Nervenschäden: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Nervenschädigungen, auch als Mono- oder Polyneuropathien bekannt, bezeichnen eine Beeinträchtigung eines oder mehrerer Nerven des peripheren Nervensystems. Das periphere Nervensystem ist der Teil des Nervensystems, der außerhalb von Gehirn und Rückenmark verläuft und Nerven in Armen, Beinen oder Organen umfasst. In manchen Fällen kann auch das zentrale Nervensystem (ZNS) in Gehirn und Rückenmark betroffen sein. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen für Schäden an den peripheren Nerven, wobei Experten über 300 verschiedene Ursachen für Polyneuropathie identifiziert haben. In manchen Fällen bleibt der genaue Grund jedoch unklar.

Ursachen von Nervenschäden

Mediziner unterteilen die Ursachen von Nervenschädigungen grundsätzlich in mehrere Bereiche:

Diabetes Mellitus

Vor allem Menschen mit Diabetes mellitus (Typ 1 und Typ 2) entwickeln häufig Nervenschädigungen, die als diabetische Neuropathie bezeichnet werden. Experten gehen davon aus, dass sie mit dem dabei vorhandenen überhöhten Blutzuckerspiegel zusammenhängt. Je öfter und länger die Zuckerwerte im Blut sehr hoch sind, desto höher ist das Risiko einer Neuropathie. Hohe Blutzuckerwerte können die Blutgefäße der Nerven schädigen, was zu einer verminderten Durchblutung und Sauerstoffversorgung der Nervenzellen führt. Eine sanfte Senkung des HbA1c-Wertes um weniger als zwei Prozentpunkte über einen Zeitraum von drei Monaten gilt als optimal.

Alkoholmissbrauch

Regelmäßiger Konsum großer Mengen Alkohol kann die Nerven schädigen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Ethanol im Alkohol die Nervenzellen direkt angreift. Zudem geht übermäßiger Alkoholkonsum oft mit einer einseitigen und mangelhaften Ernährung einher, was zu einer Unterversorgung mit wichtigen Vitaminen wie Vitamin B12 oder B9 führen kann. Diese Vitamine spielen eine wichtige Rolle für den Schutz und die Regeneration des Nervensystems. Die nervlichen Schäden des Alkohols können Symptome wie motorische Einschränkungen, Taubheitsgefühle in den Extremitäten oder Entzündungsreaktionen im Körper verursachen.

Verletzungen

Nervenschädigungen können eine Folge externer Verletzungen sein. Bei Operationen kann Gewebe durchtrennt und gleichzeitig Nerven beschädigt werden. Auch Unfälle und körperliche Angriffe können bleibende Nervenschäden hinterlassen. Amputationen, insbesondere an Unterarmen oder Unterschenkeln, können erforderlich werden, wenn durchtrennte Gefäße oder Nerven chirurgisch nicht mehr miteinander verknüpft werden können. Nach einer Amputation können Phantomschmerzen auftreten, die das entfernte Areal betreffen.

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Entzündungen und Tumore

Nervenentzündungen (Neuritis), Engstellen an Gelenken und Tumore können ebenfalls Nervenschäden verursachen. Engstellen an Gelenken können Nerven regelrecht abklemmen, während Tumore Druck auf die Nerven ausüben und ihre Funktionalität einschränken können.

Autoimmunerkrankungen

Bei Autoimmunerkrankungen richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper. Anstatt fremde Erreger zu bekämpfen, greift der Körper eigene Strukturen an, einschließlich des Nervensystems. Die dabei entstehenden Entzündungsreaktionen können Nervenschädigungen verursachen. Häufige Erkrankungen dieser Art sind Multiple Sklerose und Neurosarkoidose. Bei der Neurosarkoidose bilden sich kleine Knötchen im Nervengewebe, die Druck auf die Nerven ausüben und ihre Funktionalität einschränken.

Chemotherapie

Die Chemotherapie, die eigentlich Krebsleiden eindämmen und bekämpfen soll, kann in manchen Fällen auch Nervenzellen angreifen. Die schädlichen Stoffe verbreiten sich im Körper und können Empfindungsstörungen, Taubheitsgefühle, Überempfindlichkeiten auf Reize, Gleichgewichtsstörungen oder Muskelschwäche verursachen. Die Intensität der Beschwerden hängt von der Dosierung und Häufigkeit der Chemotherapie ab.

Infektionen

Infektionen mit Herpes-, Grippe- oder Hepatitis-Viren können ebenfalls nervliche Schäden verursachen. Auch die Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers (Eppstein-Barr-Virus) bergen diesbezüglich ein gewisses Risiko. Alle Menschen, die bereits an Windpocken erkrankt sind, tragen die auslösenden Varizella-Zoster-Viren in sich, die erneut aktiviert werden und eine Gürtelrose verursachen können. Wenn die Gürtelrose zu spät oder nicht ausreichend behandelt wird, können Schäden am Hautnerv entstehen.

Weitere Ursachen

Zu den weiteren potenziellen Ursachen von Nervenschädigungen gehören Gefäßverschlußkrankheit (pAVK), Vitamin-B-Mangel, Medikamente, Gifte und andere Erkrankungen.

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Symptome von Nervenschäden

Die Symptome von Nervenschäden können vielfältig sein und hängen davon ab, welche Nerven betroffen sind. Typische Symptome sind:

  • Empfindungsstörungen: Kribbeln, Brennen, Taubheit, stechende Schmerzen, elektrische Missempfindungen, Hitze- oder Kältegefühl, Schwellungsgefühl oder Gefühl der Eingeschnürtheit in Armen und Beinen.
  • Schmerzen: Einschießende Schmerzattacken, brennende Schmerzen, neuropathische Schmerzen.
  • Motorische Störungen: Muskelschwäche, Muskelkrämpfe, Muskelzuckungen, Lähmungen, Koordinationsschwierigkeiten beim Laufen.
  • Vegetative Störungen: Störung der Organfunktionen, Schwindel, Blasenschwäche, Durchfall, verstärktes Schwitzen.
  • Weitere Symptome: Gangunsicherheiten, Gleichgewichtsstörungen, Erschöpfungszustände.

Diagnose von Nervenschäden

Zur Diagnose von Nervenschäden werden verschiedene Untersuchungsmethoden eingesetzt:

  • Anamnese: Ausführliches Gespräch mit dem Arzt über die Art und Entwicklungsgeschichte der Beschwerden.
  • Körperliche Untersuchung: Prüfung von Muskelkraft, Reflexen und Reizempfinden.
  • Elektroneurographie (Messung der Nervenleitung): Messung der elektrischen Impulse der Nerven, um herauszufinden, wie die Nervensignale transportiert und im Körper verteilt werden.
  • Elektromyographie (Analyse der Muskelaktivität): Analyse der Muskelaktivität zur frühen Erkennung von Schädigungen.
  • Laboruntersuchungen: Untersuchungen von Blut, Urin und Nervenwasser, um mögliche Ursachen wie Diabetes, Vitaminmangel oder Entzündungen zu identifizieren.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomografie (MRT) oder Ultraschall, um Nerven und umliegendes Gewebe darzustellen.
  • Gewebeproben: Entnahme von Gewebeproben der Haut, von Muskeln oder Nerven zur feingeweblichen Untersuchung.
  • Quantitative Sensorische Testung (QST): Standardisierte Gefühlstests an der Haut, um zu erkennen, welche Nervenfasern genau geschädigt sind und wie stark die Schädigung fortgeschritten ist.
  • Thermode: Computergesteuerte Temperaturreize zur exakten Messung des Temperaturempfindens.
  • Hautbiopsie: Untersuchung einer Gewebeprobe aus der Haut unter dem Mikroskop, um Small-Fiber-Neuropathien zu diagnostizieren.

Behandlung von Nervenschäden

Die Behandlung von Nervenschäden richtet sich nach der Ursache und den Symptomen. Ziel ist es, die Ursache zu beseitigen oder zu behandeln, die Schmerzen zu lindern und dieFunktion der betroffenen Nerven zu verbessern.

Behandlung der Ursache

  • Diabetes: Optimale Einstellung des Blutzuckerspiegels, um weitere Nervenschäden zu verhindern. Eine sanfte Senkung des HbA1c-Wertes um weniger als zwei Prozentpunkte über einen Zeitraum von drei Monaten gilt als optimal.
  • Alkoholmissbrauch: Abstinenz, um die Nerven nicht weiter zu schädigen und die Regeneration zu fördern.
  • Vitaminmangel: Ausgleich des Mangels durch Ernährungsumstellung oder Nahrungsergänzungsmittel.
  • Infektionen: Behandlung mit Antibiotika oder antiviralen Medikamenten.
  • Autoimmunerkrankungen: Behandlung mit Immunsuppressiva, um die Entzündungsreaktionen zu reduzieren.
  • Tumore: Chirurgische Entfernung, Bestrahlung oder Chemotherapie.

Schmerztherapie

  • Antidepressiva: Können die Weiterleitung von Schmerzsignalen dämpfen.
  • Antikonvulsiva: Bremsen die Erregbarkeit der Nerven und wirken schmerzlindernd.
  • Opioide: Können bei starken Schmerzen eingesetzt werden, sollten aber nur kurzzeitig eingenommen werden, da sie zu Abhängigkeit führen können.
  • Capsaicin-Pflaster: Können den schmerzenden Bereich betäuben, die Durchblutung steigern und die Neubildung kleiner Nervenfasern anregen.

Begleitende Therapien

  • Physiotherapie: Gleichgewichtstraining und Übungen zur Verbesserung der Koordination und Muskelkraft.
  • Ergotherapie: Unterstützung bei ungünstigen Bewegungsabläufen und Gleichgewichtsstörungen.
  • Elektrotherapie (TENS): Stimulation der Nerven durch Impulse, um Schmerzen zu lindern.
  • Akupunktur: Kann die Nerven beleben und Schmerzen lindern.
  • Orthesen: Spezielle Schienen, um Hände und Füße beweglich zu halten.

Nervenzusammenbruch und Belastungsreaktionen

Neben den oben genannten Ursachen für Nervenschäden können auch psychische Belastungen und Stress zu einer akuten Belastungsreaktion, umgangssprachlich auch als Nervenzusammenbruch bezeichnet, führen.

Definition und Ursachen

Ein Nervenzusammenbruch ist eine vorübergehende, aber extreme Reaktion auf ein traumatisches Ereignis oder chronischen Stress. Die Ursachen können vielfältig sein, wie z.B. schwere Unfälle, Körperverletzung, Krieg, Naturkatastrophen, beruflicher Druck, Konflikte im privaten oder beruflichen Umfeld, Mehrfachbelastungen, Termindruck, kritische Lebensereignisse, Sorgen, Ängste und fehlende soziale Unterstützung.

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Symptome

Die Symptome einer Belastungsreaktion können von Mensch zu Mensch verschieden sein. Typische Anzeichen sind:

  • Sprachlosigkeit
  • Veränderte Wahrnehmung
  • Einengung des Bewusstseins
  • Nacherleben der Situation in Form von Alpträumen und Flashbacks
  • Lücken in der Erinnerung
  • Überreizung
  • Stimmungsschwankungen
  • Körperliche Reaktionen wie Schweißausbrüche, Herzrasen, Blässe und Übelkeit

Hilfe und Behandlung

Bei einer akuten Belastungsreaktion ist schnelle, professionelle Unterstützung wichtig. Anlaufstellen sind psychiatrische Praxen oder Kliniken, der bundesweite Bereitschaftsdienst, die Telefonseelsorge oder die Nummer gegen Kummer für Jugendliche und Kinder. Längerfristig können psychologische Therapien und therapiebegleitende Medikamente helfen, die Symptome zu lindern.

Selbsthilfemöglichkeiten

  • Professionelle Hilfe suchen
  • Gespräche mit vertrauten Menschen
  • Reduktion von Stress und Reizen
  • Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit
  • Entspannungsübungen (mit Vorsicht)
  • Sozialpsychiatrischer Dienst im Gesundheitsamt

Stressbewältigung

  • Kürzertreten, um Leistungsfähigkeit zu erhalten
  • Warnzeichen ernst nehmen
  • Gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, ausreichend Schlaf und ausgewogener Ernährung
  • "Nein" sagen lernen
  • Austausch mit anderen, Pflegen von Freundschaften oder Besuch einer Selbsthilfegruppe
  • Selbstfürsorge

Tipps für starke Nerven

  • Bewegung: Sport kann Panik lindern und Ängste abbauen.
  • Ernährung: Vollwertige und vielseitige Ernährung mit ausreichend Vitaminen und Omega-3-Fettsäuren.
  • Ruhepausen: Ausreichend Schlaf und regelmäßige Ruhepausen tagsüber.
  • Gedankenhygiene: Auslöser für kreisende Gedanken erkennen und Gegenstrategien entwickeln.
  • Achtsamkeit: Bewusste Wahrnehmung von Körper und Geist.
  • Gedankenstopp: Belastende Gedanken bewusst stoppen und sich etwas anderem zuwenden.
  • Gefühle fokussieren: Gefühle bewusst wahrnehmen, ohne sie zu beurteilen.
  • Ressourcen kennen: Eigene Kraftquellen identifizieren und regelmäßig nutzen.
  • Ärztliche Hilfe: Bei dauerhafter Unruhe und Gereiztheit einen Arzt aufsuchen.
  • Coaching: Stressmanagement-Coaching kann den Umgang mit den Herausforderungen des Lebens verbessern.

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