Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen im Kindesalter, von der etwa 0,5 % der Kinder betroffen sind. Obwohl die meisten Kinder mit Epilepsie eine normale Entwicklung durchmachen, kämpfen viele Eltern mit Ängsten sowohl vor der Erkrankung selbst als auch vor den möglichen Nebenwirkungen der Therapie. Ein epileptischer Anfall kann sich auf verschiedene Weise äußern, und in manchen Fällen können Kinder nach einem Anfall über Augenschmerzen klagen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen von Augenschmerzen nach einem Krampfanfall bei Kindern und gibt einen Überblick über die Behandlung von Epilepsie im Kindesalter.
Epilepsie im Kindesalter: Ein Überblick
Epilepsie bezeichnet eine erhöhte Anfallsneigung, die durch eine Dysbalance zwischen erregenden und hemmenden synaptischen Einflüssen im Gehirn verursacht wird. Durchschnittlich ist knapp 1 Prozent der Menschen in Deutschland an einer Epilepsie erkrankt. Bei Kindern kann es passieren, dass eine Epilepsie über längere Zeit nicht als solche erkannt wird, da manche Anfallsformen diskret ablaufen. Umgekehrt gibt es auch Kinder, deren Anfälle fälschlich einer Epilepsie zugeordnet werden.
Die Prävalenz für eine Epilepsie im Kindesalter beträgt etwa 0,5 Prozent, im Mittel erkranken jährlich etwa 50 von 100 000 Kindern (Altersgruppe Null bis 14 Jahre). Damit sind Epilepsien die häufigste neurologische Erkrankung im Kindesalter. Insgesamt machen Kinder etwa ein Viertel der Epilepsie-Neuerkrankungen aus. Zwei Drittel aller Kinder mit Epilepsie entwickeln sich normal. Eine mentale Retardierung mit einem Intelligenzquotienten unter 70 ist aber die häufigste Komorbidität. Eine anhaltende Dunkelziffer wie bei anderen Erkrankungen gibt es bei der Epilepsie im Kindesalter nicht.
Ursachen von Augenschmerzen nach einem Krampfanfall
Augenschmerzen nach einem Krampfanfall können verschiedene Ursachen haben:
- Muskelverspannungen: Während eines Krampfanfalls können sich die Muskeln im ganzen Körper, einschließlich der Augenmuskeln, stark zusammenziehen. Dies kann zu Verspannungen und Schmerzen im Bereich der Augen führen.
- Erhöhter Augeninnendruck: In seltenen Fällen kann ein Krampfanfall zu einem vorübergehenden Anstieg des Augeninnendrucks führen, was ebenfalls Schmerzen verursachen kann.
- Begleitverletzungen: Bei einem Sturz während eines Anfalls kann es zu Verletzungen im Gesichtsbereich kommen, die auch die Augen betreffen und Schmerzen verursachen können.
- Postiktale Phase: Nach einem Anfall folgt in den meisten Fällen eine Nachphase (postiktale Phase), welche Stunden anhalten kann. In dieser kommt es zu Symptomen wie Sprachstörungen, Vigilanzminderungen, Lähmungen, Gedächtnisstörungen und teilweise psychischen Störungen bis hin zu aggressivem Verhalten.
Es ist wichtig, die Augenschmerzen von anderen Symptomen zu unterscheiden, die während oder nach einem Anfall auftreten können, wie z.B. Augenbewegungen, Schmatzen, Armrudern und Zuckungen. Bei Neugeborenen und Säuglingen sind Anfälle noch schwerer zu erkennen als bei älteren Kindern.
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Diagnose und Differenzialdiagnose
Um die Ursache von Augenschmerzen nach einem Krampfanfall zu ermitteln, ist eine sorgfältige Anamnese und Untersuchung durch einen Arzt erforderlich. Dabei werden folgende Aspekte berücksichtigt:
- Anamnese des Anfalls: Detaillierte Beschreibung des Anfallshergangs, Dauer, Begleitsymptome und eventuelle Auslöser. Die Beschreibung des Anfalls durch den Patienten und möglicherweise einen Augenzeugen sollte möglichst genau sein.
- Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Hirnnerven, Körperkraft, Körperempfindungen, Reflexe, Koordination und intellektuellen Leistungen.
- Augenärztliche Untersuchung: Beurteilung der Augenbeweglichkeit, des Augeninnendrucks und des vorderen und hinteren Augenabschnitts.
- EEG (Elektroenzephalogramm): Messung der Hirnströme, um epilepsietypische Potentiale oder andere Auffälligkeiten festzustellen. Bei Epilepsie-Patienten können in der Ableitung epilepsietypische Potentiale gefunden werden.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Bildgebung des Gehirns, um strukturelle Veränderungen wie Vernarbungen, Missbildungen, Entzündungen oder Tumore auszuschließen.
Es ist wichtig, andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen, wie z.B. Migräne, Spannungskopfschmerzen oder andere Augenerkrankungen. Die Leitlinie (2) verzeichnet sechs Gruppen von Krankheiten, deren Symptome epileptischen Anfällen ähneln. Dazu gehören Synkopen, Bewegungsstörungen wie Tics und Migräne, aber auch schlafgebundene Störungen wie der Nachtschreck (Pavor nocturnus) oder das Schlafwandeln und psychogene Störungen wie das Hyperventilationssyndrom.
Behandlung von Epilepsie im Kindesalter
Die Behandlung von Epilepsie im Kindesalter zielt darauf ab, Anfälle zu verhindern und die Lebensqualität des Kindes zu verbessern. Die wichtigsten Therapieansätze sind:
- Medikamentöse Therapie: Antikonvulsive Medikamente sind dieStandardtherapie bei Epilepsie. Ziel der antikonvulsiven Therapie ist die Verhinderung weiterer Anfälle. Die Auswahl des geeigneten Medikaments richtet sich nach der Art der Epilepsie, dem Alter des Kindes und möglichen Begleiterkrankungen. Nach Möglichkeit sollte dieses Ziel durch eine Monotherapie erreicht werden. Rund 75 Prozent der Kinder werden mit dem ersten oder zweiten Medikament anfalls- und beschwerdefrei. Da Antiepileptika potenziell ein Leben lang eingenommen werden, sollte gerade bei Kindern nicht nur auf eine gute Wirksamkeit, sondern auch auf Langzeitverträglichkeit geachtet werden.
- Ketogene Diät: Bei schwer behandelbaren Epilepsien kann eine ketogene Diät in Betracht gezogen werden. Dabei werden nur wenig Kohlenhydrate und stattdessen vor allem Fette aufgenommen.
- Chirurgische Therapie: In seltenen Fällen, wenn Medikamente nicht ausreichend wirken, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Eine Operation kommt infrage, wenn sich eine belastende Epilepsie nicht gut mit Medikamenten behandeln lässt. Sie ist nur möglich, wenn die Anfälle von einer ganz bestimmten Stelle im Gehirn ausgehen (fokale Epilepsie). Anfälle, die das gesamte Gehirn erfassen (generalisierte Epilepsie), können nicht operativ behandelt werden.
Was tun bei einem Krampfanfall?
Es ist wichtig zu wissen, wie man sich bei einem Krampfanfall verhält:
- Ruhe bewahren: Der Anfall endet in der Regel von selbst.
- Patienten schützen: Patienten möglichst aus dem Gefahrenbereich bringen; gefährliche Gegenstände außer Reichweite bringen. Patienten schützen, aber nicht gewaltsam festhalten!
- Nach dem Anfall: flache Seitwärtslagerung, um eine Aspiration zu vermeiden.
- Arzt rufen: Wenn der Betroffene nach 15 Minuten noch ohne Bewusstsein ist oder sich verletzt hat.
Prognose und Verlauf
Bei vielen Kindern und Jugendlichen lässt sich eine Epilepsie gut behandeln. Manchmal legt sich die Erkrankung nach einigen Jahren ganz, dann treten keine Anfälle mehr auf. Es gibt aber auch Epilepsien, die ein Leben lang bleiben und kaum auf Medikamente ansprechen. Ärztinnen und Ärzte können oft schon innerhalb einiger Wochen oder Monate nach der Diagnose einschätzen, wie eine Epilepsie langfristig verlaufen wird. Etwa 70 % der Kinder mit Epilepsie sind geistig normal entwickelt und genauso intelligent wie Kinder ohne Epilepsie. Die Epilepsie schränkt ihren Alltag nur wenig ein. Die Medikamente wirken oft gut, manchmal sind auch gar keine notwendig.
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