Aufbau von Muskelfasern, Neuronen und deren anatomische Zusammenhänge

Die Bewegung des Skeletts und anderer Strukturen wie Gefäßwände und Hohlorgane wird durch die Interaktion von Aktin- und Myosin-Proteinen ermöglicht. Diese Proteine sind in einem unregelmäßigen Muster angeordnet. Die Kontraktion der Skelettmuskelzellen erfordert eine Stimulation durch ein Aktionspotential von Motoneuronen. Dieser Artikel beleuchtet den Aufbau von Muskelfasern, Neuronen und die anatomischen Zusammenhänge, die für Bewegung und andere Körperfunktionen essentiell sind.

Muskelgewebe: Ein Überblick

Das Muskelgewebe ermöglicht es jedem Organismus, gezielte Bewegungen auszuführen. Die Kontraktion beginnt auf Sarkomerebene und setzt sich bis zum gesamten Muskel fort. Es gibt drei Haupttypen von Muskelgewebe: Skelettmuskulatur, glatte Muskulatur und Herzmuskulatur.

Skelettmuskulatur

Die Skelettmuskulatur ist für die willkürliche Bewegung des Körpers verantwortlich. Sie besteht aus Muskelfasern, die von Bindegewebe umhüllt sind. Diese Fasern sind in Bündeln, den sogenannten Faszikeln, organisiert, die wiederum den gesamten Muskel bilden.

Aufbau der Muskelfaser:

  • Sarkolemm: Die Plasmamembran der Muskelfaser, bestehend hauptsächlich aus Phospholipiden und etwas Cholesterin.
  • Myofibrillen: Diese sind in einem Muster organisiert, das bei Betrachtung unter dem Mikroskop verschiedene Banden und Zonen erzeugt. Sie enthalten Sarkomere, die kontraktilen Einheiten der Muskelzelle.
  • Sarkoplasmatisches Retikulum: Eine umfangreiche Serie von Kanälen, die hauptsächlich entlang der Längsachse der Fasern verlaufen und jede Myofibrille umgeben.
  • T-Tubuli: Kanäle des Sarkolemms, die in direkten Kontakt mit den terminalen Zisternen des sarkoplasmatischen Retikulums stehen.

Organisation der Muskelfasern:

Die Anordnung der Muskelfasern kann variieren:

  • Parallel: Gleichmäßige Breite paralleler Faszikel, die entlang der Längsachse eines Muskels verlaufen.
  • Fusiform (spindelförmig): In der Mitte dick und an jedem Ende spitz zulaufend.
  • Konvergent: Fächerförmig, mit breitem Ursprung und einem einzelnen Sehnenansatz.
  • Einfach-gefiedert: Faszikel nähern sich alle der Sehne von derselben Seite.
  • Zweifach-gefiedert: Faszikel nähern sich der Sehne von beiden Seiten.
  • Mehrfach-gefiedert: Geformt wie ein Bündel Federn, das sich einer einzelnen Sehne nähert.
  • Zirkulär: Schließmuskel oder Augenmuskeln.
  • Mehrbäuchig: Eingebaute Zwischensehnen im Muskel.
  • Mehrköpfig: Mehrere Ursprünge enden in einem gemeinsamen Muskelansatz.

Ein charakteristisches Merkmal der Skelettmuskelfasern ist ihr gestreiftes Aussehen. Die Enden des Neurons am Axonende werden erweitert und bilden die synaptischen Knöpfe. Die synaptischen Knötchen sind mit Bläschen gefüllt, den sogenannten synaptischen Vesikeln, die den Neurotransmitter Acetylcholin (ACh) enthalten. Das Motoneuron und die Muskelfaser sind durch einen sehr kleinen Raum getrennt, den so genannten synaptischen Spalt. Der Bereich der Muskelfaser gegenüber der Axonendigung ist stark invaginiert und enthält viele Rezeptoren, die auf das vom Motoneuron freigesetzte ACh reagieren. Dieser Bereich der Myofaser wird als motorische Endplatte bezeichnet.

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Muskelfasertypen:

Man unterscheidet generell drei verschiedene Typen von Muskelfasern:

  • Typ I (Slow Twitch): Langsam zuckende Fasern, die für Ausdauerleistungen geeignet sind. Sie haben einen hohen Myoglobingehalt und viele Mitochondrien.
  • Typ IIA: Schnell zuckende Fasern, die sowohl für Ausdauer- als auch für Kraftleistungen genutzt werden können.
  • Typ IIX (Fast Twitch): Sehr schnell kontrahierende Fasern, die für explosive Bewegungen geeignet sind.

Glatte Muskulatur

Glatte Muskelzellen sind in den Wänden von Hohlorganen wie dem Magen-Darm-Trakt, den Blutgefäßen und der Gebärmutter zu finden. Sie sind für unwillkürliche Bewegungen verantwortlich.

Merkmale:

  • Spindelförmige Zellen mit einem zentral gelegenen ovalen Kern.
  • Keine Querstreifung.
  • Organisation in Schichten.
  • Einzelne Fasern mit minimalen Gap Junctions, was zu Zellen führt, die sich einzeln kontrahieren.
  • Single-unit-Typen glatter Muskulatur enthalten mehr Gap Junctions, was ein kontinuierlicheres Kontraktionsmuster ermöglicht.

Herzmuskulatur

Herzmuskelgewebe findet sich ausschließlich im Herzen. Es ist für die Kontraktion des Herzens und somit für den Blutkreislauf verantwortlich.

Merkmale:

  • Verwobenes, quirliges Aussehen, was die charakteristische Kontraktionswelle hervorruft.
  • Querstreifung.
  • Interkalierende Scheiben, die Gap Junctions und Desmosomen enthalten und die Kommunikation zwischen den Zellen ermöglichen.
  • Die Dicke der Herzmuskelfasern in den Ventrikeln ist größer als die der Fasern des Vorhofs.

Neuronale Anatomie und die motorische Endplatte

Die Kontraktion der Skelettmuskelzellen erfordert eine Stimulation durch ein Aktionspotential von Motoneuronen. Die motorische Endplatte ist eine spezialisierte Synapse, die die Übertragung einer Erregung von einer Nervenfaser zur Muskelfaser ermöglicht.

Aufbau einer Nervenzelle:

  • Zellkörper (Soma): Enthält den Zellkern und die meisten Zellorganellen.
  • Dendriten: Baumartig verzweigte Ausläufer, die Nervenimpulse von anderen Nervenzellen aufnehmen.
  • Axon: Ein langer, schlanker Fortsatz, der Nervenimpulse vom Zellkörper weg zu anderen Nervenzellen, Muskelfasern oder Drüsen leitet.
  • Myelinscheide: Eine isolierende Schicht um das Axon, die von Gliazellen (Schwannschen Zellen) gebildet wird und die Geschwindigkeit der Impulsleitung erhöht.
  • Ranviersche Schnürringe: Unterbrechungen der Myelinscheide, an denen die elektrische Umpolung der Nervenzellmembran stattfindet.
  • Axon-Endknöpfchen (Synapsen): Verdickte Enden des Axons, die Neurotransmitter freisetzen, um die Erregung auf die nächste Zelle zu übertragen.

Die motorische Endplatte:

Die motorische Endplatte ist die Kontaktstelle zwischen einer Nervenzelle und einer Muskelzelle. Sie ist wie folgt aufgebaut:

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  1. Präsynaptische Membran: Das Ende des Motoneurons, das synaptische Vesikel mit dem Neurotransmitter Acetylcholin (ACh) enthält.
  2. Synaptischer Spalt: Der Raum zwischen dem Motoneuron und der Muskelfaser.
  3. Postsynaptische Membran: Der Bereich der Muskelfaser, der stark gefaltet ist und viele Acetylcholinrezeptoren enthält.

Funktionsweise der motorischen Endplatte:

  1. Ein Aktionspotential erreicht das Endknöpfchen des Motoneurons.
  2. Calciumionenkanäle öffnen sich, und Calciumionen strömen in das Endknöpfchen ein.
  3. Die erhöhte Calciumkonzentration führt zur Freisetzung von Acetylcholin aus den Vesikeln in den synaptischen Spalt.
  4. Acetylcholin bindet an die Acetylcholinrezeptoren auf der postsynaptischen Membran.
  5. Die Bindung von Acetylcholin öffnet Ionenkanäle, durch die Natriumionen in die Muskelzelle einströmen.
  6. Es entsteht ein Endplattenpotential, das sich entlang der Muskelzellmembran ausbreitet.
  7. Das Endplattenpotential löst ein Aktionspotential in der Muskelzelle aus, das zur Muskelkontraktion führt.
  8. Acetylcholin wird durch das Enzym Acetylcholinesterase im synaptischen Spalt abgebaut, um die Erregung zu beenden.

Das neuromuskuläre System

Das neuromuskuläre System verbindet Deine Muskeln mit dem Nervensystem, was Dir ermöglicht, Bewegungen präzise auszuführen. Es ist entscheidend für alle körperlichen Aktivitäten, von einfachem Gehen bis hin zu komplexen sportlichen Leistungen.

Funktionen des neuromuskulären Systems

Das neuromuskuläre System hat mehrere essenzielle Funktionen:

  • Koordination von Bewegungen: Ermöglicht eine harmonische und effiziente Bewegungsabfolge.
  • Regulation von Kraft und Geschwindigkeit der Muskelkontraktion: Steuert die Intensität der Muskelaktivität.
  • Feinabstimmung von motorischen Aktivitäten für präzise Bewegungen: Ermöglicht die Ausführung komplexer Aufgaben.
  • Beteiligung an Reflexen, die für die Körperhaltung und den Schutz des Körpers vor Verletzungen wichtig sind: Reagiert automatisch auf Reize.

Signalübertragung im neuromuskulären System

Die Signalübertragung im neuromuskulären System beginnt, wenn ein motorisches Neuron im Gehirn oder Rückenmark ein Aktionspotential generiert. Dieses Signal wird entlang des Neurons zum Muskel transportiert. Am Ende des motorischen Neurons, in der neuromuskulären Synapse, wird das elektrische Signal in ein chemisches Signal umgewandelt. Neurotransmitter, speziell Acetylcholin, werden in den synaptischen Spalt freigesetzt und binden an Rezeptoren auf der muskulären Seite der Synapse. Diese Bindung führt zur Depolarisation der Muskelmembran, was schlussendlich eine Muskelkontraktion auslöst.

Neuromuskuläre Adaptation durch Training

Durch regelmäßiges Training werden die neuromuskulären Systeme gezielt beeinflusst, was zu einer verbesserten Muskelkraft, Koordination und Ausdauer führt. Der Schlüssel zu dieser Anpassung liegt in der Art und Weise, wie Muskelfasern aktiviert und genutzt werden, sowie in den Veränderungen, die auf neuronaler Ebene stattfinden.

Anpassungen durch Training:

  • Erhöhung der Rekrutierung von Muskelfasern.
  • Verbesserung der intramuskulären Koordination.
  • Steigerung der neuralen Effizienz.

Die motorische Einheit

Als motorische Einheit bezeichnet man die Summe aller Muskelfasern, die von einem Alpha-Motoneuron innerviert werden. Die motorische Einheit bewirkt eine gemeinsame und koordinierte Kontraktion von einheitlichen Muskelfasern. Zudem kommt es anhand der Rekrutierung von unterschiedlich vielen motorischen Einheiten zu einer Abstufung der Muskelkraft.

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Funktionsweise einer motorischen Einheit:

  1. Das Motoneuron sendet elektrische Signale über das Rückenmark und seine Nervenbahnen an die Muskelfasern.
  2. Diese elektrischen Impulse führen zur Kontraktion der Muskelfasern, die von dieser spezifischen Nervenzelle versorgt werden.
  3. Je nach Kraftanforderung werden unterschiedlich viele und verschieden große motorische Einheiten aktiviert.

Klinische Relevanz: Neuromuskuläre Erkrankungen

Neuromuskuläre Erkrankungen umfassen eine Gruppe von Zuständen, die das neuromuskuläre System betreffen. Diese Störungen können zu Schwäche, Verlust der Muskelmasse und manchmal auch zu Schwierigkeiten bei der Steuerung der Muskeln führen.

Beispiele für neuromuskuläre Erkrankungen:

  • Myasthenia Gravis: Eine autoimmune Erkrankung, die die neuromuskuläre Übertragung stört und zu Muskelschwäche führt.
  • Muskeldystrophien: Eine Gruppe von genetisch bedingten Erkrankungen, die den Muskelabbau und Schwäche verursachen.
  • Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Eine Erkrankung, die die motorischen Neuronen betrifft und zu progressiver Muskelschwäche führt.
  • Spinale Muskelatrophie (SMA): Eine genetische Störung, die die motorischen Neuronen im Rückenmark betrifft und zu Muskelschwäche und -abbau führt.
  • Polymyositis: Entzündliche Autoimmunmyopathie, die durch T-Zell-vermittelte Muskelverletzungen verursacht wird.
  • Rhabdomyolyse: Gekennzeichnet durch Muskelnekrose und die Freisetzung von toxischen intrazellulären Inhalten, insbesondere Myoglobin, in den Kreislauf.
  • Kompartmentsyndrom: Zustand, der auftritt, wenn ein erhöhter Druck in einem geschlossenen Muskelkompartiment den Druck übersteigt, der zur Perfusion des Kompartiments erforderlich ist, was zu einer Muskel- und Nervenischämie führt.
  • Duchenne-Muskeldystrophie (DMD): X-chromosomal-rezessive genetische Störung, die durch eine Variante im DMD -Gen verursacht wird.
  • Kardiomyopathien: Gruppe von Herzmuskelerkrankungen, die mit strukturellen Veränderungen der Herzmuskulatur (Myokard) und einer beeinträchtigten systolischen und/oder diastolischen Funktion einhergehen, wenn keine anderen Herzerkrankungen (wie koronare Herzkrankheit oder Bluthochdruck) vorliegen.
  • Uterusleiomyom und Leiomyosarkome: Uterusleiomyome (oder Uterusmyome) sind gutartige Tumoren, die aus glatten Muskelzellen im Uterusmyometrium entstehen. Leiomyosarkome sind bösartige Tumoren, die de novo (nicht aus Myomen) entstehen.

Reflexe und Motorische Systeme

Unter dem Begriff der Motorischen Systeme werden solche Komponenten zusammengefasst, die Bewegungsvorgänge über die somato-motorischen Neurone vermitteln. Bewegungsvorgänge können in Zielmotorik und Stützmotorik getrennt werden. Die Zielmotorik umfasst hauptsächlich die distale Muskulatur, die für Feinbewegungen verantwortlich ist. Die Bewegung wird geplant und über das Pyramidenbahnsystem vermittelt. Die Stützmotorik betrifft hauptsächlich die proximale Muskulatur (Stamm- oder Axialmuskulatur), deren Innervation (Aktivierung) durch propriozeptive Eingänge bestimmt wird. Diese Bewegungskomponenten laufen weitgehend unwillkürlich (reflektorisch) ab.

Der Muskelregulation liegen unwillkürliche, gleichförmige Reaktionsweisen der motorischen Einheiten zugrunde, die als Reflexe bezeichnet werden. Man unterscheidet Eigenreflexe (Muskeldehnungsreflexe) und Fremdreflexe (Oberflächenreflexe).

Eigenreflexe: Sind propriozeptive, monosynaptische Feedbackmechanismen aus den Muskeln. Sie führen zur reflektorischen Kontraktion, wenn ein Muskel gedehnt wird. Der Rezeptor liegt in der Muskelspindel (anulospiraler Dehnungsrezeptor).

Fremdreflexe: Sind Reflexe, bei denen gereiztes Organ und Erfolgsorgan verschieden sind. Sie sind stets polysynaptisch. Der zugehörige Reflexbogen läuft von einem Oberflächenrezeptor (Haut- bzw. Schleimhaut) zu einem Muskel.

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