Angebote der Alzheimer Gesellschaft Gießen: Unterstützung und Teilhabe für Menschen mit Demenz

Demenz stellt Betroffene, Angehörige und die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Die Alzheimer Gesellschaft Gießen und verschiedene Initiativen in Stadt und Landkreis Gießen bieten vielfältige Unterstützungsangebote, um Menschen mit Demenz ein würdevolles Leben zu ermöglichen und Angehörige zu entlasten. Ziel ist es, die Selbstständigkeit und Akzeptanz der Betroffenen zu stärken und ihre Teilhabe an der Gemeinschaft zu fördern.

Demenz im Krankenhaus: Besondere Bedürfnisse erfordern sensible Betreuung

Ein Krankenhausaufenthalt stellt für Menschen mit Demenz eine besondere Belastung dar. Die fremde Umgebung, der Trubel und ungewohnte Situationen können zu Angst, Nervosität, Abwehr oder Unruhe führen. Etwa 12 % der Patient:innen im Krankenhaus weisen Demenz als Nebendiagnose auf, was die Notwendigkeit einer demenzsensiblen Betreuung unterstreicht.

Maßnahmen zur Erleichterung des Krankenhausaufenthalts

Kliniken arbeiten daran, den Aufenthalt für Patient:innen mit Demenz angenehmer zu gestalten. Dazu gehört der Einsatz von ehrenamtlichen Demenzbegleiter:innen, die mit besonderer Sensibilität im Klinikalltag unterstützen.

Die Betreuung durch Ehrenamtliche umfasst verschiedene Module:

  • Malen und Basteln
  • Puzzeln
  • Singen
  • Lesen
  • Bewegen
  • Begleitung zu Untersuchungen

Diese Angebote zielen darauf ab, die Fähigkeiten der Patient:innen zu erhalten oder auszubauen und ihnen eine passende Zugangsart zu ermöglichen.

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Ganzheitliches Konzept: Orientierung, Angehörigeneinbezug und Bildung

Im Mittelpunkt der Versorgung und Betreuung stehen Orientierung, Angehörigeneinbezug und Bildungsmaßnahmen. Bei ausreichenden Kapazitäten besteht die Möglichkeit des „Rooming in“, bei dem eine Bezugsperson den:die Patient:in begleitet, um ein Stück des gewohnten Umfelds zu gewährleisten.

Beratung und Unterstützung für Betroffene und Angehörige

Die Alzheimer Gesellschaft Gießen bietet umfassende Beratungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.

Demenzberatung vs. Seniorenberatung

Die Demenzberatung konzentriert sich auf Demenz-spezifische Themen wie Diagnose, Alltagsbewältigung und Entlastungsmöglichkeiten. Die Seniorenberatung betrachtet hingegen die Lebens- und Gesundheitssituation älterer Menschen umfassender, einschließlich Pflege-, Sozial- und Finanzfragen.

Kostenfreie Pflegeberatung nach § 7a SGB XI

Die Pflegeberatung ist ein gesetzlicher Anspruch und kostenfrei. Sie hilft Betroffenen und Angehörigen, ihre Ansprüche zu prüfen und zu nutzen.

Beratung auch ohne Pflegegrad

Auch ohne Pflegegrad bietet die Alzheimer Gesellschaft Orientierung und bespricht sinnvolle Schritte, einschließlich Antragstellung und Unterstützungsmöglichkeiten.

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Unterstützung für Angehörige

Angehörige können auch allein zur Beratung kommen. Der Anspruch auf Pflegeberatung kann auf Wunsch auch von Angehörigen wahrgenommen werden.

Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen

Die Alzheimer Gesellschaft erklärt Formulare, Fristen und Nachweise und vermittelt bei Bedarf an zuständige Stellen oder Partner.

Finanzielle Hilfen für Angehörige

Angehörige können u. a. den Entlastungsbetrag von 131 € monatlich für anerkannte Angebote der Betreuung und Entlastung nutzen.

Angebote zur Entlastung im Alltag

Es gibt verschiedene Angebote zur Entlastung im Alltag, darunter Betreuungsgruppen, Einzelbetreuung, haushaltsnahe Dienste und DRK-Unterstützungsangebote.

Diagnose und Therapie: Der erste Schritt zur Bewältigung

Bei Verdacht auf Demenz ist eine Diagnostik und Therapie durch einen Facharzt oder eine Fachklinik unerlässlich. Eine Überweisung vom Hausarzt ist dafür notwendig.

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Informationen zum Krankheitsbild

Es ist wichtig, sich über das Krankheitsbild zu informieren, um die Erkrankten besser zu verstehen und mit ihnen besser umgehen zu können. Die Checkliste Demenz bietet Informationen und Anhaltspunkte zu verschiedenen Themenbereichen, darunter:

  • Einschränkungen in den Alltagskompetenzen
  • Umgang mit dementiell erkrankten Personen
  • Möglichkeiten zur Entlastung von pflegenden Angehörigen
  • Wohnraumgestaltung bei Demenz
  • Angelegenheiten, die geregelt werden sollten

Gruppenangebote und Gesprächskreise

In Gießen und im Landkreis gibt es verschiedene Gruppenangebote zur Betreuung von Menschen mit Demenz, sogenannte Demenzcafés. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten bis zu einer bestimmten Höhe. Der Austausch mit Gleichgesinnten in einem Gesprächskreis kann hilfreich und unterstützend sein und wertvolle Tipps für die Gestaltung des Alltags bieten.

Demenz im jüngeren Lebensalter

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat einen Online-Ratgeber zum Thema „Demenz im jüngeren Lebensalter“ veröffentlicht. Dieser informiert über medizinische Besonderheiten, den Umgang mit krankheitsbedingten Einschränkungen und veränderten Verhaltensweisen sowie zu rechtlichen und finanziellen Fragen.

Initiative "Demenzfreundliche Kommune Gießen"

Die Initiative „Demenzfreundliche Kommune Gießen" unterstützt Bürger:innen bei der Initiierung von Nachhaltigkeit in Bezug auf das Leben von Menschen mit Demenz. Sie mobilisiert zivilgesellschaftliche Kräfte, um ein gutes Leben mit Demenz mit und für Betroffene zu ermöglichen.

Ziele und Aktivitäten

Ziel des Projektes ist es, die Selbstständigkeit und Akzeptanz der Betroffenen zu stärken und sie in die Gemeinschaft der Kommune zurückzuholen. Dazu gehören entlastende Angebote für Angehörige und lebenserleichternde Hilfen für die Betroffenen selbst.

Die Initiative hat verschiedene Aktivitäten durchgeführt, darunter:

  • Expertentreffen mit Personen aus dem Umfeld von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen
  • Bürgerforen zur Diskussion über Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Menschen mit Demenz
  • Informationsveranstaltungen und Aktionen in der Öffentlichkeit, z.B. in der Fußgängerzone

Kooperationen und Herausforderungen

Die Initiative arbeitet mit verschiedenen sozialen Trägern, Krankenhäusern, Einrichtungen, Einzelhandel, Schulen und Stadtwerken zusammen. Eine Herausforderung besteht darin, die Initiative ohne finanzielle Mittel auf Dauer am Leben zu erhalten. Es ist erforderlich, Ressourcen für die Koordinierung und Organisation der Aufgaben zur Verfügung zu haben.

Der Chor "Unvergesslich": Gemeinsam singen verbindet

Der Chor „Unvergesslich“ ist ein Projekt der Initiative Demenzfreundliche Kommune, das Menschen mit und ohne Demenz zusammenbringt. Das gemeinsame Singen fördert die Teilhabe und Lebensqualität der Betroffenen und trägt dazu bei, das Thema Demenz in die Öffentlichkeit zu tragen. Der Chor tritt regelmäßig auf und begeistert sein Publikum mit bekannten Volksliedern und Schlagern.

Kulturelle Angebote für Menschen mit Demenz

Die Initiative Demenzfreundliche Kommune bietet ein vielfältiges Kulturprogramm für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen an. Dazu gehören Museumsbesuche, Ausstellungen und Konzerte. Diese Angebote ermöglichen den Betroffenen, am kulturellen Leben teilzunehmen und neue Erfahrungen zu sammeln.

Spielerische Experimente für mehr Verständnis

Bei der Seniorenmesse in Gießen lud die Initiative Demenzfreundliche Kommune zu einem spielerischen Experiment ein, um das Verständnis für das Verhalten von Menschen mit Demenz zu wecken. Die Teilnehmer:innen sollten eine Sonne malen, während sie in einen Spiegel schauten. Dieses Experiment verdeutlichte, wie schwierig alltägliche Dinge sein können, wenn sie mit Einschränkungen erledigt werden müssen.

Aktuelle Angebote und Veranstaltungen

Die Initiative Demenzfreundliche Kommune bietet regelmäßig verschiedene Veranstaltungen und Angebote an, darunter:

  • Konzerte des Chors „Unvergesslich“
  • Führungen durch Museen und Ausstellungen
  • Vorträge und Informationsveranstaltungen
  • Gesprächskreise für Angehörige

Die Initiative Demenzfreundliche Kommune - Stadt und Landkreis Gießen e.V.

Die Initiative Demenzfreundliche Kommune - Stadt und Landkreis Gießen e.V. fördert durch Aufklärungsarbeit das Verständnis für Menschen mit Demenz und deren Angehörige in der breiten Öffentlichkeit und unterstützt die Rechte der Menschen mit Demenz.

Neuer Vorstand

Die Initiative hat einen neuen Vorstand. Elisabeth Bender wurde zur neuen Vorsitzenden gewählt, Doris Metzendorf zur stellvertretenden Vorsitzenden. Marion Lücke-Schmidt bleibt Schatzmeisterin.

Schwerpunkte der Arbeit

Aushängeschild der Initiative ist weiterhin der Chor für Menschen mit Demenz und alle, die gerne singen. Große Aufmerksamkeit hat weiterhin das Kulturprogramm für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen.

Sarah Straub: Musik und Psychologie im Dienst der Demenzhilfe

Die promovierte Diplom-Psychologin und Sängerin Sarah Straub verbindet in ihren Auftritten Musik und Fachwissen, um das Thema Demenz auf einfühlsame Weise zu vermitteln. Durch die Pflegebedürftigkeit ihrer Großmutter wurde sie früh mit dem Thema konfrontiert und gibt ihre Erfahrungen in einer Online-Demenzsprechstunde am Universitätsklinikum Ulm weiter. In ihrem Buch „Wie meine Großmutter ihr Ich verlor“ hat sie ihr Fachwissen und ihre persönlichen Erfahrungen miteinander verbunden.

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