Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen des Nervensystems, über die jedoch kaum gesprochen wird. Dabei kann jeder in jedem Alter daran erkranken. Die Ursachen und Erscheinungsformen sind vielfältig, was die Diagnose und Behandlung oft erschwert. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte der Epilepsie, von den Symptomen und Diagnosemethoden bis hin zu neuen Therapieansätzen und dem Umgang mit der Krankheit im Alltag.
Was ist Epilepsie?
Das Wort Epilepsie stammt aus dem Griechischen und bedeutet, "plötzlich ergriffen und überwältigt" zu werden. Dies beschreibt treffend das Gefühl, das viele Epileptiker vor, während oder nach einem Anfall erleben. Epileptische Anfälle werden oft als "Gewitter im Gehirn" oder "Kurzschluss im Leitungskasten" beschrieben. Diese Bilder verdeutlichen die plötzliche und unkontrollierte Entladung elektrischer Aktivität im Gehirn, die zu den vielfältigen Symptomen führt.
Fünf bis zehn von hundert Menschen haben im Laufe ihres Lebens einen epileptischen Anfall. Rein statistisch gesehen erkranken auch in Freiburg jedes Jahr 120 Menschen neu an Epilepsie. Jeder hundertste Deutsche leidet unter Epilepsie, was die Relevanz dieser Erkrankung unterstreicht.
Vielfältige Erscheinungsformen der Epilepsie
Epilepsie hat viele Gesichter. Sie zeigt sich in Form von Anfällen, die von der Wahrnehmung eines ungewöhnlichen Geruchs über Übelkeit, Herzrhythmusstörungen, Atemprobleme oder kurze Aussetzer bis hin zu Krampfanfällen reichen können. Manche Anfälle dauern nur wenige Sekunden, andere bis zu drei Minuten. In seltenen Fällen hören sie nicht von selbst auf - und das kann lebensbedrohlich sein.
Ein Beispiel für einen schweren Anfall ist der sogenannte "Grand Mal", ein Begriff, der aus dem Französischen stammt und "großes Übel" bedeutet. Bei diesem Anfallstyp verliert die betroffene Person das Bewusstsein und erleidet heftige Muskelkrämpfe.
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Der persönliche Erfahrungsbericht
Ein besonders eindrücklicher Bericht schildert die Panik einer Person, die hilflos mitansehen muss, wie ein Mensch einen solchen Anfall erleidet: "Juri spürt nicht, dass seine Gliedmaßen die Kontrolle abgegeben haben. Abgegeben an die elektrische Kommandozentrale in seinem kleinen Kopf. Meine Panik schleicht sich still an, als Juri auch nach Minuten nicht aufwacht. Sie packt zu, als ihm die Luft ausgeht. Juris Lippen werden blau, 'Zyanose' nennt man diesen Effekt akuten Sauerstoffmangels. Als das Blau dunkler wird, denke ich: So fühlt sich das an. Ich höre, wie mein Mann auf dem Flur mit dem Notarzt telefoniert. 'Ich brauche dich jetzt hier', höre ich meine eigene Stimme ihm zurufen, als wäre sie weit weg, als gehöre sie jemand anderem."
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose von Epilepsie basiert in der Regel auf einer Kombination aus Anamnese (Krankengeschichte), neurologischer Untersuchung und elektroenzephalographischen (EEG) Untersuchungen.
EEG-Untersuchung
Bei einer EEG-Untersuchung werden Elektroden auf der Kopfhaut befestigt, um die elektrische Aktivität des Gehirns aufzuzeichnen. "In die gelbe EEG-Haube sind 20 Elektroden eingearbeitet, die elektrische Hirnsignale messen. Schlagen die EEG-Wellen hoch aus, kann das für eine Epilepsie stehen."
Medikamentöse Therapie
Viele Menschen mit Epilepsie können durch Medikamente anfallsfrei werden. Es gibt eine Vielzahl von Antiepileptika, die auf unterschiedliche Weise wirken, um die Erregbarkeit des Gehirns zu reduzieren.
Regine Fischer hatte alle Medikamente ausprobiert. Nichts hatte gegen ihre epileptischen Anfälle geholfen.
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Neue Therapieansätze
Die Uniklinik Freiburg arbeitet intensiv daran, die Lebensqualität von Epilepsie-Patienten zu verbessern. Dazu gehören auch innovative Therapieansätze wie Hirnschrittmacher.
In Rheinfelden-Herten wird der weltweit erste mikroinvasive Hirnschrittmacher produziert. Angela Liedler präsentiert den Hirnschrittmacher. In den USA werden solche Neuigkeiten groß gefeiert, "in Deutschland passiert so etwas eher leise", bedauert Angela Liedler, als sie den weltweit ersten mikroinvasiven Hirnschrittmacher den Mitarbeitern der Hertener Firma Osypka AG präsentiert. Jeder hundertste Deutsche leidet unter Epilepsie, nun wollen Freiburger Ärzte mit Hirnschrittmachern helfen.
Cannabis und Epilepsie
In den letzten Jahren hat die Diskussion über den Einsatz von Cannabis zur Behandlung von Epilepsie zugenommen. An der Uni Freiburg laufen Versuche, wie das Mittel bei Epileptikern wirkt. Regine Fischer hatte alle Medikamente ausprobiert. Nichts hatte gegen ihre epileptischen Anfälle geholfen. Da stießen ihr Mann und sie auf Cannabis. In Onlineforen und in der Fachwelt wird diskutiert, ob Wirkstoffe aus der Hanf-Pflanze auch bei Epilepsie helfen.
Aus Medizinalhanf-Blüten wird der Wirkstoff Dronabinol gewonnen. Seit April ist der Besitz und Anbau von Cannabis unter bestimmten Vorgaben erlaubt. Die Polizei hat Hanfläden in Freiburg und in Lahr durchsucht. Beschlagnahmt wurde Blütenmaterial, auch CBD-Gras genannt. Das enthält kein berauschendes THC, legal ist es aber trotzdem nicht. CBD-Produkte boomen. Selbst Influencer werben etwa für CBD-Öl, das bei Angstzuständen und Stress Erleichterung verschaffen soll.
Leben mit Epilepsie
Was macht die chronische Krankheit Epilepsie mit den Betroffenen? Die 28-jährige Laura Lais hatte ihren ersten Anfall mit 15 - ein Schock. Mit 15 Jahren, einem Alter, in dem man beginnt, sich von zuhause zu lösen, das Leben als Jugendliche zu genießen, hatte Laura Lais ihren ersten schweren Anfall. "Das war 2018", erzählt sie. "Der Anfall war heftig, er ging lang, ein paar Minuten mit Zucken, Augen verdrehen, mir kam Schaum aus dem Mund."
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Selbsthilfegruppen
Vor zwölf Jahren hat Dieter Sender daher die Epilepsie Selbsthilfegruppe gegründet, die sich monatlich trifft. Dieter Sender gründete die Selbsthilfegruppe. RHEINFELDEN. Wie sich die Krankheit anfühlt und wie sie im Alltag bewältigt werden kann, ist für Nicht-Betroffene allerdings schwer nachvollziehbar.
Umgang mit Anfällen in der Öffentlichkeit
Rein statistisch gesehen erkranken auch in Freiburg jedes Jahr 120 Menschen neu an Epilepsie. Wie tritt sie in Erscheinung, und wie sollten Außenstehende sich verhalten, wenn sie einen Anfall haben.