Anatomie und Funktion der Nerven der Kopfhaut

Der Kopf ist ein komplexer und wichtiger Bereich des menschlichen Körpers, der sowohl das Gesicht mit seiner Mimik als auch lebensnotwendige Sinnesorgane umfasst. Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie der Nerven der Kopfhaut, ihre Funktionen und mögliche Erkrankungen.

Anatomie des Kopfes

Der Kopf (Caput) ist der am höchsten gelegene Teil des menschlichen Körpers und über den Hals mit dem Rumpf verbunden. Er beherbergt den knöchernen Schädel, der das Gehirn schützt, sowie das Gesicht mit Augen, Ohren und Nase. Diese Sinnesorgane sind essenziell für die Wahrnehmung der Umgebung und die schnelle Weiterleitung von Informationen an das Gehirn. Die Kopforgane sind dicht gebündelt, um eine optimale Funktion der Sinne, die verbale und nonverbale Kommunikation und die Ernährung zu gewährleisten. Luftgefüllte Räume wie die Mundhöhle und die Nasennebenhöhlen tragen dazu bei, das Kopfgewicht zu minimieren. Die knöcherne Basis des Kopfes besteht aus 22 bis 30 Schädelknochen, die bis auf wenige Ausnahmen miteinander verwachsen sind.

Nervenversorgung der Kopfhaut

Die Versorgung der äußeren Kopfanteile erfolgt im Wesentlichen über drei Nerven:

  • Nervus facialis (VII. Hirnnerv): Dieser Nerv steuert motorisch die mimische Muskulatur. Eine Lähmung dieses Nervs führt zu einer Facialisparese, einem Ausfall der Mimik auf einer Gesichtsseite.
  • Nervus trigeminus (V. Hirnnerv): Die Gesichtsäste dieses Nervs erfassen sensible Impulse.
  • Nervus occipitalis major: Dieser Nerv ist ein rein sensibler Nerv, der die Haut am Hinterkopf sensorisch versorgt und Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfindungen aus dem Bereich des Hinterhaupts (Okziput) an das zentrale Nervensystem weiterleitet.

Nervus Occipitalis Major im Detail

Funktion

Der Nervus occipitalis major ist ein rein sensibler Nerv, der keine motorischen oder vegetativen Anteile besitzt. Er leitet Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfindungen aus dem Bereich des Hinterhaupts an das zentrale Nervensystem weiter.

Segment

Der Nervus occipitalis major entspringt hauptsächlich aus dem dorsalen Ast des zweiten Zervikalnervs (C2). Das Segment C2 ist sowohl für die sensorische Versorgung des Hinterhaupts als auch für einen Teil der Haut des oberen Nackenbereichs verantwortlich. Dysfunktionen in diesem Segment können zu Schmerzen und Missempfindungen im Hinterkopf führen.

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Plexus

Der Nervus occipitalis major entspringt nicht aus einem klassischen Nervengeflecht (Plexus), sondern direkt aus dem dorsalen Ast des zweiten Zervikalnervs. Der Plexus cervicalis (C1-C4) übernimmt jedoch eine übergeordnete Rolle bei der Versorgung der Hals- und Nackenregion.

Verlauf

Der Nervus occipitalis major tritt nach seinem Ursprung aus dem dorsalen Ast von C2 durch die tiefe Nackenmuskulatur, insbesondere den M. semispinalis capitis. Er zieht zwischen den Muskelbäuchen der tiefen Nackenmuskulatur hindurch und verläuft unter der Fascia nuchae in Richtung der Kopfhaut.

Lokale Kompressionen des Nervus occipitalis major treten oft im Bereich der tiefen Nackenmuskulatur auf, vor allem wenn Muskeln wie der M. semispinalis capitis durch Verspannungen oder Triggerpunkte den Nerv mechanisch einengen. Dies kann zu Okzipitalneuralgien führen, die sich durch heftige, bohrende oder stechende Schmerzen im Bereich des Hinterkopfes äußern. Eine periphere Kompression, wie sie durch externe Druckeinwirkung, beispielsweise durch enge Kopfbedeckungen oder Kopfstützen, entstehen kann, führt zu ähnlichen Beschwerden. Die Symptome äußern sich in tauben, brennenden oder stechenden Empfindungen im versorgten Hautareal.

Kennmuskeln und Innervation

Der Nervus occipitalis major innerviert keine spezifischen Kennmuskeln, da er ausschließlich sensorische Funktionen übernimmt. Er innerviert auch keine Muskeln, da er keine motorischen Anteile besitzt.

Spinalganglion

Die sensorischen Fasern des Nervus occipitalis major entspringen aus dem Spinalganglion des C2-Nervs. Dieses Ganglion liegt zwischen dem ersten und zweiten Halswirbelkörper (C1 und C2) und enthält die Zellkörper der afferenten Neurone, die sensorische Informationen aus dem Hinterkopfbereich leiten. Dysfunktionen oder Schädigungen des Spinalganglions von C2 können zu einer verstärkten Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie) im Hinterkopfbereich führen.

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Sklerotom

Das Sklerotom von C2 umfasst Knochenstrukturen im oberen Halswirbelbereich, insbesondere den Bereich um die Atlas- und Axisgelenke. Veränderungen in der Funktion des C2-Sklerotoms können zu dumpfen, tiefen Schmerzen im Bereich des Hinterkopfes und Nackens führen.

Viszerale Anteile

Der Nervus occipitalis major ist nicht an der direkten Innervation von Organen beteiligt und besitzt keine viszeralen Anteile.

Dermatom

Das Dermatom des zweiten Zervikalsegments (C2) umfasst die Haut des Hinterkopfes und Teile der oberen Nackenregion. Typische Symptome bei Dysfunktionen im C2-Dermatom sind brennende oder stechende Schmerzen sowie Empfindungsstörungen, wie Kribbeln oder Taubheit am Hinterkopf.

Bindegewebszonen

Die Bindegewebszonen des Nervus occipitalis major befinden sich entlang seines Verlaufs, insbesondere im Bereich der Faszien des Nackens und der Kopfhaut. Bei Irritationen dieser Bindegewebszonen kann es zu lokalen Schmerzen und einer erhöhten Druckempfindlichkeit kommen.

Head-Zonen

Die Head-Zonen für den Nervus occipitalis major erstrecken sich über den Bereich des Hinterkopfes und der okzipitalen Region. Störungen in diesen Head-Zonen äußern sich typischerweise in reflektorischen Schmerzen im Hinterkopfbereich, die mit Okzipitalneuralgien oder Kopfschmerzen zusammenhängen.

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Häufige Erkrankungen und Beschwerden

Okzipitalneuralgie

Bei der Occipitalis-Neuralgie sind die beiden Hinterhauptnerven beteiligt. Es kommt durch Irritationen oder Reizung eines der beiden Hinterhauptnerven (Occipitalnerven, Nervus occipitalis major und Nervus occiptalis minor) zu scharfen, einschießenden und stechenden Schmerzen im Bereich von Hinterhaupt (Os occipitale) und Nacken. Manchmal strahlt der Schmerz auch in Richtung Auge aus.

Die Ursachen einer Occipitalis-Neuralgie sind vielfältig. So können die Nervenwurzeln, aus denen die Hinterhauptnerven hervorgehen, durch arthrotische Veränderungen an der Halswirbelsäule (Spondylarthrose) eingeengt werden. Weitere Ursachen sind Verletzungen der Nerven, Tumoren im Bereich des Nervens oder Infektionen. Manchmal wird der Nerv in seinem Verlauf auch durch benachbarte Arterien komprimiert und geschädigt.

Leider spricht die Occipitalis-Neuralgie auf eine medikamentöse Behandlung oft nicht an. Therapeutisch wird dann eine lokale Nervenblockade empfohlen. Bei starken Beschwerden und einem nachgewiesenen Gefäß-Nerv-Kontakt kann eine mikrochirurgische Operation zur Entlastung des Nerven (Neurolyse) helfen.

Kopfschmerzen und Nackenschmerzen

Kopfschmerzen und Nackenschmerzen treten häufig gemeinsam auf. Nackenschmerzen mit Kopfschmerzen werden medizinisch als oberes Zervikalsyndrom bezeichnet. Es betrifft vor allem Menschen, die viel Zeit am Computer verbringen. Umgekehrt können Nackenschmerzen als Folge von Kopfschmerzen auftreten.

Facialisparese

Unter einer Facialisparese versteht man eine Lähmung des motorischen Gesichtsnervs, die zu einem Ausfall der Mimik auf einer Seite des Gesichts führt. Sie kann ohne erkennbare Ursache entstehen oder die Folge einer Infektion mit Borrelien (durch Zecken übertragene Bakterien) oder Viren sein, auch eine zentrale Nervenschädigung am Gehirn selbst ist möglich.

Frakturen des knöchernen Kopfes

Frakturen des knöchernen Kopfes sind meist Folge eines Schlags auf das Gesicht oder eines Sturzes. Bei einer Verletzung des Jochbeines kann die Augenhöhle der verletzten Seite in Mitleidenschaft gezogen werden, was unter Umständen ein Abrutschen des Augapfels zur Folge der fehlenden Stabilität der Orbita haben kann („Blow-Out-Fraktur“).

Elektrophysiologische Untersuchungen

Wenn der Verdacht auf eine Erkrankung von Nerven oder Muskeln besteht, können elektrophysiologische Untersuchungen durchgeführt werden. Diese dienen dazu, den Ort und das Ausmaß der Schädigung von Nerven zu beurteilen.

Nervenmessung (Neurographie)

Bei der Nervenmessung (Neurographie) wird an Arm, Bein oder am Körper die motorische oder sensible Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) gemessen. Dazu wird an den Stellen, an denen ein Nerv nahe der Hautoberfläche liegt, eine Kontaktelektrode aufgelegt. An einer anderen Stelle wird nun der Nerv mit einem elektrischen Impuls stimuliert. Durch die Zeit, welcher der Reiz benötigt, um vom Reizort bis zur Kontaktelektrode übertragen zu werden, kann die Geschwindigkeit der elektrischen Nervenleitung (Nervenleitgeschwindigkeit - NLG) bestimmt werden. Anhand von Normwerten bei gesunden Menschen kann das Ausmaß der Veränderungen gemessen werden.

Weitere Untersuchungen

Auch die Funktion des Sehnervens und der Sehbahn im Gehirn sowie des Hör- und Gleichgewichtsnerven und der Hör- und Gleichgewichtszentren im Gehirn können untersucht werden. Bei der Sehnervuntersuchung schaut der Patient auf einen Monitor mit einem Schachbrettmuster. Über eine Elektrode an der Kopfhaut wird gemessen, in welcher Zeit das optische Signal im Gehirn verarbeitet wird. Bei der Untersuchung der Hör- und Gleichgewichtsnerven werden über Kopfhörer ein Klickton und ein Impuls auf das Trommelfell übertragen. Über eine Elektrode an der Kopfhaut wird gemessen, in welcher Zeit das akustische Signal im unteren Bereich des Gehirns verarbeitet und weitergeleitet wird.

Elektromyographie (EMG)

Bei der Elektromyographie (EMG) wird eine feine, sterile Einmalnadel in einen Muskel platziert. Die elektrische Aktivität der Muskelfasern wird elektrisch verstärkt und hörbar bzw. sichtbar gemacht. Das Entladungsmuster des Muskels gibt Hinweise auf die Art der Erkrankung. So kann z.B. festgestellt werden, ob Muskeln selber erkrankt sind oder die Nerven, die zu den entsprechenden Muskeln ziehen.

Wichtige Hinweise vor elektrophysiologischen Untersuchungen

  • Bitte vermeiden Sie Haarspray, Styling-Schaum oder Gel in den Haaren, da diese Substanzen die Untersuchung beeinträchtigen können.
  • Teilen Sie uns vorher mit, wenn Sie unter einer ansteckenden Krankheit leiden.
  • Teilen Sie uns bitte mit, wenn Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen oder einen Herzschrittmacher haben.

Haare und Kopfhaut

Haarwachstum und -ausfall

Blonde Menschen haben im Schnitt feinere, dafür aber auch die meisten, nämlich volle 150.000 Haupthaare. Jedes menschliche Haar hat einen eigenen Wachstumsrhythmus. Es wächst rund zwei bis sechs Jahre lang, und zwar jeden Tag um etwa 0,35 Millimeter. Wenn diese aktive Phase endet, beginnt eine zweiwöchige Übergangsphase.

Jeder Mensch hat Haarausfall: Ein einzelnes Haar kann bis zu sieben Jahre alt werden. Dann fällt es aus und nach einer kurzen Ruhepause wächst ein neues Haar. 50 bis 100 Haare nehmen so täglich ihren Abschied. Bei durchschnittlich 100.000 Haaren, die der Mensch auf dem Kopf trägt, fällt dies nicht weiter auf.

Nicht jeder Haarausfall ist krankhaft bedingt. So können hormonelle Veränderungen im Körper, beispielsweise nach Schwangerschaften oder in den Wechseljahren, zu Haarausfall führen. Das Haar regeneriert sich in diesen Fällen aber meistens von selbst, wenn sich der Hormonspiegel wieder normalisiert. Auch die männliche Glatze zählt in der Regel nicht zu den Haarkrankheiten. Sie ist genetisch bedingt und eher ein kosmetisches Problem.

Ursachen für Haarausfall

Eine Vielzahl von Faktoren kann Haarausfall auslösen: Wissenschaftlich anerkannt sind Vergiftungen, Pilzinfektionen der Kopfhaut, chronische Erkrankungen und die Einnahme bestimmter Medikamente. Daneben werden noch andere Ursachen genannt: Stress, Umweltgifte oder Vitaminmangel.

Pflege von Haaren und Kopfhaut

Dauerwellen, Colorationen, Lockenstäbe, sengende Urlaubssonne, Chlor- und Salzwasser und enge Kopfbedeckungen sind enorme Strapazen für Haare und Kopfhaut. Eine irritierte und gereizte Kopfhaut, vermehrte Schuppenbildung, stumpfes und sprödes Haar können die Folge sein. Da das Haar sich nicht selbst regenerieren kann, braucht es je nach Typ und Problem eine spezielle Pflege.

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