Der moderne Mensch steht oft unter dem Druck der Leistungsgesellschaft, was zu Stress, Angst und kreisenden Gedanken führen kann. Diese Reaktionen sind tief in unserer Evolution verwurzelt, da unser Nervensystem seit der Steinzeit kaum Veränderungen erfahren hat. Während Stresshormone und Gefahrentrigger einst unser Überleben sicherten, sind moderne Stressoren überwiegend psychischer Natur und wurzeln oft in Prägungen aus der Kindheit.
Die Wurzeln des Stresses: Evolution und Kindheit
Die Brust wird eng, der Puls steigt an - diese körperlichen Reaktionen auf Stress sind evolutionär bedingt. Ohne Stresshormone hätten unsere Vorfahren dem Säbelzahltiger kaum entkommen können. Heute sind es jedoch weniger äußere Gefahren, sondern vielmehr der Druck, den wir uns selbst oder andere uns auferlegen, der uns stresst.
Als Kinder sind wir auf die Zuwendung unserer Eltern angewiesen. Deshalb tun wir unbewusst alles, um geliebt zu werden. Ein Leistungsanspruch der Eltern kann beispielsweise dazu führen, dass wir verbissen Überstunden machen, um uns sicher zu fühlen. Negative Kommentare treffen uns dann besonders hart, da sie prägende Momente aus der Kindheit reaktivieren. Der Körper und das Nervensystem schalten in den Überlebensmodus, ein Phänomen, das in der Psychologie als Körpergedächtnis bezeichnet wird.
Fallbeispiele: Daniela und Stefanie
Die Führungskraft Daniela hat von einem Elternteil immer das Gefühl bekommen, nicht auszureichen. Nur durch Leistung und Perfektion erfuhr sie Anerkennung. Ihre Mitarbeiterin Stefanie erlebte ähnliches in ihrer Kindheit und musste immer leisten, um Liebe zu erhalten. Als Stefanies Mutter erkrankt, meldet Daniela sie kurzerhand krank, was zu einem Missverständnis und Durcheinander im Team führt.
Stefanies Reaktion wurzelt in ihrem Gefühl des "nicht gut genug Seins", das durch Danielas Handeln verstärkt wird. Daniela hingegen fühlt sich in ihrem Entgegenkommen nicht gesehen, was alte Gefühle aus ihrer Kindheit reaktiviert. Die angespannte Stimmung zwischen den beiden zeigt, wie tief Kindheitsprägungen unser Verhalten im Erwachsenenalter beeinflussen können.
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Der "Bambi-Reflex": Anpassung als Überlebensstrategie
Manchmal entwickeln Menschen den sogenannten "Fawn Response" oder "Bambi-Reflex" als Überlebensstrategie. Sie versuchen, es anderen recht zu machen, um Konflikte zu vermeiden und Zuwendung zu erhalten. Dieses Verhalten kann jedoch dazu führen, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigen und sich selbst verraten.
Arno Gruen nannte dies den Verrat am Selbst. Betroffene spüren sich selbst kaum noch und haben Schwierigkeiten, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu formulieren. Sie werden zum "seelischen Mülleimer" für andere und geraten leicht in Co-Abhängigkeit oder ungesunde Beziehungen.
Wege zur Bewältigung: Selbstkenntnis und Kommunikation
Um Stress und negativen Verhaltensmustern entgegenzuwirken, ist es wichtig, sich selbst besser kennenzulernen und sich der eigenen Glaubenssätze und Trigger bewusst zu werden. Dies kann durch folgende Schritte geschehen:
- Bewusst werden: Den Stress aktiv fühlen, im Körper verorten und beobachten.
- Rückverfolgung: Woher kenne ich dieses Gefühl?
- Deutung: Was bedeutet es für mich, wenn so eine Situation eintritt? Was hätte diese Situation für mein Sicherheitsgefühl als Kind bedeutet?
- Explorieren: Was passiert, wenn ich meinem Bedürfnis Raum gebe? Wie kann ich mich sicherer fühlen? Was kann ich an meinem Umfeld ändern?
In Konfliktsituationen kann Mediation helfen, insbesondere wenn eine dritte Person mit entwicklungspsychologischer Ausbildung hinzugezogen wird. Schulungen und Teamentwicklungsmaßnahmen können Mitarbeitenden helfen, ihre Rollen im Team zu erkennen und eine gute Arbeitsatmosphäre zu schaffen.
Die Nerven: Katharsis durch Musik
Die deutsche Band Die Nerven setzt sich in ihren Texten mit Themen wie Identitätsverlust, Leistungsdruck und der Absurdität der Existenz auseinander. Ihre Musik ist ein Aufschrei gegen die Stummheit, die Langeweile und den inneren Selbsthass, der in der Gesellschaft vorherrscht. Sie fordern Empathie und einen gefühlsbetonteren Umgang im zwischenmenschlichen Alltag.
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Verbotene Liebe: Ein Minenfeld der Gefühle
"Liebe kennt keine Grenzen", heißt es oft. Aber was, wenn Liebe "verboten" ist? Affären sind ein Minenfeld der Gefühle, in dem es selten Gewinner gibt. Die Geliebte, die Ehefrau und der Mann selbst leiden unter der Situation.
Die Rolle der Geliebten
In Filmen wird die Geliebte oft als bösartige Verführerin dargestellt. In der Realität ist sie jedoch meist eine Frau, die sich in einen vergebenen Mann verliebt hat und sich in einem Strudel aus Gefühlen, Hoffnung und Enttäuschung befindet. Sie blendet die negativen Aspekte der Situation aus und klammert sich an die Vorstellung, dass er sich für sie entscheiden wird.
Der Kreislauf der Affäre
Affären folgen oft einem ähnlichen Muster:
- Verdrängung: Die Ehefrau wird ausgeblendet, die Geliebte idealisiert.
- Aufwachen: Gefühle des Mitleids für die Ehefrau kommen auf, Zweifel an der Situation entstehen.
- Versöhnung und Trennung: Ein anstrengender Kreislauf aus Annäherung und Distanzierung beginnt.
- Enttäuschung: Der Mann schafft die Trennung von seiner Frau nicht, die Hoffnung schwindet.
- Hass: Die Geliebte hasst den Mann für seine Unentschlossenheit, kann aber nicht von ihm loslassen.
Die Folgen der Affäre
Affären können verheerende Folgen für alle Beteiligten haben. Die Geliebte verliert ihren Stolz und ihr Wertesystem, die Ehefrau wird betrogen und verletzt, und der Mann befindet sich in einer Zwickmühle, aus der er oft nicht herausfindet.
Auswege aus der "verbotenen Liebe"
Der beste Rat ist, sich gar nicht erst auf eine Affäre einzulassen. Wenn es doch passiert ist, sollte man so schnell wie möglich aussteigen. Wenn er sich nicht unmittelbar trennt, wird er es niemals tun. Die Zeit ist der beste Helfer, um sich aus dieser ausweglosen Situation zu befreien.
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