Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Schmerzen, insbesondere im Bewegungsapparat, Rücken sowie im Kopf- und Nackenbereich. Eine Unterscheidung wird zwischen akutem und chronischem Schmerz getroffen. Chronischer Schmerz, der länger als sechs Monate andauert, wird als eigenständige Erkrankung betrachtet, da er keine schützende Funktion mehr erfüllt. Nervenschmerzen, wie sie bei einer Nervenentzündung in der Hand auftreten können, beeinträchtigen das tägliche Leben erheblich. Daher suchen viele Betroffene nach natürlichen Ergänzungen zur medikamentösen Behandlung.
Schmerzentstehung und die Rolle des Gehirns
Schmerzen können durch chemische, thermische, mechanische oder elektrische Einflüsse ausgelöst werden. Diese Einwirkungen setzen Substanzen frei, die mit Nervenendigungen interagieren, was zu Entzündungen, Rötungen und Schwellungen führt. Prostaglandine werden ausgeschüttet, was die Schmerzempfindlichkeit erhöht. Die Erregung der Nozizeptoren (Schmerzfasern) leitet das Schmerzsignal ans Gehirn weiter.
Unser Gehirn entscheidet maßgeblich, ob und wie stark wir Schmerzen empfinden. Psychische und soziale Faktoren wie Angst, Stress oder Schlaflosigkeit können die Schmerzwahrnehmung verstärken.
Die Psychische Wirkung Ätherischer Öle
Hier setzt die psychische Wirkung ätherischer Öle an. Sie initiieren die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Serotonin, Noradrenalin, Encephalinen und Endorphinen, die das Schmerzempfinden lindern. Dies steigert das Wohlbefinden, entspannt die Betroffenen, verbessert den Schlaf und verändert die Schmerzwahrnehmung positiv. Grapefruit, Jasmin, Ylang Ylang und Patchouli sind Beispiele für ätherische Öle, die die Endorphin-Ausschüttung fördern können. In Verbindung mit Massagen oder Einreibungen verstärkt sich diese positive Wirkung. Der angenehme Duft und die körperliche Zuwendung tragen zusätzlich zum Wohlbefinden bei.
Die Physischen Effekte Ätherischer Öle
Ätherische Öle haben auch physische Effekte. Cajeput, mit seinem hohen Gehalt an 1,8-Cineol, Monoterpenol und Monoterpenen, ist in der aromapflegerischen Schmerzbegleitung von besonderer Bedeutung. Das Öl des Cajeputbaumes (Melaleuca cajeputi bzw. Leucadendron) wirkt schleimlösend und schmerzlindernd und wird oft bei Erkältungssymptomen eingesetzt. Immortelle, auch "Currykraut" genannt, ist eine vielseitige Heilpflanze, die bei Blutergüssen, Muskelverspannungen und akuten Problemen eingesetzt wird. Ihr ätherisches Öl wirkt schmerzlindernd und ist ein bewährtes Mittel bei blauen Flecken und Muskelkater. Die schmerzlindernde Wirkung ätherischer Öle ist wissenschaftlich belegt, wie eine Metaanalyse von zwölf methodisch starken Studien aus 350 Fachartikeln zeigt.
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Hausmittel und Natürliche Methoden zur Schmerzlinderung
Neben ätherischen Ölen gibt es weitere natürliche Hausmittel, die bei Nervenschmerzen Linderung verschaffen können:
- Wärmeanwendungen: Fördern die Durchblutung und entspannen die Muskulatur. Wärmflaschen, Heizkissen oder warme Bäder mit Lavendelöl können hilfreich sein.
- Kälteanwendungen: Verringern die Nervenleitgeschwindigkeit und wirken entzündungshemmend. Kühlpacks oder Eiswürfelmassagen können bei akuten Schmerzattacken Linderung bringen.
- Kräuterwickel: Wirken kühlend und unterstützen die Heilung. Quarkwickel wirken entzündungshemmend, während Heublumenwickel entzündungshemmende Stoffe enthalten. Kohl- oder Zwiebelwickel sind ebenfalls für ihre entzündungshemmende Wirkung bekannt.
- Kräutertees: Unterstützen das Nervensystem und reduzieren Stress. Johanniskraut wirkt stimmungsaufhellend und nervenstärkend, während Ingwer entzündungshemmende Eigenschaften besitzt.
- Regelmäßige Bewegung: Verbessert die Durchblutung und stärkt die Nervenfunktion. Sanfte Dehnungsübungen und Spaziergänge sind hilfreich.
- Die richtige Ernährung: Unterstützt die Nervenfunktion und lindert Nervenschmerzen. Magnesiumreiche Lebensmittel wie Nüsse, Samen und grünes Gemüse wirken entspannend auf Muskeln und Nerven. Omega-3-Fettsäuren in Fisch, Leinöl und Walnüssen wirken entzündungshemmend.
Rezepte für eine Nervenfreundliche Ernährung
- Magnesiumreiches Smoothie-Rezept: Banane, Spinat, Nüsse/Samen, Mandelmilch, Honig.
- Omega-3-Power-Müsli: Haferflocken, Leinöl, Walnüsse, Beeren.
- Grüner Smoothie für die Nerven: Avocado, grünes Blattgemüse, Banane, Wasser/Kokoswasser.
- B-Vitamin-reiche Gemüsepfanne: Spinat, Paprika, Hülsenfrüchte, Knoblauch, Olivenöl, Sonnenblumenkerne.
- Antioxidantienreicher Beeren-Salat: Verschiedene Beeren, Honig, Zitronensaft, gehackte Nüsse.
Ätherische Öle gegen Innere Unruhe und Nervosität
Innere Unruhe und Nervosität können Nervenschmerzen verstärken. Einige ätherische Öle können hier Abhilfe schaffen:
- Petitgrain Bigarade: Fördert Intuition, Entspannung und innere Klarheit.
- Lavendel: Klärt Gedanken, hellt die Stimmung auf, entspannt und beruhigt.
- Mandarine: Beruhigt die Nerven, löst Nervosität und schenkt Geborgenheit.
- Kamille: Wirkt beruhigend, löst mentale Anspannung und Ängste.
- Ylang Ylang: Beruhigt den Herzrhythmus, stärkt die Nerven und harmonisiert.
- Rhododendron: Stärkt, treibt an, erdet und beruhigt das Nervensystem.
- Majoran: Hilft, Zorn und Wut besser zu verarbeiten, löst Muskelverspannungen und wirkt emotional ausgleichend.
Wickel, Umschläge und Auflagen
Wickel und Auflagen sind traditionelle Methoden zur Schmerzlinderung und Entzündungsreduktion. Sie können warm oder kalt angewendet werden und mit verschiedenen Heilstoffen wie Kräutern, Quark oder ätherischen Ölen kombiniert werden.
Wie Wirken Wickel und Auflagen?
- Warme Wickel und Auflagen: Führen dem Körper Wärme zu, erweitern die Gefäße und steigern die Durchblutung. Sie wirken entspannend, schmerzlindernd und ausleitend.
- Kalte Wickel und Auflagen: Entziehen dem Körper Wärme, verengen die Gefäße und verringern die Durchblutung. Sie wirken abschwellend, entzündungshemmend und schmerzlindernd.
Beispiele für Wickel und Auflagen mit Heilstoffen
- Essigumschläge/-auflage: Hemmen Entzündungen und Krämpfe.
- Zwiebelwickel/-auflage: Wirken antibakteriell und entzündungshemmend.
- Schmalzwickel/-auflage: Wirken krampflösend und entspannend.
- Bienenwachswickel/-auflage: Halten den Wickel lange warm.
- Senfwickel/-auflage: Wirken stark hautreizend, durchblutungssteigernd, keim- und entzündungshemmend.
- Meerrettichwickel/-auflage: Wirkt wie Senföl.
- Honigwickel/-auflage: Wirken entzündungshemmend und desinfizierend.
- Zitronenwickel/-auflage: Lindern Halsschmerzen.
- Ingwerwickel/-auflage: Wirken mild hautreizend und steigern die Wärmezufuhr.
- Essigsaure Tonerde-Wickel-/Auflage: Desinfizieren, kühlen und verengen die Gefäße.
- Leinsamenkompresse/ -auflage: Lösen Verspannungen und lindern Schmerzen.
Anwendung von Wickeln und Auflagen
Für einen Wickel werden in der Regel drei Tuchlagen benötigt:
- Innentuch: Trägt die Wirksubstanz und wird direkt auf die Haut gelegt.
- Zwischentuch: Hilft, die Feuchtigkeit und die Wickel-Temperatur zu halten.
- Außentuch: Speichert die Wärme (bei wärmenden Wickeln).
Für eine Auflage wird die Wirksubstanz auf ein Tuch aufgetragen und auf die betroffene Körperstelle gelegt.
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Rezept Beispiele
- Zwiebelauflage: Bei Hals- und Ohrenschmerzen.
- Honigwickel/-auflage: Bei Erkältungen.
- Zitronenwickel/-auflage: Bei Halsschmerzen.
- Ingwerwickel: Bei Erkältungen und Verspannungen.
- Leinsamenkompresse: Bei Verspannungen und Schmerzen.
Muskeln, Faszien und Ihre Rolle bei Schmerzen
Muskelschmerzen können durch Fehlbelastungen, Verspannungen, Verletzungen oder Entzündungen entstehen. Ätherische Öle wie Pfefferminzöl, Cajeput und Eukalyptus können entzündungshemmend, krampflösend, schmerzlindernd und durchblutungsfördernd wirken.
Faszien, das Bindegewebe, das Muskeln und Organe umhüllt, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle bei Schmerzen. Verklebte oder verfilzte Faszien können die Beweglichkeit einschränken und Verspannungen auslösen. Daher ist es wichtig, auch die Faszien bei der Behandlung von Muskelschmerzen zu berücksichtigen.
Komplementärmedizinische Verfahren bei Neuralgie
Neben den genannten Hausmitteln gibt es weitere komplementärmedizinische Verfahren, die bei Neuralgie eingesetzt werden können:
- Physiotherapie: Mobilisierung, Muskelaufbau und sensomotorische-funktionelle Einzelbehandlungen.
- Hydrothermotherapie: Kalte oder wechselwarme Güsse.
- CO2-Bäder: Periphere Stimulation des Gewebes mit Gefäßerweiterung.
- Elektrotherapie: Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS).
- Ätherische Öle zur äußeren Anwendung: Fichtennadel-, Kiefernadel-, Minz-, Pfefferminz-, oder Rosmarinöl.
- Johanniskrautöl (Rotöl, Hypericum): Warme Auflagen.
- Capsaicin aus Cayennepfefferfrüchten: Salben oder Wärmepflaster.
- Weiße Senfsamen: Breiumschlag.
- Orthomolekulare Medizin: Hochdosierte neurotrope B Vitamine, Vitamin E, Vitamin C, Alpha-Liponsäure, Omega-3-Fettsäuren, Selen.
- Moderate Ganzkörperhyperthermie (mGKHT): Stoffwechselsteigerung und regenerative Prozesse.
- Schröpfen oder Blutegel: Segmentale Therapie.
- Neuraltherapie: Segmenttherapie.
Pflegerische Aspekte und Evidenzbasierte Praxis
Pflegerisches Handeln in der Schmerztherapie orientiert sich am biopsychosozialen Modell. Eine gestufte Qualifizierung der Pflegefachpersonen ist erforderlich, um pflegetherapeutisches Handeln bestmöglich in die multiprofessionelle Versorgung von Schmerzpatient:innen einzubringen. Nationale Expertenstandards des DNQP geben evidenzbasierte Qualitätsinstrumente vor. Die Bedeutung nichtmedikamentöser Maßnahmen und edukativer Ansätze wird in Leitlinien betont.
Naturheilkundliche Pflegeinterventionen umfassen Hydrotherapie, Diätetik, Phytotherapie, Bewegungstherapie und Ordnungstherapie. Äußere Anwendungen wie Wickel, Bäder, Auflagen und Einreibungen stehen im Vordergrund. Die Aromatherapie, ein Teilbereich der Phytotherapie, nutzt ätherische Öle zur Schmerzbehandlung. Rhythmische Einreibungen sind eine weitere Möglichkeit der Anwendung.
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In der integrativen Medizin liegen zunehmend positive Ergebnisse aus Studien zu komplementären und naturheilkundlichen Verfahren vor. Forschungsprojekte untersuchen den Nutzen und die Wirksamkeit komplementärer Pflege- und Beratungsmaßnahmen.
Naturheilkundliche Pflegeinterventionen bei Schmerzen: Ein Überblick
Es gibt eine Vielzahl an Indikationen und Maßnahmen naturheilkundlicher Pflegeinterventionen bei unterschiedlichen akuten und chronischen Schmerzen. Viele naturheilkundliche Substanzen lassen sich auch mittels einfacher Auftragung oder Einreibungen anwenden.
Einreibungen
Zur Anwendung kommen 100 % naturreine ätherische Öle in Apotheker- oder Bioqualität, die mit fetten Ölen gemischt werden. Die Konzentration beträgt 0,5-10 %.
Essenzenauflagen
Essenzen sind ein alkoholischer Pflanzenauszug. Für eine Essenzauflage wird eine übliche Dosierung von 150 ml Wasser auf 1 Teelöffel Essenz verwendet. Die Anwendung kann mehrmals über den Tag bei unterschiedlichen Indikationen verteilt wiederholt werden.
Kühle Anwendungen
Die Temperatur einer kühlen Anwendung beträgt 1-2 °C unter Körpertemperatur. Je nach Empfinden der Patient:innen kann die Temperatur auch niedriger sein. Im Fieberanstieg und bei kalten Extremitäten dürfen diese Maßnahmen nicht angewendet werden.
Feucht-Warme Anwendungen
Feucht-warme bzw. -heiße Anwendungen müssen sehr achtsam durchgeführt werden. Bei fachgerechter Anwendung besteht keine Verbrennungsgefahr für die Patienten.
Hautreizende Substanzen
Hautreizende Substanzen reizen die Haut meist schon nach wenigen Minuten. Dosierung und Anwendung sind abhängig von Qualität und Frische der Substanz. Eine Ausnahme bilden Zwiebeln. Sie können längere Zeit aufgelegt werden.
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