Anatomie des weiblichen Unterleibs: Nerven, Strukturen und Funktionen

Der weibliche Unterleib ist ein komplexes und faszinierendes System, das eine entscheidende Rolle für die Fortpflanzung, die sexuelle Funktion und die allgemeine Gesundheit spielt. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Anatomie des weiblichen Unterleibs, wobei der Schwerpunkt auf den Nerven, den verschiedenen Strukturen und deren Funktionen liegt.

Einführung in die weibliche Anatomie

Die weiblichen Geschlechtsorgane lassen sich in äußere und innere Organe unterteilen. Die äußeren Geschlechtsorgane, auch Vulva genannt, umfassen den Venushügel, die Schamlippen (Labien) und die Klitoris. Die inneren Geschlechtsorgane umfassen die Vagina, die Gebärmutter, die Eileiter und die Eierstöcke.

Der Beckenboden: Stütze und Funktion

Der Beckenboden ist eine Muskelgruppe, die die Bauch- und Beckenorgane stützt und eine wichtige Rolle bei der Kontinenz von Harn und Stuhl sowie bei der Sexualfunktion spielt. Eine Schwächung des Beckenbodens kann zu verschiedenen Beckenbodenerkrankungen führen, wie z. B. Inkontinenz oder Gebärmuttersenkung.

Der M. levator ani: Ein Schlüsselmuskel des Beckenbodens

Der M. levator ani ist ein wichtiger Muskel des Beckenbodens, der sich aus verschiedenen Teilen zusammensetzt:

  • M. pubococcygeus: Dieser Teil zieht vom Schambein zum Steißbein und unterstützt die Beckenorgane.
  • M. iliococcygeus: Dieser Teil entspringt an einem Faszienstreifen, dem Arcus tendineus musculi levatoris ani, und schließt den Beckenausgang dorsal und lateral.
  • M. puborectalis: Dieser Teil bildet eine Muskelschlinge um den Anus und spielt eine wichtige Rolle bei der Stuhlkontinenz.

Der M. levator ani wird von direkten Ästen des Plexus sacralis (S3/S4) innerviert, der Puborektalisanteil auch vom N. pudendus. Die Nervenäste verlaufen dorsolateral an der Innenseite des Muskels und können bei Operationen im Beckenbereich geschädigt werden.

Lesen Sie auch: Die Bedeutung des Nervensystems für den Körper

Die Beckenorgane und ihre Funktionen

Die Vagina: Verbindung und Schutz

Die Vagina ist ein muskulärer Kanal, der die äußeren mit den inneren Geschlechtsorganen verbindet. Sie ist etwa 8-10 cm lang und dehnbar, um Geschlechtsverkehr und Geburten zu ermöglichen. Die Scheidenwand ist von einer Schleimhaut ausgekleidet, die ein saures Milieu aufrechterhält und so vor Infektionen schützt.

Die Gebärmutter: Ort der Schwangerschaft

Die Gebärmutter (Uterus) ist ein birnenförmiges Organ, in dem sich eine befruchtete Eizelle einnisten und zu einem Fötus entwickeln kann. Die Gebärmutter besteht aus dem Gebärmutterkörper (Corpus uteri) und dem Gebärmutterhals (Zervix). Die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) bereitet sich jeden Monat auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vor und wird bei Ausbleiben einer Schwangerschaft abgestoßen (Menstruation).

Die Eileiter: Transport der Eizelle

Die Eileiter (Tuben) verbinden die Eierstöcke mit der Gebärmutter. Sie fangen die Eizelle nach dem Eisprung auf und transportieren sie zur Gebärmutter. In den Eileitern kann auch die Befruchtung der Eizelle durch Spermien stattfinden.

Die Eierstöcke: Hormonproduktion und Eizellreifung

Die Eierstöcke (Ovarien) sind die weiblichen Keimdrüsen, in denen die Eizellen reifen und die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron produziert werden. Diese Hormone steuern den weiblichen Zyklus und sind wichtig für die Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale.

Die Nervenversorgung des weiblichen Beckens

Die Nervenversorgung des weiblichen Beckens ist komplex und umfasst Äste des Plexus sacralis und des Plexus hypogastricus inferior. Der Plexus sacralis innerviert die Beckenbodenmuskulatur, die äußeren Genitalien und die Haut des Damms. Der Plexus hypogastricus inferior versorgt die Beckenorgane mit vegetativen Nervenfasern, die für die Steuerung der Organfunktionen verantwortlich sind.

Lesen Sie auch: Das Nervensystem: Eine anatomische Reise

Der Nervus pudendus: Ein wichtiger Nerv für die Beckenfunktion

Der Nervus pudendus (Schamnerv) ist ein wichtiger Nerv des Beckenbodens, der aus dem Plexus sacralis (S2-S4) entspringt. Er innerviert die Beckenbodenmuskulatur, die äußeren Genitalien und die Haut des Damms. Der Nervus pudendus ist wichtig für die Stuhlkontinenz, die Harnkontinenz, die Sexualfunktion und die Sensibilität im Genitalbereich.

Pudendusneuralgie: Schmerzen durch Nervenreizung

Die Pudendusneuralgie ist eine seltene chronische Schmerzerkrankung, die durch eine Reizung oder Einklemmung des Nervus pudendus verursacht wird. Die Symptome sind heftige Schmerzen im Genital- und Dammbereich, die sich beim Sitzen verschlimmern und im Liegen bessern können. Die Diagnose wird oft durch eine Pudendusblockade gestellt, bei der ein Betäubungsmittel in die Nähe des Nervs gespritzt wird. Die Behandlung kann konservativ mit Physiotherapie und Schmerzmitteln oder operativ durch eine Dekompression des Nervs erfolgen.

Das Beckenbindegewebe: Stabilität und Flexibilität

Das Beckenbindegewebe füllt den Raum zwischen den Beckenorganen und der knöchernen Beckenwand aus und dient als Gleit- und Verschiebepolster für die Organe. Es besteht aus Binde- und Fettgewebe und enthält an einigen Stellen Verdichtungen der Bindegewebsfasern, die als Bänder (Ligamente) bezeichnet werden. Diese Bänder stabilisieren die Beckenorgane und ermöglichen gleichzeitig eine gewisse Beweglichkeit.

Die Kompartimente des Beckenbindegewebes

Das Beckenbindegewebe kann in drei Kompartimente unterteilt werden:

  • Hinteres Kompartiment: Dieses Kompartiment liegt ventral von Os sacrum und Os coccygis und enthält hauptsächlich Venen und lockeres Bindegewebe.
  • Mittleres Kompartiment: Dieses Kompartiment beherbergt Uterus und Vagina.
  • Vorderes Kompartiment: Dieses Kompartiment enthält die Harnblase und die Urethra.

Die Fossa ischioanalis: Ein wichtiger Raum im Beckenboden

Die Fossa ischioanalis ist ein pyramidenförmiger Raum beidseits des unteren Enddarms/Anus, der von einem Fettkörper ausgefüllt wird. Sie wird medial vom M. levator ani und dem M. sphincter ani externus begrenzt, lateral vom Tuber ischiadicum und dorsal vom M. glutaeus maximus bzw. dem Lig. sacrotuberale. In der lateralen Wand der Fossa ischioanalis verlaufen die Vasa pudenda interna und der N. pudendus im Canalis pudendalis.

Lesen Sie auch: Anatomie des ZNS im Detail

Klinische Aspekte

Erkrankungen des Beckenbodens

Erkrankungen des Beckenbodens können zu verschiedenen Beschwerden führen, wie z. B. Inkontinenz, Gebärmuttersenkung, Schmerzen im Beckenbereich und sexuelle Funktionsstörungen. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung und kann konservative Maßnahmen wie Physiotherapie und Beckenbodentraining oder operative Eingriffe umfassen.

Beckenringfrakturen

Beckenringfrakturen treten häufig bei Patient*innen nach Hochrasanztrauma auf und können mit Gefäßschäden und Verletzungen des Urogenitalsystems einhergehen. Die Behandlung erfordert oft eine operative Stabilisierung des Beckenrings.

Hernia obturatoria

Die Hernia obturatoria ist ein Bruch von Becken- oder Bauchinhalt durch das Foramen obturatorium. Sie ist selten und tritt häufiger bei älteren, schlanken Frauen auf. Die Diagnose kann schwierig sein und erfordert oft eine Computertomografie. Die Behandlung besteht in der Regel in einer operativen Versorgung des Bruchs.

tags: #anatomie #frau #unterleib #nervensystem