Der Tod eines Kindes ist immer eine Tragödie, besonders wenn er plötzlich und unerwartet eintritt. In Potsdam erschütterte der Tod eines siebenjährigen Schülers infolge einer Meningokokken-Infektion die Gemeinschaft und warf Fragen nach den Ursachen, Symptomen und Präventionsmaßnahmen dieser gefährlichen Krankheit auf. Dieser Artikel beleuchtet das Thema Meningitis bei Kindern, insbesondere die durch Meningokokken verursachte Form, um Eltern und Erziehungsberechtigten umfassend zu informieren.
Was ist Meningitis?
Meningitis, auch Hirnhautentzündung genannt, ist eine Entzündung der Hirnhäute und/oder der Rückenmarkshäute. Diese Häute sind Bindegewebsschichten, die das zentrale Nervensystem umhüllen. Die Entzündung kann durch verschiedene Erreger verursacht werden, darunter Viren, Bakterien und in seltenen Fällen Pilze.
Ursachen der Meningitis
Die häufigsten Ursachen für Meningitis sind:
- Viren: Virale Meningitis verläuft in der Regel milder und heilt oft von selbst aus. Zu den auslösenden Viren gehören Enteroviren, Herpesviren (einschließlich des Varizella-Zoster-Virus, das Windpocken verursacht) und Mumpsviren. Auch FSME-Viren, die durch Zecken übertragen werden, können eine Meningitis verursachen.
- Bakterien: Bakterielle Meningitis ist oft schwerwiegender und kann lebensbedrohlich sein. Zu den häufigsten bakteriellen Erregern gehören:
- Meningokokken (Neisseria meningitidis): Diese Bakterien können neben Meningitis auch eine Blutvergiftung (Sepsis) verursachen. Es gibt verschiedene Serogruppen von Meningokokken, darunter A, B, C, W und Y, wobei B und C in Deutschland am häufigsten vorkommen.
- Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae): Diese Bakterien sind ebenfalls häufige Auslöser von Hirnhautentzündungen.
- Haemophilus influenzae Typ b (Hib): Dank der Einführung der Hib-Impfung sind Hib-bedingte Meningitisfälle in Deutschland selten geworden.
- Listerien (Listeria monocytogenes): Diese Bakterien können vor allem bei Neugeborenen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem eine Meningitis verursachen.
- Escherichia coli (E. coli): Diese Bakterien können bei Neugeborenen eine Meningitis verursachen, wenn sie von einem Entzündungsherd, z. B. dem Nabel, zu den Hirnhäuten wandern.
- Pilze: Pilzbedingte Meningitis ist selten und betrifft meist Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.
Übertragung von Meningitis-Erregern
Die Übertragung von Meningitis-Erregern erfolgt je nach Erreger auf unterschiedliche Weise:
- Tröpfcheninfektion: Bakterien und Viren, die Meningitis verursachen können, werden oft durch Tröpfcheninfektion übertragen, d. h. durch Husten, Niesen, Sprechen oder Küssen. Die Erreger gelangen über die Atemwege in den Körper und können sich dort vermehren. Meningokokken werden nur direkt von Mensch zu Mensch weitergegeben. Außerhalb des menschlichen Körpers überleben diese Bakterien nicht lange. Für die Übertragung ist ein enger Kontakt zwischen Menschen notwendig.
- Schmierinfektion: Einige Viren, wie z. B. Enteroviren, können auch durch Schmierinfektion übertragen werden, d. h. durch Kontakt mit kontaminierten Oberflächen oder Gegenständen.
- Lebensmittel: Listerien können über verunreinigte Lebensmittel übertragen werden.
- Zeckenbisse: FSME-Viren werden durch Zeckenbisse übertragen.
Risikofaktoren für Meningitis
Einige Faktoren erhöhen das Risiko, an Meningitis zu erkranken:
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- Alter: Säuglinge und Kleinkinder haben ein höheres Risiko, an Meningitis zu erkranken, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Jugendliche und junge Erwachsene haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, insbesondere für Meningokokken-Meningitis, aufgrund ihrer engen sozialen Kontakte.
- Geschwächtes Immunsystem: Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, z. B. aufgrund von HIV/AIDS, Krebsbehandlungen oder bestimmten Medikamenten, haben ein höheres Risiko für Meningitis.
- Bestimmte Vorerkrankungen: Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, wie z. B. Sichelzellenanämie oder fehlender Milz, haben ein erhöhtes Risiko für Meningitis.
- Enge soziale Kontakte: Menschen, die in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten oder Studentenwohnheimen leben, haben ein höheres Risiko, sich mit Meningitis-Erregern anzustecken.
- Reisen: Reisende in Regionen mit hoher Meningitis-Inzidenz haben ein erhöhtes Risiko, an Meningitis zu erkranken.
Symptome der Meningitis
Die Symptome der Meningitis können je nach Alter des Patienten und Art des Erregers variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Fieber: Hohes Fieber ist ein häufiges Symptom der Meningitis.
- Kopfschmerzen: Starke Kopfschmerzen, die sich nicht durch Schmerzmittel lindern lassen, sind ein weiteres typisches Symptom.
- Nackensteifigkeit: Ein steifer Nacken, der es erschwert, das Kinn zur Brust zu bewegen, ist ein klassisches Zeichen der Meningitis. Allerdings kann dieses Symptom bei Säuglingen und Kleinkindern fehlen.
- Übelkeit und Erbrechen: Übelkeit und Erbrechen können ebenfalls auftreten.
- Lichtempfindlichkeit: Viele Patienten mit Meningitis sind empfindlich gegenüber Licht.
- Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen: In schweren Fällen kann es zu Verwirrtheit, Desorientierung und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma kommen.
- Hautausschlag: Einige Formen der Meningitis, insbesondere die durch Meningokokken verursachte, können mit einem Hautausschlag einhergehen, der aus kleinen, roten oder violetten Flecken besteht, die sich nicht wegdrücken lassen (Petechien).
- Krampfanfälle: Krampfanfälle können ebenfalls auftreten.
Symptome bei Säuglingen und Kleinkindern:
Bei Säuglingen und Kleinkindern können die Symptome der Meningitis unspezifischer sein. Zu den möglichen Anzeichen gehören:
- Fieber
- Reizbarkeit oder Apathie
- Schwierigkeiten beim Füttern
- Erbrechen
- Berührungsempfindlichkeit
- Schrilles Schreien oder Wimmern
- Vorgewölbte Fontanelle (weiche Stelle am Kopf)
- Krampfanfälle
Diagnose der Meningitis
Wenn der Verdacht auf Meningitis besteht, ist eine sofortige ärztliche Untersuchung erforderlich. Die Diagnose wird in der Regel anhand folgender Untersuchungen gestellt:
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird den Patienten gründlich untersuchen und nach typischen Symptomen wie Nackensteifigkeit suchen.
- Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Entzündungszeichen und Erreger im Blut nachweisen.
- Lumbalpunktion (Liquorpunktion): Bei einer Lumbalpunktion wird eine Probe der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) entnommen und auf Erreger und Entzündungszeichen untersucht. Diese Untersuchung ist entscheidend für die Diagnose einer Meningitis.
- Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen oder Komplikationen der Meningitis zu erkennen.
Behandlung der Meningitis
Die Behandlung der Meningitis hängt von der Ursache der Erkrankung ab:
- Bakterielle Meningitis: Bakterielle Meningitis ist ein medizinischer Notfall und erfordert eine sofortige Behandlung mit Antibiotika. Die Antibiotika werden in der Regel intravenös verabreicht. In einigen Fällen können auch Kortikosteroide eingesetzt werden, um die Entzündung im Gehirn zu reduzieren. Patienten mit bakterieller Meningitis müssen in der Regel im Krankenhaus behandelt werden.
- Virale Meningitis: Virale Meningitis verläuft in der Regel milder und heilt oft von selbst aus. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome, z. B. mit Schmerzmitteln und fiebersenkenden Mitteln. In einigen Fällen können antivirale Medikamente eingesetzt werden, insbesondere bei Meningitis, die durch Herpesviren verursacht wird.
- Pilzbedingte Meningitis: Pilzbedingte Meningitis wird mit Antimykotika behandelt.
Komplikationen der Meningitis
Meningitis kann schwerwiegende Komplikationen verursachen, insbesondere wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Zu den möglichen Komplikationen gehören:
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- Hirnschäden: Meningitis kann zu Hirnschäden führen, die sich in Form von Lernschwierigkeiten, Gedächtnisproblemen, Verhaltensauffälligkeiten oder motorischen Störungen äußern können.
- Hörverlust: Meningitis kann zu Hörverlust bis hin zur Taubheit führen.
- Sehverlust: Meningitis kann zu Sehverlust führen.
- Epilepsie: Meningitis kann das Risiko für die Entwicklung von Epilepsie erhöhen.
- Hydrozephalus (Wasserkopf): Meningitis kann zu einem Hydrozephalus führen, einer Ansammlung von Flüssigkeit im Gehirn.
- Sepsis (Blutvergiftung): Meningokokken-Meningitis kann mit einer Sepsis einhergehen, die lebensbedrohlich sein kann.
- Tod: In schweren Fällen kann Meningitis zum Tod führen. Ungefähr 10-13 % der an invasiver Meningokokken-Infektion Erkrankten sterben. Bei einer Sepsis liegt die Letalität in Deutschland bei ca. 13% und bei der schweren Form der Sepsis mit Waterhouse-Friderichsen-Syndrom bei ca. 33%.
Prävention der Meningitis
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Meningitis vorzubeugen:
- Impfungen: Impfungen sind der wirksamste Schutz vor Meningitis. Es gibt Impfstoffe gegen verschiedene Erreger, die Meningitis verursachen können, darunter:
- Haemophilus influenzae Typ b (Hib): Die Hib-Impfung ist Teil desStandardimpfprogramms für Säuglinge.
- Pneumokokken: Die Pneumokokken-Impfung wird ebenfalls für Säuglinge und Kleinkinder empfohlen.
- Meningokokken: Es gibt Impfstoffe gegen verschiedene Serogruppen von Meningokokken, darunter A, B, C, W und Y. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt in Deutschland die Impfung gegen Meningokokken B für alle Säuglinge ab dem 2. Lebensmonat. Für ältere Kinder und Jugendliche gibt es Empfehlungen zur Nachholimpfung gegen Meningokokken B bis zum 5. Geburtstag bzw. gegen Meningokokken C bis zum 18. Geburtstag. Seit Januar 2024 empfiehlt die STIKO allen Säuglingen ab 2 Monaten die Imfung gegen Meningokokken B mit dem Impfstoff Bexero®. Die Grundimmunisierung soll mit 3 Impfstoffdosen im Alter von 2, 4 und 12 Monaten erfolgen. Die Impfung kann mit den anderen empfohlenen Kinderimpfstoffen (z. B.6-fach-, Pneumokokkenimpfstoff) zeitgleich gegeben werden. Nachholimpfungen sollen bis zum 5. Geburtstag gegeben werden. Ab dem Alter von 5 Jahren wird die MenB-Impfung nur für bestimmte Indikationsgruppen empfohlen. Es soll eine Impfstoffdosis eines altersgerecht zugelassenen Impfstoffs gemäß Fachinformation verabreicht werden. Es stehen drei MenACWY-Konjugatipfstoffe zur Verfügung. Die Impfung kann zeitgleich mit den anderen für diese Altersgruppe von der STIKO empfohlenen Impfungen (Auffrischimpfung gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Poliomyelitis (4-fach-Impfstoff) und Impfung gegen HPV) z. B. bei der J1-Untersuchung gegeben werden. Die MenACWY-Nachholimpfungen sollen bis zum Alter von < 25 Jahren erfolgen (bis zum 25. Geburtstag).
- Masern, Mumps, Röteln (MMR): Die MMR-Impfung schützt auch vor Meningitis, die durch diese Viren verursacht werden kann.
- Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Die FSME-Impfung wird für Menschen empfohlen, die in FSME-Risikogebieten leben oder dorthin reisen.
- Gute Hygiene: Regelmäßiges Händewaschen, insbesondere nach dem Husten, Niesen oder Kontakt mit potenziell kontaminierten Oberflächen, kann helfen, die Ausbreitung von Meningitis-Erregern zu verhindern.
- Vermeidung von engem Kontakt mit erkrankten Personen: Wenn möglich, sollte enger Kontakt mit Personen vermieden werden, die an Meningitis oder anderen Atemwegsinfektionen erkrankt sind.
- Prophylaktische Antibiotika: In bestimmten Situationen, z. B. nach engem Kontakt mit einer Person, die an Meningokokken-Meningitis erkrankt ist, können prophylaktische Antibiotika verabreicht werden, um das Risiko einer Erkrankung zu verringern.
Meningokokken in Potsdam: Ein tragischer Fall
Der Tod des siebenjährigen Schülers in Potsdam im Jahr 2025 aufgrund einer Meningokokken-Infektion hat die Bedeutung der Früherkennung und schnellen Behandlung dieser Krankheit verdeutlicht. Nach dem tragischen Todesfall leitete das Gesundheitsamt Potsdam umgehend Maßnahmen ein, um weitere Ansteckungen zu verhindern. Dazu gehörte die vorsorgliche Behandlung von Kontaktpersonen mit Antibiotika, darunter Schüler der Klasse des Jungen, pädagogisches Personal, Kinder aus einer Sportgruppe und Personen aus dem Wohnumfeld des Jungen.
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