Die Aufgabe des Zahnnervs und seine Bedeutung für die Zahngesundheit

Der Zahnnerv, auch Pulpa genannt, ist ein zentrales Element des Zahns und spielt eine wesentliche Rolle für dessen Gesundheit und Funktion. Er versorgt den Zahn mit Nährstoffen, leitet Schmerzen weiter und reagiert empfindlich auf äußere Einflüsse. Erkrankungen des Zahnnervs, wie die Pulpitis, können starke Schmerzen und schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.

Aufbau und Lage des Zahnnervs

Der Zahnnerv ist ein weiches Gewebe, das sich im Inneren des Zahns, genauer in der Zahnpulpa, befindet. Diese Gewebestruktur besteht aus Nervenfasern, Blutgefäßen und Bindegewebe, die eng miteinander verbunden sind. Sie ist von Dentin umgeben, das wiederum durch Zahnschmelz geschützt wird. Der Zahnnerv befindet sich im Pulpakavum, einer Hohlraumstruktur im Zahninneren. Diese erstreckt sich von der Zahnkrone bis in die Zahnwurzel, wo sie in die Wurzelkanäle übergeht. Die Zahnpulpa ist über die sogenannte Wurzelspitze (Apex) mit dem umliegenden Gewebe verbunden, durch die Blutgefäße und Nervenfasern in den Zahn eintreten.

Die Struktur des Zahns im Überblick

Die menschlichen Zähne sind grundsätzlich gleich aufgebaut: Egal, ob Schneidezahn, Eckzahn oder Backenzahn, sie bestehen aus Zahnkrone, Zahnhals und Zahnwurzel. Die Zähne setzen sich aus unterschiedlichen Schichten und Substanzen zusammen.

  • Zahnkrone: Die Zahnkrone ist der sichtbare Teil des Zahns. Die äußere Schicht der Zahnkrone besteht aus Zahnschmelz, der das Innere der Krone schützt. Er ist nicht nur die härteste Substanz des Körpers, er ist auch einmalig: Zahnschmelz wächst nicht nach.
  • Zahnhals: Der Zahnhals ist der Übergang zwischen Zahnkrone und Zahnwurzel. Bei einem gesunden Gebiss liegt der Zahnhals verborgen unter dem Zahnfleisch. Freiliegende Zahnhälse reagieren sehr empfindlich auf Reize wie Kälte oder Berührung.
  • Zahnwurzel: Die Zahnwurzel ist der nicht sichtbare Teil des Zahnes und verankert den Zahn mit dem Kieferknochen. Die Zahnwurzel ist in der Regel doppelt so lang wie die Zahnkrone. Kleinere Zähne sind mit jeweils einer einzigen Wurzel ausgestattet.
  • Grübchen (Fissur): Die Grübchen sind Einkerbungen auf der Kaufläche der Backenzähne.
  • Zahnschmelz: Der Zahnschmelz ist die härteste Substanz des menschlichen Körpers. Er schützt das Zahnbein und bewahrt den Zahn vor Abnutzung.
  • Zahnfleisch: Das Zahnfleisch liegt wie eine schützende Manschette um den Zahnhals und verhindert so das Eindringen von Schadstoffen aus der Mundhöhle in den Kieferknochen. Das Zahnfleisch (die Gingiva) ist der äußere Abschluss des Zahnhalteapparates.
  • Zahnbein (Dentin): Das Zahnbein ist nach dem Zahnschmelz die zweithärteste Substanz im menschlichen Körper. Es ist von feinen Nervenfasern durchzogen. Unterhalb des Zahnschmelzes liegt das Zahnbein (das Dentin), das sich bis zur Wurzelspitze erstreckt. Zahnbein ist härter als Knochengewebe, aber elastisch und wird bis ins hohe Alter immer wieder neu gebildet. Das Dentin ist von winzigen Dentinkanälchen durchzogen, deren Zahl und Größe vom Zahnnerv nach außen hin abnimmt. Diese Kanälchen stellen eine Verbindung zwischen dem Zahnnerv und den äußeren Schichten des Dentins her.
  • Zahnmark (Pulpa): Das Zahnmark ist ein Bindegewebe und füllt das Innere des Zahnes aus. Es ist von Blutgefäßen und Nerven durchzogen und wird oft fälschlicherweise als Zahnnerv bezeichnet. Das Zahnmark (die Pulpa) besteht aus Blutgefäßen, Nervenbahnen, Bindegewebe und Zellen zur Bildung von Zahnbein. Das relativ weiche Zahnmark liegt in einem Hohlraum im Inneren des Zahnes - der Pulpahöhle - und versorgt das Zahnbein mit Nährstoffen. Die Nerven leiten Reize wie Hitze oder Kälte weiter.
  • Wurzelzement: Hülle der Zahnwurzel von der Spitze bis zum Zahnhals.
  • Wurzelhaut mit Haltefasern: Bindegewebe des Zahnhalteapparates mit kleinen Blutgefäßen und Lymphgefäßen. Es ermöglicht eine elastische Verbindung des Zahns mit dem Kieferknochen. Zwischen Wurzelzement und Alveolarknochen liegt die Wurzelhaut, ein Bindegewebe.
  • Blutgefäße und Nerven: Die Blutgefäße versorgen den Zahn mit Nährstoffen und liegen zusammen mit den Nerven geschützt im Zahnmark.
  • Kieferknochen: Im Kieferknochen sind die Zähne in einem Zahnfach verankert.

Funktion des Zahnnervs

Der Zahnnerv hat zwei Hauptaufgaben: Er ernährt den Zahn, indem er Nährstoffe und Sauerstoff über die Blutgefäße transportiert, und er vermittelt sensorische Reize, insbesondere Schmerzen. Durch seine Lage tief im Zahninneren bleibt der Zahnnerv in der Regel gut geschützt. Der Zahnnerv arbeitet in enger Verbindung mit dem Zahnschmelz und dem Dentin, welche ihn vor schädlichen Einflüssen schützen.

  • Ernährung des Zahns: Der Zahnnerv versorgt den Zahn mit Nährstoffen und Sauerstoff über die Blutgefäße.
  • Schmerzempfindung: Der Zahnnerv kann nur Schmerz- und Druckempfindungen wahrnehmen, da er hauptsächlich von Nozizeptoren (Schmerzrezeptoren) durchzogen ist. Dies erklärt, warum Zahnschmerzen oft diffus wahrgenommen werden und in umliegende Bereiche wie Kiefer oder Schläfen ausstrahlen können. Die Nerven leiten Reize wie Hitze oder Kälte weiter. Zahnnerven sind auch eine Art Frühwarnsystem, das uns auf äußere Reize aufmerksam macht, indem es Schmerzen verursacht. Die Pulpa hat auch die Aufgabe, sensorische Impulse wie zum Beispiel Hitze oder Kälte an das Gehirn weiterzuleiten.

Unsere Zähne dienen vor allem als Kauwerkzeug. Sie müssen abbeißen, zerkleinern, zermahlen und so die Nahrung für die Weiterverarbeitung im Verdauungstrakt vorbereiten. Damit das gelingt, sind die Zähne von Natur aus so robust ausgestattet, dass sie höchste Kaubelastungen aushalten. Gleichwohl reagieren sie empfindlich auf Säureangriffe durch Bakterien, die Karies und auch Parodontalerkrankungen auslösen können. Ein gesunder Zahn ist mit der Zahnwurzel fest in seiner Umgebung verankert. Dafür sorgt der Zahnhalteapparat (das Parodontium).

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Ursachen für Zahnnerventzündungen (Pulpitis)

Die häufigste Ursache für eine Zahnnerventzündung, auch Pulpitis genannt, ist Karies. Wenn Bakterien den Zahnschmelz und das Dentin durchdringen, können sie die Pulpa erreichen und eine Entzündung hervorrufen. Zahntraumata, beispielsweise mechanische Schäden, wie Brüche oder Risse im Zahn, ermöglichen das Eindringen von Keimen. Auch chemische Reize durch aggressive Substanzen, etwa aus Zahnfüllungen, können die Pulpa irritieren. Zusätzlich kommen thermische Einflüsse ins Spiel.

  • Karies: Karies ist ein Prozess, bei dem der Zahn durch säurehaltige bakterielle Abbauprodukte Zug um Zug verätzt und schließlich zerstört wird. Je tiefer sich eine Karies ins Dentin ausbreitet, desto höher ist die Gefahr, dass giftige Abbauprodukte der Bakterien oder auch die Bakterien selbst über Dentinkanälchen den Zahnnerv erreichen und eine Entzündung verursachen. Gerade deshalb sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, um Karies im Frühstadium zu erkennen und zu behandeln. Mit Abstand am häufigsten entzündet sich der Zahnnerv durch Bakterieneinwirkungen infolge einer Karies. Besonders heimtückisch ist Karies, die sich unsichtbar unter alten Füllungen und Kronen entwickelt. Über undichte Füllungs- und Kronenränder können Bakterien eindringen und den Zahn zerstören. Lassen Sie es möglichst gar nicht so weit kommen und gehen Sie regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen.
  • Zahntraumata: Mechanische Schäden, wie Brüche oder Risse im Zahn, ermöglichen das Eindringen von Keimen.
  • Chemische Reize: Aggressive Substanzen, etwa aus Zahnfüllungen, können die Pulpa irritieren.
  • Thermische Einflüsse: Zahnnerventzündungen können auch durch Reize ausgelöst werden, die beim Präparieren eines Zahnes für die Versorgung mit Kronen und Brücken entstehen (z. B. Wärmeentwicklung, Vibrationen).

Symptome einer Zahnnerventzündung

  • Reversible Pulpitis: Frühsymptome sind eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Kälte, Hitze oder Süßem.
  • Irreversible Pulpitis: Es treten anhaltende, stark pochende Schmerzen auf, die oft in die umliegenden Bereiche ausstrahlen. Typisch für eine Entzündung des Zahnnervs sind klopfend-pulsierende Zahnschmerzen, die durch einen Überdruck im Zahn entstehen. Hinzu kommt häufig eine Heiß-Kalt-Sensibilität und/oder Aufbissempfindlichkeit.

Bleibt eine Zahnnerventzündung unbehandelt, kann der Zahnnerv absterben (Pulpanekrose). Dies führt häufig zur Bildung eines Abszesses im Bereich der Zahnwurzel. Entzündungen des Zahnnervs können wieder abklingen, wenn die Ursache, wie z. B. ein „Kariesloch“, beseitigt wird. Wird die Entzündung nicht behandelt, weil die Schmerzen erträglich bleiben oder sogar wieder abklingen (Zahnnerv stirbt ab), dann können sich eitrige Abszesse an der Wurzelspitze bilden („dicke Backe“).

Diagnose einer Zahnnerventzündung

Zunächst erfolgt eine strukturierte Anamnese des Patienten. Die Erhebung der Krankengeschichte hilft, mögliche Ursachen und Symptome zu identifizieren. Anschließend folgt die klinische Untersuchung. Tests wie der Kältetest oder der Perkussionstest geben Hinweise auf die Vitalität der Pulpa. Mithilfe von Kältespray testet der Zahnarzt, ob der Zahn noch auf Reize reagiert oder bereits abgestorben ist. Verdichtet sich der Verdacht auf eine Pulpitis, kann die Entzündung mit einer Röntgenaufnahme bestätigt werden. Zu Beginn erstellen wir in unserer Zahnarztpraxis in Herzogenaurach eine Röntgenaufnahme des betroffenen Zahns, um eine detaillierte Analyse durchzuführen und festzustellen, ob eine Wurzelbehandlung notwendig ist. In speziellen Situationen, wie beispielsweise bei der Überprüfung einer zuvor behandelten Wurzelkanalbehandlung, kann eine dreidimensionale Röntgenaufnahme erforderlich sein.

Behandlung einer Zahnnerventzündung

  • Irreversible Pulpitis: In solchen Fällen wird eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt. Bei der Wurzelkanalbehandlung wird das Gewebe des Zahnnervs aus dem Inneren des Zahnes entfernt und der Zahn mit einem Füllmaterial dicht verschlossen, um die Wiederbesiedlung mit Keimen zu verhindern. Ziel einer Wurzelkanalrevision (Wiederholung) ist die Ausheilung der Periapikal Region (Lagebeschreibung der Wurzelspitze), des die Zahnwurzel umgebenden Knochens und das parodontalen Ligaments (Faserapperat), hält Zahn und Kieferknochen (Alveolar Knochen) zusammen. Ebenso ist das Ziel, die Beseitigung und Vorbeugung von Beschwerden (Schmerz, Schwellung). Die Wurzelbehandlung ist ein unkompliziertes Verfahren zur Linderung von Zahnschmerzen, die von einer Entzündung des Zahnnervs (Pulpitis) herrühren. Bei der Wurzelbehandlung werden Bakterien und entzündetes Gewebe aus den Wurzelkanälen entfernt. Anschließend werden die aufbereiteten Kanäle mit einem Füllmaterial verschlossen. Wurzelkanalbehandlungen können aufwendig sein Wichtig für den Erfolg der Behandlung ist, dass der Zahnarzt ALLE Wurzelkanäle findet, damit keine bakteriellen Infektionsherde im Zahn zurückbleiben. Diese Suche kann mitunter sehr aufwendig sein. Ein weiteres Problem sind Seitenkanäle und verzweigte Hohlräume im Bereich der Zahnwurzeln, aus denen Bakterien kaum restlos zu entfernen sind und die deshalb mit der Wurzelfüllung dicht „eingemauert“ werden müssen. Wurzelkanäle können stark gekrümmt sein und diverse Hohlräume, Verengungen und Verbindungskanäle ausbilden, sodass die Aufbereitung, Desinfektion und Reinigung sehr aufwendig werden können. Auch schwierige Wurzelkanäle können heute mithilfe moderner Techniken erfolgversprechend behandelt werden.

Ablauf einer Wurzelkanalbehandlung

  1. Röntgenaufnahme: Zu Beginn erstellen wir in unserer Zahnarztpraxis in Herzogenaurach eine Röntgenaufnahme des betroffenen Zahns, um eine detaillierte Analyse durchzuführen und festzustellen, ob eine Wurzelbehandlung notwendig ist. In speziellen Situationen, wie beispielsweise bei der Überprüfung einer zuvor behandelten Wurzelkanalbehandlung, kann eine dreidimensionale Röntgenaufnahme erforderlich sein.
  2. Kofferdam: Zuerst wird der Zahn mit einem Gummituch, dem sogenannten Kofferdam, abgedeckt, um sicherzustellen, dass während der Behandlung keine Keime in den Zahn gelangen können.
  3. Zugang zum Wurzelkanal: Danach wird der Zahn von der Kaufläche her vorsichtig aufgebohrt, um den Eingang zu den winzigen Wurzelkanälen zu finden. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Zahn die gleiche Anzahl von Wurzelkanälen hat. Daher ist das Suchen und Finden der Kanaleingänge trotz Verwendung von Lupenbrille und Operationsmikroskop ein wesentlicher und äußerst wichtiger Schritt in der Behandlung.
  4. Längenmessung: Nachdem die Eingänge zu den Wurzelkanälen identifiziert wurden, verwenden wir in unserer Zahnarztpraxis ein elektronisches Längenmessgerät, um die Länge jedes Wurzelkanals individuell zu vermessen. Mit diesem Gerät wird elektronisch die Länge der Wurzelkanäle bestimmt und damit eine zusätzliche Röntgenaufnahme überflüssig. Durch Röntgenaufnahmen (eine oder mehrere) bei denen die Nickel-Titan Instrumente, in die Kanäle gesteckt werden, wird die Länge des Zahnes berechnet. Bestimmte Leistungen wie z. B. eine elektronische Längenmessung des Wurzelkanals, die physikalisch-chemische Kanalaufbereitung oder die Laser-Sterilisation verbessern im Einzelfall die Qualität der Versorgung und damit die Chance auf einen langfristigen Erhalt des Zahnes.
  5. Aufbereitung der Wurzelkanäle: Im nächsten Schritt erfolgt die Entfernung der entzündeten Substanz aus jedem einzelnen Wurzelkanal mithilfe winziger, flexibler Feilen. Dabei ist äußerste Sorgfalt geboten, um sicherzustellen, dass keine Rückstände der Entzündung in den Wurzelkanälen verbleiben. Jeder entzündete Wurzelkanal muss von innen gründlich gereinigt werden. Diese Aufgabe ist besonders anspruchsvoll, da die winzigen Feilen zwar sehr flexibel, aber auch zerbrechlich sind. Daher ist äußerste Vorsicht geboten, um sicherzustellen, dass die Feilen nicht brechen und im Wurzelkanal steckenbleiben. Die Qualität der verwendeten Feilen spielt eine entscheidende Rolle für das Ergebnis des Eingriffs. Zur Aufbereitung der Wurzelkanäle verwenden wir in unserer Zehlendorfer Zahnarztpraxis das maschinelle Aufbereitungsgerät VDW.GOLD®RECIPROC®.
  6. Desinfektion der Wurzelkanäle: Die Desinfektion der Wurzelkanäle ist tatsächlich der entscheidende Schritt bei einer Wurzelkanalbehandlung. Nachdem die Kanäle durch die mechanische Reinigung mit den Feilen von innen gesäubert wurden, erfolgt eine gründliche Spülung von innen heraus mit verschiedenen Desinfektionsmitteln.
  7. Wurzelfüllung: Nach erfolgreicher Aufbereitung, wird der Zahn mit Guttapercha (gummiartiger, kautschukähnlicher Stoff) abgefüllt. In der folgenden Sitzung überprüfen wir zunächst, ob die Zahnwurzel die Behandlung bereits gut verarbeitet hat. Wenn dies der Fall ist, wird die endgültige Füllung eingesetzt.
  8. Kontrolle und Nachsorge: Eine gute Nachsorge durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen und Röntgenaufnahmen ist sehr wichtig, um den Behandlungserfolg zu überprüfen. Im Falle einer nicht erfolgreichen Wurzelkanalbehandlung kann rechtzeitig eine Wurzelkanalrevision eingeleitet werden.
  9. Überkronung: Wurzelkanalbehandelte Zähne sind frakturanfällig, weshalb wir empfehlen, diese mit einer einer laborgefertigten Krone zu stabilisieren. Zugleich gibt man dem Zahn sein schönes Aussehen zurück. Nach einiger Zeit wird ein wurzelbehandelter Zahn spröde, da die Blutgefäße nicht mehr existieren, die den Zahn versorgt haben. Weil solche Zähne meist zu großen Teilen zerstört sind, müssen diese Zähne stabilisiert werden. Die Stabilisierung erfolgt auf lange Sicht mit einer Teilkrone oder einer Krone. Zum Abschluss einer Wurzelbehandlung muss der Zahn verschlossen und stabilisiert werden. Das erfolgt mittels einer Komposit-Füllung. Gegebenenfalls wird vorher noch ein Glasfaserstift in den Zahn eingeklebt, der den Aufbau und die folgende Krone in der Wurzel verankert. Warum brauchen wir nun eine Krone? Das ist wichtig, da der Zahn in der Regel schon sehr stark zerstört ist und aufgrund der großen Verluste an Zahnhartsubstanz einfach nicht mehr so stabil wie ein gesunder Zahn ist. Zusätzlich spürt man durch das Fehlen des Zahnnerven erst viel später, wenn man auf etwas Hartes beißt. Das ist natürlich keine gute Kombination und kann zur Längsfraktur und damit unweigerlich zum Verlust des Zahnes führen. Für den langfristigen Zahnerhalt brauchen wir also unbedingt eine Krone, da diese die Kaukraft direkt auf die Wurzeln überleitet. Man kann sich diesen Effekt wie bei einem Holzfass vorstellen, das durch die Metallreifen zusammengehalten wird. Bei sehr stark „zerstörten“ Zähnen wird der Zahn vor dem Einsetzen der Krone mit einem Metall- oder Glasfaserstift versorgt.

Alternativen zur Wurzelkanalbehandlung

In dieser Situation gibt es im Wesentlichen nun zwei Möglichkeiten:

  • Der Zahn wird entfernt (und damit die Entzündung). Die einzige Alternative zur Wurzelkanalbehandlung besteht darin, den Zahn zu ziehen und durch ein Implantat oder eine Zahnbrücke zu ersetzen. Deshalb lohnt sich eine Wurzelbehandlung auf jeden Fall. Alternativen zur Wurzelkanalbehandlung sind die Extraktion (Entfernen des Zahnes) oder die chirurgische Wurzelspitzenresektion (Wurzelspitzenkappung, Abtrennung der Wurzelspitze).
  • Eine Wurzelkanalbehandlung, bei der das entzündete Gewebe aus dem Wurzelkanal entfernt und dieser dann mit Füllmaterial verschlossen wird.

Sollte trotz höchster Sorgfalt in komplexen Situationen die beschriebene Vorgehensweise nicht den gewünschten Erfolg erzielen, ist es erforderlich, einen operativen Eingriff durchzuführen, um den natürlichen Zahn zu erhalten. Ist diese Entzündung an der Wurzelspitze nicht mehr anders behandelbar, bleibt die sogenannte Wurzelspitzenresektion als letztes Mittel, um die Infektionsquellen zu beseitigen und den drohenden Verlust des Zahnes zu vermeiden. Bei dieser chirurgischen Behandlung wird Eiter- und Zystengewebe rund um die Wurzelspitze entfernt und die Zahnwurzel um etwa ein Drittel gekürzt. Alternativ kann die Wurzelspitze operativ mit einer sogenannten Wurzelspitzenresektion entfernt werden.

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Wirtschaftliche Aspekte der Wurzelkanalbehandlung

Nicht jeder Zahn, der durch eine Wurzelkanalbehandlung erhalten werden kann, darf auf Kosten der gesetzlichen Kassen behandelt werden. Die Regelungen dazu sind kompliziert und umfangreich. Eine Wurzelkanalbehandlung als Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung ist möglich, wenn der zu behandelnde Zahn im Sinne der Behandlungsrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses* ERHALTUNGSWÜRDIG und ERHALTUNGSFÄHIG ist. Darüber hinaus spielen auch die Beurteilung der Gebisssituation und Fragen, ob der Zahn eine wichtige Funktion im Gesamtsystem hat oder ob eine Gegenbezahnung vorhanden ist, eine Rolle. Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses gemäß § 91 Abs. Durch die komplizierten Regelungen stellt sich nicht selten erst während der Behandlung heraus, ob die Wurzelkanalbehandlung Kassenleistung ist oder nicht. Ein Beispiel: Ein kleiner Backenzahn im Oberkiefer hat einen entzündeten Zahnnerv und wäre nach der ersten Untersuchung auch dauerhaft zu erhalten. Im Sinne der Richtlinien ist der Zahn erhaltungswürdig und nichts spricht in dieser Phase gegen die Kassenleistung. Im Verlaufe der Behandlung stellt sich jedoch heraus, dass die Wurzelkanäle stark verästelt und nur unter Einsatz modernster Techniken aufzubereiten sind. In diesem Fall wird das Wirtschaftlichkeitsgebot verletzt (Behandlung zu teuer) und der Zahn gilt nun nach den Richtlinien* als nicht erhaltungsfähig. Konsequenz: Die Wurzelkanalbehandlung ist keine Kassenleistung mehr! Plötzlich steht der Patient vor der Situation, entweder die Behandlung abbrechen zu müssen (Zahn wird entfernt) oder die gesamten Kosten selbst zu tragen.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen nur Behandlungen, die medizinisch notwendig sind. Dazu gehört auch eine Wurzelkanalbehandlung an Front- und vorderen Backenzähnen. Diese hat nach den gesetzlichen Vorschriften „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich“ zu sein. Dementsprechend liegt die Erfolgsrate bei Gesetzlichen Krankenkassen-finanzierten Behandlungen mit inflexiblen Stahlinstrumenten bei nur ca. Zeigt die Zahnwurzel erneute Zeichen einer Entzündung, entfernt der Zahnarzt das alte Restaurationsmaterial und führt eine weitere Wurzelkanalbehandlung durch. Diese Behandlung ist in der Regel eine Privatleistung.

Erfolgsaussichten einer Wurzelkanalbehandlung

Mit aufwendigeren Therapien lassen sich heute auch schwierige Wurzelkanäle erfolgversprechend behandeln. Der Ausgangsbefund ist für den Erfolg einer Revision wesentlich. Bei Erstbehandlungen und Revisionsbehandlungen ohne eine Entzündung an der Wurzelspitze liegt die Erfolgsrate bei 92% bis 98% auf 10 Jahre gerechnet (Friedman und Mor). Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Wurzelkanalrevision gelingt ist sehr hoch. Dennoch kann es vorkommen, dass bei der Behandlung etwas schiefläuft.

Vorbeugung von Zahnnerventzündungen

Jeder kann mit einfachen Mitteln Zahnnerventzündungen vorbeugen. Karies ist die häufigste Ursache für Wurzelkanalbehandlungen. Nutzen Sie die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in Ihrer Zahnarztpraxis, damit Karies bereits im Frühstadium erkannt und behandelt werden kann. Lassen Sie es möglichst gar nicht so weit kommen und gehen Sie regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen. Gerade deshalb sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, um Karies im Frühstadium zu erkennen und zu behandeln.

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