Ambulante Schlaganfallnachsorge: Was ist wichtig?

Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen grundlegend verändern kann. In Deutschland erleiden jährlich etwa 250.000 bis 270.000 Menschen einen Schlaganfall, wobei etwa 25 Prozent davon einen erneuten Schlaganfall erleiden. Die ambulante Nachsorge spielt eine entscheidende Rolle bei der Reduzierung des Risikos eines weiteren Schlaganfalls und der Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Aspekte der ambulanten Schlaganfallnachsorge.

Schlaganfall: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für einen Schlaganfall können vielfältig sein und unterscheiden sich oft zwischen älteren und jüngeren Menschen. Bei älteren Menschen spielen klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren eine wichtige Rolle, darunter Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Rauchen, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung. Bei jüngeren Menschen können Gefäßverletzungen, die nach Unfällen oder spontan auftreten, eine Rolle spielen. Etwa jeder fünfte Schlaganfall wird durch die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern ausgelöst, die oft schwierig zu diagnostizieren ist.

Überlebenschancen und das Risiko eines Zweitschlaganfalls

Die Überlebenschancen nach einem Schlaganfall hängen von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich des Alters des Patienten und der Schwere des Schlaganfalls. Studien zeigen, dass die Überlebensrate drei Monate nach einem Schlaganfall bei etwa 84 Prozent liegt, nach einem Jahr auf 79 Prozent sinkt und nach fünf Jahren etwas mehr als die Hälfte der Patienten noch am Leben ist. Das Risiko für einen zweiten Schlaganfall kann durch eine gute Nachsorge deutlich reduziert werden.

Strukturierte ambulante Nachsorge: Die SANO-Studie

Die SANO-Studie (Strukturierte ambulante Nachsorge nach Schlaganfall) hatte das Ziel, durch eine strukturierte Nachsorge das Risiko für einen erneuten Schlaganfall zu senken und die Lebensqualität der Patienten zu erhöhen. Die Studie umfasste knapp 2.800 Patienten in 30 Studienclustern. Die Ergebnisse zeigten, dass durch das strukturierte Nachsorge-Programm eine bessere Kontrolle der kardiovaskulären Risikofaktoren erreicht werden konnte, insbesondere beim Rauchen und erhöhten Cholesterinwerten. Tendenziell verbesserten sich auch andere Faktoren wie Bluthochdruck, Bewegungsmangel und Ernährung. Zudem konnte das Mortalitätsrisiko gesenkt werden.

Konkrete Maßnahmen der strukturierten Nachsorge

Die strukturierte Nachsorge umfasste regelmäßige Nachuntersuchungen nach 1, 3, 6, 9 und 12 Monaten. Ein Team arbeitete in enger Abstimmung mit dem Hausarzt des Patienten und einem Behandlungsnetzwerk, an dem verschiedene Therapeuten, gesundheitsnahe Dienstleister und weitere Fachärzte beteiligt waren. Therapien wurden angeboten, wenn sich bei den Kontrolluntersuchungen zeigte, dass bestimmte Gefäß-Risikofaktoren immer noch zu hoch waren.

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Was können Schlaganfallpatienten selbst tun?

Um einen zweiten Schlaganfall zu vermeiden, können Patienten selbst aktiv werden:

  • Regelmäßige Medikamenteneinnahme: Verschriebene Medikamente, wie z.B. blutdrucksenkende Medikamente oder Statine, sollten regelmäßig eingenommen werden.
  • Regelmäßige Kontrollen: Blutdruck und Blutwerte sollten regelmäßig kontrolliert werden.
  • Rauchstopp: Für Raucher ist ein Rauchstopp extrem wichtig.
  • Ernährungsumstellung: Die Ernährung sollte auf eine mediterrane Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Seefisch umgestellt werden. Der Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch sowie Alkoholkonsum sollte eingeschränkt werden.
  • Körperliche Aktivität: Körperliche Aktivität sollte ein wesentlicher Bestandteil der Nachsorge sein.

Die Rolle des Hausarztes und weiterer Fachärzte

Nach einem Schlaganfall ist der Hausarzt ein wichtiger Ansprechpartner für die weitere Behandlung. Er bespricht die Verordnung von Medikamenten, ambulanter Therapie und/oder Hilfsmitteln. Zudem kann der Besuch eines Facharztes, insbesondere eines Neurologen, ratsam sein. Niedergelassene Neurologen sind Experten auf dem Gebiet der Schlaganfall-Nachsorge und der Sekundärprophylaxe. Sollte die Ursache des Schlaganfalls nicht eindeutig geklärt sein, kann eine Überweisung an einen Kardiologen erfolgen.

Rehabilitation nach dem Schlaganfall

Die Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung von Funktionen und der Verbesserung der Lebensqualität nach einem Schlaganfall. Für optimale Erfolgschancen sollte die Behandlung direkt nach dem Klinikaufenthalt beginnen. Die Rehabilitation kann stationär oder ambulant erfolgen.

Stationäre Rehabilitation

Die stationäre Rehabilitation findet in einer Rehabilitationsklinik statt und wird in der Regel für drei Wochen bewilligt. Neurologen empfehlen in der Regel die Rehabilitation in einer neurologischen Fachklinik, da hier Patienten deutlich mehr Therapie-Einheiten erhalten. Das Ziel der Rehabilitation ist, verlorengegangene Funktionen so weit wie möglich wiederherzustellen oder Kompensationsstrategien einzuüben. Ein weiteres Ziel ist es, Patienten bei einer notwendigen Umstellung des Lebensstils zu unterstützen, um einen wiederholten Schlaganfall zu vermeiden.

Ambulante Rehabilitation

Ambulante Rehabilitationszentren haben den Vorteil, dass Patienten abends und am Wochenende Zuhause sind und im heimischen Umfeld erproben können, ob das Training mit den Therapeuten sie gut auf die Aktivitäten ihres täglichen Lebens vorbereitet. Für die ambulante Rehabilitation müssen Patienten in der Lage sein, sich selbst zu versorgen oder die Versorgung im heimischen Umfeld muss durch Angehörige und/oder einen Pflegedienst gesichert sein.

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Frührehabilitation

Die frühe Rehabilitation nach einem Schlaganfall entscheidet oft über die langfristige Selbstständigkeit. Sie beginnt oft schon auf der Intensivstation oder der Schlaganfallstation, sobald es medizinisch vertretbar ist. Ziel ist es, Funktionen wie Greifen, Sprechen, Schlucken, Wahrnehmen oder Gehen so früh wie möglich zu fördern.

Robotik in der Rehabilitation

Robotiksysteme können insbesondere bei schweren Lähmungen oder Gleichgewichtsstörungen helfen, erste Schritte in aufrechter Körperposition zu trainieren. Der wesentliche Vorteil der Gangroboter besteht darin, dass Patienten mit geringem Aufwand deutlich höhere Schrittzahlen in der Therapie erreichen können.

Die Rolle der Angehörigen

Angehörige spielen eine wichtige Rolle bei der Rehabilitation nach einem Schlaganfall. Sie sind oft der wichtigste Halt - emotional, pragmatisch und motivierend. Ein engagiertes soziales Umfeld wirkt sich positiv auf die Prognose von Schlaganfallpatienten aus. Angehörige sollten aktiv in alle wichtigen Prozesse im Rehabilitationsverlauf einbezogen werden.

Disease Management Programm (DMP) für Schlaganfälle

Grundsätzlich könnten viele Aspekte des SANO-Programms in ein DMP überführt werden. Ein solches DMP ist für die koronare Herzerkrankung schon lange etabliert, es ist effektiv - und es ist fast überraschend, dass es so etwas für den Schlaganfall noch nicht gibt. Ob sich dadurch aber auch das Risiko für weitere Schlaganfälle langfristig reduziert, muss sich erst noch zeigen. Die Ergebnisse der SANO-Studie könnten eine gute Grundlage für die Einführung eines DMPs sein.

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