Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die Schmerzen sind häufig pulsierend, einseitig und werden von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Die Dunkelziffer der Betroffenen ist hoch, da schätzungsweise die Hälfte der Menschen mit Migräne sich nicht in ärztlicher Behandlung befindet. Dieser Artikel soll einen umfassenden Überblick über Migräne, ihre Behandlungsmöglichkeiten und die Rolle von Spezialisten geben.
Was ist Migräne?
Migräne zählt zusammen mit Spannungskopfschmerz und Clusterkopfschmerz zu den primären Kopfschmerzen, die nicht auf andere Erkrankungen zurückzuführen sind. Eine sorgfältige Diagnose durch einen Arzt ist wichtig, um andere Ursachen auszuschließen.
Weltweit sind 10-15% der Erwachsenen von Migräne betroffen, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. In Deutschland leiden schätzungsweise 3,7 Millionen Frauen und 2,0 Millionen Männer an Migräne.
Migräne Aura
Ein besonderes Merkmal der Migräne ist die Migräne Aura, die bei etwa 20-30% der Patienten auftritt. Sie äußert sich durch Sinneswahrnehmungen wie Sehstörungen (Lichtblitze, blinde Flecken, Tunnelblick), die dem Migräneanfall vorausgehen und 4-20 Minuten dauern können.
Ursachen von Migräne
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wurden bereits 44 Gene identifiziert, die das Migränerisiko erhöhen. Diese Gene beeinflussen den Aufbau von Gefäß- und Muskelgewebe, was auf eine Störung der Blutgefäßregulation im Gehirn hindeutet. Entzündungsstoffe wie CGRP oder Substanz P spielen ebenfalls eine Rolle.
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Hormonschwankungen, Stress, veränderte Schlafgewohnheiten und bestimmte Nahrungsmittel können Migräneattacken auslösen.
Stadien einer Migräne
Eine Migräneattacke kann in vier Stadien unterteilt werden:
- Prodromi: 24-48 Stunden vor dem Anfall treten Vorzeichen wie Müdigkeit, Nackensteifigkeit, Gähnen, vermehrter Harndrang, gesteigertes Durst- und Hungergefühl sowie Gefühlsschwankungen auf.
- Aura: Bei manchen Patienten treten neurologische Symptome wie Sehstörungen auf, die 4-20 Minuten dauern.
- Kopfschmerz: Der eigentliche Kopfschmerz dauert 4-72 Stunden und ist oft einseitig, pulsierend und wird von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet.
- Erholung: Nach dem Kopfschmerz dauert es bis zu 24 Stunden, bis sich die Beschwerden vollständig zurückbilden.
Migräne Behandlung
Die Migränebehandlung basiert auf zwei Säulen: Schmerzmedikation und Prophylaxe.
Schmerzmedikation
Das Ziel der Schmerzmedikation ist die Linderung der Kopfschmerzen und der begleitenden Übelkeit während einer Attacke. Die Wahl der Medikamente hängt von der Schwere der Migräne ab. Ein Schmerzkalender kann helfen, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken zu dokumentieren.
- Leichte Migräne: Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Naratriptan oder Paracetamol können helfen.
- Mittelschwere Migräne: Triptane wie Sumatriptan, Zolmitriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Almotriptan, Eletriptan oder Frovatriptan werden eingesetzt.
- Schwere Migräne (Status migraenosus): Paracetamol, Sumatriptan, Metamizol oder Prednisolon können intravenös verabreicht werden.
- Übelkeit und Erbrechen: Antiemetika wie Metoclopramid oder Domperidon können helfen.
Migräneprophylaxe
Die Migräneprophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken zu reduzieren. Dazu gehören verhaltenspsychologische Maßnahmen und Medikamente.
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Verhaltenspsychologische Maßnahmen
- Identifikation und Vermeidung von Auslösern: Ein Schmerzkalender kann helfen, Auslöser wie Stress, Schlafmangel, bestimmte Nahrungsmittel oder Wetterveränderungen zu identifizieren.
- Regelmäßiger Tagesablauf: Regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Schlaf und Stressbewältigung können helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
- Entspannungstechniken: Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen.
- Sport und Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
Medikamentöse Prophylaxe
Eine medikamentöse Prophylaxe kann sinnvoll sein, wenn:
- Drei oder mehr Attacken pro Monat auftreten
- Kopfschmerzphasen länger als 72 Stunden dauern
- Schmerzmedikamente nicht ausreichend wirken
- Ein Risiko für einen Medikamentenübergebrauch besteht
Folgende Medikamente sind in ihrer prophylaktischen Wirkung wissenschaftlich erwiesen:
- Betablocker: Bisoprolol, Metoprolol oder Propranolol
- Kalziumantagonisten: Flunarizin
Welche Ärzte sind Migräne-Spezialisten?
Bei Migräne sollten Betroffene zunächst ihren Hausarzt aufsuchen. Dieser kann andere Ursachen für die Kopfschmerzen ausschließen, den Kopfschmerzkalender auswerten und Therapieempfehlungen geben. Bei Bedarf kann der Hausarzt an einen Facharzt für Neurologie oder Schmerztherapie überweisen.
- Neurologen: Fachärzte für Erkrankungen des Nervensystems, die sich mit der Diagnostik und Therapie von Kopfschmerzerkrankungen auskennen.
- Schmerztherapeuten: Ärzte mit einer Zusatzqualifikation in spezieller Schmerztherapie, die sich auf die Behandlung chronischer Schmerzerkrankungen spezialisiert haben.
- Kopfschmerzzentren: Spezialisierte Einrichtungen, die eine umfassende Diagnostik und Therapie von Kopfschmerzerkrankungen anbieten.
- Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG): Die DMKG bietet eine Liste von Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten und Kliniken mit spezialisierten Sprechstunden und stationären Angeboten. Die Liste enthält Mitglieder, die der DMKG erlaubt haben, ihre Adressen weiterzugeben und das „Zertifikat Kopf- und Gesichtsschmerzen“ der DMKG erworben haben.
Wie findet man den richtigen Spezialisten?
Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) unterstützt Betroffene bei der Suche nach einer geeigneten Behandlung. Die DMKG führt eine Liste von Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten und Kliniken mit spezialisierten Sprechstunden und stationären Angeboten. Diese Experten haben Fortbildungspunkte erworben, in einem Kopfschmerzzentrum hospitiert und ihre Kenntnisse in Arztbriefen und einem Fachgespräch überprüfen lassen.
Was sollte man zum ersten Termin mitbringen?
Wenn Sie sich zum ersten Mal bei einem Spezialisten vorstellen, sollten Sie folgende Unterlagen mitbringen:
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- Alle medizinischen Berichte, Arztbriefe und Befunde (z. B. MRT des Kopfes)
- Einen ausgefüllten Kopfschmerzfragebogen
- Einen Schmerzkalender
Spezialisierte Einrichtungen und Angebote
- Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel: Bietet spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura, Migräne-Komplikationen und anderen Kopfschmerzen.
- Interdisziplinäres Universitätsschmerzzentrum Universitätsklinikum Carl Gustav Carus (Dresden): Bietet umfassende Diagnostik und Therapie von Schmerzerkrankungen.
- Klinikum St. Georg (Leipzig), Klinik für Neurologie: Bietet spezialisierte Behandlung von neurologischen Erkrankungen, einschließlich Kopfschmerzen.
- Universitätsklinikum Halle (Saale), Klinik u. Poliklinik für Neurologie: Bietet spezialisierte Behandlung von neurologischen Erkrankungen, einschließlich Kopfschmerzen.
- Kopfschmerzambulanz von Dr. Dr. Borries Kukowski: Bietet umfassende Beratung und moderne Therapieverfahren für Migräne und andere Kopfschmerzerkrankungen.
- Neurologische Hochschulambulanz (Universität Erlangen): Bietet differentialdiagnostische Abklärung von Kopfschmerzen, Gesichtsschmerzen und neuropathischen Schmerzerkrankungen.
Videosprechstunde als Alternative
Eine gute Alternative zur Sprechstunde in der Praxis bietet die Videosprechstunde. Dabei buchen Patienten online einen Termin bei einem Arzt und nehmen den Termin bequem von zu Hause wahr.