Anatomie und Funktion des Gehirnbereichs rechts hinter dem Ohr

Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, das eine Vielzahl von Funktionen steuert, von der Verarbeitung von Sinneseindrücken bis hin zu komplexen Denkprozessen. Um die Funktionen des Gehirns zu verstehen, ist es wichtig, seine anatomische Struktur zu kennen. Dieser Artikel befasst sich mit der Anatomie des Gehirnbereichs rechts hinter dem Ohr und seiner Funktion.

Anatomie des Ohrs und seine Verbindung zum Gehirn

Um den Bereich des Gehirns hinter dem Ohr zu verstehen, ist es wichtig, zunächst die Anatomie des Ohrs zu betrachten. Das Ohr besteht aus drei Teilen: dem Außenohr, dem Mittelohr und dem Innenohr.

  • Außenohr: Das Außenohr besteht aus der Ohrmuschel (Aurikula) und dem äußeren Gehörgang. Die Ohrmuschel ist individuell geformt und hilft, Schallwellen zu sammeln und in den Gehörgang zu leiten. Der Gehörgang ist etwa 2-2,5 cm lang und mit Haut ausgekleidet, die Ohrenschmalz (Zerumen) produziert.
  • Mittelohr: Das Mittelohr ist ein luftgefüllter Hohlraum, der durch das Trommelfell vom Außenohr getrennt ist. Im Mittelohr befinden sich die drei Gehörknöchelchen: Hammer, Amboss und Steigbügel. Diese Knöchelchen übertragen die Schwingungen des Trommelfells an das Innenohr. Die Paukenhöhle ist über die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) direkt mit dem Rachen verbunden. Die Ohrtrompete öffnet sich beim Schlucken und Gähnen und sorgt für die Belüftung des Mittelohrs und den Druckausgleich.
  • Innenohr: Das Innenohr liegt in einem Hohlraumsystem im Felsenbein. Es besteht aus dem Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan) und der Hörschnecke (Cochlea). Die Cochlea ist eine spiralförmige Struktur, die mit Flüssigkeit gefüllt ist und die Haarsinneszellen enthält. Diese Zellen wandeln die mechanischen Schwingungen in elektrische Signale um, die über den Hörnerv an das Gehirn weitergeleitet werden.

Gehirnbereiche hinter dem Ohr

Der Bereich des Gehirns, der sich direkt hinter dem Ohr befindet, umfasst hauptsächlich den Schläfenlappen (Lobus temporalis). Der Schläfenlappen ist einer der vier Hauptlappen des Großhirns und spielt eine wichtige Rolle bei verschiedenen Funktionen, darunter:

Schläfenlappen (Lobus temporalis)

Der Schläfenlappen, der Lobus temporalis, ist nach dem Frontallappen der zweitgrößte der vier Lobi des Großhirns und ein anatomisch wie funktional abwechslungsreicher Hirnteil. Die beiden Temporallappen umrahmen den Hirnstamm. Sie bestehen aus iso- und allocorticalen Regionen und enthalten zudem die nicht-corticalen Kerngebiete der Amygdala. Die Anatomie meint mit „Schläfe“ die Region knapp vor und direkt über den Ohren. Darunter liegt der größte Teil des Temporalappens. Der Schläfenlappen geht zum Hinterhaupt und zum Scheitel hin ohne scharfe Grenze in Parietal- und Okzipitallappen über. Vom Frontallappen ist er durch eine tiefe Furche, die Fissura lateralis, getrennt. In deren Tiefe liegt die Insula. Beim Blick von unten auf das Gehirn sieht man, dass die beiden Schläfenlappen den Hirnstamm „umrahmen“. Ihr vorderer, stumpfer Pol liegt tatsächlich am Hinterrand der umgangssprachlichen Schläfe. Unter dem Mikroskop zeigen sich neben Zentren mit dem typischen Sechsschichten-Aufbau des Neocortex auch zahlreiche allocorticale Zentren - also „andersgeschichtete“, nicht-sechsschichtige Cortices. Zudem ist der Schläfenlappen die Heimstatt der Amygdala, die aus schichtartigen - mithin also corticalen - und ungeschichteten Ansammlungen von Nervenzellen besteht.

  • Hören: Das primäre Hörzentrum, die Heschl’schen Querwindungen, sind in der tiefen Fissura lateralis verborgen. In diesen Windungen endet die Hörbahn, die Signale von den Sinneszellen in der Schnecke des Ohres überträgt. Wesentlich größer sind die nachgeschalteten sekundären und tertiären auditorischen Zentren. Sie liegen in der oberen und mittleren Windung des Temporallappens und nehmen fast die gesamte corticale Fläche des Temporallappens in Beschlag, die man in der Seitenansicht sehen kann.
  • Sprache: Dort, wo die obere und die mittlere temporale Windung nach hinten hin in die Cortices des Okzipitallappens übergehen - der überwiegend im Dienste des visuellen Systems steht -, „überschneiden“ sich auditorische und visuelle Funktionen. Dort finden sich lexikalische Zentren, die mit der Erkennung geschriebener und gesprochener Worte zu tun haben. Besonders bekannt ist das sensorische Wernicke-Sprachzentrum, das in der dominanten - meist linken - Hemisphäre lokalisiert ist. Das Wernicke-Areal ist vor allem für das Verstehen von Sprache entscheidend. Das Wernicke- und das Broca-Areal bilden das Sprachzentrum im Gehirn.
  • Riechen: Auf der Innenfläche des Schläfenlappens, knapp hinter seinem stumpfen Vorderpol, befindet sich eine kleine, nach innen gerichtete Vorwölbung, der Uncus. An seiner dreischichtigen, allocorticalen Oberfläche endet die Riechbahn. Gleich unter diesen Riechrinden, ja sogar einen Teil der Riechrinden bildend, liegt die Amygdala, der Mandelkern.
  • Emotionen: Die Amygdala gehört funktional zum limbischen System und ist für die affektive Einfärbung unseres Erlebens zuständig.
  • Gedächtnis: Auch für das Gedächtnis spielt der Temporallappen eine wichtige Rolle. Und erneut sind es allocorticale, also nicht typisch sechsschichtige Rindenfelder, die diesen Funktionen dienen - und auch sie rechnet man zum limbischen System. Die am weitesten innen gelegene, breite Windung des Temporallappens, die man in der Untersicht sehen kann, ist der Gyrus parahippocampalis In ihm liegt der entorhinale Cortex, der eine Art Schnittstelle zwischen eben jetzt gerade Erlebtem und dem System der Erinnerung darstellt. Gleich daneben und etwas darüber liegt die Hippocampusformation. Im Zusammenspiel sind diese beiden - Hippocampusformation und entorhinaler Cortex - sowohl für das „Einlesen“ von neuen Gedächtnisinhalten als auch für den Abruf bereits vorhandener Erinnerungen zuständig. Wichtige Schnittstellen zwischen visuellem System und Gedächtnis bilden hier die Isocortices auf der hinteren Unterfläche des Temporallappens. So hat man im spindelförmigen Gyrus fusiformis Zentren gefunden, die mit der (Wieder-)Erkennung von Gesichtern zu tun haben.

Großhirn (Cerebrum, Endhirn oder Telencephalon)

Das Großhirn (Cerebrum, Endhirn oder Telencephalon) bildet den größten Teil des Gehirns. Seine Aufteilung in zwei Hemisphären spiegelt sich auf funktionaler Ebene wider - jede Seite hat spezielle Aufgaben. Auch in der Einteilung des Großhirns in verschiedene Gehirnlappen lassen sich unterschiedliche Funktionen ablesen. Das Großhirn ist die oberste Instanz des Zentralen Nervensystems. Es verbindet als Kommunikationszentrale alle unsere Organe, Organsysteme und Gewebe miteinander und stimmt sie aufeinander ab. So werden Reize sowohl aus der Umwelt als auch aus dem Inneren unseres Organismus über Rezeptoren aufgenommen, über aufsteigende Nervenbahnen an das Gehirn weitergeleitet und dann im Großhirn und der Großhirnrinde beurteilt und verarbeitet. Je nach Art der Reize erfolgt dann eine Antwort in Form von Reizen, die über absteigende Nervenbahnen an die Peripherie, innere Organe und Organsysteme gegeben werden. Allerdings gelangen nicht alle Reize bis in die Großhirnrinde. Manche Informationen werden ganz rasch und ohne, dass sie ins Bewusstsein gelangen, in „niederen“ Hirnregionen verarbeitet. So erfolgt etwa die zentrale Atemregulation in der Medulla oblongata (verlängertes Rückenmark oder Nachhirn). Jede Großhirn-Hälfte ist auf bestimmte Aufgaben spezialisiert: in den linken Arealen des Cerebrums sitzen in der Regel Sprache und Logik, in den rechten Großhirn-Arealen die Kreativität und der Orientierungssinn.

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Die Großhirnrinde weist verschiedene motorische und somatosensible Areale auf, die bestimmten Körperabschnitten zugeordnet sind. Dabei sind benachbarte Körperteile auf benachbarten Gehirnarealen „abgebildet“. So ergibt sich das Modell eines kleinen, größenmäßig verzerrten Menschens, Homunculus genannt.

Der Neocortex beherbergt unter anderem die Lern-, Sprech- und Denkfähigkeit sowie das Bewusstsein und das Gedächtnis. Im Stirnhirn (Frontallappen oder Frontalhirn) liegen die Zentren für Willkürbewegungen und für die Kontrolle und Koordination vegetativer, affektiver und geistiger Funktionen. Im motorischen Sprachzentrum (Broca-Areal) werden die Muskeln, die für das Sprechen von Bedeutung sind, repräsentiert - bei Rechtshändern in der linken, bei Linkshändern in der rechten Gehirnhälfte. Im Stirnhirn liegt auch das Zentrum für die Bewegungen der Augenmuskeln. Im Scheitellappen oder Parietallappen des Großhirns befindet sich die Körperfühlsphäre, repräsentiert durch sensible Bahnen, die von der Haut und den Muskeln kommen und über den Thalamus in die primären sensiblen Rindenfelder des Scheitellappens ziehen. In sekundären sensiblen Rindenfeldern werden Erinnerungen an Empfindungen, die in den primären Rindenfeldern entstanden sind, gespeichert. Im Okzipitallappen befindet sich die Sehrinde, die in ein primäres und ein sekundäres Sehzentrum eingeteilt wird. Optische Signale gelangen über die Sehbahn hierher, werden verarbeitet und interpretiert. Im sekundären Sehzentrum werden optische Erinnerungsbilder gespeichert.

Das Großhirn liegt unter dem Schädeldach. Der Frontallappen liegt in der vorderen Schädelgrube, der Temporallappen in der mittleren Schädelgrube.

Mögliche Probleme und Erkrankungen

Erkrankungen und Verletzungen im Großhirn können diverse Folgen haben, je nachdem, wo im Cerebrum und wie ausgeprägt die Schädigung ist.

Eine Reizung der motorischen Zentren im Stirnhirn ruft Krämpfe hervor (Rindenepilepsie), eine Zerstörung dieser Zentren führt zunächst zu einer Lähmung der Muskeln der anderen Körperseite (Hemiplegie). Im späteren Verlauf können benachbarte Großhirn-Felder und/oder jene der Gegenseite die Funktion übernehmen. Werden sekundäre motorische Rindenfelder im Stirnhirn zerstört, verschwindet die Fähigkeit, im Laufe des Lebens erworbene, zweckgerichtete Bewegungen auszuführen. Obwohl die primären Zentren intakt sind und keine Muskellähmungen vorliegen, können Betroffene nicht sprechen (motorische Aphasie - Broca-Aphasie) und nicht schreiben (Agraphie). Bei einer Schädigung des Broca-Areals kann der Patient zwar meist noch Sprache verstehen, hat aber Schwierigkeiten, selbst Wörter und Sätze zu bilden. In leichteren Fällen können Betroffene noch in einem stakkatoartigen Telegrammstil kommunizieren.

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Werden die primären sensiblen Rindenfelder des Parietallappens geschädigt, resultiert eine Anästhesie, eine Unempfindlichkeit. Verletzungen der sekundären sensiblen Rindenfelder bedingen Agnosien - die Unfähigkeit, Gegenstände durch Betasten zu erkennen. Störungen auf der linken Seite, in der sich das Lesezentrum mit einer Erinnerung an die Bedeutung von Schriftzeichen befindet, führen zur Unfähigkeit, zu lesen (Alexie).

Wird das Hörzentrum im Schläfenlappen (Temporallappen) geschädigt, entsteht die sogenannte Rindentaubheit. Dabei reicht bereits eine einseitige, totale Störung aus, um Taubheit auf beiden Ohren hervorzurufen. Denn um hören zu können, müssen die Hörbahnen beider Ohren zur Hörrinde in den zwei Hemisphären des Großhirns intakt sein. Verletzungen oder Hirnblutungen in dieser Region bewirken, dass der Patient Sprache kaum noch entschlüsseln kann. Er redet wie ein Wasserfall, seine Wörterflut ist aber verworren und unverständlich. Eine Störung des sekundären Hörzentrums im Schläfenlappen des Großhirns führt dazu, dass frühere Eindrücke nicht mehr erinnert werden und so Worte, Geräusche, Musik nicht mehr verstanden werden (die sogenannte Seelentaubheit).

Eine Zerstörung bestimmter Bezirke der Großhirnrinde im Bereich des Sehzentrums (Gehirn) durch einen Tumor oder Schlaganfall führt zu Gesichtsfeldausfällen. Bei einer kompletten Zerstörung der Sehrinde beider Seiten im Großhirn resultiert eine sogenannte Rindenblindheit - Betroffene sind blind, obwohl ihre Netzhaut und die Sehbahn intakt sind. Sie können allenfalls noch Hell und Dunkel voneinander unterscheiden und Bewegungsreize erkennen. Wenn das sekundäre Sehzentrum (Gehirn) im Okzipitallappen im Großhirn zerstört ist, resultiert eine Seelenblindheit. Betroffene können Gegenstände nicht wieder erkennen, weil die Erinnerung erloschen und der Vergleich mit früheren optischen Eindrücken nicht mehr möglich ist.

Die Hirnnerven

Die Hirnnerven - zwölf an der Zahl - haben verschiedene Qualitäten.

  • Nervus olfactorius (Riechnerv): sensorisch
  • Nervus opticus (Sehnerv): sensorisch
  • Nervus oculomotorius (Augenmuskelnerv): parasympathisch-motorisch
  • Nervus trochlearis (Augenmuskelnerv): motorisch
  • Nervus trigeminus (Drillingsnerv, Trigeminus): sensibel-motorisch
  • Nervus abducens (Augenmuskelnerv): motorisch
  • Nervus facialis (Gesichtsnerv, Fazialis): sensorisch-parasympathisch-motorisch
  • Nervus vestibulocochlearis (Hör- und Gleichgewichtsnerv): sensorisch
  • Nervus glossopharyngeus (Zungen-Rachen-Nerv): sensorisch-parasympathisch-motorisch
  • Nervus vagus („umherschweifender“ Nerv, Vagus): sensorisch-parasympathisch-motorisch
  • Nervus accessorius (Hals- oder Beinerv): motorisch
  • Nervus hypoglossus (Zungennerv): motorisch

Die Hirnnerven 1, 2 und 8 sind rein sensorische Nerven, leiten also Reize von Sinnesorganen:

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  • Der 1. Hirnnerv, Nervus olfactorius (Riechnerv), leitet die von den Sinneszellen der Riechschleimhaut in der Nase aufgenommenen Impulse zum Bulbus olfactorius - dem Riechkolben unterhalb des Frontalhirns. Hier werden die Geruchsinformationen verarbeitet, bewertet und an das Limbische System und den Neocortex (Teil der Großhirnrinde) weitergeleitet.
  • Das 2. Hirnnerven-Paar, Nervus opticus (Sehnerv), leitet die Signale der Netzhaut weiter zum Gehirn: Bilder, die auf der Netzhaut des Auges entstehen, werden von der Sehbahn weitergeleitet. Hinter der Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) wird die rechte Gesichtshälfte beider Augen in der linken Gehirnhälfte abgebildet und die linke spiegelbildlich in der rechten Gehirnhälfte. Aufgrund der Bildumkehr bei der optischen Abbildung werden durch die nasalen (in Richtung Nase gelegenen) Fasern der Netzhaut die äußeren Bereiche des Gesichtsfelds dargestellt und durch die temporalen (in Richtung Schläfe gelegenen) Fasern die inneren.
  • Das 8. Hirnnerven-Paar, Nervus vestibulocochlearis, ist ein zweiteiliger Nerv: Der sensible Gleichgewichtsnerv, Nervus vestibularis, leitet Sinneserregungen vom Vorhof im Felsenbein zum Gehirn. Der Hörnerv, der Nervus cochlearis, leitet die Erregungen von der Hörschnecke im Innenohr zum Gehirn.

Die Hirnnerven 3, 4 und 6 werden als Augenmuskelnerven bezeichnet:

  • Das 3. Hirnnerven-Paar, Nervus oculomotorius, versorgt mit seinem oberen Ast den Muskel, der das Oberlid hebt und den Muskel, der den Augapfel nach oben wendet und ihn dabei leicht nach innen zieht. Mit seinem unteren Ast versorgt der Nervus oculomotorius den Muskel, der an der inneren Seite des Auges ansetzt und für die Einwärtsbewegung des Augapfels notwendig ist. Weitere Augenmuskeln, die vom Nervus oculomotorius versorgt werden, sind zuständig für das Senken des Augapfels und den Zug nach innen und für die Drehung des Augapfels nach außen und oben, womit der Blick nach oben gerichtet werden kann. Die parasympathischen Fasern des Nervus oculomotorius verlaufen durch die Radix oculomotoria zum Ganglion ciliare, wo sie umgeschaltet werden und dann weiter zum Corpus ciliare, wo sie den Muskel versorgen, der für die Akkommodation (Anpassung des Auges an Nah- oder Fernsicht) verantwortlich ist und den, der die Pupille verengt.
  • Das 4. Hirnnerven-Paar, Nervus trochlearis, versorgt den Augenmuskel, mit dem die Drehung des Augapfels nach unten innen möglich wird und der Blick nach unten gesenkt werden kann.
  • Das 6. Hirnnerven-Paar, Nervus abducens, versorgt den äußeren geraden Augenmuskel, der den Augapfel von der Mittellinie wegführt.

Der Nervus trigeminus (5. Hirnnerv) versorgt als sensibler Nerv mit seinen drei Ästen und den von diesen abgehenden zahlreichen Nebenästen das Gesicht, die Schleimhaut von Mund und Nase, die Zähne und die Dura mater. Mit seinem kleineren motorischen Bereich versorgt er die Kaumuskulatur und den Mundöffner.

Der komplexe Nervus facialis (7. Hirnnerv) besteht aus drei Hauptkomponenten: Sensorische Fasern leiten Geschmacksempfindungen von den vorderen zwei Dritteln der Zunge zum Gehirn. Parasympathische Fasern führen zu den Unterzungen- und Unterkieferspeicheldrüsen sowie den Tränendrüsen. Willkürliche motorische Fasern versorgen alle Muskeln des Gesichts.

Auch das 9. Hirnnerv) Der Nervus vagus versorgt mit seinen motorischen Anteilen das Gaumensegel, die Atemwege sowie die oberen Speisewege. Mit seinen sensiblen Anteilen versorgt er den äußeren Gehörgang, den Kehlkopf, die Luftröhre, den unteren Rachen, die Speiseröhre, die Lunge, den Magen, das Herz, die Leber, die Niere, die Milz und viele Gefäße. Der Dickdarm wird nur zum Teil vom Nervus vagus versorgt.

Der Nervus accessorius (11. Hirnnerv) versorgt rein motorisch den Kopfnicker-Muskel (Musculus sternocleidomastoideus) und den Trapezmuskel (M. trapezius). Ersterer sitzt seitlich am Hals und setzt am Schlüsselbein an. Der Trapezmuskel liegt zwischen Schulter und Wirbelsäule.

Der Nervus hypoglossus (12. Hirnnerv) versorgt die gesamte Zungenmuskulatur.

Die Durchnummerierung der 12 Hirnnerven-Paare entspricht ihrer Anordnung am Gehirn von kranial (schädelwärts) zu kaudal (schwanzwärts, also zu den Füßen hin).

  • Der Nervus olfactorius beginnt mit den Riechzellen in der Riechschleimhaut der Nasenhöhle, zieht durch die Löcher der Siebbeinplatte (Lamina cribrosa) in die Schädelhöhle und dann zum Bulbus olfactorius, wo sich die Axone verteilen. Vom Bulbus olfactorius ziehen die Axone dann zum Riechhirn, einem entwicklungsgeschichtlich sehr alten Teil der Hirnrinde.
  • Die Nervenfasern des Sehnervs kommen aus der Netzhaut des Auges und ziehen durch die Augenhöhle zum Sehnervkanal (Canalis opticus). Dort vereinigen sie sich mit den entsprechenden Nervenfasern der Gegenseite zur Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) und führen dann weiter in den Tractus opticus.
  • Der Nervus oculomotorius hat seine Wurzelzellen im Mittelhirn nahe der Mittellinie. Vor der Brücke tritt er aus einer Grube zum Türkensattel, an dem er seitlich durch die Wand des Sinus cavernosus (ein erweiterter Venenraum in der harten Hirnhaut), in dem die Venen der Augenhöhle liegen, tritt. Durch die obere Augenhöhlenspalte (Fissura orbitalis superior) gelangt er schließlich aus der Schädel- in die Augenhöhle.
  • Der Nervus trochlearis ist ein sehr dünner Nerv, dessen Ursprungskerne im Mittelhirn vor dem Aquaeduct (Hirnwasserkanal) liegen. Er zieht zur Brücke und durch den Sinus cavernosus. Letztlich gelangt er durch die obere Augenhöhlenspalte zu dem Muskel, den er versorgt.
  • Das 5. Hirnnerven-Paar, Nervus trigeminus, beginnt mit seinen sensiblen Wurzelzellen in der mittleren Schädelgrube, seitlich von der Brücke. Nahe der Felsenbeinpyramide geht der Nerv durch die Dura mater, wo er das Ganglion trigeminale bildet. Hier beginnt fächerförmig die Dreiteilung des Nervus trigeminus: Der erste Teil, der sensible Nervus ophthalmicus, tritt in die Augenhöhle ein. Der zweite Teil, der ebenfalls sensible Nervus maxillaris, tritt durch das Foramen rotundum des großen Keilbeinflügels in die Flügelgaumengrube zwischen dem Keilbein und dem Gaumenbein ein. Der dritte Teil, der teils motorische, teils sensorische Nervus mandibularis, tritt durch das Foramen ovale in die Unterschläfengrube ein.
  • Der Ursprung des Nervus abducens liegt im sogenannten Fazialishügel der Rautengrube. Er tritt zwischen Medulla oblongata und der Brücke aus dem Gehirn aus, durchbricht die Dura mater und zieht dann in die Augenhöhle.
  • Der Nervus facialis tritt am Kleinhirnbrückenwinkel aus dem Gehirn aus. Zwischen ihm und dem Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv) verläuft der Nervus intermedius, der sich im Felsenbein mit dem Nervus facialis vereint. Der Nervus facialis, der Nervus intermedius und der Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv), die zusammen als Facialisgruppe bezeichnet werden, treten gemeinsam durch den inneren Gehörgang in das Felsenbein ein. Im inneren Gehörgang treten Nervus facialis und Nervus intermedius zusammen in den Fazialiskanal des Felsenbeins ein und gelangen nach vielen Windungen an das Foramen stylomastoideum. Hier bildet der Nerv ein Ganglion, an dem der Nervus intermedius den Nervus facialis verlässt und weiterzieht als Nervus petrosus major. Dieser Nerv teilt sich innerhalb des Schläfenbeins in drei weitere Äste auf und außerhalb des Schädels wiederum in drei Äste mit zahlreichen Nebenästen.
  • Der Nervus vestibulocochlearis tritt zusammen mit dem Nervus facialis aus dem Kleinhirnbrückenwinkel aus und verläuft gemeinsam mit diesem durch den inneren Gehörgang. Der Pars vestibularis führt zu den Sinneszellen der Bogengänge und der Pars cochlearis zu den Sinneszellen des Corti-Organs im Innenohr.
  • Der Nervus glossopharyngeus verlässt das Gehirn hinter der Oliva (eine seitlich von der Medulla oblongata liegende Vorwölbung des verlängerten Rückenmarks im Rautenhirn). Von dort zieht er durch das Foramen jugulare (eine Öffnung an der Schädelbasis zwischen Hinterhaupts- und Felsenbein) zur äußeren Schädelbasis.
  • Der Nervus vagus tritt aus der Medulla oblongata aus und zieht zwischen zwei Gefäßen, der Vena jugularis und der Arteria carotis interna, nach unten in die Brusthöhle. Der rechte Nervus vagus verläuft dann weiter vor der Schlüsselbeinarterie zur rechten Seite der Luftröhre, wobei er einen Ast (Nervus laryngeus recurrens) abgibt, der sich um die Arterie windet. Von der Luftröhre zieht der Nervus vagus weiter hinter den rechten Bronchus bis zur Rückseite der Speiseröhre und zur Rückseite des Magens. Der linke Nervus vagus zieht zwischen der Arteria carotis communis und der Schlüsselbeinarterie zum Aortenbogen, gibt dann nach hinten und oben einen Ast (Nervus laryngeus recurrens) ab und gelangt hinter dem Lungenhilus zur vorderen Fläche der Speiseröhre und des Magens. Im weiteren Verlauf gibt er noch im Kopfteil einen Ast ab, der zur Dura mater zieht. Ein weiterer Ast zieht zur Ohrmuschel, zum Trommelfell und zum äußeren Gehörgang.
  • Der Nervus accessorius entspringt aus dem Halsmark mit sechs bis sieben Spinalwurzeln (Radices spinales), die sich im Wirbelkanal vereinigen. Durch das große Hinterhauptsloch tritt er in den Schädel ein und vereint sich mit Ästen des Nervus vagus, mit dem zusammen er durch das Drosselloch in der hinteren Schädelgrube wieder austritt. Danach teilt er sich in zwei Äste, die den Kopfnicker- und den Trapezmuskel versorgen.
  • Die motorischen Fasern des Nervus hypoglossus beginnen mit zehn bis 15 Wurzelfäden in der Medulla oblongata. Diese werden dann zu zwei Bündeln gesammelt, die durch die Dura mater gehen und im sogenannten Canalis hypoglossi aus dem Schädel austreten.

Verletzungen oder Erkrankungen der verschiedenen Hirnnerven und ihrer Äste können unterschiedlichste Folgen haben - je nachdem, welche Aufgabe die betreffenden Nervenfasern erfüllen. Einige Beispiele: Schädigungen des 1. Hirnnerven-Paares, Nervus olfactorius, führen zu Ausfällen beim Geschmacksempfinden. Bei Entzündungen des Nervus opticus verschlechtert sich die Sehkraft, wodurch Kleingedrucktes nicht mehr gelesen werden kann. Eine Optikusatrophie ist eine Degeneration der Fasern des Sehnervs durch Druck, den zum Beispiel ein Tumor verursachen kann oder a…

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