In den letzten Jahren hat die Sensibilität für Nahrungsmittelunverträglichkeiten zugenommen, insbesondere im Hinblick auf Gluten und Weizen. Diese Thematik ist komplex und vielschichtig, da verschiedene Erkrankungen und Reaktionen auf Gluten und Weizen existieren. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Ataxie, Augenproblemen und den Ursachen, die in Gluten und Weizen liegen könnten.
Gluten: Ein Überblick
Gluten ist ein Sammelbegriff für Speichereiweiße (Prolamine), die in verschiedenen Getreidesorten vorkommen. Es findet sich in Weizen (einschließlich Einkorn, Emmer, Dinkel und Grünkern), Roggen und Gerste. Gluten verleiht Teigen ihre Elastizität und Backfähigkeit. Der Hauptbestandteil von Gluten, Gliadin, ist besonders in den Getreiden der "Gras-Gruppe" (Gattung: Triticum) wie Weizen, Dinkel, Roggen und Kamut nachweisbar. Hafer und Gerste enthalten geringere Mengen an Gluten, wobei es auch glutenfreien Hafer gibt.
Glutenbedingte Erkrankungen
Gluten kann verschiedene gesundheitliche Probleme auslösen, darunter:
- Zöliakie (Glutenunverträglichkeit): Eine Autoimmunerkrankung, bei der der Verzehr von Gluten zu einer Entzündung der Dünndarmschleimhaut führt. Dies kann die Aufnahme von Nährstoffen beeinträchtigen und verschiedene Symptome verursachen.
- Glutensensitivität: Eine Nahrungsmittelintoleranz, die ähnliche Symptome wie Zöliakie verursachen kann, jedoch ohne die autoimmunen Reaktionen und Schädigung der Dünndarmschleimhaut.
- Weizenallergie: Eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Eiweißbestandteile des Weizens. Dies kann zu allergischen Reaktionen unterschiedlicher Schweregrade führen.
Der Zusammenhang zwischen Gluten, Darm und Gehirn
Die Forschung der letzten Jahre hat gezeigt, dass es eine enge Verbindung zwischen dem Darm und dem Gehirn gibt, die oft als "Darm-Hirn-Achse" bezeichnet wird. Eine gestörte Darmfunktion, beispielsweise durch eine Glutenunverträglichkeit, kann sich auf die Gehirnfunktion auswirken und neurologische Symptome verursachen.
Leaky Gut (Durchlässiger Darm): Gluten kann die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut erhöhen, was als "Leaky Gut" bezeichnet wird. Dadurch können unverdaute Nahrungsbestandteile, Bakterien und Toxine in den Blutkreislauf gelangen. Das Immunsystem reagiert darauf mit Entzündungen, die sich im ganzen Körper ausbreiten können, einschließlich des Gehirns.
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Glutenmorphine und Casomorphine: Unverdaute Eiweiße aus Gluten (Glutenmorphine) und Milch (Casomorphine) können den Gehirnstoffwechsel stören und neurologische Probleme wie Hyperaktivität, Autismus, Depressionen und Schizophrenie begünstigen.
Zonulin: Das Protein Zonulin reguliert die Verbindungen zwischen den Darmzellen. Gluten kann die Freisetzung von Zonulin erhöhen, was zu einer erhöhten Durchlässigkeit des Darms führt.
Entzündungen und neurologische Symptome: Die durch Gluten ausgelösten Entzündungen können sich auch im Gehirn manifestieren und neurologische Symptome wie zerebelläre Ataxie, Migräne, Depressionen und kognitive Beeinträchtigungen verursachen.
Ataxie und Gluten
Ataxie ist eine Störung der Bewegungskoordination, die verschiedene Ursachen haben kann. In einigen Fällen kann eine Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie eine Rolle bei der Entstehung von Ataxie spielen. Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass die Entzündungen und Immunreaktionen, die durch Gluten ausgelöst werden, das Kleinhirn schädigen können, das für die Koordination der Bewegungen verantwortlich ist.
Augenprobleme und Gluten
Auch Augenprobleme können in Zusammenhang mit Glutenunverträglichkeiten stehen. Entzündungen, die durch Gluten ausgelöst werden, können verschiedene Teile des Auges betreffen und Symptome wie verschwommenes Sehen, trockene Augen, Entzündungen der Augenlider oder sogar Sehstörungen verursachen.
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Diagnostik
Bei Verdacht auf eine Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie gibt es verschiedene diagnostische Möglichkeiten:
- Bluttests: Messung von Antikörpern gegen Glutenbestandteile wie Gliadin und Gewebetransglutaminase.
- Dünndarmbiopsie: Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Dünndarm, um Entzündungen und Schädigungen der Darmzotten festzustellen.
- Gentest: Untersuchung auf die genetischen Risikofaktoren HLA-DQ2 und HLA-DQ8, die mit Zöliakie assoziiert sind.
Therapie
Die wichtigste Therapie bei Glutenunverträglichkeit und Zöliakie ist eine strikte glutenfreie Diät. Das bedeutet, dass alle Lebensmittel, die Gluten enthalten, gemieden werden müssen. Dazu gehören vor allem Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel sowie daraus hergestellte Produkte wie Brot, Nudeln, Gebäck und viele Fertiggerichte. Eine professionelle Ernährungsberatung kann helfen, die Diät richtig umzusetzen und Mangelerscheinungen vorzubeugen.
Weizenallergie
Bei der Weizenallergie handelt es sich um eine Überreaktion des Immunsystems auf bestimmte Eiweißbestandteile des Weizens. Der Körper bildet Antikörper gegen diese Eiweiße, was zu allergischen Reaktionen führen kann.
Symptome der Weizenallergie
Die Symptome einer Weizenallergie können vielfältig sein und reichen von Hautausschlägen, Juckreiz und Nesselsucht bis hin zu Magen-Darm-Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. In schweren Fällen kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen, einer lebensbedrohlichen allergischen Reaktion.
Diagnose der Weizenallergie
Die Diagnose einer Weizenallergie erfolgt in der Regel durch einen Allergietest, bei dem die Reaktion des Körpers auf Weizenproteine getestet wird. Dies kann durch einen Hauttest oder einen Bluttest erfolgen.
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Behandlung der Weizenallergie
Die Behandlung der Weizenallergie besteht in erster Linie darin, Weizen und weizenhaltige Produkte zu meiden. In Notfällen können Antihistaminika oder Kortikosteroide eingesetzt werden, um die allergischen Symptome zu lindern. Bei einem anaphylaktischen Schock ist die sofortige Gabe von Adrenalin erforderlich.
Weitere Aspekte
- Umweltfaktoren: Umweltfaktoren wie Antibiotikaeinnahme, Veränderungen der Darmflora und Beeinträchtigungen des Darmimmunsystems können eine Rolle bei der Entstehung von Glutenunverträglichkeiten spielen.
- Bauchspeicheldrüseninsuffizienz: Eine verminderte Aktivität der Bauchspeicheldrüse kann die Verdauung von Gluten erschweren und zu Beschwerden führen.
- Moderne Weizensorten: Der hohe Glutengehalt in modernen Weizensorten kann für viele Menschen problematisch sein.
- Alpha-Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI): Diese Eiweiß-Moleküle, die in Getreide vorkommen, können bei manchen Menschen allergische Reaktionen auslösen.