Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das in den letzten Jahrzehnten in den Industrieländern zugenommen hat. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsstrategien von Schlaganfällen, um ein umfassendes Verständnis dieser Erkrankung zu ermöglichen.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall tritt auf, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird. Dies kann entweder durch eine Blutung im Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall) oder durch einen Verschluss eines Blutgefäßes (ischämischer Schlaganfall) verursacht werden. Bei einem ischämischen Schlaganfall wird die Hirnarterie durch Gerinnsel vor Ort (lokal thrombotisch), durch streuende Gerinnsel aus dem Herzen (kardio-embolisch) oder vorgeschaltete Hirnarterien (arterio-arteriell embolisch) verschlossen. Infolge der fehlenden Durchblutung sterben Hirnnervenzellen ab, was zu einem Hirninfarkt führt.
Ursachen eines Schlaganfalls
Die Ursachen für Schlaganfälle sind vielfältig und können in Risikofaktoren für ischämische und hämorrhagische Schlaganfälle unterteilt werden.
Risikofaktoren für ischämische und hämorrhagische Schlaganfälle
Die häufigsten Risikofaktoren für beide Arten von Schlaganfällen sind:
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfettwerte
- Übergewicht (Adipositas)
Diese Faktoren führen zu Gefäßverkalkungen (Atherosklerose), die entweder vor Ort oder durch Ablösen eines Plaque-Stückchens oder Gerinnsel (ulzerierender Plaque) einen Gefäßverschluss verursachen können.
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Ursachen für ischämische Schlaganfälle (Hirninfarkte)
Eine der wichtigsten Ursachen für ischämische Schlaganfälle ist Vorhofflimmern. Bei Vorhofflimmern schlägt das Herz unregelmäßig, wodurch das Blut "stockt" und Gerinnsel in Hirnarterien gelangen können, was zum Verschluss führt.
Ursachen für hämorrhagische Schlaganfälle (Hirnblutungen)
Bei einer Hirnblutung reißen Hirnarterien. Wenn ein Aneurysma reißt, entsteht eine Subarachnoidalblutung (Hirnnervenwasserblutung), während bei einem Riss von Arterien im Hirngewebe selbst eine intraparenchymale Blutung entsteht. Die oben genannten Risikofaktoren können die Gefäße versteifen und ihre Elastizität verringern, wodurch das Risiko für das Einreißen erhöht wird.
Seltene Ursachen für Hirnblutungen sind angeborene Gefäßabnormalitäten (AV-Malformation, durale Fistel, Kavernome) oder Sinusvenenthrombosen mit einer Stauungsblutung. Hirninfarkte können auch durch spontane Gefäßwandeinrisse (Dissektionen) oder bei Gefäßentzündungen (Vaskulitis) entstehen.
Aneurysma
Ein Aneurysma ist eine krankhafte Aussackung eines Blutgefäßes, die durch eine Schwäche der Gefäßwand verursacht wird. Aneurysmen können an verschiedenen Arterien auftreten, einschließlich der Hauptschlagader (Aorta), Hirngefäße und Arm- und Beinarterien. Ein Aneurysma kann lange Zeit unbemerkt bleiben, aber es besteht die Gefahr, dass es reißt, was zu lebensbedrohlichen inneren Blutungen führen kann. Reißt ein Aneurysma im Gehirn, kann eine Hirnblutung und damit ein Schlaganfall entstehen.
Ursachen und Risikofaktoren für Aneurysmen
- Alter: Ältere Menschen haben häufiger Aneurysmen als jüngere.
- Familiäre Veranlagung: Haben enge Verwandte ein Aneurysma der Hauptschlagader oder im Gehirn, erhöht sich das eigene Risiko.
- Geschlechtsspezifische Veranlagung: Männer haben häufiger Aneurysmen der Bauchaorta als Frauen, während Frauen häufiger Hirnaneurysmen haben.
- Rauchen
- Hoher Blutdruck
- Hoher Alkoholkonsum
- Arteriosklerose
- Angeborene Fehlbildungen der Blutgefäße
- Bindegewebserkrankungen (z.B. Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom)
- Bakterielle Infektionen (z.B. Syphilis, Tuberkulose)
- Gefäßentzündungen (z.B. Kawasaki-Syndrom)
- Herzinfarkt: Mögliche Ursache für ein Aneurysma der Herzwand
- Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung: Können generell den Blutgefäßen schaden und damit auch das Aneurysmarisiko erhöhen.
Symptome eines Schlaganfalls
Die Symptome eines Schlaganfalls setzen plötzlich und ohne Vorankündigung ein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
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- Halbseiten- und Gesichtslähmungen
- Sprach- und Sprechstörungen
- Gang- und Koordinationsstörungen mit Schwankschwindel
Bei einer Hirnblutung können plötzliche, heftigste Kopfschmerzen oder Kopfschmerzen, die auf Schmerzmitteleinnahme nicht vergehen, auftreten. Zusätzlich können Erbrechen oder Bewusstseinsstörungen hinzukommen.
Warnsignale für ein gerissenes Aneurysma
- Plötzliche, sehr starke Schmerzen: Wo die Schmerzen auftreten, hängt von der Lage des Aneurysmas ab.
- Bauch: Flankenschmerzen, die in den Rücken oder in die Beine ausstrahlen, und/oder Schmerzen im Bauch.
- Brust: Starke Brustschmerzen, die den Symptomen eines Herzinfarktes ähneln. Manche Betroffene haben auch einen stechenden oder reißenden Rückenschmerz.
- Gehirn: Schlagartige, sehr starke Kopf- oder Gesichtsschmerzen. Betroffene beschreiben sie oft als die schlimmsten Kopfschmerzen, die sie je hatten. Weitere mögliche Symptome sind Nackensteifigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Betroffene können einen Krampfanfall erleiden oder bewusstlos werden.
- Abfall des Blutdrucks: Kann sich mit Symptomen wie schnellem Herzschlag, Atemnot oder Benommenheit zeigen und zum Kreislaufschock führen.
Diagnose eines Schlaganfalls
Die Diagnose eines Schlaganfalls erfordert eine schnelle und umfassende Untersuchung. Dazu gehören:
- Körperliche Untersuchung: Beurteilung der neurologischen Funktionen, wie z.B. Muskelkraft, Koordination, Sprache und Sensibilität.
- Bildgebende Verfahren:
- Computertomografie (CT): Um eine Blutung im Gehirn auszuschließen oder zu bestätigen.
- Magnetresonanztomografie (MRT): Für eine detailliertere Darstellung des Gehirns und zur Beurteilung des Ausmaßes des Infarkts.
- Ultraschall (Duplexsonografie): Zur Beurteilung der Halsschlagadern und anderer Blutgefäße.
- Angiografie: Zur Darstellung der Blutgefäße im Gehirn und zur Identifizierung von Verengungen oder Verschlüssen.
Behandlung eines Schlaganfalls
Die Behandlung eines Schlaganfalls zielt darauf ab, die Durchblutung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen und weitere Schäden zu verhindern. Die spezifische Behandlung hängt von der Art des Schlaganfalls ab.
Behandlung des ischämischen Schlaganfalls
- Lyse-Therapie: Verwendung von Medikamenten (Thrombolytika), um das Blutgerinnsel aufzulösen. Diese Therapie ist innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn am wirksamsten.
- Thrombektomie: Mechanische Entfernung des Blutgerinnsels mit einem Katheter. Dieses Verfahren kann in bestimmten Fällen auch nach Ablauf des Zeitfensters für die Lyse-Therapie durchgeführt werden.
Behandlung des hämorrhagischen Schlaganfalls
- Blutdrucksenkung: Senkung des Blutdrucks unter 160 mmHg systolisch.
- Überwachung: Engmaschige Überwachung des Patienten.
- Operation: Bei sehr großen Blutungen mit Gefahr des Einklemmens anderer Hirnareale kann eine Notoperation mit Ausräumen der Blutung erforderlich sein.
- Aneurysma-Behandlung: Bei einer Aneurysmablutung (Subarachnoidalblutung) ist meist eine künstliche Beatmung mit anschließender Ausschaltung des Aneurysmas durch einen Kathetereingriff oder eine Operation notwendig.
Behandlung von Komplikationen
Je nach Bedarf umfasst die Schlaganfall-Behandlung weitere Maßnahmen, besonders bei Auftreten von Komplikationen.
- Erhöhter Hirndruck: Hier hilft es zum Beispiel, Kopf und Oberkörper des Patienten hochzulagern. Sinnvoll ist auch die Gabe entwässernder Infusionen oder die Ableitung von Nervenwasser über einen Shunt (etwa in die Bauchhöhle). Zur Entlastung entfernen Ärzte auch in manchen Fällen vorübergehend einen Teil des Schädelknochens, den sie später wieder einsetzen (Entlastungs-Kraniotomie). Das Ausräumen beziehungsweise Entfernen des Blut-Ergusses bei einer Hirn-Blutung verringert ebenfalls den Druck im Schädel.
- Gefäß-Krämpfe (Vaso-Spasmen): Gefäß-Krämpfe sind medikamentös zu handeln.
- Epileptische Anfälle und Epilepsie: Epileptische Anfälle lassen sich medikamentös (mit Anti-Epileptika) behandeln.
- Lungen-Entzündung: Zur Vorbeugung und Behandlung geben Ärzte Antibiotika. Es besteht zudem die Möglichkeit, Schlaganfall-Patienten mit Schluck-Störungen künstlich über eine Sonde zu ernähren. Das senkt das Risiko einer Lungen-Entzündung.
- Harnwegs-Infekte: Deren Behandlung erfolgt mit Antibiotika.
Reha nach Schlaganfall
Die medizinische Reha nach Schlaganfall will einem Patienten helfen, in sein altes soziales und eventuell auch berufliches Umfeld zurückzukehren. Dazu versucht medizinisches Fachpersonal zum Beispiel mit geeigneten Trainings-Methoden, Funktions-Einschränkungen wie Lähmungen, Sprach- und Sprech-Störungen oder Seh-Störungen zu verringern. Außerdem soll die Reha nach Schlaganfall einen Patienten wieder in die Lage versetzen, seinen Alltag so weit wie möglich selbstständig zu bewältigen.
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Motorische Rehabilitation
Zu den häufigsten Beeinträchtigungen nach einem Schlaganfall gehören sensomotorische Störungen. Verschiedene Therapie-Formen helfen, solche sensomotorischen Störungen zu verbessern. Im Folgenden einige wichtige Beispiele:
- Bobath-Konzept: Ziel ist es, die gelähmte Körperpartie beharrlich zu fördern und zu stimulieren.
- Vojta-Therapie: Ziel der Vojta-Methode ist es, solche Reflexe gezielt auszulösen.
- Propriozeptive Neuromuskuläre Facilitation (PNF): Die Grundlage der Behandlung nach PNF bilden bestimmte definierte Bewegungsmuster (Pattern) im Bereich von Schulter- und Hüft-Gelenk, die sich an Alltags-Funktionen orientieren.
- Kognitiv therapeutische Übungen nach Perfetti: Ziel ist es, dass der Patient die Bewegungsabläufe neu erlernt und die verlorene Bewegungskontrolle zurückgewinnt. Dazu muss er zunächst Bewegungen erspüren
- „Forced-use“ Therapie: Sie setzen Therapeuten in der Regel ein, um einen teilgelähmten Arm und die dazugehörige Hand zu trainieren, manchmal auch die unteren Gliedmaßen.
Prävention eines Schlaganfalls
Die Prävention eines Schlaganfalls ist von entscheidender Bedeutung, da etwa 80 % aller Schlaganfälle vermeidbar sind. Es gibt primäre und sekundäre Präventionsmaßnahmen.
Primärprophylaxe
Die Primärprophylaxe zielt darauf ab, das Auftreten eines ersten Schlaganfalls zu verhindern. Ein gesunder Lebensstil ist effektiver beim Senken des Schlaganfallrisikos als die Behandlung einzelner Risikofaktoren. Ein gesunder Lebensstil umfasst:
- Gesunde, ausgewogene Ernährung
- BMI (Body Mass Index) unter 25 kg/m³
- Täglich >30min körperliche Betätigung
- Nichtrauchen
- Geringen Alkoholkonsum
Patienten, die alle dieser fünf Kriterien erfüllten, zeigten ein um 80 % niedrigeres Schlagfallrisiko, als Patienten, die keinen dieser fünf gesunden Lebensstil Eigenschaften aufwiesen.
Zusätzlich können Risikofaktoren wie Bluthochdruck gezielt mit Tabletten behandelt oder bei Vorhofflimmern eine starke Blutverdünnung (direkte orale Koagulation) als Schutz vor Gerinnsel eingenommen werden. Ausgeprägte Gefäßverkalkungen (Atherosklerose) werden mit Cholesterinsenkern (Statine) und bzw. oder mit einer leichten Blutverdünnung (Thrombozytenaggregation) stabilisiert.
Sekundärprophylaxe
Die Sekundärprophylaxe zielt darauf ab, einen erneuten Schlaganfall bei Patienten zu verhindern, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben. Die Maßnahmen umfassen die Kontrolle der Risikofaktoren und die Einnahme von Medikamenten zur Vorbeugung von Blutgerinnseln.
Aneurysma: Vorbeugung
Einige Risikofaktoren für ein Aneurysma sind nicht beeinflussbar - zum Beispiel eine familiäre Veranlagung oder zunehmendes Alter. Eine gesunde Lebensweise trägt allgemein dazu bei, die Blutgefäße gesund zu erhalten und kann das Aneurysma-Risiko zumindest indirekt senken. Folgende Tipps gehören dazu:
- Nicht rauchen
- Blutdruck, Blutfette und Blutzucker im Blick behalten, zum Beispiel regelmäßig den Gesundheits-Check-up nutzen
- Sport und Bewegung - Wichtig: Das passende Maß sollte unbedingt vorab individuell mit dem Arzt oder der Ärztin abgesprochen werden. Denn die Sportart und das Trainingspensum müssen zur persönlichen Situation passen und dürfen Betroffene mit einem Aneurysma nicht überlasten und damit womöglich gefährden.
- Ausgewogene Ernährung, Ärztinnen und Ärzte raten oft zur mediterranen Ernährung
- Keinen Alkohol trinken
- Lernen, gut mit Stress umzugehen
- Übergewicht auf gesunde Weise abbauen
Früherkennung: Männern ab 65 Jahren zahlen die gesetzlichen Krankenkassen eine vorsorgliche Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader. So lässt sich ein Aneurysma in diesem Bereich früh erkennen und falls nötig behandeln.