Ein Aneurysma ist eine Ausbuchtung in der Wand eines Blutgefäßes, meist einer Arterie. Hirnaneurysmen, die im Gehirn auftreten, können zwischen einem Millimeter und zehn Zentimetern groß sein. Sie entstehen, wenn die Gefäßwand an einer Stelle geschwächt ist und sich nach außen wölbt. Dies kann zu Druck auf umliegende Hirnstrukturen oder, im schlimmsten Fall, zu einer Ruptur und einer Hirnblutung führen. Etwa drei von 100 Erwachsenen haben ein Aneurysma im Kopf.
Migräne hingegen ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen auszeichnet. Diese Kopfschmerzen können von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein. Migräne ist eine Volkskrankheit, von der 7 % der Männer und 13 % der Frauen betroffen sind.
Die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen Aneurysmen und Migräne besteht, ist komplex und Gegenstand aktueller Forschung.
Symptome und Diagnose
Aneurysma
Aneurysmen verursachen oft keine Symptome, solange sie nicht platzen. Unrupturierte Aneurysmen werden daher oft zufällig im Rahmen von bildgebenden Untersuchungen entdeckt, die aus anderen Gründen durchgeführt werden. Symptome können jedoch auftreten, wenn ein Aneurysma auf umliegende Strukturen drückt. Im Gehirn kann dies zu Kopfschmerzen oder Sehstörungen führen.
Ein rupturiertes Aneurysma ist ein medizinischer Notfall. Es verursacht typischerweise plötzliche, extrem starke Kopfschmerzen, die oft als die schlimmsten Kopfschmerzen im Leben beschrieben werden. Weitere Symptome können Nackensteifigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinsstörungen sein.
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Migräne
Migräne äußert sich durch anfallsartige Kopfschmerzen, die 4 bis 72 Stunden dauern können. Die Schmerzen sind oft einseitig, pulsierend und von mittlerer bis starker Intensität. Sie können durch körperliche Aktivität verstärkt werden. Begleitende Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit.
Mögliche Zusammenhänge zwischen Aneurysma und Migräne
Sentinel-Kopfschmerz
Es gibt Hinweise darauf, dass ein wachsendes Aneurysma vor einer Ruptur Kopfschmerzen verursachen kann. Diese sogenannten Sentinel-Kopfschmerzen könnten auf eine plötzliche Ausdehnung der Gefäßmissbildung oder eine leichte Subarachnoidalblutung zurückgehen. Allerdings ist die Evidenz für die Existenz von Sentinel-Kopfschmerzen begrenzt.
Mehrere retrospektive Studien haben gezeigt, dass etwa die Hälfte der Patienten mit einer aneurysmalen Subarachnoidalblutung innerhalb von vier Wochen vor der Diagnose über plötzliche und starke Kopfschmerzen berichten. Es ist wichtig zu beachten, dass jeder neu auftretende Kopfschmerz ein Hinweis auf ein symptomatisches, aber nicht-rupturiertes sackförmiges Aneurysma sein kann.
Komorbidität
Migräne tritt häufig zusammen mit anderen Erkrankungen auf, sogenannten Komorbiditäten. Dazu gehören unter anderem Depressionen, Angststörungen, Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen. In einigen Fällen kann es pathophysiologische Gemeinsamkeiten zwischen Migräne und ihren Komorbiditäten geben. So spielen beispielsweise Hormone wie Serotonin bei Migräne und Depressionen eine Rolle.
Einige Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen Migräne und einem erhöhten Schlaganfallrisiko hin, insbesondere bei Migräne mit Aura, bei jungen Frauen, die die Antibabypille einnehmen, und bei Rauchern.
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Es gibt auch die Vermutung, dass Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Migräne häufiger untersucht werden, wodurch Aneurysmen zufällig entdeckt werden können.
Aneurysma als Ursache von Kopfschmerzen
In seltenen Fällen kann ein Aneurysma direkt auf umliegende Strukturen drücken und Kopfschmerzen verursachen. Eine klassische Variante ist eine akute Lähmung des 3. Hirnnervs mit retroorbitalen Schmerzen und einer erweiterten Pupille, was auf ein Aneurysma der A. communicans posterior oder des Endabschnitts der A. carotis interna hindeuten kann.
Kopfschmerzen können auch im Zusammenhang mit verschiedenen vaskulären Erkrankungen auftreten, darunter:
- Kopfschmerzen, Gesichts- oder Halsschmerzen aufgrund einer Dissektion der A. carotis
- Kopfschmerzen aufgrund eines reversiblen zerebralen Vasokonstriktionssyndroms (RCVS)
- Kopfschmerzen aufgrund einer zerebralen autosomal dominanten Arteriopathie mit subkortikalen Infarkten und Leukenzephalopathie (CADASIL)
- Kopfschmerzen aufgrund einer mitochondrialen Enzephalopathie, Laktatazidose und Schlaganfall-ähnlichen Episoden (MELAS)
- Kopfschmerzen aufgrund eines retinalen Vaskulopathie-Syndroms mit zerebraler Leukenzephalopathie und systemischen Manifestationen
Diagnose und Behandlung
Aneurysma
Die Diagnose eines Aneurysmas erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT). Eine Angiographie kann durchgeführt werden, um die genaue Anatomie und die Gefäßverhältnisse darzustellen.
Die Behandlung eines Aneurysmas hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Größe, die Lage und das Blutungsrisiko des Aneurysmas. Kleine Aneurysmen mit geringem Blutungsrisiko werden oft nur beobachtet. Größere Aneurysmen oder Aneurysmen mit hohem Blutungsrisiko können behandelt werden, um eine Ruptur zu verhindern.
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Es gibt zwei Hauptmethoden zur Behandlung von Hirnaneurysmen:
- Clipping: Bei diesem Verfahren wird das Aneurysma im Rahmen einer offenen Gehirnoperation mit einem Metallclip abgeklemmt.
- Coiling: Bei diesem minimalinvasiven Verfahren werden über einen Katheter, der über die Leistenarterie eingeführt wird, kleine Platinspiralen (Coils) in das Aneurysma eingebracht. Die Coils füllen die Ausbuchtung aus und verhindern so, dass Blut in das Aneurysma gelangt. Neuere Entwicklungen ermöglichen auch die Anwendung von sogenannten "Flow Divertern" bei bisher unzureichend therapierbaren spindelartigen Gefäßaufweitungen (fusiforme Aneurysmen).
Migräne
Die Diagnose von Migräne basiert auf den klinischen Kriterien der International Headache Society (IHS). Es gibt keine spezifischen Tests zur Diagnose von Migräne.
Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren. Die Behandlung kann medikamentöse und nicht-medikamentöse Ansätze umfassen.
- Medikamentöse Behandlung: Bei leichten Migräneanfällen können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol in Kombination mit Mitteln gegen Übelkeit eingesetzt werden. Bei schweren Anfällen kommen Triptane zum Einsatz, die in den Stoffwechsel des Botenstoffs Serotonin eingreifen und die geweiteten Blutgefäße verengen.
- Nicht-medikamentöse Behandlung: Entspannungsmethoden, Akupunktur, Biofeedback und Verhaltenstherapie können begleitend zur Medikamenteneinnahme eingesetzt werden.
Vorbeugung
Aneurysma
Da die meisten Aneurysmen als Folge von Arteriosklerose entstehen, ist die Vorbeugung von Arteriosklerose ein wichtiger Faktor. Dazu gehören eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Rauchentwöhnung und die Kontrolle von Bluthochdruck und Blutfettwerten.
Migräne
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, Migräneanfälle zu vermeiden. Dazu gehören:
- Vermeidung von Triggern: Identifizieren und vermeiden Sie persönliche Auslöser wie Stress, Schlafmangel, bestimmte Nahrungsmittel oder Wetterumschwünge. Das Führen eines Migränekalenders kann dabei helfen.
- Regelmäßiger Lebensstil: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeitszufuhr.
- Stressmanagement: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Migräneanfällen zu reduzieren.
- Migräneprophylaxe: In einigen Fällen kann eine medikamentöse Migräneprophylaxe erforderlich sein, um die Häufigkeit und Schwere der Anfälle zu reduzieren.