Die Diagnose Parkinson stellt Betroffene vor große Herausforderungen. Regelmäßige Bewegung ist ein entscheidender Bestandteil der Therapie, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und die Lebensqualität zu erhalten. Dabei spielen Übungen mit dem Pezziball eine wichtige Rolle, um Beweglichkeit, Kraft, Stabilität und Selbstständigkeit im Alltag zu fördern.
Bedeutung von Bewegung bei Parkinson
Bewegung ist ein wichtiger Teil der Parkinson-Behandlung. Medikamente können viele Symptome lindern, doch manche Beschwerden lassen sich vor allem durch eine gezielte Bewegungstherapie verbessern. Dazu zählen zum Beispiel Schwierigkeiten beim Sprechen, Gehen, Stehen oder Halten des Gleichgewichts sowie eine veränderte Körperhaltung. Regelmäßige Bewegung stärkt die Muskulatur, verbessert Ausdauer, Beweglichkeit und Geschicklichkeit - und hilft, möglichst lange aktiv und selbstständig zu bleiben.
"Regelmäßige Bewegung ist ein entscheidender Teil der Parkinson-Therapie. Sie kann den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen und hilft, länger aktiv und selbstständig zu bleiben. Sie verbessert nicht nur die Beweglichkeit, sondern wirkt sich auch positiv auf Stimmung, Konzentration und Selbstvertrauen aus", so Experten der Paracelsus Elena Klinik Kassel.
Grundlagen der Parkinson-Therapie
Die heutige, sehr effektive Therapie des Parkinson-Syndroms ist auf vier Säulen aufgebaut:
- Medikamentöse Kombinationsbehandlung: Diese hat in den letzten Jahrzehnten große Erfolge erzielt und wird ständig weiterentwickelt.
- Operative Verfahren: Diese kommen in bestimmten Fällen zum Einsatz.
- Begleittherapie: Diese zielt darauf ab, dass die Patienten die verloren gegangenen oder eingeschränkten Fähigkeiten und automatischen Bewegungen wieder erlernen.
- Psychologische Betreuung: Diese hilft den Patienten, mit der Krankheit umzugehen und ihre Lebensqualität zu erhalten.
Die Begleittherapie ist von besonderer Bedeutung, da sie den Patienten hilft, im Alltagsleben besser zurechtzukommen. Durch Lernprozesse gewinnen sie an Selbstsicherheit, Selbstvertrauen und Motivation. Andererseits verstärken sich viele Parkinsonsymptome, am meisten der Rigor und die Akinese, wenn diese überwiegend übenden Verfahren vernachlässigt werden.
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Physiotherapie bei Parkinson
Voraussetzung der erfolgreichen Physiotherapie der Parkinson-Krankheit ist die möglichst genaue Registrierung der Ausprägung der Symptomatik und der spezifischen Funktionen aus krankengymnastischer Sicht. Aufgrund der so aufgezeichneten Anfangssituation kann das therapeutische Ziel gesteckt und ein gezielter Therapie-Plan aufgestellt werden. Diese Erfassungsbogen sind ähnlich aufgebaut wie die Unified Parkinson Disease Rating Scale (UPDRS), die von den Ärzten verwendet wird.
Die Krankengymnastik zur Linderung der hypokinetischen Symptome versucht einerseits, die noch vorhandenen Bewegungsmuster optimal auszunutzen, andererseits die verloren gegangenen erlernten oder automatisierten Bewegungen durch neuerlernte zu ersetzen. Weil die Lernmöglichkeiten infolge der Krankheit von Anfang an eingeschränkt sind, hat die Motivierung der Patienten für diese ergänzende Therapie sehr früh, schon bei der Diagnosestellung eine große Bedeutung. Auch die Notwendigkeit der Kontinuität dieser Übungsbehandlungen sollte dem Patienten klar sein.
Um die noch vorhandenen automatischen Bewegungen zu erhalten, ist die ständige Wiederholung der Bewegungen nötig. Die Bewegungen werden häufig mit Musik bzw. mit Rhythmus ausgeführt, einzeln mit dem Therapeuten oder in der Gruppe. Kommandos, Taktgeber, Marschmusik per Lautsprecher, MP3-Player oder Walkman sind sehr hilfreich. Auch die optische Gestaltung des Übungsraumes (Streifen oder Stäbe auf dem Fußboden, Schachbrettmuster usw.) fördern den Trainingseffekt. Es werden auch einfache Geräte wie Bälle, Stäbe, Tücher verwendet. Entsprechend des Schweregrades der Symptomatik werden die Übungen im Gehen, stehend oder sitzend durchgeführt, bei schwerkranken Patienten sogar im Bett. Um die Gleichgewichtsreflexe zu unterstützen, werden auch bewegliche Untergründe (Schaukelbrett, Trampolin, Laufband, Pezziball) verwendet. In der letzten Zeit werden außerdem Trainingsgeräte eingesetzt. Es ist aber wichtig, dass die Übungen die Patienten nicht überfordern und dass die Ausprägung der Symptomatik und die Leistungsfähigkeit der Patienten immer berücksichtigt werden.
Der Pezziball als Therapiegerät
Der Pezziball ist ein vielseitiges Therapiegerät, das in der Parkinson-Behandlung vielfältig eingesetzt werden kann. Er eignet sich sowohl für Übungen im Sitzen als auch im Stehen und kann dazu beitragen, die Rumpfstabilität, die Beweglichkeit und das Gleichgewicht zu verbessern.
Vorteile des Pezziballs:
- Instabilität: Der Pezziball ist ein instabiler Untergrund, der die Muskeln dazu zwingt, ständig zu arbeiten, um das Gleichgewicht zu halten. Dies stärkt insbesondere die Rumpfmuskulatur, die für eine gute Körperhaltung und Stabilität wichtig ist.
- Beweglichkeit: Der Pezziball ermöglicht eine Vielzahl von Bewegungen, die die Beweglichkeit der Wirbelsäule und der Gelenke verbessern können.
- Gleichgewicht: Übungen auf dem Pezziball schulen das Gleichgewicht und die Koordination.
- Motivation: Der Pezziball kann die Motivation steigern, da er eine spielerische und abwechslungsreiche Trainingsform ermöglicht.
Übungen mit dem Pezziball
Es gibt zahlreiche Übungen, die mit dem Pezziball durchgeführt werden können. Hier sind einige Beispiele:
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- Sitzen auf dem Pezziball: Das Sitzen auf dem Pezziball trainiert die Rumpfmuskulatur und verbessert die Körperhaltung.
- Beckenkippen: Im Sitzen auf dem Pezziball das Becken vor- und zurückkippen. Diese Übung verbessert die Beweglichkeit der Wirbelsäule.
- Seitliches Abrollen: Im Sitzen auf dem Pezziball seitlich abrollen und wieder aufrichten. Diese Übung stärkt die seitliche Rumpfmuskulatur.
- Stützübungen: In Bauchlage auf dem Pezziball abstützen und den Körper stabilisieren. Diese Übung stärkt die Rumpf- und Schultermuskulatur.
- Kniebeugen: Mit dem Rücken an den Pezziball gelehnt Kniebeugen ausführen. Diese Übung stärkt die Beinmuskulatur und verbessert das Gleichgewicht.
- Brücke: Legen Sie sich auf den Rücken. Winkeln Sie Ihre Knie in eine 90 Grad Stellung an und stellen Sie Ihre Füße hüftbreit, wobei nur die Ferse Ballkontakt hält. Ihre Arme legen Sie gestreckt hinter Ihren Kopf auf dem Boden ab. Nun heben Sie Ihre Hüfte vom Boden ab und bringen Sie diese in maximale Streckung, indem Sie Ihr Gesäß anspannen. Verweilen Sie kurz für 1-2 Sekunden in der Endstellung und führen Sie nun wieder die Hüfte in Richtung Boden, ohne diesen zu berühren. Steigerung: Um den Schwierigkeitsgrad zu steigern, schließen Sie bei der Durchführung die Augen.
Hinweise zur Durchführung
- Sicherheit: Achten Sie bei allen Übungen auf einen sicheren Stand und eine stabile Unterlage. Bei Bedarf können Sie sich an einer Wand oder einem Stuhl festhalten.
- Anpassung: Passen Sie die Übungen an Ihre individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse an. Beginnen Sie mit einfachen Übungen und steigern Sie den Schwierigkeitsgrad langsam.
- Regelmäßigkeit: Führen Sie die Übungen regelmäßig durch, am besten zwei- bis dreimal pro Woche für etwa 15 bis 60 Minuten.
- Anleitung: Lassen Sie sich die Übungen von einem erfahrenen Physiotherapeuten zeigen und erklären.
Weitere Übungen und Therapieansätze
Neben den Pezziball-Übungen gibt es weitere Übungen und Therapieansätze, die bei Parkinson hilfreich sein können:
- Krafttraining: Krafttraining stärkt die Muskulatur und verbessert die Stabilität.
- Ausdauertraining: Ausdauertraining verbessert die Kondition und die Herz-Kreislauf-Funktion.
- Dehnübungen: Dehnübungen verbessern die Beweglichkeit und reduzieren Muskelverspannungen.
- Gleichgewichtstraining: Gleichgewichtstraining schult das Gleichgewicht und die Koordination.
- Sprachtherapie: Sprachtherapie hilft bei Sprech- und Schluckstörungen.
- Ergotherapie: Ergotherapie unterstützt bei der Bewältigung von Alltagstätigkeiten.
- Selbstinstruktionen: Für jede Bewegung gibt der Patient sich selbst ein Kommando (z.B. "Arme hoch!" etc). Anfangs übernimmt der Therapeut die Kommandos, danach der Patient selbst. Wichtig ist, jede Handlung in kleine Schritte zu unterteilen.
Gangschulung
Ziel der Gangschulung der Patienten ist die Erhaltung der selbstständigen Gehfähigkeit. Auch mit den Gehübungen sollte man früh - beim Auftreten der ersten Gehprobleme - anfangen. Die einfachste Gehübung ist der tägliche Spaziergang, den man jedem Parkinson-Patienten empfehlen sollte. Gehübungen in der Gruppe mit Musik in einem möglichst großen Gymnastikraum, Nordic-Walking sind für Patienten mit leichten Gehstörungen gut geeignet. Wichtig ist die ständige Korrektur durch die Therapeuten. Es sollten die Schrittlänge, die Gangspur, das Mitschwingen der Arme kontrolliert werden. Hilfreich ist auch das Einrichten eines Gehgartens (Parcours) mit verschiedener Bodenbeschaffenheit und Hindernissen sowie mit optischen Reizen. Im Gehgarten können auch Alltagssituationen, z.B. das Öffnen eines Gartentors, eingebaut werden. Während freien Gehens können weitere Bewegungsübungen, z.B. Für die Verlängerung der Schrittlänge sind optische Reize am Boden, Kommandos, Gehen auf dem Laufband geeignet. Wichtig ist es auch, dass der Patient beim Gehen das richtige Abrollen des Fußes erneut erlernt. Viele Parkinson-Patienten treten mit der Fußspitze auf, was zu Trippelschritten und Fallneigung nach vorne führt. Das Auftreten mit der Ferse und das Abrollen nach vorne sollten extra geübt werden. Bei schweren Gangstörungen, insbesondere bei Sturzgefährdung sind Gehübungen mit geeigneten Hilfsmitteln, z.B.
Ein besonderes Problem sind beim Gehen die Starthemmungen des Patienten, die im fortgeschrittenen Zustand medikamentös nicht beeinflussbar sind. Diese so genannten Freezing-Erscheinungen führen dazu, dass der Patient - wie am Boden angeklebt - den ersten Schritt nach vorne nicht machen kann. Diese Starthemmung tritt insbesondere in Engpass-Situationen, beim Umdrehen, vor Türschwellen, vor dem Ziel oder in offenen Räumen auf und führt häufig zu schweren Stürzen, weil der Patient versucht, sich mit dem Oberkörper nach vorne zu bewegen, wobei die Füße am Boden kleben bleiben. In solchen Fällen wird dem Patienten erklärt, er möge sich vorstellen, dass vorne eine unsichtbare Wand steht. Er kann nicht durch die Wand nach vorne treten, aber er kann mit einem Seitenschritt diese umgehen. Wichtig ist, dass der Patient nach dem ersten Schritt nicht stehen bleibt, sonst tritt die Starthemmung sofort wieder auf. Man kann die Starthemmung auch mit Fremd- oder Eigenkommandos unterbrechen. Auch das Tragen eines MP3-Players oder Walkmans mit rhythmischer Musik oder eines Metronoms kann hilfreich sein, wenn die Geräte beim Auftreten der Starthemmung eingeschaltet werden. Optische Reize am Boden können für Übungszwecke geeignet sein. In den Sanitärhäusern sind Freezing-Stöcke erhältlich. In diesen Stöcken ist unten ein roter Querstab eingebaut, der auf Knopfdruck herausfährt. Der Patient soll über diesen Stab steigen und so die Starthemmung überwinden. Eine Weiterentwicklung des Freezing-Stockes sind der Laser-Stock und der Laser-Rollator. In diesen Geräten wird der Querstab durch einen Laserstrahl ersetzt. Auch die Angehörigen können lernen, wie die Starthemmung mit ihrer Hilfe gelöst werden kann. Ein quergestellter Fuß und die Aufforderung, der Patient möge darüber steigen ist eine häufig wirksame Lösung. Bei anderen Patienten hilft, dass der Helfer sich hinter den Patienten stellt und seine Schulter rhythmisch nach links und rechts bewegt. Ungeduld und Zeitdruck verstärken die Starthemmung. Gehen und das gleichzeitige Durchführen einer anderen motorischen Leistung führt auch zu Starthemmungen und erhöht sogar die Sturzgefahr.
Sturzprophylaxe
Die Gleichgewichtstörungen und die damit verbundenen Stürze mit hoher Verletzungsgefahr bedeuten bei der fortgeschrittenen Parkinson-Krankheit ein großes Problem. Neben der Krankheitsprogression besteht auch ein Zusammenhang mit der verminderten Muskelkraft. Die Sturzgefahr wird weiter erhöht, wenn auch Freezing-Erscheinungen auftreten. Auch die gleichzeitige Ausführung von zwei motorischen Tätigkeiten, plötzlich ausgeführte Bewegungen (das Telefon klingelt, Patient will zum Telefon eilen) führen häufig zu Stürzen. Infolge der Stürze entwickeln die Patienten erhebliche Ängste, die dann zu einer Verstärkung der Gleichgewichtsprobleme führen. Die Stürze erfolgen überwiegend nach vorne oder auf der Seite. Besonders gefährlich sind Stürze nach hinten ohne Kompensationsmechanismen, die bei den atypischen Parkinson-Symptomen noch häufiger sind. Ein wichtiger Teil dieser Übungen ist das Erlernen von kompensatorischen Ausfallschritten. Bei dieser Übung wird der hinter dem Patienten stehende Therapeut den Patienten ruckartig nach hinten ziehen und auffangen, wie bei der Untersuchung der so genannten Retropulsion. Der Patient soll lernen, diese plötzliche Veränderung der Körperlage und die dadurch entstandene Fallneigung durch einen Ausfallschritt nach hinten zu kompensieren. Es ist häufig notwendig, die Übungen mit direkter Hilfeleistung des Therapeuten als einzelgymnastisches Training durchzuführen. Die Benutzung von Abstützmöglichkeiten wie z.B. ein Gehbarren ist ebenfalls empfehlenswert. Geeignete Übungen sind z.B.
Die Sturzprophylaxe beinhaltet aber auch die Aufklärung der Patienten und der Angehörigen. Der Patient soll lernen, solche Situationen zu meiden, die die Gefahr des Hinfallens in sich bergen. Die Wohnraumgestaltung spielt in der Sturzprophylaxe eine wichtige Rolle. Türschwellen, lose Teppiche, scharfe Möbelkanten, überflüssige Türen sollten beseitigt werden. In den Fällen, in denen der Patient wegen ausgeprägter Gangstörung und Fallneigung auf entsprechende Hilfsmittel angewiesen ist, ist es Aufgabe der Therapeuten, das für ihn geeignete Hilfsmittel auszusuchen und körpergerecht einzustellen sowie die Benutzung der Hilfe mit dem Patienten einzuüben. Diese Hilfsmittel erhöhen die Bewegungsfähigkeit der Patienten, verlängern die mögliche Gehstrecke und verringern die Sturzgefahr.
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