Die Neurologie mit Intensivstation in Andernach bietet eine umfassende Versorgung für Patienten mit akuten und chronischen neurologischen Erkrankungen. Durch die enge Zusammenarbeit verschiedener Fachabteilungen und den Einsatz modernster Technologien wird eine optimale Behandlung gewährleistet. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der neurologischen Versorgung in Andernach, von der Schlaganfallbehandlung bis hin zur Therapie komplexer neurologischer Erkrankungen.
Struktur und Ausstattung
Das Klinische Zentrum der Rhein-Mosel-Fachklinik in Andernach wurde in Teilbereichen über mehrere Geschosse umstrukturiert und saniert. Die Abteilung für Neurologie verfügt über drei Stationen, darunter eine spezialisierte Schlaganfallstation (Stroke Unit) und eine neurologische Intensivstation.
Stroke Unit
Die Stroke Unit verfügt über 8 Betten in 4 Patientenzimmern sowie weitere Aufnahme- und Überwachungsbetten.
Neurologische Intensivstation
Die neurologische Intensivstation ist mit fünf Beatmungsbetten ausgestattet und ermöglicht die Behandlung schwerster neurologischer Erkrankungen.
Schwerpunkte und Leistungen
Die Abteilung für Neurologie und Klinische Neurophysiologie bietet ein breites Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Leistungen für Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Zu den Schwerpunkten gehören:
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Schlaganfallversorgung
Die Schlaganfallversorgung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem St. Nikolaus-Stiftshospital. Die Stroke Unit der Rhein-Mosel-Fachklinik steuert die Behandlung, wobei neurologische und internistische Konsile eine qualitätsorientierte Versorgung gewährleisten.
Diagnostik bei Schlaganfall:
- Radiologische Diagnostik mit Spiral-CT und MRT
- Umfassendes Monitoring (Blutdruck, EKG, Sauerstoffsättigung)
- Gefäß-Ultraschall (CW-Doppler, Farbdopplerduplex der hirnversorgenden Gefäße)
- Echokardiographie und transösophageale Echokardiographie
Behandlung bei Schlaganfall:
Nach erfolgreicher Diagnose werden umgehend alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet und bei Bedarf Spezialisten anderer Fachabteilungen hinzugezogen. Die Frührehabilitation startet bereits in den ersten 24 Stunden mit Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten.
Behandlungsspektrum
- Hirninfarkt oder Hirnblutung: Behandlung auf der spezialisierten Schlaganfallstation (Stroke Unit).
- Parkinson-Erkrankung und andere Parkinson-Syndrome: Multisystemerkrankung, amyotrophe Lateralsklerose, dementielle Syndrome mit Störungen der Hirnleistungsfähigkeit (z. B. Alzheimer-Krankheit).
- Multiple Sklerose: Bakterielle und virale Infektionen des Gehirns und des Rückenmarks (Meningitis - Encephalitis). Die Abteilung ist seit 2006 regelmäßig von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) als "Anerkanntes MS-Zentrum" zertifiziert.
- Vorbereitung und Nachsorge nach operativen Behandlungen.
- Polyneuropathien, Polyradikulopathien: Zum Beispiel Guillain-Barré-Syndrom, Muskelerkrankungen (zum Beispiel Myopathien, Muskeldystrophien).
- Botulinumtoxin-Behandlung: Bei Bewegungsstörungen.
- Kopf- / Gesichtsschmerzen, Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall.
- Anfallsartige Störungen.
- Schwindel- und Tinnitus-Abklärung, Synkopen.
Neurologische Intensivmedizin
Auf der Intensivstation werden innovative Therapien des Fachbereichs Neurologie durchgeführt. Hier werden Patienten aller Altersstufen aus der gesamten Region mit schwersten Erkrankungen auf neurologischem Fachgebiet betreut.
Behandelte Erkrankungen auf der Neurologischen Intensivstation:
- Guillain-Barré-Syndrom (Aszendierende Polyradikulitis)
- Myasthenia gravis
- Virale und bakterielle Meningitis und Enzephalitis
- Status epilepticus
- Intrazerebralen Blutungen und akute Subarachnoidalblutungen
- Neurotraumatologische Patienten (Traumatische Subarachnoidalblutung, Hirnkontusionen)
- Patienten nach interventionellen Eingriffen (z.B. nach Aneurysmaclipping, -coiling, Angiomembolisationen etc., Carotisstent, Lysebehandlung)
- Schwere Stoffwechselentgleisungen mit neurologischen Komplikationen (Hyponatriämie, Hypernatriämie mit epileptischen Anfällen)
- Schwere Enzephalopathien
- Komata (anoxisch, metabolisch, toxisch)
Diagnostische Verfahren
Die Abteilung für Neurologie und Klinische Neurophysiologie bietet ein breites Spektrum an diagnostischen Verfahren für periphere und zentrale Erkrankungen des Nervensystems an.
Elektroenzephalografie (EEG)
Funktionsuntersuchung des Gehirns, zum Beispiel im Rahmen der Epilepsiediagnostik oder der Untersuchung bewusstloser Patienten.
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Elektromyografie und Elektroneurografie (EMG/NLG)
Untersuchungen der Muskulatur (Elektromyografie), der peripheren Nerven (Elektroneurografie = Messung der Nervenleitgeschwindigkeiten (NLG)) sowie des autonomen Nervensystems. Diese Untersuchungen werden durch Untersuchungen von Reflexbahnen ergänzt, die durch bestimmte Abschnitte des Gehirns (Hirnstammreflexe: Blinkreflex, Masseterreflex, Masseter silent period etc.) laufen.
Evozierte Potenziale
Auch Hörbahn (AEP), Sehbahn (VEP), sowie Bahnsysteme, die motorische (MEP) und sensible (SEP) Informationen leiten. Sie können bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems (zum Beispiel Multiple Sklerose, Amyotrophe Lateralsklerose) erfasst werden. Im Labor werden auch spezielle EMG-Techniken bei besonderer Fragestellung angeboten: Neuro-urologische EMG-Diagnostik, Single-Fiber-EMG, Zwerchfell-EMG. Zur Analyse von Störungen des Gleichgewichts stehen Posturografie - Balance Master zur Verfügung. In Planung ist eine Vestibularisprüfung mit Nystagmografie. Eine Besonderheit der Abteilung ist das Bewegungsanalyselabor, das zur Erfassung extrapyramidalmotorischer Bewegungsstörungen bereit steht. Insgesamt stehen vier neurophysiologische Messplätze zur Verfügung, die Untersuchungen für die Klinik sowie für auswärtige Krankenhaus-Abteilungen und niedergelassene Kollegen durchführen.
Sonografie
Doppler-, farbcodierte extra- und intrakranielle Duplexsonografie, transkranielle Dopplersonografie, Bubble-Embolie-Detektion. Zusätzlich erfolgt mittels Ultraschall die Darstellung der Muskulatur (Muskelsonografie) bei Fragen neuromuskulärer Erkrankungen, ebenso die Restharnbestimmung bei neurogenen Blasenstörungen. Zusätzlich ist die Darstellung der Gefäße (CT-Angiografie) möglich.
Kernspintomografie (MRT), Röntgen
Die Kernspintomografie des Schädels, des Rückenmarks beziehungsweise der Wirbelsäule und der Muskulatur erfolgt in Kooperation mit einer radiologischen Praxis. Die konventionelle Röntgendiagnostik (Röntgen Schädel, Wirbelsäule) erfolgt digital. Die Kernspintomografie erfolgt in der Abteilung.
Liquorlabor, allgemeine und spezielle Labordiagnostik
Die Proteinanalyse nach Reiber, die isoelektrische Fokussierung, die Liquorzytologie sowie die Frühdiagnostik für Demenzen und Neuroborreliose werden in der Abteilung vorgenommen.
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Angiografie
Die Klinik verfügt über eine hochmoderne biplane Angiografie zur Diagnostik zerebralvaskulärer Erkrankungen und zur Therapie unter Anderem vom akuten Schlaganfall (Thrombektomie) und Stent-Versorgung bei Stenosen der hirnversorgenden Gefäße.
Therapeutische Angebote
Die Behandlung in der Neurologischen Akutabteilung erfolgt in erster Linie medikamentös in Verbindung mit der Physiotherapie. Rollstuhl- und desorientierte Patienten sowie Betroffene mit gravierenden Gangstörungen werden zu jeder Therapie abgeholt. Die Therapie gestaltet sich abhängig von der Diagnose, dem Befund und der Belastbarkeit des jeweiligen Patienten.
Physiotherapieangebote
- Großer Therapieraum
- Krankengymnastik auf neurophysiologischer Grundlage (Bobath, Vojta, PNF)
- Rückenschule (Brunkow)
- Gleichgewichts- und Koordinationstraining, Schwindeltraining
- Gangschulung beziehungsweise Rollstuhltraining
- Laufbandtraining
- Wirbelsäulengruppenbehandlung
- Hilfsmittelversorgung
- Manuelle Massagen, Wärme- und Kältetherapie
- Stangerbad
- Elektrotherapie, Ultraschall
- Gefäßtraining, Atemgymnastik
- Massagen, Lymphdrainagen, Schlingentischbehandlung
Ergotherapie
Die Ergotherapie ist ein fester Bestandteil der neurologischen Versorgung auf der Stroke Unit sowie den neurologischen Stationen. Ziel der Behandlung ist es, Patienten frühzeitig therapeutisch zu begleiten und gezielt dabei zu unterstützen, alltagsrelevante Fähigkeiten wiederzuerlangen oder zu erhalten.
Die ergotherapeutische Behandlung beginnt im Rahmen des Stroke-Unit-Konzeptes innerhalb der ersten 24 Stunden nach Aufnahme. Die Therapie wird auch an Wochenenden und Feiertagen durchgeführt. Nach Verlegung auf die neurologische Allgemeinstation wird, sofern therapeutisch und medizinisch indiziert, die ergotherapeutische Behandlung fortgeführt.
Im Mittelpunkt steht die Behandlung von Einschränkungen in der Bewegung, Wahrnehmung und Kognition, die alltägliche Aufgaben beeinträchtigen können. Dazu erfassen wir die Beeinträchtigungen in der Handlungsfähigkeit, sowohl körperlich als auch geistig und seelisch, und die verbliebenen Restfunktionen.
Es wird ganzheitlich gearbeitet und individuell angepasste Behandlungsformen genutzt wie das Training der Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL), motorisch-funktionelle und sensomotorisch-perzeptive Verfahren, kognitives Hirnleistungstraining, sowie bei schwer betroffenen Patienten, basale Stimulation. Die Maßnahmen orientieren sich am aktuellen klinischen Zustand und berücksichtigen die individuellen Bedürfnisse und Rehabilitationsziele der Patienten.
Sprachtherapie
Es wird eine störungsspezifische Sprachtherapie, insbesondere von Patienten nach akuten Schlaganfällen angeboten.
Die differenzierte Untersuchung erfolgt unter anderem durch eine computergestützte Analyse.
Im Rahmen von neurologischen Erkrankungen kann es zu folgenden Symptomen kommen:
- Sprachstörungen (Aphasien)
- Sprechstörungen (Dysarthrien)
- Stimmstörungen (Aphonien/Dysphonien)
- Schluckstörungen (Dysphagien)
Im Vordergrund der sprachtherapeutischen Arbeit steht die Behandlung von Patienten mit Aphasien. Aphasie bedeutet „Sprachverlust". Menschen, die unter ihr leiden, haben Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen, Schreiben und Lesen. Durch die intensive Sprachtherapie können die aphasischen Störungen gemindert oder beseitigt werden.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Die Abteilung für Neurologie, Neurophysiologie und neurologische Frührehabilitation mit Schlaganfalleinheit kann zur sicheren Diagnosestellung, Nachbehandlung und Mitbetreuung auf ein hausinternes Netzwerk qualifizierter Spezialisten zurückgreifen. Dazu gehören unter anderem Kardiologen, Diabetologen, Radiologen, Neuroradiologen und Internisten.
Die multidisziplinäre Versorgung der Patienten erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den anderen Fachabteilungen des Brüderkrankenhauses Trier.
Schlaganfall: Ein medizinischer Notfall
Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für lebenslange Behinderung in den industrialisierten Ländern.
Ursachen und Risikofaktoren
- Verminderung der Hirndurchblutung (ca. 85% der Fälle):
- Arterienverkalkung (Arteriosklerose)
- Thromboembolie
- Herzrhythmusstörungen oder Herzinfarkt
- Mikroangiopathie (Veränderungen der kleinen Hirngefäße)
- Hirnblutungen (10% bis 15% der Fälle):
- Veränderung der Gefäße (Arteriosklerose, Gefäßmissbildungen oder -tumore)
- Erhöhter Blutdruck
- Traumatische Ereignisse
Risikofaktoren:
- Alter
- Bluthochdruck
- Herzerkrankungen
- Blutzuckererkrankung (Diabetes mellitus)
- Nikotinabusus (Rauchen)
- Fettstoffwechselstörungen
- Alkoholkonsum
- Übergewicht
- Migräne
- Erbisiko
Symptome
- Sehstörungen
- Kribbelmissempfindungen
- Extrem starker Kopfschmerz
- Schwäche, Lähmung oder Gefühlsstörung einer oder mehrerer Gliedmaßen (üblicherweise halbseitig verteilt)
- Gesichtsschwäche oder Asymmetrie (gleichseitig oder gegenseitig zur Gliedmaßenschwäche)
- Sprachstörungen
- Sprechstörungen (Dysarthrie)
- Störung des Gesichtsfeldes
- Bewusstseinsveränderungen: Verwirrtheit, Erregtheit, Stupor oder Koma
- Epileptischer Krampfanfall
- Schwindel
- Doppelbilder
- Einseitiger Hörverlust
- Übelkeit, Erbrechen
- Ataxie (Unfähigkeit der gleichmäßigen Bewegungsausführung)
Was tun im Notfall?
Da beim Schlaganfall, genau wie beim Herzinfarkt, jede Minute zählt, ist es wichtig, dass Angehörige über die Notfallrufnummer (112) sofort den örtlichen Rettungsdienst informieren.
Erste Hilfe Maßnahmen:
- Helfen Sie dem Betroffenen, enge Kleidungsstücke zu öffnen oder zu entfernen.
- Beruhigen Sie ihn und sorgen Sie für eine ausreichende Sauerstoffversorgung.
- Sorgen Sie für freie Atemwege (entfernen Sie gegebenenfalls Zahnprothesen).
- Bewusstlose Patienten müssen in die stabile Seitenlage gebracht werden.
- Überwachen Sie ständig die Atmung sowie den Herzschlag.
- Setzt die Atmung oder der Herzschlag aus, muss sofort mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung und einer Herz-Druck-Massage begonnen werden.
- Geben Sie dem Arzt eine kurze Information über die Uhrzeit des Auftretens der Symptome, weitere Vorerkrankungen sowie Medikamente.
Transiente ischämische Attacke (TIA) und PRIND
- TIA: Wenn eine Durchblutungsstörung nur kurzzeitig besteht und sich die Symptome innerhalb von 24 Stunden wieder zurückbilden, spricht man von einer transienten-ischämischen Attacke (TIA). TIA's sind Warnsignale für einen drohenden Schlaganfall und sollten ebenso ernst genommen werden wie fortbestehende Durchblutungsstörungen.
- PRIND: Dauert die Durchblutungsstörung länger als 24 Stunden an und bildet sich die neurologische Symptomatik innerhalb von höchstens 7 Tagen wieder komplett zurück, so spricht man von einem prolongierten reversiblen ischämisch neurologischen Defizit, einem sogenannten PRIND.
MS-Zentrum
Die Abteilung für Neurologie und Klinische Neurophysiologie ist seit 2006 regelmäßig von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) mit dem Zertifikat „Anerkanntes MS-Zentrum" zertifiziert. Die Auszeichnung soll MS-Erkrankten in Deutschland eine unabhängige verlässliche Orientierung geben.
Als MS-Zentrum bietet die Abteilung Antworten auf alle medizinischen Fragen, vor denen Menschen stehen, die von heute auf morgen mit der Diagnose Multiple Sklerose konfrontiert werden. Die bestmögliche Versorgung für diesen Fall der Fälle finden zu können, ist für jeden MS-Erkrankten von höchster Bedeutung.
Das Zertifikat „Anerkanntes MS-Zentrum" nach den Richtlinien der DMSG sichert eine qualitativ hochwertige, von Leitlinien gestützte akute und rehabilitative Behandlung durch auf MS spezialisierte Neurologen und andere MS-Fachkräfte.
Tagesklinik
Die Tagesklinik bietet die Möglichkeit, neurologische Erkrankungen ambulant zu diagnostizieren und zu behandeln. Der tagesklinische Aufenthalt kann, je nach diagnostischem Aufwand, zwei bis drei Tage betragen. Um 16:00 Uhr werden die Patienten in ihre häusliche Umgebung entlassen, bei Bedarf kann der nächste Termin vereinbart werden.
Was Sie für die Aufnahme in die Tagesklinik benötigen:
Für die Aufnahme in die Tagesklinik benötigen Sie eine stationäre Einweisung von einem Hausarzt oder Facharzt.
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