Die Diagnose einer Alzheimer-Erkrankung oder einer anderen Demenzform verändert das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen grundlegend. Viele wissen jedoch nicht, dass sie Unterstützung von Selbsthilfeorganisationen wie der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V. erhalten können. Diese Organisation spielt eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung von Betroffenen und ihren Familien im Land Brandenburg.
Die Rolle der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V.
Die Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V. versteht sich als Interessenvertretung von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen. Sie setzt sich dafür ein, dass ihre Wünsche und Bedürfnisse respektiert und berücksichtigt werden. Die Gesellschaft wurde im Mai 1997 von einer Gruppe pflegender Angehöriger sowie Mitarbeitern aus Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und ambulanten Pflegediensten gegründet. Im Dezember 2020 gehörten ihr 179 ordentliche Mitglieder (natürliche und juristische Personen) und 34 Fördermitglieder an.
Angebote und Leistungen
Die Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V. bietet eine Vielzahl von Leistungen an, um Betroffene und ihre Angehörigen zu unterstützen:
- Beratung und Information: Die Gesellschaft bietet Wissen und Informationen zur Demenz-Erkrankung direkt an Betroffene und deren Angehörige weiter. Neben der Erstberatung vermittelt sie Hilfesuchende an unterschiedliche Beratungsstellen im gesamten Land Brandenburg, die beispielsweise bei der Beantragung eines Pflegegrads unterstützen.
- Online-Selbsthilfegruppen: Spezielle Online-Selbsthilfegruppen konzentrieren sich auf die Beratung und Unterstützung von Menschen, die jung an Demenz erkrankt sind, also unter 65 Jahre alt sind und oft noch im Berufsleben stehen.
- Seminare und Schulungen: In Seminaren werden Fragen wie "Wie lebe ich mit der Diagnose?" behandelt. Die Gesellschaft bietet auch die Möglichkeit, von anderen Betroffenen zu lernen und sich zu vernetzen. Für pflegende Angehörige werden jährlich 50 Schulungen mit Partnern in ganz Brandenburg angeboten.
- Demenztelefon Brandenburg: Die Gesellschaft betreibt ein telefonisches Beratungsangebot, über das Betroffene Kontakt aufnehmen können. Das Demenztelefon Brandenburg ist wie folgt besetzt: Mo. und Fr. jeweils von 9 - 12 Uhr, Mi.
- Öffentlichkeitsarbeit: Durch Wanderausstellungen und Präsenz auf Wochenmärkten möchte die Alzheimer-Gesellschaft aktiv mit den Menschen ins Gespräch kommen, um auf das Thema Demenz und ihre Organisation aufmerksam zu machen. Begleitet wird das Jubiläum der Alzheimergesellschaft mit der Aktion: „Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg on tour: Treffpunkt Markplatz“, die im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung interaktiv mit einem Kunstevent eröffnet wurde. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen und auf das Thema Demenz aufmerksam zu machen. Stationen der Tour sind Senftenberg (12. Juli), Nauen (14. Juli) und Potsdam (21. September). Ministerin Nonnemacher nimmt an der Veranstaltung in Nauen am 14. teilzuhaben.
Vernetzung und Kooperation
Die Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V. legt großen Wert auf Vernetzung und Kommunikation mit anderen Akteuren in der Versorgung von Demenzerkrankten. Sie wünscht sich, dass möglichst viele Ärzte und Klinikpersonal von den Beratungsangeboten im Land Brandenburg oder Potsdam und Umgebung wissen und die Kontakte schnellstmöglich an jeden Betroffenen weitergeben.
Innerhalb des Kooperationsprojektes „Fachstelle Altern und Pflege im Quartier“ (FAPIQ) ist die Alzheimer-Gesellschaft zudem zuständig für regionale alltagsunterstützende Angebote sowie für altersgerechtes Wohnen.
Lesen Sie auch: Unterstützung für Menschen mit Demenz in Brandenburg
Das Kompetenzzentrum Demenz für das Land Brandenburg
Als Trägerin des Kompetenzzentrums Demenz, gefördert im Rahmen des Pakts für Pflege des Landes Brandenburg, unterstützt die Alzheimer-Gesellschaft seit 2016 auch die Arbeit der professionell in diesem Bereich Tätigen und berät zu Initiativen und Konzepten zur Verbesserung der Angebote der ambulanten, teilstationären und stationären Betreuung und Pflege bzw. der Versorgung im Krankenhaus. Das Kompetenzzentrum Demenz hat den Auftrag, die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und deren Angehörigen im Land Brandenburg zu verbessern. Es arbeitet mit vielen Akteuren zusammen, um sicherzustellen, dass Menschen mit Demenz und ihre Familien gut in ihrem vertrauten Umfeld leben können.
Herausforderungen und Perspektiven
Trotz der vielfältigen Angebote und des Engagements der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V. gibt es weiterhin Herausforderungen:
- Hohe Hürde bei der Inanspruchnahme von Hilfe: Viele Betroffene scheuen sich, Hilfe zu suchen und in Anspruch zu nehmen.
- Schamgefühl: Der Begriff Demenz ist oft noch mit einem Schamgefühl behaftet. Häufig besteht eine Scheu, mit der Familie, den Freunden oder Nachbarn über die Diagnose zu sprechen.
- Unzureichende Information der Hausärzte: Hausärzte sind oft die erste Anlaufstelle für Betroffene, wissen aber oftmals nicht ausreichend, welche Organisationen und Netzwerke es ergänzend zu den medizinischen Möglichkeiten gibt.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, sind folgende Maßnahmen wichtig:
- Frühzeitige Information und Aufklärung: Es ist wichtig, die Bevölkerung frühzeitig über Demenz zu informieren und aufzuklären, um das Schamgefühl abzubauen und die Inanspruchnahme von Hilfe zu fördern.
- Niedrigschwellige Angebote: Es sollten niedrigschwellige Informationen und Beratungsmöglichkeiten angeboten werden, beispielsweise durch Selbsthilfegruppen.
- Vernetzung der Akteure: Eine noch stärkere Vernetzung und Kommunikation unter den einzelnen Akteuren, die in der Versorgung von Demenzerkrankten beteiligt sind, ist notwendig.
- Information der Ärzte: Es ist wichtig, dass Ärztinnen und Ärzte über die Beratungsangebote im Land Brandenburg informiert sind und die Kontakte an Betroffene weitergeben.
Jubiläum und Würdigung
Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V. würdigte Sozialministerin Ursula Nonnemacher das Engagement der Institution. Sie betonte, dass die Gesellschaft sich von Anfang an als Interessenvertretung demenziell Erkrankter und ihrer pflegenden Angehörigen dafür eingesetzt hat, dass das Verständnis der Bevölkerung für die Erkrankten verbessert wird. Sie kämpft seit ihrer Gründung konsequent und mit Nachdruck für mehr Unterstützungs- und Entlastungsangebote der Betroffenen und gibt Menschen mit Demenz eine starke Stimme.
Demenz in Brandenburg: Zahlen und Fakten
Derzeit sind in Brandenburg rund 68.000 Personen an Demenz erkrankt. Angesichts der demographischen Entwicklung wird diese Zahl bis 2030 voraussichtlich auf 72.000 Personen steigen, wenn es in den nächsten Jahren keinen Durchbruch bei der Prävention und Therapie geben sollte. Das Risiko, an Demenz zu erkranken, wächst mit steigendem Alter.
Lesen Sie auch: Informationen für Alzheimer-Patienten und Angehörige
Lesen Sie auch: Kinder-Alzheimer: Ein umfassender Überblick
tags: #alzheimer #gesellschaft #brandenburg