Parkinson-Patienten in Europa: Eine statistische Übersicht

Morbus Parkinson, auch bekannt als Parkinson-Krankheit oder Schüttellähmung, ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen des Zentralnervensystems. Diese fortschreitende, neurodegenerative Erkrankung ist durch das Absterben von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet, insbesondere in der Substantia nigra, die für die Dopaminproduktion verantwortlich ist. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der für die Koordination von Bewegungen unerlässlich ist. Ein Mangel an Dopamin führt zu den typischen Bewegungsstörungen, die mit Parkinson einhergehen.

Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Anzahl der Parkinson-Patienten in Europa, basierend auf aktuellen Statistiken und Forschungsergebnissen. Es werden auch Faktoren beleuchtet, die die Prävalenz der Krankheit beeinflussen, sowie aktuelle Trends in der Diagnose und Behandlung.

Was ist Morbus Parkinson?

Morbus Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, bei der Nervenzellen im Gehirn allmählich absterben. Dies führt zu einem Mangel an Dopamin, einem Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen wichtig ist. Die Erkrankung betrifft Männer und Frauen etwa gleich häufig, wobei das durchschnittliche Alter bei der Diagnose etwa 60 Jahre beträgt. Nur etwa zehn Prozent der Betroffenen erkranken vor dem 40. Lebensjahr.

Symptome von Parkinson

Die Symptome von Parkinson können von Person zu Person variieren, aber die häufigsten sind:

  • Tremor: Ein Zittern, das typischerweise in Ruhe auftritt.
  • Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungen.
  • Rigor: Muskelsteifheit.
  • Posturale Instabilität: Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht.

Weitere Symptome können Depressionen, Schlafstörungen, Verstopfung, Geruchsstörungen und eine leise, monotone Stimme sein.

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Prävalenz von Parkinson in Europa

Laut verfügbaren Statistiken sind in Europa etwa 1,2 Millionen Menschen von Parkinson betroffen. Die Prävalenz der Erkrankung variiert jedoch von Land zu Land.

Eine kürzlich erschienene Analyse untersuchte die Krankheitslast durch neurologische Erkrankungen in Europa im Jahr 2017. Diese Analyse, basierend auf Daten der Global Burden of Disease (GBD) Studie, ergab, dass in Deutschland, dem bevölkerungsreichsten Land in Westeuropa, über 49,5 Millionen Menschen an neurologischen Erkrankungen litten. Das entspricht 59,6 % der Bevölkerung. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Zahl nicht nur Parkinson-Patienten umfasst, sondern alle Menschen mit neurologischen Erkrankungen, wobei Kopfschmerzen den größten Anteil ausmachen.

Deutschland

In Deutschland gibt es schätzungsweise mindestens 200.000 Parkinson-Patienten, mit einer deutlich wachsenden Tendenz. Die altersstandardisierte Parkinsonprävalenz in Deutschland hat einer Analyse von Diagnosedaten zufolge zwischen 2017 und 2022 abgenommen. Im Jahr 2017 lag die Gesamtprävalenz mit 0,38 % um 0,09 Prozentpunkte höher als 2022. Im Jahr 2022 waren 0,35 % (Frauen 0,34 %, Männer 0,36 %) der Bevölkerung in Deutschland von der Parkinsonkrankheit betroffen (administrative Prävalenz). Dies entspricht etwa 295.000 Menschen. Mit dem Alter nehme die Prävalenz der Parkinsonkrankheit deutlich zu. So hatten 2022 0,61 % der Bevölkerung ab 40 Jahren eine diagnostizierte Parkinsonkrankheit, in der Altersgruppe der 90- bis 94-Jährigen waren es 2,99 %.

Weltweite Entwicklung

Weltweit waren 2021 schätzungsweise 11,9 Millionen Menschen von Parkinson betroffen. Bis zum Jahr 2050 könnte sich die Zahl noch einmal auf 25,2 Millionen erhöhen, wenn die jetzt im britischen Ärzteblatt veröffentlichten Projektionen zutreffen. Die befürchtete Zunahme sei zum Teil auf das Bevölkerungswachstum und die Steigerung der Lebenserwartung zurückzuführen. Doch auch andere Faktoren spielten eine Rolle.

Deutschland wäre laut Prognose 2050 nach China (10,5 Millionen), Indien (2,7 Millionen) und den USA (895.000) mit 574.000 Patienten das Land mit der vierthöchsten Zahl an Patienten.

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Faktoren, die die Prävalenz beeinflussen

Mehrere Faktoren können die Prävalenz von Parkinson beeinflussen:

  • Alter: Parkinson tritt in der Regel im höheren Alter auf. Die steigende Lebenserwartung in vielen Ländern führt zu einer Zunahme der Parkinson-Fälle.
  • Genetik: Etwa zehn Prozent der Parkinson-Erkrankungen sind genetisch bedingt. Mutationen in bestimmten Genen können das Risiko erhöhen, an Parkinson zu erkranken.
  • Umweltfaktoren: Pestizide, Lösungsmittel und Feinstaub werden mit einem erhöhten Parkinson-Risiko in Verbindung gebracht.
  • Geschlecht: Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose von Parkinson kann schwierig sein, da viele andere Erkrankungen ähnliche Symptome verursachen können. Es gibt jedoch bestimmte Untersuchungen, die helfen können, die Diagnose zu sichern.

Es gibt derzeit keine Heilung für Parkinson, aber es gibt Behandlungen, die die Symptome lindern können. Dazu gehören Medikamente, die den Dopaminspiegel im Gehirn erhöhen, sowie Therapien wie Physiotherapie und Ergotherapie. In einigen Fällen kann auch eine tiefe Hirnstimulation (THS) in Erwägung gezogen werden.

Tiefe Hirnstimulation (THS)

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) ist eine etablierte Behandlung von Bewegungsstörungen, bei der Elektroden in bestimmte Hirnbereiche implantiert werden, um elektrische Impulse abzugeben. Die THS kann die Symptome von Parkinson wie Tremor, Rigor und Bradykinese effektiv reduzieren. Die THS arbeitet über eine (meist) kontinuierliche hochfrequente elektrische Stimulation von Kerngebieten des Gehirns. Es wird angenommen, dass über diese hochfrequente Stimulation eine Hemmung des Kerngebietes stattfindet, die sich daraufhin auch auf das gesamte Netzwerk der Basalganglien auswirkt. Wie diese Hemmung genau zustande kommt, ist bislang nicht geklärt. Wichtig ist, dass die THS durch die Modulation von Netzwerken nur eine symptomatische Behandlung ist, d.h. nach heutiger Kenntnis nur die Symptome reduziert, aber keinen Einfluss auf das Vorhandensein oder Voranschreiten der zugrunde liegenden Erkrankung hat. Daher ist der Effekt der THS auch reversibel: nach Ausschalten des Stimulators stellt sich ein Zustand ein, wie er zu diesem Zeitpunkt ohne Stimulation wäre.

Die THS ist zur Behandlung vieler neurologischer Erkrankungen bereits zugelassen. Die Therapiemöglichkeit anderer neurologischer aber auch psychiatrischer Erkrankungen werden derzeit in Studien und kleineren Fallserien untersucht. Etabliert hat sich die THS zur Behandlung des Morbus Parkinson; hier wird als Zielpunkt meist der sogenannte Nucleus subthalamicus (STN) verwendet, ein Kerngebiet in den Basalganglien, das durch die Erkrankung überaktiv ist. Alternativ kommt zur Behandlung von Überbeweglichkeiten (Dyskinesien) in der Spätphase der Parkinsonerkrankung als Zielpunkt der Globus pallidus internus (GPi) in Frage. Zur Behandlung eines Parkinson-Tremors wie auch des Essentiellen Tremors hat sich als Zielpunkt der sogenannte Nucleus ventralis intermedius (VIM) des Thalamus bewährt. Die generalisierte und segmentale Dystonie wird durch eine THS im GPi behandelt. Weitere Studien zu dem gleichen Zielpunkt laufen aktuell für tardive Dyskinesien, einer Spätkomplikation nach Behandlung mit sogenannten Neuroleptika, und zeigen auch nach unseren eigenen Erfahrungen einen guten Effekt. Ebenso werden Untersuchungen zur THS bei Chorea Huntington (Chorea major) durchgeführt.

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Forschung und Prävention

Da die genauen Ursachen von Parkinson noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es derzeit keine spezifischen Maßnahmen zur Vorbeugung der Erkrankung. Es wird jedoch empfohlen, sich ausgewogen zu ernähren und ausreichend zu bewegen.

Die Forschung konzentriert sich auf die Identifizierung von Risikofaktoren, die Entwicklung neuer Therapien und die Suche nach einer Heilung für Parkinson. Forschende des DZNE fahnden daher nach den Ursachen für das Nervensterben bei Parkinson - sowohl bei der sporadischen als auch bei der erblichen Form der Erkrankung. Andere erforschen die Rolle von Entzündungsprozessen oder bestimmten Genmutationen. Außerdem gehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DZNE der Frage nach, wie geschädigte Mitochondrien zur Krankheitsentstehung beitragen können. Die „Kraftwerke der Zelle“ können schädliche Sauerstoffradikale abgeben und bauen zudem Dopamin ab. Ein weiteres wichtiges Forschungsziel ist aber auch die Suche nach so genannten Biomarkern: das sind messbare biologische Merkmale (z. B. im Blut oder Nervenwasser), die eine Früherkennung von Parkinson erlauben und helfen, das Fortschreiten der Erkrankung besser im Auge zu behalten.

Lebenserwartung bei Parkinson

Laut Statistik hat ein optimal behandelter Mensch mit Parkinson-Syndrom heute fast die gleiche Lebenserwartung wie eine gleichaltrige gesunde Person. Die gestiegene Lebenserwartung beim Parkinson-Syndrom kommt dadurch zustande, dass die modernen Medikamente die wesentlichen Beschwerden der Betroffenen weitgehend beheben. Die verbesserte Lebenserwartung bezieht sich jedoch nur auf das „normale“ Parkinson-Syndrom. Atypische Parkinson-Syndrome, bei denen die Betroffenen nicht oder kaum auf eine Behandlung mit L-Dopa ansprechen, schreiten meist rascher voran und haben in der Regel eine deutlich schlechtere Prognose.

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