“, sagt Dr. Burkhard Struwe. Er leitet die gerontopsychiatrische Abteilung an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bad Emstal-Merxhausen.

Unauffällig fängt es an. Die Patienten können sich keine Zahlen mehr merken und wiederholen gerade gesprochene Sätze. Wenn die Patienten Glück haben, bleibt es bei dieser „mild cognitive impairment“ (leichte kognitive Beeinträchtigung), der Vorstufe von Alzheimer. Wenn sie kein Glück haben, kommen in der ersten Phase der Alzheimer-Demenz noch nachlassende Urteilsfähigkeit, Orientierungsschwierigkeiten und häufige Geistesabwesenheit hinzu. In der zweiten Phase der Demenz beginnt der „Abschied vom Ich“. Die Patienten erkennen ihre Angehörigen nicht mehr, können nicht mehr selbstständig essen und trinken, werden inkontinent und können ihren Stuhlgang nicht mehr kontrollieren. Jetzt ist der geistige und körperliche Verfall offensichtlich. Die dritte Phase kann fünf und mehr Jahre andauern. Der Patient ist dann auf die Intelligenz eines Säuglings zurückgefallen. Am Ende sterben die Patienten an Folgeerkrankungen wie Lungenentzündung oder anderen Infektionen. Mit dem Fortgang der Krankheit wächst der notwendige Hilfebedarf bis hin zur permanenten Betreuung. Pflegende Angehörige können dies, auch bei Unterstützung durch ambulante Dienste und Selbsthilfegruppen, kaum noch leisten.

Wirksame Medikamente gibt es bis heute nicht. Alzheimer ist nicht heilbar, man kann lediglich den weiteren Krankheitsfortschritt verzögern. Dies erreicht man durch „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“, geistige Betätigung und mit einigen Medikamenten, die allerdings nicht die eigentliche Krankheitsursache bekämpfen. Dies sind sogenannte Acetylcholinesterase-Hemmer, die den Abbau eines Botenstoffs im Gehirn verzögern. „Die Symptome der Erkrankung kann man damit etwa zwei Jahre hinausschieben“, so Struwe.

Ein weiteres Problem ist die Diagnose. Meist wird Alzheimer erst erkannt, wenn die Krankheit schon relativ weit fortgeschritten ist. „Die Erkrankung dauert etwa 30 Jahre, wird aber erst nach ca. 20 Jahren auffällig“, sagt der Kasseler Gerontopsychiater. Als gut zu handhabende Untersuchungsverfahren gibt es den Uhrentest und den „mini-mental-state“-Test. Mit ihnen kann auch der Hausarzt eine erste Diagnose stellen. Wird er fündig, überweist er an den Neurologen, der dann nach dem Ausschlussprinzip arbeitet. Können Schlaganfälle, Durchblutungsstörungen oder Parkinson ausgeschlossen werden, stellt der Facharzt die Diagnose Alzheimer.

So verzweifelt die Lage für die Patienten und Angehörigen heute noch ist, so viel besser könnte ihre Situation in Zukunft sein, denn die Neurobiologie und mit ihr die Alzheimer-Forschung machen Fortschritte. Immer deutlicher zeichnet sich das Bild von den Krankheitsursachen ab: Auslöser für den Tod der Nervenzellen ist wahrscheinlich eine biochemische Kaskade, die außerhalb der Nervenzellen beginnt und in ihrem Inneren endet. Im Verlauf dieser Kaskade bilden sich die „Plaques“ (Ansammlung abgestorbener Nervenzellen), die schon Alois Alzheimer in der Hirnrinde seiner Patienten fand. Seitdem die Wissenschaftler die am Krankheitsprozess beteiligten Enzyme kennen, haben sie mit der Suche nach Medikamenten begonnen, die möglichst frühzeitig die krankmachende Kaskade stoppen sollen. Gleichzeitig arbeiten Forscher an einem neuen Impfstoff, der bei Patienten die Demenz schon ein Jahr gestoppt hat. Problematisch sind allerdings die Nebenwirkungen, weshalb die Impfstudie gegenwärtig gestoppt ist. An der Verbesserung dieses Impfstoffs wird momentan gearbeitet.

Wann man dieser tückischen Erkrankung medikamentös den Kampf ansagen kann, bleibt deshalb auf absehbare Zeit offen. Gelingt den Wissenschaftlern in den nächsten Jahren kein entscheidender Durchbruch im Kampf gegen Alzheimer, droht dem Gesundheitssystem eine weitere Schieflage: Mit der Alterung der Gesellschaft nimmt die Zahl der Alzheimer-Patienten seit Jahren dramatisch zu: „In zehn bis fünfzehn Jahren haben sich die Fallzahlen verdoppelt“, weiß Struwe.

Alzheimer in der Kunst

Auch in der Kunst und im Film wurde die Alzheimer-Krankheit thematisiert. In seinem Film „Iris“ erzählt Richard Eyre unter anderem von der Alzheimer-Krankheit der englischen Schriftstellerin Iris Murdoch (1919 - 1999). Christiane Hörbiger verkörpert in „Stiller Abschied“ eine an Alzheimer erkrankte Unternehmerin, die zunächst ebenso wenig wie ihr Sohn wahrhaben möchte, dass sie krank ist. Sarah Polley veranschaulicht in ihrem Film „An ihrer Seite“ den schleichenden Beginn einer Alzheimer-Erkrankung und das allmähliche Verdämmern der Patientin. Nachtrag: Besonders eindringlich verkörpert auch Julianne Moore in „Still Alice. Mein Leben ohne Gestern“ (2014) eine Alzheimer-Patientin.

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