Viele Menschen leiden unter der Hauterkrankung Neurodermitis. Der Begriff Neurodermitis setzt sich aus den Wörtern „Neuro“ (Nerven) und „Dermitis“ (Hautentzündung) zusammen, was auf einen Zusammenhang mit Nervosität und Entzündung der Haut hindeutet.
Was ist Neurodermitis?
Neurodermitis, auch bekannt als atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis, ist eine häufige, chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Sie ist nicht ansteckend und manifestiert sich typischerweise durch trockene, rissige und schuppige Haut, die oft von starkem Juckreiz begleitet wird. Die Erkrankung verläuft meist in Schüben, wobei sich Phasen mit und ohne Beschwerden abwechseln.
Alternative Bezeichnungen für Neurodermitis
Für Neurodermitis gibt es verschiedene Bezeichnungen, darunter endogenes Ekzem, atopische Dermatitis und atopisches Ekzem.
Atopie: Eine Veranlagung
Atopie ist keine Krankheit an sich, sondern eine genetische Veranlagung, bestimmte Krankheiten zu entwickeln. Zu diesen Erkrankungen gehören Neurodermitis, allergisch bedingter Heuschnupfen, allergisches Asthma bronchiale und Nahrungsmittelallergien. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine atopische Erkrankung ausbricht, ist umso höher, je mehr Blutsverwandte eine atopische Veranlagung haben.
Allergien bei Neurodermitis
Atopiker leiden häufig unter Allergien. Eine Allergie ist eine Überempfindlichkeit gegen Stoffe der Umgebung (Allergene), die normalerweise harmlos sind. Neurodermitiker können auch unter Kontaktallergien leiden, die durch Epikutantests nachgewiesen werden können.
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Ursachen und Auslöser von Neurodermitis
Die genauen Ursachen von Neurodermitis sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass verschiedene Faktoren an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sind:
- Genetische Veranlagung: Eine familiäre Häufung von Neurodermitis erhöht das Risiko, selbst zu erkranken.
- Gestörte Hautbarriere: Bei Menschen mit Neurodermitis ist die Hautbarriere gestört, was zu trockener und empfindlicher Haut führt.
- Fehlleitung des Immunsystems: Eine Überreaktion des Immunsystems kann zu Entzündungen der Haut führen.
- Umwelteinflüsse: Klima, raue Kleidung, Umweltschadstoffe und Allergene können Neurodermitis-Schübe auslösen oder verstärken.
- Psychische Einflüsse: Stress, Ängste und Depressionen können den Verlauf der Neurodermitis beeinflussen.
Die Rolle des Immunsystems
Das Immunsystem hat die Aufgabe, den Körper vor schädlichen Eindringlingen zu schützen. Bei Neurodermitis kommt es jedoch zu einer Überreaktion des Immunsystems, die Entzündungen verursacht. Durch die gestörte Hautbarriere können Fremdstoffe leichter in die Haut eindringen und eine Immunreaktion auslösen.
Stress als Einflussfaktor
Psychischer Stress kann eine Vielzahl von körperlichen Reaktionen auslösen. Bei Menschen mit Neurodermitis kann Stress die Symptome verschlimmern. Stresshormone wie Cortisol können Entzündungsprozesse im Körper verstärken, was die Hautbarriere schwächt und Juckreiz sowie Entzündungen fördert.
Symptome von Neurodermitis
Die typischen Symptome von Neurodermitis sind:
- Trockene, entzündete und gerötete Hautstellen (Ekzeme)
- Schuppige Haut
- Juckende Knötchen (Papeln) oder mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen
- Nässen und Verkrusten der betroffenen Haut
Die betroffenen Hautstellen variieren je nach Alter:
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- Säuglinge: Kopfhaut und Gesicht, Ellenbogen und Knie
- Kinder: Beugeseiten der Arme und Knie sowie der Hals
- Erwachsene: Beugeseiten der Arme und Knie, Hände, Füße und Nacken
Der quälende Juckreiz
Für viele Menschen mit Neurodermitis ist der Juckreiz das quälendste Symptom. Kratzen verschlimmert die Beschwerden jedoch, da es die Hautbarriere weiter schädigt und Entzündungen verstärkt. Es entsteht ein Juck-Kratz-Kreislauf.
Begleiterkrankungen
Neurodermitis tritt häufig in Kombination mit anderen atopischen Erkrankungen auf, wie z.B.:
- Asthma
- Allergischer Schnupfen
- Nahrungsmittelallergien
Diagnose von Neurodermitis
Die Diagnose Neurodermitis wird in der Regel von einem Dermatologen gestellt. Grundlage der Diagnose sind die Hautsymptome und der Juckreiz. Typisch für Neurodermitis sind Ekzeme in den Arm- und Kniebeugen sowie ein schubweiser Verlauf.
Allergietests
Um mögliche Allergien als Auslöser zu identifizieren, können Allergietests durchgeführt werden, z.B. Pricktests oder Intrakutantests.
Therapie von Neurodermitis
Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung, die nicht heilbar ist. Ziel der Therapie ist es, die Symptome zu lindern, die Hautbarriere zu stärken und Schüben vorzubeugen. Die Behandlung umfasst in der Regel:
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- Basispflege: Regelmäßige Anwendung von rückfettenden Cremes und Lotionen, um die Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen.
- Entzündungshemmende Medikamente: Kortisonhaltige Cremes oder Salben zur Linderung von Entzündungen. In schweren Fällen können auch Tabletten oder Injektionen mit Kortison oder anderen Immunsuppressiva erforderlich sein.
- Lichttherapie: Bestrahlung der Haut mit UV-Licht, um Entzündungen zu reduzieren.
- Antihistaminika: Medikamente zur Linderung des Juckreizes.
- Psychotherapie: Unterstützung bei der Bewältigung von Stress und psychischen Belastungen.
- Biologika: Für Jugendliche ab 12 Jahren können Biologika eine Option sein. Dies sind biotechnologisch hergestellte Arzneistoffe, die körpereigene Botenstoffe blockieren oder ersetzen.
Basispflege als Grundpfeiler der Therapie
Die Basispflege ist ein wichtiger Bestandteil der Neurodermitis-Therapie. Sie hilft, die Hautbarriere zu stärken und die Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen. Geeignet sind rückfettende Cremes und Lotionen, die regelmäßig angewendet werden sollten.
Kortisonhaltige Präparate
Kortisonhaltige Präparate wirken entzündungshemmend und können bei akuten Schüben eingesetzt werden. Sie sollten jedoch nicht über einen längeren Zeitraum angewendet werden, da sie Nebenwirkungen verursachen können.
Lichttherapie
Die Lichttherapie kann bei Neurodermitis-Patienten die Entzündung reduzieren und den Juckreiz lindern. Es gibt verschiedene Formen der Lichttherapie, z.B. die Bade-PUVA-Therapie und die UV-Schmalspektrum-Therapie.
Psychologische Unterstützung
Psychische Faktoren können den Verlauf der Neurodermitis beeinflussen. Psychologische Unterstützung kann helfen, Stress abzubauen, das Selbstwertgefühl zu verbessern und den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern.
Tipps für den Alltag mit Neurodermitis
- Vermeiden Sie Stress: Versuchen Sie, Stress abzubauen und Entspannungstechniken zu erlernen.
- Pflegen Sie Ihre Haut: Verwenden Sie regelmäßig rückfettende Cremes und Lotionen.
- Vermeiden Sie Reizstoffe: Tragen Sie lockere Kleidung aus atmungsaktiven Stoffen und vermeiden Sie kratzende Materialien wie Wolle.
- Achten Sie auf Ihre Ernährung: Identifizieren Sie mögliche Nahrungsmittelallergien und passen Sie Ihre Ernährung entsprechend an.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt: Besprechen Sie Ihre Beschwerden und suchen Sie gemeinsam nach der besten Therapie für Sie.
Neurodermitis und Psyche
Die Haut wird oft als „Spiegel der Seele“ bezeichnet. Hautkrankheiten wie Neurodermitis können psychische Belastungen verursachen, wie z.B. Scham, Angst und Depressionen. Umgekehrt können psychische Faktoren wie Stress und Ängste die Symptome der Neurodermitis verstärken.
Der Teufelskreis aus Juckreiz und Stress
Der Juckreiz bei Neurodermitis kann zu Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und sozialem Rückzug führen. Dies kann wiederum Stress und Ängste verstärken, was den Juckreiz weiter verschlimmert. Es entsteht ein Teufelskreis.
Psychotherapeutische Unterstützung
Psychotherapeutische Verfahren können helfen, den Teufelskreis aus Juckreiz und Stress zu durchbrechen. Durch Entspannungsverfahren, kognitive Strategien und Kompetenztraining können Betroffene lernen, mit Stress umzugehen, ihr Selbstwertgefühl zu verbessern und ihren Körper zu akzeptieren.
Forschung und Ausblick
Die Forschung im Bereich Neurodermitis hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Es wurden neue Medikamente und Therapien entwickelt, die den Betroffenen helfen können, ihre Symptome besser zu kontrollieren. Die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Psyche und Haut bei Neurodermitis ist ein wichtiger Schwerpunkt, um die Behandlung der Erkrankung weiter zu verbessern.
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