Apfelessig bei Migräne: Mythos oder Medizin? Eine kritische Betrachtung

Apfelessig wird oft als Allheilmittel angepriesen, doch die wissenschaftliche Evidenz für seine vielfältigen angeblichen Wirkungen, insbesondere bei Migräne, ist oft dünn. Dieser Artikel beleuchtet die Faktenlage rund um Apfelessig und seine potenziellen Auswirkungen auf den Körper, insbesondere im Hinblick auf Migräne und andere Beschwerden.

Was ist Apfelessig?

Apfelessig wird durch die Fermentation von Apfelwein gewonnen. Dabei wird der in Äpfeln enthaltene Zucker zunächst von Hefepilzen in Alkohol umgewandelt. Anschließend wandeln Essigsäurebakterien den Alkohol in Essigsäure um. Dieser Prozess bewahrt einige der ursprünglichen Inhaltsstoffe der Äpfel, insbesondere in naturtrübem Essig.

Das "Allheilmittel" Apfelessig?

Apfelessig wird in der Werbung oft als "Allheilmittel" dargestellt und soll bei einer Vielzahl von Beschwerden helfen. Die Liste der angeblichen positiven Effekte ist lang: Verdauungsbeschwerden, Asthma, Warzen, Wetterfühligkeit, Kopfschmerzen, Ohrgeräusche, Hämorrhoiden, Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte, Gewichtsverlust und sogar als Schönheitsmittel. Viele dieser Behauptungen sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.

Wissenschaftliche Beweislage

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat festgestellt, dass es keine ausreichenden Belege für eine verdauungsfördernde Wirkung von Apfelessig in Pulverform gibt. Auch die Behauptungen, dass Apfelessig die Fettverbrennung fördert oder die Hautgesundheit verbessert, sind nicht ausreichend wissenschaftlich untermauert.

Es gibt zwar einige Studien, die einen Einfluss von Essig auf den Insulinstoffwechsel und von Apfelessig auf das Sättigungsgefühl bei Ratten mit fettreicher Ernährung zeigen. Auch Studien aus dem Libanon und dem Iran mit übergewichtigen Jugendlichen deuten auf gewichtsreduzierende Effekte hin. Allerdings sind diese Studien oft mangelhaft durchgeführt, die Ergebnisse widersprüchlich und die Beobachtungszeiträume zu kurz. Eine viel zitierte Studie wurde aufgrund von Qualitätsmängeln sogar zurückgezogen.

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Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 deutet darauf hin, dass regelmäßiger Apfelessig-Konsum das Körpergewicht und den BMI leicht senken kann, die Wirkung jedoch gering ist.

Wichtig ist, dass diese Ergebnisse nicht auf Apfelessig-Nahrungsergänzungsmittel oder Kapseln übertragbar sind.

Inhaltsstoffe von Apfelessigkapseln

Apfelessigkapseln enthalten in der Regel Apfelessigextrakt, manchmal ergänzt durch Apfelpektin und Apfelfasern. Die Zusammensetzung des Extrakts kann je nach Herstellungsverfahren variieren. Apfelpektin und Apfelfasern können aufgrund ihrer Ballaststoffe eine leicht sättigende Wirkung haben, insbesondere wenn gleichzeitig ausreichend getrunken wird.

Apfelessig enthält geringe Mengen an Mikronährstoffen, wobei unklar ist, wie viele davon tatsächlich in den Kapseln enthalten sind. Einige Hersteller fügen synthetische B-Vitamine, Vitamin C, Folsäure oder Biotin hinzu, was die Natürlichkeit des Produkts in Frage stellt.

Apfelessig und Migräne

Es gibt keine fundierten wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Apfelessig eine wirksame Behandlung von Migräne ist. Die anekdotischen Berichte über positive Effekte sind nicht ausreichend, um eine generelle Empfehlung auszusprechen.

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Apfelessig bei Heißhunger

Einige Quellen deuten darauf hin, dass Apfelessig sich positiv auf den Blutzuckerspiegel auswirken und dadurch Heißhunger reduzieren kann. Der Mechanismus dahinter könnte sein, dass Apfelessig die Insulinsensitivität verbessert und Blutzuckerspitzen reduziert. Allerdings ist auch hier die wissenschaftliche Evidenz begrenzt.

Apfelessig im Alltag

Apfelessig kann bedenkenlos als Zutat in Salaten oder als Gewürz verwendet werden. Auch die Einnahme von ein bis zwei Teelöffeln Obstessig, mit oder ohne Wasser, ist unbedenklich. Allerdings sollte man bei regelmäßiger Einnahme von purem Apfelessig den Mund mit Wasser ausspülen und nicht unmittelbar danach die Zähne putzen, um den Zahnschmelz zu schützen.

Wann sollte man einen Arzt konsultieren?

Bevor man versucht, Beschwerden selbst mit Apfelessig zu behandeln, sollte man zunächst einen Arzt aufsuchen. Dies gilt insbesondere bei chronischen oder wiederkehrenden Beschwerden wie Migräne.

Natürliche Alternativen zur Stressbewältigung

Neben Apfelessig gibt es eine Reihe von natürlichen Wirkstoffen und Verhaltensweisen, die bei Stress, Stimmungsschwankungen und Kopfschmerzen helfen können:

  • Safran: Studien zeigen, dass Safran eine stimmungsaufhellende Wirkung hat und bei der Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen sowie bei Angstzuständen unterstützend wirken kann.
  • Passionsblume: Bekannt für ihre beruhigende und angstlösende Wirkung.
  • Zitronenmelisse: Traditionell für ihre beruhigenden und stressreduzierenden Eigenschaften bekannt.
  • Magnesium: Ein essenzielles Mineral, das eine zentrale Rolle im Nervensystem spielt.
  • Vitamin B6: Wichtig für die Umwandlung von Tryptophan in Serotonin und von Glutamat in GABA.
  • Atemübungen: Praktiziere einfache Atemtechniken, wie die 4-7-8-Methode, um sofortige Entspannung zu erreichen.

Die Bedeutung eines gesunden Lebensstils

Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßiger Bewegung und Stressmanagement ist entscheidend für das allgemeine Wohlbefinden und kann dazu beitragen, Migräne und andere Beschwerden zu lindern.

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