Die Frage, ob Hunde oder Katzen intelligenter sind, ist ein alter Streitpunkt. Eine Studie von Neurobiologen aus verschiedenen Universitäten in den USA, Brasilien, Dänemark und Südafrika hat nun neue Erkenntnisse geliefert, indem sie die Gehirne verschiedener Fleischfresser, darunter Hunde und Katzen, untersucht hat. Ihr Forschungsschwerpunkt lag auf der Leistungsfähigkeit des menschlichen und tierischen Gehirns.
Die Methode der Neuronen-Zählung
Um die Leistungsfähigkeit des Gehirns möglichst genau darzustellen, reicht es nicht aus, das Gehirn einfach zu wiegen oder Hirn- und Körpergröße des Tieres ins Verhältnis zu setzen. Daher zählten die Forscher die Anzahl der Neuronen in den jeweiligen Tiergehirnen. Suzana Herculano-Houzel, eine renommierte Neurologin und Professorin an der Vanderbilt University, die sich seit zehn Jahren mit den kognitiven Funktionsweisen menschlicher und tierischer Gehirne beschäftigt, erklärt den ersten Schritt der Neuronen-Zählung so: "Man nimmt das Hirn und verwandelt es in Suppe." Durch dieses Verfahren erhält man eine Anzahl isolierter Zellkerne aus neuronalen Zellen. Neuronen sind die Grundlage aller informationsweitergebenden Einheiten.
Für die Herstellung ihrer "Hirnsuppe" nutzte das Forscherteam lediglich einen Teil des Gehirns, nämlich die Großhirnrinde. Diese gefaltete, äußere Schicht sitzt auf den anderen Hirnteilen und verarbeitet Umweltreize wie Sehen und Fühlen. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie viele Neuronen Hunde und Katzen durchschnittlich besitzen, nutzten die Wissenschaftler drei verschiedene Gehirne: eins von einer Katze, eins von einem Golden Retriever und eins von einem kleinen Mischlingshund.
Hunde haben mehr Neuronen als Katzen
Das Ergebnis der Studie: Hunde haben etwa doppelt so viele Neuronen in ihrer Großhirnrinde wie Katzen. Konkret verfügen Hunde über rund 530 Millionen kortikale Neuronen, während Katzen nur rund 250 Millionen besitzen. Diese Erkenntnis wurde in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Frontiers in Neuroanatomy" veröffentlicht.
In den beiden Hundegehirnen fanden die Forscher - trotz ihrer unterschiedlichen Größe - gut 500 Millionen Neuronen. Im Vergleich dazu besitzen Menschen mit bis zu 16 Milliarden Neuronen pro Person die höchste Anzahl an Neuronen in der Großhirnrinde. Unsere nächsten Verwandten, die Orang-Utans und Gorillas, haben ca. acht bis neun Milliarden Neuronen, Schimpansen ca. Als eine der intelligentesten, nicht-primaten Tierarten studierte das Forscherteam Elefanten, die über 5,6 Milliarden Neuronen verfügen. Herculano-Houzel vermerkte, dass sie zudem eine überdurchschnittlich große Ansammlung von Neuronen in ihrem Kleinhirn besitzen. Dies ist der Teil des Gehirns, der die motorischen Fähigkeiten steuert.
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Was bedeutet das für die Intelligenz von Hunden und Katzen?
Obwohl Hunde mehr Neuronen als Katzen haben, lässt sich daraus nicht automatisch schließen, dass sie intelligenter sind. Die Forscher gehen aber davon aus, dass Hunde rein biologisch gesehen komplexere Dinge bewältigen können und flexibler sind als Katzen. "Für mich bedeuten unsere Ergebnisse, dass Hunde rein biologisch gesehen die Fähigkeit besitzen, komplexere und flexiblere Dinge mit ihrem Leben anzustellen als Katzen", sagt Herculano-Houzel.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Ermittlung der Neuronenanzahl nur eine mögliche Methode zur Bemessung von Intelligenz ist. "Die Körpergröße allein lässt keinen Rückschluss auf die Anzahl der Neuronen zu", sagt Herculano-Houzel. Die Diskussion um die Intelligenz von Hunden und Katzen mag durch die Forschungsergebnisse nun wissenschaftlich fundiertes Futter erhalten haben. Sarah Benson-Amram, Wissenschaftlerin in der Forschungsabteilung Animal Behavior and Cognition der Universität von Wyoming, gibt an, dass sie und ihre Kollegen Indizien ermitteln konnten, die darauf hindeuten, dass die größeren Gehirne von Raubtieren bessere Möglichkeiten zur Problemlösung bieten.
Weitere Erkenntnisse der Studie
Die Studie enthüllte aber noch mehr: So zeigten sie, dass die Zahl der Neuronen bei den Fleischfressern zwar proportional zur Hirngröße zunimmt - aber nur bis zu einer gewissen Grenze: Bei großen Carnivoren flacht die Kurve ab. Das Gehirn von Carnivoren nimmt mit ihrer Körpergröße zu, aber ab Hundegröße steigt die Neuronenzahl nicht mehr in gleichem Maße. Der Braunbär ist dabei ein Extremfall: Sein Gehirn ist zehnmal größer als das einer Katze, dennoch hat er nicht mehr Neuronen als sie. Die Forscher vermuten, dass dies mit dem enormen Energiehunger des Gehirns zusammenhängt: Je mehr Hirnzellen das Denkorgan besitzt, desto mehr Energie benötigt es.
Überraschend auch: Das Tier mit den meisten Neuronen in Bezug auf seine Hirngröße ist der Waschbär. Obwohl sein Denkorgan etwa so groß ist wie das Gehirn der Katze, enthält es doppelt so viele Hirnzellen. "Waschbären sind nicht sehr typisch für Carnivoren", erklärt Herculano-Houzel. Basierend auf der Anzahl der gefundenen Neuronen stellten sie die Theorie auf, dass Hunde etwa so intelligent wie Waschbären und Löwen sind.
Und noch etwas Unerwartetes enthüllte die Neuronenzählung: Entgegen vorheriger Annahmen haben Carnivoren nicht mehr Hirnzellen als ihre pflanzenfressenden Beutetiere - obwohl ihre jagende Lebensweise als geistig anspruchsvoller gilt. "Carnivoren haben etwa das gleiche Verhältnis zwischen kortikaler Masse und Neuronenzahl", berichten die Forscher.
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Grenzen der Studie und alternative Intelligenzkonzepte
Es ist wichtig zu beachten, dass die Neuronenanzahl nicht die einzige Möglichkeit ist, die kognitiven Fähigkeiten eines Lebewesens zu bestimmen. Frühere, auch teilweise umstrittene Studien bezogen sich vor allem auf die Größe und die strukturelle Komplexität des Gehirns, um Rückschlüsse auf die Intelligenz zu ziehen.
Einige Wissenschaftler haben das Kommunikationsverhalten von Hunden untersucht und 47 verschiedene Gesten identifiziert, die sie verwenden, um aktiv mit uns zu kommunizieren. Andere Studien haben gezeigt, dass Hunde Emotionen ihrer Menschen wahrnehmen und auf sie reagieren können, insbesondere durch Geruch. Die Gehirnaktivität von Hunden zeigt, dass sie ähnliche Emotionen wie Menschen empfinden können, einschließlich Liebe und Zuneigung.
Katzen hingegen sind für ihre Unabhängigkeit und Selbstständigkeit bekannt. Sie können ihre Umgebung erkunden und ihre eigenen Entscheidungen treffen. Studien haben gezeigt, dass Katzen in der Lage sind, ihre Namen zu erkennen und darauf zu reagieren. Sie können auch von Menschen emotionale Signale erkennen und darauf reagieren.
Intelligenz bei Katzen: Sozioräumliche Wahrnehmung, Gedächtnisleistung und Interpretation menschlicher Gesten
Möchte man feststellen, wie intelligent eine Katze ist, müssen natürlich andere Testverfahren zurate gezogen werden als bei einem Menschen. Das ist zwar oft schwierig und verlangt ein wenig Kreativität dabei, sich in die Gedankengänge einer Katze zu versetzen, ist aber dennoch möglich.
Unbestritten ist, dass Katzen um ein Vielfaches besser hören können als der Mensch und sich auch bei diffusen Lichtverhältnissen gut orientieren können. Eine japanische Studie aus dem Jahr 2021 fand nun heraus, dass diese sensorische Überlegenheit unseren Samtpfoten dabei hilft, Menschen an sich bzw. ihren Bezugsmenschen sehr genau lokalisieren zu können. Sitzt Deine Samtpfote auf dem Sofa im Wohnzimmer und hört Dich in der Küche oder im Arbeitszimmer sprechen oder ihren Namen rufen, wird sie darauf mit einem Zucken ihrer Ohren oder dem Heben ihres Kopfes reagieren und gegebenenfalls in die Richtung blicken, aus der Deine Stimme kommt - rufst Du sie, wird sie sich vielleicht sogar auf den Weg machen und zu Dir kommen. Sie weiß dementsprechend, wo Du Dich aufhältst, ohne Dich zu sehen. Aufgrund dieser Beobachtung folgert besagte Studie dementsprechend, dass Katzen über die Fähigkeit der sozioräumlichen Wahrnehmung verfügen, was als ein Indiz für besondere Intelligenz gedeutet werden kann.
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Das Erstaunliche daran ist, dass Katzen auf die Stimmen ihrer Bezugsmenschen eine weitaus stärkere Reaktion zeigen als auf die unbekannter Zweibeiner. Das bedeutet, dass die kleinen Tiger eindeutig in der Lage sind, Stimmen zu unterscheiden und wiederzuerkennen. In einem Mehrkatzenhaushalt sind die Vierbeiner zudem oft in der Lage, ihren eigenen Namen zu erkennen und von dem ihrer Artgenossen zu unterscheiden. Das heißt, genau wie Hunde sind auch Katzen in der Lage, ihren Namen zu erkennen und diesen von anderen Wörtern zu unterscheiden.
Zu wissen, wo ein Mensch oder auch ein Gegenstand sich verbirgt, auch wenn dieser nicht zu sehen, also quasi unsichtbar, ist, lässt sich der japanischen Studie von 2021 folgend als Zeichen besonderer kognitiver Fähigkeiten und eines sehr guten Kurzzeitgedächtnisses deuten und im Verhalten von Katzen auch an anderer Stelle nachweisen. Jagt Deine Samtpfote ein Leckerchen oder ein Spielzeug und schießt dieses im Übermut unter das Sofa, wird sie dies bei ihrer eifrigen Jagd nicht stoppen. Auch wenn es sich unter dem Sofa eindeutig ihrem Blickfeld entzieht und sie es nicht mehr sehen kann, weiß sie genau, wo es sich ungefähr befinden muss, und wird weiter versuchen, es, z. B. unter Zuhilfenahme ihrer Pfoten, zu erreichen.
Diese Fähigkeit bzw. ein gutes Kurzzeitgedächtnis ist für eine Katze, die ihrer Natur nach eine Jägerin ist, natürlich extrem wichtig. Denn nur so gelingt es ihr, ihre Beute weiterverfolgen und finden bzw. fangen zu können, auch wenn diese sich versteckt. Versuche haben gezeigt, dass das Kurzzeitgedächtnis einer Katze erst nach einer Minute nachlässt und die Erinnerung dann langsam verblasst.
Zudem verfügen Katzen laut der Studie aus dem Jahr 2021 wohl über die Fähigkeit des rudimentären Interpretierens menschlicher Gesten und können diese angeblich ähnlich gut verstehen wie Hunde.
Zeigst Du Deiner Samtpfote den Weg zum ersehnten Futter oder Leckerchen, nimmt sie dieses Angebot gerne an und begibt sich umgehend auf den Weg. Platzierst Du das Leckerchen an einem für sie unerreichbaren Ort, versucht sie unter Anwendung aller ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten dennoch, es zu erreichen, indem sie vielleicht versucht, eine versperrte Schublade zu öffnen. Wäre ein Hund an ihrer Stelle, wird er in den meisten Fällen einsehen, dass seine Versuche ergebnislos enden werden und wird dann den Menschen durch Blickkontakt um Hilfe zu bitten. Die Schlussfolgerung lautet hier, dass Katzen es nicht dabei belassen, den Anweisungen des Menschen zu folgen, sondern darüber hinaus tätig werden und versuchen, das gestellte Rätsel eigenständig zu lösen, selbst dann, wenn dies nicht möglich ist - auch hier wird eine besondere Intelligenzleistung grundgelegt. Manch ein Hund würde dieses Verhalten sicherlich anders interpretieren.
Katzen und ihr Weltwissen: Einblicke in die Naturwissenschaften
Auch im Bereich der Naturwissenschaften schreibt die japanische Studie unseren Stubentigern umfangreiches Wissen zu. So beweise ein einfacher Versuch, dass Katzen mit den basalen Prinzipien der Physik vertraut sind.
Zeigst Du ihnen einen Becher mit einem Leckerchen und schüttelst diesen, reagieren sie zuerst mit Aufmerksamkeit, drehst Du den Becher dann um und das Leckerchen fällt nicht heraus, zeigen sie Überraschung - daraus lässt sich ableiten, dass sie eigentlich fest damit gerechnet haben, dass das Leckerchen aus dem Becher direkt vor ihre Pfoten purzeln wird, und sie daher grundlegend mit den Prinzipien der Schwerkraft vertraut sind.
Die soziale Kompetenz von Katzen: Mehr als nur Dosenöffner
Katzen haben, vielleicht unverdientermaßen, oft den Ruf, einzelgängerisch, stur, launisch oder sogar divenhaft aufzutreten und ihr soziales Umfeld - insbesondere die dazugehörigen Menschen - herrisch und von oben herab zu behandeln und auf ihre Funktion als willfährige Dosenöffner zu reduzieren.
Diese Perspektive scheint jedoch vollkommen verzerrt zu sein und den an sich sehr sanftmütigen und harmoniebedürftigen Schmusetigern unrecht zu tun. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Katzen sich durch eine hohe soziale Intelligenz auszeichnen. Davon zeugt speziell ihre Partnerschaft mit dem Menschen: Lebt eine Katze mit einem Zweibeiner zusammen, genießt sie viele Privilegien, denn sie wird z. B. regelmäßig gefüttert, gepflegt und gekuschelt. Jetzt mag man der Katze in dieser Beziehung vielleicht einseitige Vorteilsnahme vorwerfen, doch Versuche haben gezeigt, dass Katzen in der Wahl ihres Mensch-Partners keinesfalls willkürlich verfahren und zu ihrem Bezugsmenschen eine sehr viel engere Bindung als zu jedem anderen Zweibeiner pflegen. Betritt dieser den Raum, ruhen ihre Augen auf ihm und nur ihm gewährt sie ihre volle Zuneigung! Die Intensität dieser Zuneigung kann von Tier zu Tier natürlich variieren, da Katzen mit Sicherheit kleine, aber in jedem Fall liebenswerte Individualisten sind.
Eine US-amerikanische Studie hat darüber hinaus deutlich gezeigt, dass das Bindungsverhalten von Katzen dem von Kleinkindern und Hunden sehr stark ähnelt und dies nicht nur für Kitten, sondern auch für ausgewachsene Katzen Gültigkeit beanspruchen kann. Beobachtet man einen Mensch mit seiner kleinen Katze in einem unbekannten Raum, beginnen die meisten der jungen Vierbeiner nach anfänglicher Unsicherheit mit großer Wahrscheinlichkeit, das Zimmer mehr oder weniger neugierig zu erkunden. Lässt der Mensch die Katze dann allein zurück, geraten die Samtpfoten unter Stress und werden erneut unsicher. Kehrt der Mensch dann nach zwei Minuten zurück, sinkt der Stresspegel bei fast allen Tieren umgehend und die meisten Katzen setzen ihre Erkundungstour nach einem kurzen Moment der Begrüßung fort, sodass die Forschung von einer sicheren Bindung zwischen Mensch und Tier spricht. Erwachsene Katzen, die in einer stabilen Mensch-Tier-Bindung sozialisiert wurden, zeigen übrigens ein ganz ähnliches Verhalten. Es ist also davon auszugehen, dass genetische Voraussetzungen hier eine nicht unerhebliche Rolle spielen.
Deutlich wird hier, dass Katzen bezogen auf ihren Lieblingsmenschen in Sachen sozialer Kompetenz dem Hund als angeblich bestem Freund des Menschen in nichts nachstehen.