Hormonelle Verhütungsmittel sind nach wie vor eine der sichersten Methoden zur Schwangerschaftsverhütung und können grundsätzlich auch von Frauen mit Migräne angewendet werden. Allerdings gibt es einige wichtige Punkte bei der Auswahl des geeigneten Verhütungsmittels zu beachten. Hormonelle Verhütungsmittel können direkte Auswirkungen auf die Häufigkeit, Schwere und Dauer von Migräneattacken haben - sowohl positive als auch negative Effekte sind möglich, wobei sich dies im Voraus nicht bestimmen lässt. Frauen mit Migräne haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall, das durch die Einnahme bestimmter hormoneller Verhütungsmittel noch verstärkt werden kann. Daher ist eine sorgfältige Beratung durch Gynäkologen und gegebenenfalls Neurologen bei der Wahl des passenden Verhütungsmittels unerlässlich. Dabei sollte auch berücksichtigt werden, dass eine ungewollte Schwangerschaft bei Migränepatientinnen zu Verunsicherung und Risiken führen kann, was eine sichere Kontrazeption besonders wichtig macht.
Hormonelle Verhütungsmittel und ihre Wirkung auf Migräne
Die am weitesten verbreitete Form der hormonellen Verhütung ist die "Anti-Baby-Pille" zur oralen Einnahme, aber es gibt auch andere Anwendungsformen. Die meisten hormonellen Verhütungsmittel sind sogenannte kombinierte Kontrazeptiva (KOK), die neben dem Gestagen, das für die Verhütung verantwortlich ist, auch das Östrogen enthalten, welches den Zyklus stabilisiert.
Östrogen und Migräne
Einige Studien belegen, dass ein absinkender Östrogenspiegel Migräneattacken begünstigt. Entscheidend ist dabei nicht die absolute Höhe des Hormonspiegels, sondern dessen Veränderung. Im Laufe des Menstruationszyklus schwankt der Östrogenspiegel: In der ersten Zyklushälfte steigt er stetig an, nimmt dann leicht ab und steigt etwa 4-5 Tage vor der Periode wieder an. Kurz vor oder während der Regelblutung fällt er jedoch stark ab, was häufig Migräneattacken auslösen kann.
Die in KOK enthaltenen Östrogene können den Östrogenspiegel konstant halten und somit Symptome und Häufigkeit bei hormonell bedingter Migräne positiv beeinflussen. Allerdings ist dieser Effekt nur bei einer Einnahme oder Anwendung im Langzyklus, also ohne Pausen, zu beobachten.
Risiken von KOK bei Migräne
Aufgrund des möglicherweise erhöhten kardiovaskulären Risikos bei Migräne sind KOK bei Frauen mit zusätzlichen Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen oder Diabetes mellitus oder bei Migräne mit Aura nicht empfehlenswert, da sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusätzlich erhöhen können. Bei jungen Frauen unter 45 Jahren mit Migräne mit Aura ist das Schlaganfallrisiko erhöht.
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Gestagenmonopräparate als Alternative
Hormonelle Verhütungsmittel, die nur den ovulationshemmenden Wirkstoff Gestagen enthalten (sogenannte Monopräparate wie die Minipille), erhöhen das Risiko für vaskuläre Erkrankungen hingegen nicht - bei vergleichbarer Verhütungssicherheit. Diese sind z. B. für Migränepatientinnen mit Aura geeignet. Bei einigen Frauen können Gestagenmonopräparate jedoch auch zu einer Zunahme der Migräneattacken führen. In solchen Fällen wird meist zu einer nicht hormonellen Verhütung geraten.
Menstruelle und menstruationsassoziierte Migräne
Es ist wichtig, zwischen menstrueller und menstruationsassoziierter Migräne zu unterscheiden. Bei der menstruellen Migräne treten die Attacken in mindestens zwei Drittel der Menstruationszyklen ausschließlich kurz vor oder nach der Periode auf. Bei der menstruationsassoziierten Migräne treten die Attacken zwar gehäuft in den Tagen um die Menstruation auf, zusätzlich aber auch in anderen Zyklusphasen. Ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, diese Unterscheidung zu treffen, indem die Menstruationszeiten festgehalten werden.
Neben dem sinkenden Östrogenspiegel gibt es noch weitere Einflussfaktoren, die mit Hormonen und deren Schwankungen assoziiert sind. So wird beispielsweise die Verarbeitung schmerzhafter Reize im Gehirn durch Hormone wie Östrogen und Progesteron beeinflusst, sodass Betroffene durch hormonell bedingte physische Veränderungen vor der Periode besonders empfindlich auf Stressfaktoren reagieren.
Migräne und Pille: Eine differenzierte Betrachtung
Früher wurde die Pille oft zur Migräneprophylaxe eingesetzt, was angesichts der Tatsache, dass viele Attacken durch den Hormonumschwung kurz vor der Regelblutung ausgelöst werden, zunächst logisch erschien. Heute raten Ärzte eher von einer hormonellen Therapie durch die orale Gabe von Östrogen oder Hormonpflastern ab, da die Migräne- oder Kopfschmerz-Attacke dadurch nur für ein paar Tage verschoben, aber nicht verhindert wird.
Studienergebnisse
Eine große norwegische Studie (Head-HUNT) mit 13.944 Frauen im gebärfähigen Alter ergab, dass Frauen, die östrogenhaltige orale Kontrazeptiva (Pille) einnahmen, durchschnittlich häufiger Migräne-Attacken und Spannungskopfschmerzen hatten als diejenigen, die anders verhüteten. Es wurde jedoch kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Höhe der Östrogendosis und der Kopfschmerzhäufigkeit gefunden. Interessanterweise wurde für die Mini-Pille, ein reines Gestagen-Präparat, kein Zusammenhang mit dem Auftreten von Kopfschmerzen oder Migräne gefunden.
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Vorsicht bei erstmaligem Auftreten von Kopfschmerzen
Wenn Kopfschmerzattacken erstmalig bei Anwendung einer Pille auftreten, sollte das Präparat auf jeden Fall abgesetzt werden.
Migräne mit und ohne Aura und die Wahl der Verhütungsmethode
Neben der Unterscheidung zwischen menstruationsassoziierter und menstrueller Migräne muss bei der Frage nach einer geeigneten Verhütungsmethode noch zwischen Migräne mit und ohne Aura unterschieden werden.
Migräne ohne Aura
Bei Migräne ohne Aura kann die Verhütung mit der Pille oft hilfreich sein, um weitere Attacken abzuschwächen oder sogar zu verhindern. Dabei ist es wichtig, Dosierung und Einnahmefrequenz zu beachten, denn Migräne ohne Aura wird häufig beim prämenstruellen Abfall des Östrogenspiegels vor der Periode getriggert. Bei dieser Form der Migräne können Kombinationspillen, die sowohl Östrogen als auch Gestagen enthalten, eingenommen werden. Diese sollten aber möglichst niedrig dosiert sein und über einen längeren Zeitraum (bis zu 6 Monate) ohne Pillenpause eingenommen werden, damit der Abfall der Hormone während der Pillenpause ausbleibt. Durch den konstanten Östrogen- und Gestagenspiegel reduziert sich bei vielen Betroffenen die Attackenanzahl deutlich. Nach einem halben Jahr sollte man jedoch eine 7-tägige Pillenpause einlegen, die jedoch erneut Migräneattacken auslösen kann.
Migräne mit Aura
Bei Migräne mit Aura hat die Pille leider keinen positiven Nebeneffekt, denn sie wird selten menstruell assoziiert. Die WHO rät Aura-Patient:innen mit Migräne sowohl von östrogenhaltigen als auch gestagenhaltigen Pillen in jedem Altersstufen ab, weswegen alternative Verhütungsmethoden besonders interessant und wichtig sind.
Schlaganfallrisiko
Ab dem 35. Lebensjahr steigt das Schlaganfallrisiko bei Frauen mit Migräne, insbesondere in Kombination mit der Einnahme der Pille. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DKMG) weist darauf hin, dass das absolute Schlaganfallrisiko für junge Frauen bei einer Migräne mit Aura leicht erhöht sei, abhängig von der Aktivität der Migräne. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft empfiehlt Aura-Migränikerinnen, die Kombination von Rauchen und Antibabypille zu vermeiden, da sich das Schlaganfallrisiko dadurch um das Zehnfache erhöhe.
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Um die Auslöser einer Migräne mit Aura feststellen zu können, hat sich ein Migräne-Tagebuch als sehr hilfreich erwiesen.
Alternative Verhütungsmethoden für Migränepatientinnen
Wenn Kopfschmerz- oder Migräne-Attacken unabhängig vom Zyklus auftreten, sollten eher Alternativen zur hormonellen Verhütung in Betracht gezogen werden. Kupfer- oder Gold-Spiralen, mechanische (z.B. Kondome oder Diaphragma) oder natürliche Verhütungsmethoden sind mögliche Alternativen.
Weniger zuverlässig, aber ebenfalls möglich ist die Verhütung durch Zeitplanung. Zur sogenannten NFP (Natürliche Familien Planung) zählt zum einen die Symptothermal-Methode, bei der man zyklische Temperaturschwankungen des Körpers und die Veränderung des Gebärmutterschleims beobachtet, und ggf. auch den Zustand des Gebärmutterhalses ertastet, um Rückschlüsse auf die fruchtbaren Tage zu erhalten. Zum anderen besteht die Möglichkeit, anhand von Zyklus-Apps oder Hormon- bzw. Temperaturcomputern den Eisprung zu berechnen. Bei diesen Methoden ist eine zuverlässige und sorgsame Anwendung sowie ein regelmäßiger Rhythmus der Periode allerdings Voraussetzung für eine hohe Sicherheit.
Wenn trotz Migräne hormonell verhütet werden soll, ist es am besten, eine niedrig dosierte Pille zu wählen, die nur das Hormon Gestagen (z.B. Mini-Pille) enthält, statt zusätzlich noch Östrogen, wie es bei den meisten Kombinationspillen der Fall ist. Diese wird ohne Pause eingenommen, sodass auch der Abfall des Hormonspiegels wegfällt.
Nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe
Es gibt Hinweise darauf, dass der Zuckerstoffwechsel und insbesondere starke Blutzuckerschwankungen eine Rolle bei der Entstehung von Migräneattacken spielen können. Eine Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält, kann Migräneanfällen vorbeugen.
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