Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die vor allem junge Erwachsene zwischen 20 und 40 Jahren betrifft. Dabei greifen fehlgeleitete Immunzellen körpereigene Zellen an, was zu einer Schädigung des Nervengewebes führt. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein und die Erkrankung gilt als nicht heilbar. Neben der schulmedizinischen Therapie, die im Wesentlichen auf Immunsuppression basiert, gibt es auch alternative und komplementäre Ansätze, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Ein solcher Ansatz ist die Aromatherapie mit ätherischen Ölen.
Was sind ätherische Öle?
Ätherische Öle sind natürliche Substanzen, die von Pflanzen gebildet werden. Sie bestehen aus organischen Stoffen wie Alkoholen, Estern, Ketonen oder Terpenen, sind von öliger Konsistenz und verdunsten rückstandslos. Allen ätherischen Ölen gemein ist der intensive Duft, den sie beim Verdunsten verströmen. In der Medizin werden ätherische Öle zur unterstützenden Therapie von seelischen und körperlichen Beschwerden eingesetzt. Die Gewinnung erfolgt durch Wasserdampfdestillation oder Kaltpressung aus Pflanzen.
Wie wirken ätherische Öle?
Ätherische Öle wirken auf vielfältige Weise. Pflanzen produzieren sie, um Insekten anzulocken oder Schädlinge abzuwehren und sich vor Krankheiten zu schützen. Diese Wirkungen sind auch für den Menschen nützlich. Die Öle gelangen über die Haut oder den Magen-Darm-Trakt in den Körper. Vor allem aber entfaltet ihr Duft heilsame Wirkung. Die Duftmoleküle dringen über die Nase auf die Riechschleimhaut, die zum zentralen Nervensystem gehört. Der Geruchssinn selbst sitzt im ältesten Teil des Gehirns, dem limbischen System. Duftreize können dort die Ausschüttung von Botenstoffen bewirken, die schmerzlindernd wirken oder Wohlbehagen erzeugen. Auch Endorphine werden ausgeschüttet, die sehr schmerzstillend wirken und die Stimmung heben.
Die Wirksamkeit ätherischer Öle bei bestimmten Erkrankungen ist durch Studien wissenschaftlich belegt. Allerdings sollten sie bei ernsthaften Erkrankungen nicht statt, sondern immer in Ergänzung zu einer schulmedizinischen Behandlung angewendet werden.
Anwendung ätherischer Öle bei Multipler Sklerose
Ätherische Öle können bei MS-Patienten auf verschiedene Weise angewendet werden, um die Symptome zu lindern und das Wohlbefinden zu verbessern. Hier sind einige Beispiele:
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- Aromatherapie: Die Inhalation ätherischer Öle kann stimmungsaufhellend, beruhigend oder aktivierend wirken. Geeignete Öle sind beispielsweise Lavendel, Rose, Neroli, Geranium, Lemongrass, Mandarine, Fichtennadel, Muskatnuss, Thymian, Citronella, Rosmarin, Eukalyptus und Cajeput.
- Massage: Massagen mit ätherischen Ölen können Muskelverspannungen lösen, Schmerzen lindern und die Durchblutung fördern. Geeignete Öle sind beispielsweise Lavendel, Pfefferminze, Kamille, Cajeput, Bergamotte und Geranium. Bei Spastiken kann eine beruhigende Körpereinreibung mit Lavendelöl oder Weihrauchöl positiv beeinflussen.
- Bäder: Badezusätze mit ätherischen Ölen können entspannend, schmerzlindernd und hautpflegend wirken. Geeignete Öle sind beispielsweise Lavendel, Benzoe und Rose.
- Hautpflege: Ätherische Öle können zur Pflege trockener Haut und zur Linderung von Juckreiz eingesetzt werden. Geeignete Öle sind beispielsweise Lavendel, Kamille und Rosenholz. Patienten, die sich keine teuren Kosmetika leisten können, können ein gutes Olivenöl mit einer aufgeritzten Vanilleschote versetzen und 4-6 Wochen ziehen lassen.
- Raumbeduftung: Die Raumbeduftung mit ätherischen Ölen kann eine angenehme Atmosphäre schaffen und das Wohlbefinden steigern. Geeignete Öle sind beispielsweise Lavendel, Zitrone und Orange.
Heike Wildangel, MS-Fachberaterin und Aromaexpertin, setzt ätherische Öle bei MS-Patienten ein, um Leiden zu lindern. Sie stellt beispielsweise individuelle Nasenöle für Patienten mit trockener Nasenschleimhaut, entspannende und atemstimulierende Einreibungen sowie ein "Losslassöl" für die Sterbebegleitung her. Auch therapeutische Parfums, die auf Psyche und Seele wirken, werden individuell mit den Patienten zusammengestellt.
Spezifische ätherische Öle und ihre Anwendung bei MS
Einige ätherische Öle haben sich bei der Behandlung von MS-Symptomen besonders bewährt:
- Weihrauchöl: Weihrauch wird bereits seit Jahrtausenden im Ayurveda zur Heilung eingesetzt. Das ätherische Öl wirkt stark entzündungshemmend, lindert Schmerzen und unterstützt die Krebsbehandlung. Es kann bei Multipler Sklerose, Asthma, Morbus Crohn und Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt werden. Äußerlich angewendet hilft es bei Rheuma, Arthrose, Gelenk- und Muskelbeschwerden, Schuppenflechte und Neurodermitis. Auf die Psyche wirkt Weihrauchöl beruhigend, entspannend und kann das Kurzzeitgedächtnis positiv beeinflussen.
- Kamillenöl: Das ätherische Öl der deutschen Kamille ist eines der bekanntesten ätherischen Öle. Es wirkt entzündungshemmend und beruhigend. In Kombination mit Myrrhe und Aktivkohle (Myrrhinil-Intest) kann es bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt werden.
- Lavendelöl: Lavendelöl wirkt beruhigend, krampflösend, schmerzstillend und hautpflegend. Es kann bei Schlafstörungen, Angstzuständen, Muskelverspannungen und Hautirritationen eingesetzt werden.
- Pfefferminzöl: Pfefferminzöl wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend und konzentrationsfördernd. Es kann bei Kopfschmerzen, Muskelverspannungen und Verdauungsbeschwerden eingesetzt werden.
- Zitronenöl: Zitronenöl wirkt stimmungsaufhellend, erfrischend und konzentrationsfördernd. Es kann bei Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten eingesetzt werden.
- Zedernholzöl: Zedernholzöl wirkt beruhigend, stärkend und erdend. Es kann bei Angstzuständen, Unsicherheit und dem Gefühl, den Boden unter den Füßen verloren zu haben, eingesetzt werden. Bei Fatigue empfiehlt Heike Wildangel eine Fußmassage mit Zedernholzöl.
Gefahren und Nebenwirkungen
Ätherische Öle sollten pur nicht direkt in Kontakt mit Haut und Schleimhäuten kommen, da sie sehr stark reizen können. Sie dürfen daher immer nur verdünnt angewendet werden. Auch die Dosierung sollte vorsichtig gewählt werden, da zu hohe Konzentrationen zu starken Reizungen und Kopfschmerzen führen können.
Um mögliche allergische Reaktionen auszuschließen, sollten Sie vor der Anwendung die ätherischen Öle zuerst auf ihre Verträglichkeit prüfen. Tragen Sie einen Tropfen in der Ellenbeuge auf und warten Sie ab, ob sich eine Reaktion einstellt.
Asthmatiker müssen bei der Anwendung ätherischer Öle besonders vorsichtig sein, denn bei der Inhalation des Duftes können Atemprobleme auftreten. Einige ätherische Öle können Wehen auslösen, so dass Schwangere besondere Vorsicht bei der Auswahl der ätherischen Öle walten lassen sollten. Auch für Babys und Kinder gibt es spezielle ätherische Öle. Benutzen Sie bei ihrem Baby ätherische Öle, sollten Sie auf alle Fälle mit sehr hohen Verdünnungen arbeiten oder auf Fertigprodukte zurückgreifen, die speziell für Kinder hergestellt werden.
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Weitere Therapieansätze bei Multipler Sklerose
Neben der Aromatherapie gibt es noch weitere alternative und komplementäre Therapieansätze, die bei Multipler Sklerose eingesetzt werden können:
- Ernährung: In der Alternativmedizin existieren verschiedene diätetische Modelle zur Behandlung der Multiplen Sklerose, z.B. Agranoff & Goldberg oder das Rohkostmodell nach Evers. Ziel ist es, Entzündungen im Körper zu reduzieren und das Immunsystem zu stärken. Wichtig ist auch die Zufuhr von Mikronährstoffen wie Vitamin B12, Vitamin D, Magnesium, Kalium und Zink.
- Osteopathie: Osteopathische Techniken können Blockaden im Körper lösen und die Funktion von Nerven und Organen verbessern. MS-bedingte Blasenstörungen können osteopathisch vielfältig positiv beeinflusst werden.
- Entgiftung: Intoxikationen durch Metalle (vor allem Quecksilber) und Umweltchemikalien können sich negativ auf die Symptomatik bzw. den Verlauf einer Multiplen Sklerose auswirken. Eine Entgiftung kann helfen, die Belastung des Körpers zu reduzieren.
- Behandlung von Infektionen: Chronische Infektionen mit Viren oder Bakterien können das Immunsystem zusätzlich belasten und Entzündungen fördern. Eine gezielte Behandlung dieser Infektionen kann zur Verbesserung der Symptome beitragen.
- Homöopathie und Isopathie: Homöopathische und isopathische Mittel können das Immunsystem regulieren und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren.
- Darmsanierung: Eine gesunde Darmflora ist wichtig für ein starkes Immunsystem. Eine Darmsanierung kann helfen, das Gleichgewicht der Darmflora wiederherzustellen und Entzündungen im Körper zu reduzieren.
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