Spinozerebelläre Ataxie Typ 5: Ursachen, Symptome und Therapie

Die spinozerebelläre Ataxie Typ 5 (SCA5) ist eine seltene, genetisch bedingte neurodegenerative Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Sie gehört zu einer Gruppe von Erkrankungen, die als spinozerebelläre Ataxien bekannt sind und durch eine fortschreitende Verschlechterung der motorischen Koordination gekennzeichnet sind. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapiemöglichkeiten von SCA5.

Was ist Spinozerebelläre Ataxie?

Unter dem Begriff Ataxie, aus dem Griechischen stammend und soviel wie "Nicht-Anordnung" bedeutend, wird eine Vielzahl verschiedener Erkrankungen zusammengefasst, denen das Hauptsymptom einer zunehmenden Gangunsicherheit gemeinsam ist. Bei den Erkrankungen kommt es zu einer mangelnden Koordination, d.h. einem fehlerhaften Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen bei der Ausführung von Bewegungen.

Die Rolle des Kleinhirns

Von wesentlicher Bedeutung für koordinierte Bewegungen ist das Kleinhirn. Das Kleinhirn empfängt Informationen aus dem Großhirn, dem Hirnstamm, dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr sowie aus der Körperperipherie, d. h. aus Sensoren in Muskeln, Sehnen und Gelenken. Die peripheren Nerven und die Strangsysteme im Rückenmark leiten die Informationen aus der Körperperipherie zum Kleinhirn. Zu einer Ataxie kann es somit kommen, wenn das Kleinhirn nicht richtig funktioniert oder wenn es die notwendigen Informationen nicht erhält. Bei den Heredo-Ataxien liegen meist Schädigungen vor, die sowohl das Kleinhirn als auch seine Verbindungen betreffen, wenn auch in unterschiedlichen Relationen zueinander.

Heredo-Ataxien

Heredo-Ataxien sind eine Gruppe von genetischen Erkrankungen, die das Nervensystem betreffen und zu fortschreitenden Bewegungsstörungen führen. Der Begriff "Heredo" verweist auf die erbliche Natur dieser Erkrankungen, während "Ataxie" sich auf Koordinationsstörungen bezieht, die aus einer Beeinträchtigung der Steuerung der Muskelbewegungen resultieren. Mittlerweile sind eine Vielzahl unterschiedlicher Ataxien-Arten bekannt, die je nach erkrankter Person und spezifischem Typ variieren können. Heredo-Ataxien sind insgesamt sehr seltene Erkrankungen.

Klinische Unterscheidung

Klinisch kann man langsam fortschreitende Ataxien (SCA) von episodischen Ataxien (EA) unterscheiden. Anders als bei den langsam fortschreitenden SCAs treten bei den EAs die Ataxie-Beschwerden nicht dauerhaft auf, sondern in zeitlich umschriebenen Attacken. SCA steht dabei für „spinocerebelläre Ataxie“, wobei „spino“ für das Rückenmark steht und „cerebelläre“ für das Kleinhirn, weil bei vielen Erkrankungen neben dem Kleinhirn auch Bahnen im Rückenmark betroffen sind.

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Autosomal-rezessive Ataxien

Autosomal-rezessive Ataxien mit Beteiligung des Kleinhirns (= autosomal-rezesssive cerebelläre Ataxien, ARCAs) sind dadurch definiert, dass in einem Gen auf beiden Genkopien Genveränderungen (Mutationen) vorliegen - und nicht nur eine Genkopie mutiert ist, wie bei den autosomal-dominanten Ataxien. In der Regel wird jeweils eine der beiden Genveränderungen vom Vater und eine von der Mutter vererbt. ARCAs entstehen - wie auch autosomaldominante Ataxien - ebenfalls aus dem Abbau bzw.

Ursachen von SCA5

SCA5 wird durch Mutationen im SPTBN2-Gen verursacht, das für das Protein Spectrin Beta, Non-Erythrocytic 2 kodiert. Dieses Protein spielt eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Zellstruktur und der Signalübertragung im Gehirn. Spectrin Beta, Non-Erythrocytic 2 kodiert. Diese Erkrankung ist autosomal-dominant vererbt, was bedeutet, dass eine einzige Kopie des veränderten Gens ausreicht, um die Krankheit zu verursachen.

Genetische Grundlagen

Genetische Vererbung erfolgt in unterschiedlichen Mustern und hat weitreichende Auswirkungen auf die Ausprägung genetischer Merkmale und Krankheiten. Hierbei kann unterschieden werden in verschiedene Erbgänge: Die Vererbung von Genen auf den Nicht-Geschlechtschromosomen (Autosomen) kann im homozygoten oder heterozygoten Zustand erfolgen, wobei im letzteren Fall das Vorliegen von Mutationen zu dominanten oder rezessiven Erbkrankheiten führen kann. Geschlechtsgebundene Gene, vor allem auf dem X-Chromosom, zeigen spezifische Muster, die das Risiko für Erkrankungen bei Männern und Frauen unterschiedlich beeinflussen.

  • Autosomal dominant: Wenn ein Elternteil betroffen ist, besteht für das Kind das Risiko, eine Ataxie zu entwickeln. Autosomal dominante Gene sind schon dann aktiv, wenn sie lediglich einmal vorhanden sind (von Mutter oder Vater).

  • Autosomal rezessiv: Bei dieser Form müssen beide Elternteile Träger der Krankheit sein oder ein Träger und ein Erkranktes, um die Krankheit auf die Nachkommen zu übertragen. Autosomal rezessive Gene äußern sich nur im homozygoten Zustand - d.h. beide Gene des Genpaares sind die rezessive Genform. Einige der weit verbreiteten autosomal rezessiven Formen der Ataxie sind die Friedreich-Ataxie und die Ataxia Telangectasia. Rezessive Gene können also von Menschen „getragen“ werden, deren Phänotyp das Genmerkmal nicht aufweist, während dominante Gene nicht „getragen“ werden können. Daher sind autosomal dominante Ataxien im Allgemeinen einfacher zu exprimieren und haben eine höhere Morbidität als autosomal rezessive Ataxien.

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  • Mitochondriale Vererbung: Bei diesem Modus beträgt das Risiko, dass die Krankheit auftritt, 100%, wenn die Mutter betroffen ist, und 0%, wenn der Vater die betroffene Person ist. Sie tritt aufgrund von Punktmutationen in der mitochondrialen DNA der Mutter auf, die ausschließlich an ihre Nachkommen weitergegeben wird. Einige Ataxien in dieser Kategorie sind die Myoklonische Epilepsie mit gezackten roten Fasern (MERRF) und die Mitochondriale Enzephalomyopathie.

Seltenheit und Prävalenz

SCA5 ist eine seltene Erkrankung, und genaue Prävalenzdaten sind begrenzt. Sie tritt weltweit auf, wobei keine spezifische ethnische oder geografische Präferenz bekannt ist. Die Häufigkeit wird auf 0-5,6:1000001 geschätzt. Das Auftreten der Symptome erfolgt meist nach dem 30. Lebensjahr, wobei einzelne spinozerebelläre Ataxien auch mit Beginn im Kindesalter auftreten können.

Symptome von SCA5

Die Symptome von SCA5 variieren, treten jedoch typischerweise im Erwachsenenalter auf. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Feinmotorikstörungen: Probleme bei der Ausführung präziser Bewegungen, wie z.B. Schwierigkeiten, ihre Bewegungen präzise zu steuern.
  • Von Dr. der Bewegungen beeinträchtigt.
  • Schluckprobleme sowie Zittern.

Weitere Symptome können sein:

  • Gang- und Extremitätenataxie
  • Sensible Polyneuropathie
  • Affektion der Pyramidenbahn
  • Hirnnervenaffektion
  • Dysarthrie
  • Okulomotorikstörungen
  • Hörstörungen
  • Schluckstörungen
  • Tremor und Geschicklichkeitsstörungen
  • Kognitive Beeinträchtigungen

Symptome anderer SCA-Typen

Je nach Untergruppe einer SCA können jedoch verschiedene andere Symptome hinzukommen, wie etwa eine zunehmend verwaschene Sprache, Augenfolgestörungen und Doppelbilder, Schädigungen der peripheren Nerven, Krampfanfälle, Netzhautdegeneration, Zittern (Tremor) oder eine vermehrte Muskelsteifigkeit.

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Diagnose von SCA5

Die Diagnose von SCA5 basiert auf einer Kombination aus klinischer Untersuchung, Familienanamnese und genetischen Tests. Eine neurologische Untersuchung kann Hinweise auf Ataxie und andere motorische Störungen liefern. Genetische Tests sind entscheidend, um Mutationen im SPTBN2-Gen zu identifizieren und die Diagnose zu bestätigen.

Bedeutung der Familienanamnese

Die Anamneseerhebung, insbesondere die Familienanamnese, ist von großer Bedeutung.

Molekulargenetische Diagnostik

Gewissheit über den jeweils vorliegenden Typ der SCA kann die molekulargenetische Diagnostik bringen, da es viele Überschneidungen zwischen den Symptomen gibt. Seit 1996 ist eine verlässliche molekulargenetische Diagnostik für die Friedreich-Ataxie möglich.

Therapie von SCA5

Derzeit gibt es keine Heilung für SCA5, und die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und die Verbesserung der Lebensqualität.

Unterstützende Therapien

  • Physiotherapie: Kann helfen, die Bewegungskoordination zu verbessern und die Muskelkraft zu erhalten. Gezielte Bewegungsübungen oder z.B. Bein oder das Gehen auf einer Linie kann Betroffenen helfen.
  • Ergotherapie: Kann Patienten dabei unterstützen, alltägliche Aufgaben besser zu bewältigen und die Lebensqualität zu verbessern. Hier werden Alltagsaktivitäten des Lebens (ADL) trainiert.
  • Logopädie: Kann bei Sprach- und Schluckstörungen hilfreich sein.
  • Allgemeiner Hinweis: In unseren Ratgebern verwenden wir für die bessere Lesbarkeit überwiegend das generische Maskulinum.

Stammzellentherapie

Die Stammzellbehandlung bietet jedoch Hoffnung, denn Studien zeigen, dass die Stammzelltherapie das Fortschreiten der spinozerebellären Ataxien verlangsamen oder stoppen kann. Bei der Stammzellbehandlung werden unreife Stammzellen injiziert, die im Grunde der Ursprung aller Zellen in unserem Körper sind. Stammzellen können sich in verschiedene Zelllinien differenzieren und so degenerierte und geschädigte Zellen - wie es bei erblichen Ataxien der Fall ist - durch gesunde Zellen eines gesunden Spenders ersetzen. Stammzellen können sich in eine Vielzahl von Zelllinien differenzieren, darunter Haut, Knochen, Haare, Knorpel, Neuronen, Muskeln, Fettzellen, Leber, usw. Im Falle von Ataxien und anderen neurologischen Erkrankungen bieten sie außerdem einen zusätzlichen Neuroschutz.

Im Allgemeinen wird die Stammzellentherapie von Menschen mit Ataxie gut vertragen. Die minimalen Nebenwirkungen sind leicht zu bewältigen und verursachen nur selten erhebliche Probleme. Sie sollten bereits nach etwa zwei Wochen nach der Stammzellentransplantation eine spürbare Verbesserung feststellen können. Darüber hinaus sind die Ergebnisse der Stammzelltherapie in der Regel lebenslang und bieten lang anhaltende und unzählige Vorteile, die mit herkömmlichen Behandlungsmethoden, die mehrere Modalitäten erfordern, nur schwer zu erreichen sind, da jedes Medikament in der Regel auf einen Aspekt der Krankheit abzielt. Dies bedeutet keineswegs, dass die Stammzellentherapie als einzige Behandlungsmethode eingesetzt werden kann, da in einigen Zentren nach wie vor Physiotherapie und andere Behandlungsformen empfohlen werden, sondern zeigt lediglich die möglichen Vorteile der Stammzellentherapie gegenüber herkömmlichen Methoden auf.

Für Patienten bei denen eine Ataxie diagnostiziert wurde, stehen nur wenige konventionelle Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die sich hauptsächlich auf die Linderung der Symptome konzentrieren. Keine von ihnen behandelt tatsächlich den Verlust der neurologischen Funktion, der durch die Zelldegeneration im Kleinhirn, Hirnstamm und/oder Rückenmark verursacht wird. Stammzellen haben die Fähigkeit, verletzte Zellen im Körper zu regenerieren und so die Symptome zu lindern/umzukehren und eine Besserung der Ataxie-Patienten zu ermöglichen.

Der Zweck der Stammzellbehandlung ist es, die neurologische Funktion in den betroffenen Bereichen im Hirn/Rückenmark wiederherzustellen, was die Grundlage für mögliche Verbesserungen sind. Es ist wichtig, daran zu denken, dass die Verbesserungen, die Patienten mit erblichen Ataxien erfahren, möglicherweise nicht von Dauer sind, da Stammzellbehandlungen derzeit keinen Einfluss auf den genetischen Ursprung dieser speziellen Arten von Ataxie haben. In solchen Fällen können regelmäßige Behandlungen erforderlich sein, um einen stabilen Zustand zu erhalten. Wie bei jeder medizinischen Behandlung kann auch hier keine Besserung garantiert werden.

Weitere Therapieansätze

  • Ernährungsumstellung
  • Stressbewältigung
  • Weitere begleitende Behandlungen

Medikamentöse Therapie

Riluzol: Dieses Medikament wird in einigen Fällen eingesetzt.

Prognose und Lebensqualität

Die Prognose für Patienten mit SCA5 variiert, da die Krankheit bei jedem Patienten unterschiedlich fortschreitet. Im Allgemeinen schreitet die Erkrankung langsam voran, und viele Patienten behalten über Jahre hinweg eine gewisse Unabhängigkeit. Für Patienten mit SCA5 ist es wichtig, regelmäßige medizinische Betreuung in Anspruch zu nehmen, um die Symptome zu überwachen und die bestmögliche Lebensqualität zu gewährleisten.

Umgang mit den Herausforderungen

Das Leben mit SCA5 kann eine Herausforderung sein. Neben den körperlichen Symptomen können auch psychische und soziale Auswirkungen auftreten.

  • Unterstützung suchen: Der Austausch mit anderen Betroffenen und Selbsthilfegruppen kann hilfreich sein.
  • Anpassung des Lebensstils: Hilfsmittel und Anpassungen im Wohnbereich können die Selbstständigkeit erhalten.
  • Psychologische Betreuung: Bei Bedarf kann eine psychologische Betreuung helfen, mit den emotionalen Belastungen umzugehen. Unbehagen kann zu Einsamkeit und Depression führen und das Selbstbild negativ beeinflussen.

Forschung und Ausblick

Die Forschung im Bereich der spinozerebellären Ataxien schreitet stetig voran. Ziel ist es, die Mechanismen der Erkrankungen besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln.

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