Einführung
Der Betrug, bei dem sich Anrufer als Neurologen ausgeben, ist ein ernstes Problem mit potenziell schwerwiegenden Folgen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieses Betrugs, von den Motiven der Täter über die Auswirkungen auf die Opfer bis hin zu Möglichkeiten, sich davor zu schützen.
Der Fall Herne: Eine Fehldiagnose mit Folgen
Ein besonders tragischer Fall ereignete sich in Herne, wo ein Schlaganfall-Patient aufgrund einer telefonischen Fehldiagnose schwerwiegende gesundheitliche Schäden erlitt. Die Stadt Herne will dem Schlaganfall-Patienten 50.000 Euro Schmerzensgeld zahlen, nachdem ein Leitstellen-Mitarbeiter der Herner Feuerwehr auf Rückenprobleme getippt und an den ärztlichen Notdienst verwiesen hatte, obwohl der Anrufer von „panischer Angst“ gesprochen hatte. Dadurch war bis zur Behandlung eine rund einstündige Verzögerung eingetreten. Der 40-jährige Patient ist bis heute gehbehindert und leidet unter Taubheitsgefühlen. Ein vom Gericht beauftragter Neurologe hatte jedoch klar widersprochen. Ein Gutachter hatte dessen Weigerung, einen Notarzt loszuschicken, als „grob fehlerhaft“ eingestuft.
Dieser Fall verdeutlicht auf dramatische Weise, wie wichtig eine korrekte Diagnose und schnelle Behandlung bei einem Schlaganfall sind. Jede Minute zählt, da die Wahrscheinlichkeit bleibender Schäden mit zunehmender Verzögerung steigt.
Motive und Maschen der Betrüger
Die Motive der Betrüger, die sich als Neurologen ausgeben, können vielfältig sein. Einige zielen darauf ab, an persönliche Daten zu gelangen, die sie dann für Identitätsdiebstahl oder andere betrügerische Aktivitäten nutzen. Andere versuchen, den Opfern unnötige oder gar schädliche Behandlungen zu verkaufen. Wieder andere wollen möglicherweise nur Verwirrung stiften oder Angst verbreiten.
Die Maschen, die diese Betrüger anwenden, sind oft ausgeklügelt und schwer zu durchschauen. Sie nutzen Fachjargon und medizinische Kenntnisse, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Sie bauen Druck auf, indem sie die Dringlichkeit einer Behandlung betonen oder mit negativen Konsequenzen drohen, wenn der Patient nicht sofort handelt.
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Die Auswirkungen auf die Opfer
Die Auswirkungen eines solchen Betrugs können verheerend sein. Neben dem finanziellen Schaden, der durch unnötige Behandlungen oder den Diebstahl persönlicher Daten entsteht, leiden die Opfer oft unter Angst, Verunsicherung und einem Verlust des Vertrauens in das Gesundheitssystem. Im schlimmsten Fall kann eine falsche Diagnose oder Behandlung sogar zu gesundheitlichen Schäden führen, wie der Fall in Bochum zeigt.
Die Rolle des Notrufsystems
Seit 1973 werden bundeseinheitlich alle Notrufe der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr über die Notrufnummer 112 koordiniert. Der auf dem Gebiet der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik zwischenzeitlich zusätzlich etablierte Notruf 115 für medizinische Notfälle wurde inzwischen in eine allgemeine Behördenservicenummer umgewandelt und alle medizinischen Hilfeersuchen wurden einheitlich in den Notruf 112 integriert. Neben der Notrufnummer 112 und dem in Deutschland für die polizeiliche Gefahrenabwehr etablierten Notruf 110 existieren weitere Rufnummern für medizinische Hilfeersuchen, so etwa die bundeseinheitliche Rufnummer 116117 der kassenärztlichen Vereinigungen (KV) zur Vermittlung hausärztlicher Hilfe des ärztlichen Bereitschaftsdiensts bei nicht akut lebensbedrohenden Erkrankungen außerhalb der Öffnungszeiten der Arztpraxen.
Sowohl in Deutschland als auch international ist in den vergangenen Jahren wiederholt über steigende Notruf- und Einsatzzahlen im Rettungsdienst berichtet worden. Mögliche Ursachen wurden dabei insbesondere im Bereich des demografischen Wandels, dem sich stark verändernden Gesundheitswesen und einer veränderten Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung gesehen [17]. Die genauen Hintergründe steigender Einsatzzahlen und einer Zunahme von Hilfeersuchen über den Notruf 112 sind nach wie vor unklar.
Eine Telefonumfrage in Berlin aus dem Jahr 2019 ergab, dass die Bevölkerung grundsätzlich gut über den Notruf 112 informiert ist. Über ein Drittel der Befragten (39 %) hat schon mal den Notruf gewählt. 73 % der befragten Berliner, die bereits einmal den Notruf 112 gewählt hatten, gab an, dass ihnen mit ihrem Anliegen durch die Leitstelle sehr gut geholfen wurde, 20 % eher gut, 4 % eher nicht gut und 1 % gar nicht gut. Auf die Frage, „wann der Notruf 112 gewählt werden solle“, gaben 91 % der Befragten an, dass sie den Notruf 112 nur bei einer lebensbedrohlichen medizinischen Situation wählen würden.
Wie man sich vor dem Betrug schützt
Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die man ergreifen kann, um sich vor dem Betrug durch falsche Neurologen zu schützen:
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- Seien Sie skeptisch bei unerwarteten Anrufen von vermeintlichen Ärzten. Geben Sie niemals persönliche Daten oder Gesundheitsinformationen am Telefon preis, ohne die Identität des Anrufers überprüft zu haben.
- Überprüfen Sie die Identität des Anrufers. Fragen Sie nach dem Namen des Arztes, der Praxis oder des Krankenhauses und rufen Sie dort selbst an, um die Angaben zu bestätigen.
- Holen Sie eine zweite Meinung ein. Bevor Sie eine Behandlung beginnen, die Ihnen am Telefon empfohlen wurde, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder einem anderen vertrauenswürdigen Arzt.
- Informieren Sie sich über alternative Versorgungsstrukturen. Kennen Sie die Rufnummern des ärztlichen Bereitschaftsdienstes (116117) und anderer wichtiger Anlaufstellen im Gesundheitswesen.
- Melden Sie verdächtige Anrufe der Polizei. Je mehr Fälle bekannt sind, desto besser können die Behörden gegen die Betrüger vorgehen.
Die Rolle der Kassenärztlichen Vereinigungen und Terminservicestellen
Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) spielen eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Facharztterminen. Einige KVen haben Terminservicestellen eingerichtet, die Patienten bei der Suche nach einem geeigneten Arzt unterstützen. Diese Stellen arbeiten jedoch nur mit überprüften Ärzten zusammen und fordern in der Regel eine Überweisung vom Hausarzt, um die Dringlichkeit der Behandlung zu bestätigen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Meinungen über die Effektivität von Terminservicestellen auseinandergehen. Einige Ärzte sehen sie als unnötige Bürokratie, während andere sie als eine Möglichkeit betrachten, Patienten in Notsituationen schnell zu helfen.
Die KNAPPSCHAFT und ihre Angebote zur Gesundheitsversorgung
Die KNAPPSCHAFT bietet ihren Versicherten mit dem „KRIEGSTE-MIT-UNS-NETZ“ ein besonderes medizinisches Kompetenznetz. Dazu gehören unter anderem:
- Die Facharztterminvermittlung: Die KNAPPSCHAFT unterstützt Versicherte bei der Suche nach einem Facharzt und vermittelt zügig einen Ersttermin.
- 130 Ambulanzen: Versicherte der KNAPPSCHAFT haben die Möglichkeit, mit einer Überweisung von niedergelassenen Ärzten in einer der 130 Facharzt-Ambulanzen in den Knappschaft Kliniken zeitnah behandelt zu werden.
- Das Gesundheitsnetz prosper/proGesund: Dieses Programm verbindet sektorenübergreifend Hausärzte, Fachärzte, Krankenhäuser und Rehakliniken, um Patienten effizienter zu betreuen und die Behandlungsqualität zu erhöhen.
- Online-Behandlungen: Die KNAPPSCHAFT bietet verschiedene Online-Behandlungen an, wie z.B. Online-Psychotherapie, eine Kinder- und Jugendsprechstunde online und die „Virtuelle Parkinson Klinik“.
Die "Virtuelle Parkinson Klinik" der Knappschaft Kliniken
Ein besonders innovatives Angebot der Knappschaft Kliniken ist die "Virtuelle Parkinson Klinik". Dieses Modell ersetzt stationäre Aufenthalte mit einem umfassenden fachübergreifenden Online-Behandlungsprogramm. Betroffene können Arztgespräche, Gespräche mit einer Parkinson-Pflegefachkraft und Anwendungen, wie Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie, in ihrer vertrauten Umgebung in digitaler Form durchführen.
Die Bedeutung von Vertrauen und Aufklärung
Das Vertrauen in Ärzte und das Gesundheitssystem ist ein hohes Gut. Umso wichtiger ist es, dass Patienten gut informiert sind und wissen, wie sie sich vor Betrug schützen können. Eine offene Kommunikation zwischen Arzt und Patient, eine kritische Hinterfragung von Diagnosen und Behandlungen sowie die Nutzung von unabhängigen Informationsquellen können dazu beitragen, das Vertrauen zu stärken und Betrug zu verhindern.
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Die Rolle der Digitalisierung im Gesundheitswesen
Die Digitalisierung bietet viele Chancen für das Gesundheitswesen, birgt aber auch Risiken. Online-Behandlungen und digitale Gesundheitsanwendungen können den Zugang zur Versorgung verbessern und die Effizienz steigern. Gleichzeitig eröffnen sie aber auch neue Möglichkeiten für Betrüger. Es ist daher wichtig, dass Patienten und Ärzte sich der Risiken bewusst sind und die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen treffen.
Fallbeispiel Madagaskar: Innovative Lösungen für die Gesundheitsversorgung
Ein interessantes Beispiel für innovative Lösungen im Gesundheitswesen ist das Projekt mTOMADY in Madagaskar. Dieses System ermöglicht es Patienten, Geld für ihre Gesundheitsversorgung sicher anzusparen und von Verwandten oder staatlichen Programmen zusätzliche Mittel zu erhalten. Das Projekt zeigt, wie digitale Technologien genutzt werden können, um den Zugang zur Gesundheitsversorgung auch in schwierigen Umgebungen zu verbessern.