Ein Glioblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der oft mit einer Reihe von Begleiterscheinungen einhergeht. Apathie, definiert als Teilnahmslosigkeit und vermindertes Interesse, kann eine belastende Folgeerkrankung sein, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigt. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Apathie bei Glioblastom-Patienten und stellt Behandlungsansätze vor.
Was ist ein Glioblastom?
Das Glioblastom, auch Glioblastoma multiforme genannt, ist der häufigste bösartige hirneigene Tumor bei Erwachsenen. Es gehört zur Gruppe der Gliome und wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dem Grad 4 zugeordnet, dem höchsten Schweregrad. Das bedeutet, dass der Tumor sehr aggressiv ist und schnell wächst. Eine Heilung ist nach aktuellem Stand der Medizin nicht möglich.
Glioblastome entstehen aus Gliazellen, den Stützzellen des Gehirns. Sie erfüllen wichtige Funktionen wie die Versorgung der Nervenzellen mit Nährstoffen und deren Positionierung. Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Glioblastomen:
- Primäres Glioblastom: Entsteht direkt aus gesunden Gliazellen und betrifft vorwiegend ältere Personen.
- Sekundäres Glioblastom: Entwickelt sich aus einem Hirntumor niedrigeren WHO-Grades und betrifft jüngere Menschen.
Die Diagnose eines Glioblastoms wird in der Regel von Neurologen gestellt. Sie befragen und untersuchen den Betroffenen eingehend und veranlassen eine Bildgebung des Schädels. Beteiligt sind unter anderem spezialisierte Radiologen (Neuroradiologen) und Neurochirurgen.
Ursachen von Apathie bei Glioblastom
Apathie bei Glioblastom kann verschiedene Ursachen haben, die oft ineinandergreifen:
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Direkte Tumorwirkung: Der Tumor selbst kann durch seine Lage und Größe Hirnregionen beeinträchtigen, die für Motivation, Antrieb und Emotionen zuständig sind. Insbesondere der Frontallappen spielt hier eine wichtige Rolle. Veränderungen in diesem Bereich können zu Apathie, Wesensveränderungen und kognitiven Beeinträchtigungen führen.
Erhöhter Hirndruck: Ein wachsender Tumor erhöht den Druck im Schädelinneren. Dieser Hirndruck kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und eben auch Apathie. Der erhöhte Druck beeinträchtigt die normale Funktion des Gehirns und kann die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen stören.
Therapiebedingte Ursachen: Die Behandlung von Glioblastomen umfasst in der Regel Operation, Strahlen- und Chemotherapie. Diese Therapien können erhebliche Nebenwirkungen haben, die Apathie begünstigen. Chemotherapeutika wie Temozolomid können beispielsweise Müdigkeit (Fatigue), Übelkeit und kognitive Beeinträchtigungen verursachen, die sich in Apathie äußern können. Auch die Strahlentherapie kann zu ähnlichen Symptomen führen.
Hormonelle Störungen: Hirntumore, insbesondere solche, die in der Nähe der Hypophyse liegen, können hormonelle Störungen verursachen. Die Hypophyse ist eine wichtige Drüse im Gehirn, die Hormone produziert, welche die Funktion anderer Hormondrüsen im Körper regulieren. Ein Tumor der Hypophyse greift hier störend ein. Mögliche Folgen sind Symptome, die etwa den Schlaf-Wach-Rhythmus, das Körperwachstum oder die Sexualität betreffen. Hormonelle Ungleichgewichte können sich auf die Stimmung und den Antrieb auswirken und Apathie verstärken.
Psychische Belastung: Die Diagnose eines Glioblastoms und die damit verbundenen Behandlungen stellen eine erhebliche psychische Belastung für die Betroffenen dar. Angst, Depression und Hoffnungslosigkeit können zu Apathie führen. Es ist wichtig, die psychischen Bedürfnisse der Patienten zu berücksichtigen und ihnen Unterstützung anzubieten.
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Fatigue: Fatigue ist ein Zustand krankhafter Erschöpfung, der sich körperlich, geistig und emotional äußern kann. Sie ist unabhängig von vorheriger Aktivität - Schlaf und Erholung helfen nur bedingt. Fatigue ist eine sehr häufige Begleiterscheinung bei Krebs. Fachleute schätzen, dass circa 65 von 100 Krebspatienten im Verlauf ihrer Erkrankung eine Fatigue erleben. Fatigue kann sich in Apathie äußern.
Diagnose von Apathie bei Glioblastom
Die Diagnose von Apathie basiert auf einer umfassenden Beurteilung des Patienten. Dazu gehören:
Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten und erkundigt sich nach den Symptomen, dem zeitlichen Verlauf und eventuellen Vorerkrankungen. Insbesondere krankheitsbedingte Einschränkungen der Selbstbestimmung und Selbstversorgung bewertet der Arzt im Vorfeld.
Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht den Patienten eingehend und achtet insbesondere auf neurologische Ausfallerscheinungen.
Neuropsychologische Tests: Eine Kombination unterschiedlicher neuropsychologischer Einzeltests wird durchgeführt, um kognitive Fähigkeiten zu beleuchten. Dabei greift der Arzt beispielsweise auf folgende Tests zurück:
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- Mini-Mental-Status-Test (MMST): Ein kombinierter Test, der aus Handlungsaufgaben und einem Fragenkatalog besteht.
- Montreal Cognitive Assessment (MoCa): Ein Test, um leichte kognitive Störungen zu entdecken.
Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT) werden eingesetzt, um die Lage und Größe des Tumors zu beurteilen und andere Ursachen für die Symptome auszuschließen.
Psychiatrische Beurteilung: Ein Gespräch mit einem Psychiater oder Psychologen kann helfen, Apathie von Depressionen oder anderen psychischen Störungen abzugrenzen.
Für Fachleute liegt eine tumorbedingte Fatigue vor, wenn der Erschöpfungszustand
- mit einer Krebserkrankung oder Krebstherapie zusammenhängt,
- nicht nur mit deutlicher Müdigkeit, sondern weiteren Symptomen einhergeht,
- täglich oder fast täglich über mindestens 2 Wochen im vergangenen Monat wahrgenommen wurde,
- die Betroffenen deutlich in ihrem Leben beeinträchtigt,
- sich von anderen Fatigue-Syndromen (wie das chronische Fatigue-Syndrom ME/CFS oder Long COVID), aber auch einer Depression abgrenzen lässt.
Behandlungsansätze bei Apathie
Die Behandlung von Apathie bei Glioblastom zielt darauf ab, die zugrunde liegenden Ursachen zu behandeln und die Symptome zu lindern. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach individuellem Fall eingesetzt werden können:
Tumorbehandlung: Die primäre Behandlung des Glioblastoms umfasst in der Regel Operation, Strahlen- und Chemotherapie. Ziel ist es, den Tumor so weit wie möglich zu entfernen oder zu verkleinern und sein Wachstum zu verlangsamen. Eine erfolgreiche Tumorbehandlung kann den Hirndruck senken und die Funktion der betroffenen Hirnregionen verbessern, was sich positiv auf die Apathie auswirken kann.
Medikamentöse Therapie: Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Behandlung von Apathie eingesetzt werden können. Dazu gehören:
- Stimulanzien: Medikamente wie Methylphenidat können den Antrieb und die Motivation steigern.
- Antidepressiva: Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (NDRI) können bei Apathie helfen, insbesondere wenn sie mit einer Depression einhergeht.
- Dopaminagonisten: Medikamente, die die Dopaminwirkung im Gehirn verstärken, können ebenfalls den Antrieb verbessern.
Psychologische Interventionen: Psychologische Unterstützung kann eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Apathie spielen. Dazu gehören:
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): KVT kann helfen, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern, die zur Apathie beitragen.
- Motivierende Gesprächsführung: Diese Technik kann Patienten helfen, ihre eigenen Ziele und Werte zu erkennen und sich für Veränderungen zu motivieren.
- Unterstützende Psychotherapie: Gespräche mit einem Therapeuten können helfen, die psychische Belastung durch die Erkrankung zu bewältigen und Strategien zur Bewältigung von Apathie zu entwickeln.
- Gruppenangebote: Sie ermöglichen den Austausch mit anderen Betroffenen.Ein wichtiger Schwerpunkt kann dabei beispielsweise die Stärkung des Selbstmanagements sein: Ziel ist es vor allem, zu erkennen, was die Fatigue fördert oder lindert. Darauf basierend können passende Bewältigungs- oder Verarbeitungsstrategien für den Alltag entwickelt werden.
Bewegung und Sport: Studien haben gezeigt, dass körperliche Aktivität die allgemeine Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessert. Schon kurze und einfache Bewegungseinheiten wie Spazierengehen oder Nordic Walking können bei einer Fatigue helfen.
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Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann dazu beitragen, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern. Es ist wichtig, ausreichend Nährstoffe zu sich zu nehmen und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.
Komplementäre Therapien: Yoga, Qigong, Tai-Chi und andere komplementäre Therapien können helfen, die Symptome von Apathie zu lindern. Fachleute bewerten die Studienlage zumindest so, dass ihre Wirksamkeit gegen Fatigue wahrscheinlich ist und sie mit keinen wesentlichen Risiken verbunden sind.
- Yoga, Qigong und Tai-Chi gehören zu den Mind-Body-Verfahren. Diese Verfahren sollen den Körper kräftigen und für mehr innerliche Ruhe und Ausgeglichenheit sorgen. Neben körperlichen Übungen kommen daher auch verschiedene Atem- und Entspannungstechniken zum Einsatz.
Fatigue-Tagebuch: In einem Fatigue-Tagebuch können Sie tages- und Aktivitäten-abhängige Schwankungen der Fatigue festhalten. So erhalten Sie einen Überblick, welche Faktoren Ihre Erschöpfung verstärken, welche Einschränkungen im Alltag damit verbunden sind oder welche Faktoren dagegen Ihre Erschöpfung bessern. In einem Fatigue-Tagebuch können Sie beispielsweise Folgendes eintragen:
- Welche Tätigkeit, um welche Uhrzeit?
- Wie hoch war der Energieaufwand?
Unterstützung für Angehörige
Apathie bei Glioblastom kann auch für Angehörige eine große Belastung darstellen. Es ist wichtig, dass auch sie Unterstützung erhalten. Angehörigengruppen, psychologische Beratung und Informationen über die Erkrankung können helfen, mit der Situation umzugehen.
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