Das Hamburger Techno-Performance-Kollektiv HGich.T, gegründet 1995, hat sich einen Namen gemacht, der ebenso polarisiert wie fasziniert. Mit einer Besetzung von rund 30 Künstler*innen, darunter Produzent DJ Hundefriedhof, Sänger Vhagvan Svami und Gitarrengott Dr. Geilser, sprengen sie die Grenzen des musikalisch Konventionellen und provozieren mit ihren verstörenden und begeisternden Shows.
Die musikalische DNA: Techno, Trash und Tabubruch
HGich.T hat mit Tracks wie »Hauptschuhle« und »Tutenchamun« gezeigt, wie sie Techno-Beats mit peitschenden Synthie-Bässen und Elementen aus Folk-Pop verbinden. Ihre Musik ist ein Spiegelbild des Absurden, eine Collage aus Trash, Drogen, Sex und Dada, die an die wilden Zeiten der Neunziger-Raves erinnert.
Die Texte sind oft minimalistisch und repetitiv, transportieren aber eine subversive Botschaft. In "Der Laster" wird der Hedonismus auf die Spitze getrieben: "Heut' koks' ich auch mein Erbe weg." HGich.T selbst betonen in Interviews, dass sie etwas von Dauer schaffen wollen, doch ihre Figuren leben im Hier und Jetzt, im Rausch des Moments.
Diese Kontinuität bei gleichzeitiger Veränderung zeigt sich auch in der Weiterentwicklung ihrer Musik. Von simplen Produktionen wie "Tutenchamun" und "Hauptschuhle" haben sie sich zu komplexeren Text- und Songstrukturen entwickelt.
Provokation als Stilmittel: Zwischen Kunst und Krawall
HGich.T scheuen sich nicht vor Provokation. "Diddelmaus Ballerina" überzeugt auf YouTube durch eine attraktive Protagonistin, die bei Live-Auftritten für Rauchen, Obstverzehr und Gesichtsbemalung zuständig ist und damit Kommentare von "Schöne Brüste" bis "Ich will die heiraten wenn sie mag?" hervorruft.
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"Dr. XTC" markiert einen thematischen Wendepunkt im Album "Megabobo". Das Lied handelt von der ekstatischen Seite des Rausches, aber auch von der Gefahr des Drogenkonsums und der Ausnutzung von Enthemmung. Es thematisiert die Abgründe der Abgeh-Kultur und führt zu einer melancholischen zweiten Hälfte des Albums.
In "Gedankenharfe" wird der eigenen Bedeutungslosigkeit eine philosophische Ebene hinzugefügt. Die Protagonistin versinkt in einen Zustand des Grübelns, ähnlich der Frauengestalt in Albrecht Dürers "Melencolia I".
Das Album "Megabobo": Eine Reise zwischen Rausch und Kater
"Megabobo" ist ein Album voll von (drogenverherrlichendem) Humor, Aufarbeitung von (drogeninduzierter) Melancholie und Bass. Das Cover zeigt H.P. Lovecrafts Cthulhu, doch HGich.T sind weit entfernt von Metallica. Sie bewegen sich zwischen Rausch und Kater, zwischen Droge und Antidepressivum.
Die "taz" nennt HGich.T "Entertainment mit Gewalt". Die Band selbst sieht sich nicht als Moralapostel, sondern als Spiegel der Gesellschaft, die sie mit ihren Mitteln aufzeigt.
Interviews und Kontroversen: HGich.T im Gespräch
In Interviews geben sich die Bandmitglieder unverkrampft und spontan. Sie lehnen Sprachregelungen ab und betonen, dass sie sagen, was sie zu sagen haben. Das Cover von "Lecko Grande" wird als "Art" interpretiert, bei der sich jeder seinen Reim drauf machen darf.
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Auf die Frage, wie die Songs von HGich.T entstehen, antwortet Dr. Diamond, dass es schwer zu erklären sei, da sie aus zehntausenden Einzelfaktoren aller beteiligten Personen bestehen. Die Sprache habe nur einen geringen Informationsgehalt, daher seien solche Fragen Schwachsinn.
HGich.T sehen sich nicht als Band, die sich mit coolen Referenzen schmückt. Sie sind unverstellt und ehrlich, was manchmal zu Schwierigkeiten bei der Fertigstellung eines Albums führt. Doch sie betonen, dass je freier man die Dinge laufen lässt und je weniger man sich selbst begrenzt, desto besser das Endprodukt wird.
Das Missverständnis von Hannover: Tutenchamun und der angebliche Bühnen-Kot
Ein großes Missverständnis, für das HGich.T bisher gesorgt haben, ist die Behauptung, dass Tutenchamun in Hannover auf die Bühne gekackt hätte. Dies wurde vom Clubbesitzer behauptet, der die Band daraufhin schlecht gemacht hat. HGich.T dementieren dies und erklären, dass sie manchmal mit Schokoladenpudding arbeiten, was möglicherweise zu der Verwechslung geführt hat.
Kunstfreiheit und Zensur: HGich.T als Fall für die Moral?
HGich.T sehen sich als Beispiel für Kunstfreiheit, betonen aber, dass es im alltäglichen Leben genug Dinge gibt, die einen daran hindern, frei zu sein. Künstlerische Freiheit könne auch schnell zu Narrenfreiheit werden.
Bisher sind HGich.T noch kein Fall für eine Form von Zensur geworden, aber sie sind sich bewusst, dass ihre provokanten Absonderlichkeiten nicht jedem gefallen.
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