Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen, die durch wiederholt auftretende epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle werden durch spontane und überschießende elektrische Entladungen von Nervenzellen im Gehirn verursacht, die Bewusstseinsstörungen, Muskelzuckungen oder Muskelanspannungen bis hin zu komplexen Handlungen hervorrufen können. Die Erkrankung ist vielfältig und komplex, und ihre Ursachen sind oft unklar.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie, auch bekannt als Fallsucht, ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte, unprovozierte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese sogenannten epileptischen Anfälle entstehen dadurch, dass Nervenzellen im Gehirn zu viele Signale auf einmal geben. Der Begriff Epilepsie stammt aus dem Griechischen und bedeutet "ergriffen werden", was die plötzliche Natur der Krampfanfälle beschreibt.
Ursachen von Epilepsie
Die Ursachen von Epilepsie sind komplex und vielfältig. Grundsätzlich gilt, dass jedes Ereignis, das einen Schaden im Gehirn verursacht, ein potenzieller Auslöser für ein epileptisches Anfallsleiden sein kann. Die Medizin unterscheidet hier zurzeit strukturelle, infektiöse, metabolische, genetische und immunologische Ursachen.
Genetische Ursachen
Die häufigsten Ursachen sind die genetischen oder auch idiopathischen Epilepsieursachen. Genetisch bedingt haben manche Menschen eine stärkere Veranlagung zu epileptischen Anfällen als andere. Die Forschung geht heute davon aus, dass bei diesen Patienten ein oder mehrere Gene defekt sind, die als Ursache der Epilepsie anzusehen sind. Häufig sind die betroffenen Gene nicht bekannt, und es müssen bestimmte Gen-Konstellationen vorliegen, damit es zu einer Epilepsie kommt. Daher sind diese Epilepsie-Ursachen meist nicht vererbbar, auch wenn sie neuerdings als genetische Epilepsien bezeichnet werden.
Bei vielen Betroffenen bestehen vermutlich oder nachweislich genetische Veränderungen, etwa an Bindungsstellen (Rezeptoren) für Nervenbotenstoffe. Solche genetischen Veränderungen leisten Experten zufolge wahrscheinlich einen Beitrag zur Entstehung der Epilepsie. Vererbbar ist sie deswegen meist trotzdem nicht. Die Eltern geben meist nur die Anfälligkeit für Krampfanfälle an ihre Kinder weiter. Zur Erkrankung kommt es dann erst, wenn äußere Faktoren hinzukommen (wie Schlafentzug oder hormonelle Umstellungen).
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Strukturelle Ursachen
Strukturelle Veränderungen am Gehirn entstehen beispielsweise durch Schlaganfälle oder Tumore. Die strukturellen Veränderungen können mitunter zu einem erhöhten Hirndruck oder Durchblutungsstörungen führen, die dann epileptische Anfälle begünstigen.
So treten die strukturellen Epilepsien mit steigendem Alter häufiger auf (z. B. Strukturelle Epilepsie: Früher auch als symptomatische Epilepsie bezeichnet, ist sie als Folge einer bekannten Ursache wie einem Schlaganfall, Hirntumor oder einer Kopfverletzung bzw. Hirnverletzung entstanden.
Häufige Ursachen für strukturelle Epilepsien sind Narben nach Geburtsschaden, Schlaganfall, Unfall oder Entzündung (z. B. Ein Teil dieser Fehlbildungen betrifft beide Hirnhälften und manchmal die gesamte Hirnrinde (Pachygyrie, Lissenzephalie, beidseitige Polymirkogyrie, Bandheterotopie). Die Betroffenen sind meist schwer behindert und haben schwierig zu behandelnde Epilepsien. Andere Fehlbildungen sind regional begrenzt und verursachen fokale Anfälle aus dieser Region (umschriebene Polymikrogyrie, noduläre Heterotopie). Eine besondere Rolle spielen die fokalen kortikalen Dysplasien (fokal= nicht überall, umschrieben; kortikal= die Hirnrinde betreffend; Dysplasie= Fehlanlage). Diese sind eine häufige Ursache schwer behandelbarer fokaler Epilepsien im Kindesalter und entgehen häufig einer Routine-MRT-Untersuchung, vor allem im Alter unter 2 Jahren. Bei Kindern mit entsprechend schwierigem Verlauf sollte unbedingt eine hochauflösende MRT mit gezielten Sequenzen zur Darstellung fokaler kortikaler Dysplasien durchgeführt und ggf. nach Abschluss der Hirnreifung wiederholt werden.
Infektiöse Ursachen
Infektionen des Gehirns können unter anderem durch Borreliose hervorgerufen werden. Auch die infektiösen Epilepsien wurden früher als strukturell bezeichnet. Ihnen liegt eine infektiöse Erkrankung (hervorgerufen durch Viren oder Bakterien) des Gehirns zugrunde, wie z. B.
Metabolische Ursachen
Metabolische Veränderungen, also solche, die den Stoffwechsel betreffen, stehen z. B. mit seltenen Stoffwechselerkrankungen, wie der Phenylketonurie* in Verbindung. Die metabolische Epilepsie wurde ebenfalls lange zu den strukturellen Epilepsien gezählt. Sie gehen aus Veränderungen im Stoffwechsel (Metabolismus) hervor, z. B.
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Immunologische Ursachen
Bei den immunologischen Ursachen handelt es sich um Entzündungsvorgänge im Gehirn, z. B. wenn die eigene Körperabwehr (Immunsystem) das Hirngewebe angreift und es zu einer Hirnhautentzündung kommt. Ebenfalls bis vor Kurzem zu den strukturellen Epilepsien gezählt, unterscheidet man heute die immunologischen Epilepsien dahingehend, dass ihnen eine chronische Entzündung des Gehirns zugrunde liegt. Verursacht wird die Entzündung durch eine Autoimmunkrankheit, also eine Krankheit, bei der das Immunsystem den eigenen Körper angreift.
Kryptogene Epilepsien
Zusätzlich gibt es sogenannte kryptogene Epilepsien, die heute schlichtweg als Epilepsie mit unbekannter Ursache bezeichnet werden. Sie erfüllen also zum Beispiel die Kriterien wie Anfallshäufigkeit von nicht-provozierten Anfällen, nach denen eine Epilepsie laut Leitlinie definiert und von anderen Anfallsleiden abgrenzt wird. Jedoch ohne erkennbare strukturelle, immunologische, genetische, metabolische oder infektiöse Ursache. wenn, unter Berücksichtigung der ärztlichen Befunde, des EEG, der Symptomatik des Krampfanfalls und weiterer Aspekte durch die Ärztinnen und Ärzte ein spezifisches Epilepsie-Syndrom diagnostiziert wird.
Andere Ursachen
Grundsätzlich kann jedes Gehirn in einen Zustand versetzt werden, in dem es zum epileptischen Anfall kommt. Beispiele sind die Auslösung eines epileptischen Anfalls durch elektrischen Strom, massiven Unterzucker, Störung der Balance der Blutsalze, Hirnblutung oder Entzündungen im Gehirn.
Formen von Epilepsie
Es gibt verschiedene Epilepsieformen mit unterschiedlichen Ursachen: zum einen sind sog. strukturelle/symptomatische fokale Epilepsien bekannt, die nach einer Gehirnschädigung auftreten (z.B. einer Hirnhautentzündung, einem Schlaganfall, einer Narbe, einem Tumor, einer Hippocampussklerose oder einer Hirnfehlbildung). Bei anderen Formen gibt es eine klare erbliche Komponente (idiopathische oder genetisch bedingte Epilepsien, fokal oder generalisiert).
Epilepsie äußert sich durch wiederholte Anfälle, die von kurzen Zuckungen bis hin zu schwereren Krampfanfällen und Bewusstseinsverlust reichen können. Die Symptome variieren je nach Form der Epilepsie bzw.
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Generalisierte Anfälle
Formen der Epilepsie, die sich durch generalisierte Anfälle kennzeichnen, betreffen beide Gehirnhälften und führen zu einem vollständigen Bewusstseinsverlust und starken muskulären Zuckungen oder Krämpfen. Diese Anzeichen sind charakteristisch für die generalisierte Anfallsform:
- Tonisch-klonische Anfälle (Grand-Mal-Anfälle): Beginnen mit einer steifen Phase (tonisch) und gehen dann in rhythmische Zuckungen (klonisch) über.
- Absence-Anfälle (Petit-Mal-Anfälle): Verursachen kurze Bewusstseinsverluste ohne Stürze oder Zuckungen, oft unbemerkt von Außenstehenden.
- Myoklonische Anfälle: Führen zu plötzlichen, kurzen Muskelzuckungen, die einzelne Muskeln oder Muskelgruppen betreffen können.
Fokale Anfälle
Fokale Anfälle gehören zur Epilepsieform, die nur bestimmte Region des Gehirns betrifft und zu unterschiedlichen motorischen, sensorischen oder psychischen Symptomen führen kann, oft ohne Bewusstseinsverlust.
Diagnose von Epilepsie
Die Diagnose von Epilepsie erfolgt durch eine gründliche Anamnese, neurologische Untersuchungen und den Einsatz von bildgebenden Verfahren wie MRT.
Zu den notwendigen "Basisuntersuchungen" gehören:
- ein Video-EEG-Langzeitmonitoring
- eine spezielle Kernspinuntersuchung des Gehirns, die umfangreicher ist als die üblicherweise durchgeführte Standarduntersuchung und die sich an der Epilepsieform orientieren mußeine neuropsychologische Untersuchung
Abhängig von den bei diesen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnissen können weitere Zusatzuntersuchungen notwendig werden, um zu einem Behandlungsvorschlag zu kommen (z.B. eine Positronenemissionstomographie = PET).
Hier sind die wichtigsten Diagnosemöglichkeiten:
- Anamnese: Eine detaillierte Patientenbefragung, die Informationen über die Anfallshäufigkeit, -dauer und -charakteristik sammelt. Auch Familienanamnese und Vorerkrankungen sind relevant.
- Neurologische Untersuchungen: Standardisierte Tests zur Überprüfung der neurologischen Funktionen, um mögliche Ursachen der Krampfanfälle zu identifizieren.
- Elektroenzephalogramm (EEG): Ein Verfahren, das die elektrische Aktivität des Gehirns misst und abnorme Muster, die auf eine Epilepsieform hinweisen, erkennt. Bei vielen Epilepsieformen sind EEG-Veränderungen, die auf eine Epilepsie hindeuten, in einem sogenannten Routine-EEG relativ selten. Das normalerweise in der neurologischen Praxis abgeleitete EEG erfasst nur eine kurze Momentaufnahme des Wachzustandes und z.T. auch Phasen der Ermüdung. Ein nach sog. "Schlafentzug" abgeleitetes EEG erweitert die diagnostischen Möglichkeiten. Aber vielen Patienten gelingt es auch unter diesen Bedingungen nicht, einzuschlafen und tiefere Schlafstadien zu erreichen. In der Langzeituntersuchung werden auch die tiefen Schlafphasen erfasst, so dass eine genauere Aussage zu den EEG-Veränderungen zwischen den Anfällen gemacht werden kann.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Hochauflösende Bilder des Gehirns, die strukturelle Anomalien wie Tumore, Narbengewebe oder Fehlbildungen sichtbar machen.
- Computertomographie (CT): Eine Methode zur schnellen Erstellung detaillierter Querschnittsbilder des Gehirns, nützlich bei akuten Fällen oder wenn eine MRT nicht verfügbar ist.
- Bluttests: Zur Ausschlussdiagnose von Stoffwechselstörungen oder Infektionen, die Anfälle verursachen könnten.
- Video-EEG-Monitoring: Eine Kombination aus EEG und Videoüberwachung, um Anfälle direkt zu beobachten und deren Verlauf genau zu dokumentieren.
Zur prächirurgischen Epilepsiediagnostik ist ein Video-EEG-Langzeitmonitoring notwendig, um den Zusammenhang zwischen den klinisch zu beobachtenden Anfällen und den Hirnströmen im EEG herzustellen und damit den Ursprungsort der Anfälle im Gehirn zu bestimmen. Daneben ist eine Langzeituntersuchung häufig hilfreich, um zu entscheiden, ob es sich bei bestimmten Anfällen tatsächlich um eine Epilepsie handelt. Anfälle zu haben, mit oder ohne Bewusstseinsstörung oder anderen, verschiedenen Symptomen, bedeutet nicht immer, dass auch eine Epilepsie als Ursache vorliegt. Gelegentlich ist es schwierig, nach den berichteten Beobachtungen der Anfälle zu entscheiden, ob es sich um einen epileptischen oder um einen nicht-epileptischen Anfall handelt. Auch in solchen Fällen ist ein Video-EEG-Langzeitmonitoring zur Klärung sinnvoll.
Zu einer solchen Untersuchung ist eine stationäre Aufnahme notwendig. Es wird dann i.d.R. über mehrere Tage (max. bis zu 2 Wochen) eine kontinuierliche Videoaufzeichnung durchgeführt und gleichzeitig ein EEG abgeleitet. Dazu werden Elektroden mit einem speziellen Material (Kollodium) auf die Kopfhaut aufgeklebt. Die Elektroden werden nach Beendigung der Untersuchung (je nach Häufigkeit der Anfälle nach einem Zeitraum von bis zu 2 Wochen) wieder entfernt. Diese Untersuchung eröffnet die Möglichkeit, einerseits die einzelnen Anfallssymptome im Video genau zu analysieren und zugleich die begleitenden EEG-Veränderungen aufzuzeichnen. Darüber hinaus kann das EEG zwischen den Anfällen im Wachzustand und im Schlaf analysiert werden.
Behandlung von Epilepsie
Die Behandlung von Epilepsie umfasst medikamentöse Therapien, chirurgische Eingriffe und alternative Ansätze wie den Vagusnerv zu stimulieren. Die häufigste Behandlungsmethode umfasst die Einnahme von Antiepileptika, die helfen, Anfälle zu kontrollieren. Die Auswahl des Medikaments hängt von der Anfallsform und den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen ab.
Die Epilepsiebehandlung wird in der Regel medikamentös begonnen, mit sogenannten Antiepileptika. Diese werden zur Vorbeugung von epileptischen Anfällen, aber auch zur Unterbrechung akuter Anfälle eingesetzt. Antiepileptika wirken direkt auf das Nervensystem und die Nervenzellen. Sie sorgen dafür, dass die Reizweiterleitung der Nerven gehemmt und die Erregbarkeit der Nervenzellen im Gehirn vermindert wird. Im Wesentlichen werden zwei Wirkmechanismen unterschieden: Die Blockierung epileptischer Impulse sowie das Verhindern der Ausbreitung epileptischer Aktivität.
Im Schnitt werden knapp 70% der Patienten unter der Gabe antiepileptischer Medikamente anfallsfrei.
Alternativ oder ergänzend können spezielle Ernährungsformen wie die ketogene Diät, die modifizierte Atkins Diät oder die Low-Glycemic-Index-Diät eingeleitet werden. Diese Diäten zielen auf eine Umstellung des Energiestoffwechsels und keineswegs auf eine Gewichtreduktion.
Epilepsiechirurgie
Bei Patientinnen und Patienten, die auf Medikamente nicht ausreichend ansprechen, kann die Epilepsiechirurgie in Betracht gezogen werden. Ziel der Operation ist es, den Bereich des Gehirns zu entfernen oder zu isolieren, der für die epileptischen Anfälle verantwortlich ist.
In diesem Fall sollte geprüft werden, ob es eine chirurgische Möglichkeit der Behandlung gibt, die in vielen Fällen eine hohe Wahrscheinlichkeit auf Anfallsfreiheit bietet. Voraussetzung dafür ist, dass es sich um eine fokale Epilepsie handelt, bei der die Anfälle in einer umschriebenen Hirnregion entstehen, die operativ entfernt werden kann, ohne dass postoperativ neurologische Defizite entstehen. Sogenannte "generalisierte Epilepsien", bei denen schon zu Beginn des epileptischen Anfalles beide Großhirnhälften in das Anfallsgeschehen miteinbezogen sind, sind chirurgisch nicht kurativ behandelbar, d.h. Anfallsfreiheit kann durch einen epilepsiechirurgischen Eingriff nicht erreicht werden. Ob im Einzelfall eine operative Behandlungsmöglichkeit besteht, kann in der Regel nur nach weiteren Voruntersuchungen entschieden werden.
Ziel dieser präoperativen Diagnostik ist es, die Hirnregion zu identifizieren, von der die epileptischen Anfälle ausgehen (= ‚epileptogene Zone’) und zugleich die Risiken abzuschätzen, mit denen eine Operation verbunden wäre.
Alle Kinder und Jugendlichen mit therapieschweren Epilepsien sollten hinsichtlich der Möglichkeit einer epilepsiechirurgischen Operation evaluiert werden. Eine solche Operation ist die einzige Möglichkeit, eine Epilepsie zu heilen und hat eine durchschnittliche Chance auf Anfallsfreiheit von ca. 70%. Leider gelingt die genaue Lokalisation anfallsauslösenden Areale im Gehirn nur bei ca. 10% der Patienten mit therapieschweren Epilepsien. Nur für diese Patienten ist die kurative Epilepsiechirurgie eine Chance auf Anfallsfreiheit. Bei weiteren Patienten kann bei einer sehr belastenden Anfallssituation eine palliative Operation erwogen werden bei der das Ziel eine Reduktion von Anfällen darstellt.
Nach der Operation und dem anschließenden stationären Aufenthalt wird in der Regel ein weiterer stationärer Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik mit Epilepsie-Schwerpunkt (Medizinische Rehabilitation) empfohlen. Innerhalb der ersten Jahre nach der Operation finden in unterschiedlichen Abständen Nachsorgeuntersuchungen statt, in die alle an der prächirurgischen Diagnostik und operativen Epilepsietherapie beteiligten Berufsgruppen (Ärzte, Neuropsychologie, Psychologie, Sozialdienst) mit eingebunden sind. Ebenso müssen die Medikamente zur Epilepsiebehandlung nach der Operation noch mehrere Jahre eingenommen werden. Sind dann keine weiteren Anfälle aufgetreten, kann nach Absprache mit dem behandelnden Arzt versucht werden, die Medikamente abzusetzen.
Neurostimulation
Im Gegensatz zur Epilepsiechirurgie kann mit der Neurostimulation keine Anfallsfreiheit erreicht werden. Allerdings bewirkt sie, je nach Art der Epilepsie und des eingesetzten Verfahrens, eine deutliche Minderung der Anfallsfrequenz bzw. Unter Neurostimulation versteht man zusammengefasst, dass Strukturen im Gehirn oder solche, die dort hinführen (wie der Vagus-Nerv), mit niedriger Stromstärke stimuliert werden. Im direkten Vergleich scheint die Tiefe Hirnstimulation - die allerdings nur unter bestimmten Bedingungen in Frage kommt - effektiver als die Vagus-Nerv-Stimulation zu sein.
20-30 Prozent aller Epilepsiepatienten sprechen nicht ausreichend auf eine medikamentöse Behandlung an und / oder können aus verschiedenen Gründen nicht operiert werden. Die VNS steht bereits seit Mitte der 90er Jahre als erfolgversprechende Behandlungsalternative zur Verfügung. Hierbei wird der 10. Dafür muss ein Pulsgenerator in eine Hauttasche unter dem linken Schlüsselbein eingesetzt und mittels eines Elektrodenkabels eine Verbindung zum 10. Hirnnerv im linken Halsbereich hergestellt werden. Dies erfolgt im Rahmen einer (minimalinvasiven) 1,5-stündigen OP unter Vollnarkose. In der Regel können die Patienten bereits am Folgetag nach Aktivierung des Systems entlassen werden. Dies ist die Weiterentwicklung der VNS, bei der keine Operation und kein Klinikaufenthalt erforderlich ist. Allerdings liegt die Effektivität deutlich unter der der konventionellen Methode. Spezielle Nervenfasern werden hier über eine Ohrelektrode am Ohr durch sanfte elektrische Impulse aktiviert (Neurostimulation). Bei der Transkraniellen Magnetstimulation erfolgt die Stimulation durch die Schädeldecke und erreicht so die übererregten Hirnstrukturen. Bei diesem Verfahren werden Elektroden in bestimmte Strukturen meist auf beiden Seiten des Gehirns implantiert. Die Tiefe Hirnstimulation ist bei Menschen mit Bewegungsstörungen etabliert und zur Therapie des M. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass die Tiefe Hirnstimulation zu einer Reduzierung der Anfallshäufigkeit führt, wenn eine bestimmte Hirnregion - der anteriore Thalamus - stimuliert wird; besonders profitiert haben Menschen mit komplex-fokalen (bzw. automotorischen) Anfällen und Menschen mit Temporallappenepilepsien.
Medikamentenstudien
Etwa 20-30% der Epilepsiepatienten sind trotz der vielen verfügbaren Medikamente nicht ausreichend behandelbar und viele Patienten sind zwar anfallsfrei, leiden jedoch unter Nebenwirkungen, wie z.B. chronischer Müdigkeit. Deshalb ist es wichtig, neue Medikamente zu finden, die noch effektiver in der Behandlung sind, unsere Therapiemöglichkeiten erweitern und mit weniger bzw. idealerweise gar keinen Nebenwirkungen einhergehen. In den vergangenen 10-15 Jahren haben sich die Behandlungsbedingungen durch Einführung neuer Antiepileptika bereits wesentlich verbessert, die v.a. weniger Nebenwirkungen hervorrufen als ältere Medikamente. Es besteht dennoch ein großer Bedarf, weitere neue Medikamente gegen Epilepsie einzuführen.
Für viele unserer Patienten ist es eine Chance, einen Behandlungsversuch mit einem neuen, d.h. in der klinischen Prüfung befindlichen Medikament durchzuführen, falls Anfallsfreiheit mit den zugelassenen Medikamenten bislang nicht erreicht werden konnte. Nach den internationalen Richtlinien werden solche Medikamentenstudien unter sorgfältiger Überwachung nach strengen Grundsätzen durchgeführt. Die Studien sind deshalb mit einigem Aufwand für die teilnehmenden Patienten verbunden. Dies ist jedoch sinnvoll und notwendig, da seltenere Nebenwirkungen von Medikamenten, mit denen erst einige Hundert Patienten behandelt wurden, nur zum Teil bekannt sind und kein Patient durch ein neues Medikament gefährdet werden soll. Die Studien werden durch die Zulassungsbehörden für neue Arzneimittel und durch Ethikkommissionen überwacht, um diese Risiken so klein wie möglich zu halten. Unser Zentrum nimmt regelmäßig an solchen Studien teil.
Verlauf und Prognose
Die Prognose von Epilepsie variiert stark und hängt von der Art der Anfälle und der Reaktion auf die Behandlung ab. Der Verlauf von Epilepsie ist individuell unterschiedlich. Einige Epileptikerinnen und Epileptiker reagieren gut auf Medikamente und bleiben über lange Zeiträume anfallsfrei. Bei anderen sind die Anfälle resistent gegenüber Medikamenten, was zu einer chronischen Erkrankung führen kann.
Im Grunde ist es so, dass die Langzeitprognose einer Epilepsie umso besser ist, je weniger in der diagnostischen Abklärung gefunden wird. Bei manchen Epilepsien ist es sogar so, dass von Beginn an von einer guten Langzeit-Prognose ausgegangen werden kann (z. B.
Folgen von Epilepsie
Unbehandelt kann Epilepsie zu schweren gesundheitlichen und sozialen Folgen führen, darunter Verletzungsrisiken während eines Anfalls und Beeinträchtigungen der geistigen Entwicklung bei Kindern.
Epilepsie kann verschiedene Folgen haben:
- Physische Folgen: Verletzungen durch Stürze oder Unfälle während eines Anfalls, einschließlich Knochenbrüche und Kopfverletzungen.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Langfristige Anfälle können die geistige Entwicklung und kognitive Funktionen beeinträchtigen, insbesondere bei Kindern.
- Psychosoziale Auswirkungen: Stigmatisierung, Angststörungen und Depression sind häufige Begleiterscheinungen, welche die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken können.
- Einschränkungen im Alltagsleben: Schwierigkeiten bei der Berufsausübung, im sozialen Umfeld und bei alltäglichen Aktivitäten können auftreten. Auch rechtliche Einschränkungen wie Fahrverbote können eine Rolle spielen.
- Erhöhtes Risiko für plötzlichen unerwarteten Tod bei Epilepsie: In seltenen Fällen kann es zu einem plötzlichen unerwarteten Tod kommen, dessen Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind.
Leben mit Epilepsie
Menschen mit Epilepsie können ein erfülltes Leben führen, wenn sie die richtige Behandlung erhalten und die notwendigen Vorkehrungen treffen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, einen gesunden Lebensstil zu pflegen und Stress zu vermeiden.