Appetitlosigkeit nach Hirnblutung: Ursachen und Behandlung

Ein Schlaganfall kann gravierende Folgen für die Betroffenen haben, die oft mit zahlreichen körperlichen Einschränkungen zu kämpfen haben. Neben Lähmungen können auch Kau- und Schluckbeschwerden auftreten, die wiederum zu Appetitlosigkeit und Mangelernährung führen können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Appetitlosigkeit nach einer Hirnblutung.

Einführung

Nach einem Schlaganfall leiden viele Betroffene unter Appetitlosigkeit, Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Diese Appetitlosigkeit kann dazu führen, dass der Körper nicht genügend Nährstoffe erhält, was die Erholung von den Auswirkungen des Schlaganfalls erschwert. Eine frühzeitige Behandlung ist daher entscheidend, um den Kreislauf der krankheitsbedingten Mangelernährung zu durchbrechen.

Ursachen der Appetitlosigkeit nach Hirnblutung

Die Ursachen für Appetitlosigkeit nach einer Hirnblutung sind vielfältig und können sowohl physischer als auch psychischer Natur sein.

Körperliche Ursachen

  • Schluckstörungen (Dysphagie): Schlaganfallpatienten haben oft mit Schluckstörungen zu kämpfen, die durch Beeinträchtigungen im Kopf-Halsbereich verursacht werden. Kau- und Schluckbeschwerden sind häufige Ursachen für Mangelernährung.
  • Veränderungen im Alter: Körperliche Veränderungen im Alter, wie Zahnverlust, veränderter Geruchs- und Geschmackssinn, Immobilität und Bewegungseinschränkungen, können die Nahrungsaufnahme verringern.
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts: Erkrankungen, die den Magen-Darm-Trakt betreffen oder ein künstlicher Darmausgang, können zu Appetitlosigkeit und Einschränkungen bei der Nahrungsaufnahme führen.
  • Medikamente: Viele Medikamente können den Appetit beeinträchtigen oder den Geschmack des Essens verändern.
  • Mundtrockenheit: Mundtrockenheit kann unabhängig vom Wasserhaushalt des Patienten auftreten und die Nahrungsaufnahme erschweren.
  • Verdauungsprobleme: Verdauungsprobleme wie Obstipation, Blähungen oder Diarrhö können ebenfalls zu Appetitlosigkeit führen.

Psychische Ursachen

  • Antriebslosigkeit und Müdigkeit: Nach einem Schlaganfall fühlen sich viele Betroffene generell antriebslos und müde, was den Appetit mindern kann.
  • Psychischer Stress, Sorgen und Ängste: Psychischer Stress, Sorgen und Ängste können ebenfalls zu Appetitlosigkeit führen.
  • Soziale Aspekte: Soziale Aspekte, wie der Verlust des Partners und steigende Hilfsbedürftigkeit, können ebenfalls zu einer verringerten Nahrungsaufnahme führen.

Folgen der Appetitlosigkeit und Mangelernährung

Wenn dem Körper aufgrund von Appetitlosigkeit nicht genügend Nährstoffe zugeführt werden, kann dies schwerwiegende Folgen haben:

  • Verlangsamte Heilungsprozesse: Krankheitsbedingte Mangelernährung kann die Leistungsfähigkeit der inneren Organe beeinträchtigen und Heilungsprozesse verlangsamen.
  • Gewichtsabnahme und Muskelverlust: Eine unzureichende Nährstoffversorgung führt zu Gewichtsabnahme und Muskelverlust.
  • Verminderte Lebensqualität: Krankheitsbedingte Mangelernährung mindert die Lebensqualität spürbar.
  • Negative Beeinflussung der Rehabilitation: Mangelernährung beeinflusst die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten negativ, da sie unter anderem kontraproduktiv für das erneute Erlernen von Bewegungsabläufen ist.
  • Erhöhtes Sterberisiko: Patienten mit Mangelernährung haben ein deutlich höheres Risiko zu sterben oder schwere Komplikationen zu entwickeln.
  • Längere Krankenhausverweildauer: Die Krankenhausverweildauer von mangelernährten Patienten ist deutlich länger.
  • Beeinträchtigung der Immunabwehr: Durch eine unbehandelte Mangelernährung sinkt die Immunkompetenz, zudem verschlechtern sich der Allgemeinzustand und die Prognose.
  • Erhöhte Infektions- und Komplikationsrate: Die Infektionsrate, -dauer und -schwere nehmen zu, auch die Komplikationsrate und die Gefahr von Immobilität und Stürzen steigen.
  • Wundheilungsstörungen: Es kommt häufiger zu Wundheilungsstörungen.
  • Zunehmende Pflege- und Hilfsbedürftigkeit: Insgesamt nimmt die Pflege- und Hilfsbedürftigkeit des Patienten zu.

Behandlung der Appetitlosigkeit und Mangelernährung

Die Behandlung von Appetitlosigkeit und Mangelernährung nach einer Hirnblutung erfordert einen multidisziplinären Ansatz, der sowohl die körperlichen als auch die psychischen Ursachen berücksichtigt.

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Ernährungstherapeutische Maßnahmen

  • Individuelle Ernährungspläne: Der Ernährungsplan sollte individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt sein, insbesondere bei Schluckstörungen. Mahlzeiten und Getränke sollten an die Schluckfähigkeit und den Energie- und Eiweißbedarf des Patienten angepasst sein.
  • Energiedichte Kost: Die Gabe energiedichter Kost sowie die Anreicherung der Nahrung mit Sahne, Proteinen und anderen hochkalorigen Lebensmitteln kann helfen, den Kalorienbedarf zu decken.
  • Zwischenmahlzeiten: Zusätzliche Zwischenmahlzeiten können die Nährstoffaufnahme verbessern.
  • Trinknahrung: Medizinische Trinknahrung kann die Ernährung ergänzen oder auch ganze Mahlzeiten ersetzen. Die gebrauchsfertigen Drinks enthalten Energie, Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in konzentrierter Form. Bei anhaltenden Schluckstörungen eignen sich besonders konsistenzadaptierte Trinknahrungen.
  • Appetitanregende Maßnahmen: Gewürzpflanzen mit Bitterstoffen (z. B. Anis, Fenchel, Kümmel, Rosmarin) können appetitanregend und verdauungsfördernd wirken. Auch ein kleiner Schluck Pepsinwein vor dem Essen kann die appetitanregende Wirkung eines Aperitifs besitzen.
  • Anpassung der Kostform: Die Kostform sollte immer wieder mit dem Patienten gemeinsam angepasst werden, um verschiedene Lebensmittel zu probieren und die Therapie zu evaluieren.
  • Stufenweiser Kostaufbau: Der Kostaufbau sollte bei einer Mangelernährung immer stufenweise erfolgen, da besonders bei Patienten, die mehrere Tage kaum etwas zu sich genommen haben, die Gefahr des Refeeding-Syndroms besteht.
  • Wunschkost: Wenn es wirklich um Ernährung geht, hat Wunschkost immer Vorrang! Dabei sollte man berücksichtigen, dass das Auge mitisst; das heißt, dass der Teller groß und die Essensmenge klein ist und sich das Sättigungsgefühl nicht schon rein optisch einstellt. Auch viele kleinere Mahlzeiten können hilfreich sein.
  • Vermeidung restriktiver Diäten: Auf restriktive diätetische Einschränkungen sollte verzichtet werden. Eine Diätberatung ist unbedingt sinnvoll.

Medikamentöse Behandlung

  • Appetitstimulanzien: In der Palliativmedizin kommen vor allem Steroide und Cannabinoide, selten bei Diabetespatienten auch Insulin zum Einsatz. Darüber hinaus wird die appetitsteigernde Wirkung von Antidepressiva genutzt.
  • Vitamin B12: Ein Mangel an Vitamin B12 kann Appetitlosigkeit verursachen. Eine Überprüfung des Vitamin-B12-Spiegels und gegebenenfalls eine Supplementierung können sinnvoll sein.

Weitere Maßnahmen

  • Behandlung der Grunderkrankung: Es gilt, leicht identifizierbare Ursachen in Angriff zu nehmen - dies reicht von der Anpassung eines neuen Zahnersatzes bis zur Therapie einer Depression.
  • Ernährungsberatung: Eine Ernährungsberatung ist unerlässlich, um den Patienten und seine Angehörigen über die richtige Ernährung zu informieren.
  • Gesellschaft beim Essen: Gerade ältere Menschen sollten in Gesellschaft essen. Studien zufolge wird dann bis zu 20 Prozent mehr Nahrung verzehrt.
  • Appetitliche Präsentation des Essens: Das Essen sollte appetitlich angerichtet sein. Ab und zu sollten ältere Menschen auch ein Restaurant besuchen - wegen der anderen Umgebung und der Abwechslung.
  • Logopädie: Bei Kau- und Schluckproblemen kann Logopädie zum Schlucktraining helfen.
  • Psychosoziale Betreuung: Gespräche mit einem Seelsorger oder einem Mitarbeiter des Sozialdienstes können hilfreich sein, um die Fragen der häuslichen Versorgung zu klären.
  • Bewegung: Moderate Ausdauerbewegung (zum Beispiel Ergometer, Spazierengehen) kann den antiinflammatorischen Therapieansatz fördern.

Prävention von Mangelernährung

Um Mangelernährung vorzubeugen, ist es wichtig, frühzeitig auf Warnzeichen zu achten und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

  • Regelmäßiges Screening auf Mangelernährung: Idealerweise sollte bei allen stationären Patienten und bei allen Pflegeheimbewohnern ein Screening auf Mangelernährung erfolgen.
  • Ausgewogene Ernährung: Senioren sollten ein Auge auf sich und ihren Körper haben. Die Mahlzeiten sollten vielfältig und ausgewogen sein, also von jedem etwas. Bei Obst und Gemüse gilt: Bunt ist gesund.
  • Anpassung der Zubereitungsform: Wenn Lebensmittel aufgrund von Kau- oder Schluckbeschwerden nicht mehr gegessen werden können, sollte nach anderen Zubereitungsformen gesucht werden. Das frische Obst kann zum Beispiel zu einem Smoothie verarbeitet werden oder die Kartoffeln zu Kartoffelpüree.
  • Vitamin-D-Supplementierung: Im Winter sollte über eine Ergänzung der Nahrung mit Vitamin D nachgedacht werden.

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