Frauen erleben gesundheitliche Probleme oft anders als Männer. Einige Symptome und Erkrankungen treten bei ihnen häufiger auf oder äußern sich auf spezifische Weise. Es ist daher wichtig, dass Frauen über Gesundheitsfragen gut informiert sind. Dr. Elisabeth Rosen, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe bei Kry, gibt Einblicke in wichtige Aspekte der Frauengesundheit.
Herausforderungen bei der Diagnose von Frauenerkrankungen
Viele Erkrankungen bei Frauen sind schwer zu diagnostizieren. Ein Beispiel hierfür ist die Endometriose, von der schätzungsweise 10 bis 15 Prozent aller Frauen im geschlechtsreifen Alter betroffen sind und die unbehandelt bleibende Schäden an Organen verursachen kann. Oft vergehen im Durchschnitt 7,5 Jahre, bis die Diagnose gestellt wird, nachdem erste Symptome aufgetreten sind.
Dr. Rosen führt dies auch auf eine Ungleichbehandlung der Geschlechter im Gesundheitswesen zurück: „Jahrelang wurde der Frauengesundheit zu wenig Beachtung geschenkt. Das bedeutet, dass Frauen unter Umständen länger auf eine Diagnose warten müssen. Außerdem wurden bis vor kurzem klinische Studien überwiegend von Männern geleitet.“
Daher ist es wichtig, dass Frauen auf ihren Körper achten und neu auftretende Beschwerden, die beunruhigen, mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.
10 Wichtige Symptome, die Frauen Nicht Ignorieren Sollten
Im Folgenden werden zehn wichtige Symptome erläutert, auf die Frauen besonders achten sollten:
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1. Veränderungen der Brust
Die regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust ist entscheidend, um Brustkrebs frühzeitig zu erkennen. Brustkrebs ist die am häufigsten diagnostizierte Krebsart bei Frauen.
Dr. Rosen betont: „Das regelmäßige Abtasten der Brust ist sehr wichtig, um Veränderungen zu erkennen. Jede Frau sollte ihre Brust einmal im Monat zum gleichen Zeitpunkt im Zyklus selbst abtasten. Diese Selbstuntersuchung kann lebensrettend sein.“
Ein Knoten in der Brust ist das deutlichste und häufigste Anzeichen für Brustkrebs. Die meisten Knoten sind jedoch gutartig. Auf folgende Veränderungen sollte geachtet werden:
- Veränderungen in Form und Größe
- Knoten oder Schwellungen in der Achselhöhle
- Austritt von Sekret aus den Brustwarzen
- Ungewöhnliche Verdickungen oder Dellen der Haut
- Einziehung einer Brustwarze
- Rötung der Haut
- Ausschlag
Bei Feststellung von Veränderungen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
2. Schmerzen in der Brust
Brustschmerzen können auf ernste Erkrankungen hinweisen. Plötzlich auftretende und nicht abklingende Schmerzen können sogar ein Zeichen für einen Herzinfarkt sein.
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„Die häufigsten Symptome für einen Herzinfarkt bei Frauen sind unter anderem Schmerzen oder Beschwerden in der Brust, Kurzatmigkeit, Antriebslosigkeit und Schmerzen, die in Arme, Rücken, Kiefer und Hals ausstrahlen. Weitere Anzeichen könnten ein Schweregefühl oder Druck auf der Brust sein“, erklärt Dr. Rosen. Bei plötzlich auftretenden, starken Brustschmerzen sollte sofort der Notarzt gerufen werden, da koronare Herzerkrankungen bei Frauen weltweit die häufigste Todesursache sind.
Frauen gehen seltener mit Brustschmerzen zum Arzt und neigen dazu, die Symptome zu ignorieren. Das Risiko einer Fehldiagnose von Herzinfarkten ist bei Frauen um 50 Prozent höher als bei Männern.
Brustschmerzen können auch auf eine Lungenembolie hinweisen, die Frauen häufiger betrifft als Männer und sofort ärztlich behandelt werden muss, da sie lebensbedrohlich sein kann.
3. Starke oder unregelmäßige Periode
Der Menstruationszyklus kann durch Stress, Gewichtsverlust oder übermäßigen Sport beeinflusst werden. Wenn die Periode jedoch stärker als gewöhnlich oder unregelmäßig ist, sollte dies mit einer Frauenärztin besprochen werden.
„Ungewöhnliche Blutungen sollten ärztlich abgeklärt werden. Die Ursache könnte eine ernste Krankheit sein, die behandelt werden muss. Starke Regelblutungen sind nicht nur unangenehm, sie können Blutarmut verursachen und auf Myome, Polypen oder Gebärmutterhalskrebs hindeuten“, so Dr. Rosen.
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Unregelmäßige Blutungen hängen meist mit Zyklusstörungen zusammen, können aber auch durch das polyzystische Ovarialsyndrom, sexuell übertragbare Krankheiten, Eierstockzysten, gutartige Wucherungen in der Gebärmutter oder der Gebärmutterhalsschleimhaut, Gebärmutterhals- oder Gebärmutterkrebs verursacht werden.
Besonders wichtig ist es, sofort einen Arzt aufzusuchen, wenn Blutungen nach den Wechseljahren auftreten.
4. Aufgeblähter Bauch
Ein gelegentlicher Blähbauch ist meist kein Grund zur Besorgnis. Ein anhaltender aufgeblähter Bauch kann jedoch ein Symptom für Eierstockkrebs sein, der oft erst in einem späten Stadium diagnostiziert wird, da Risikofaktoren und Symptome allgemein wenig bekannt sind.
Folgende Symptome können auf Eierstockkrebs hindeuten:
- Vergrößerter Bauchumfang
- Unregelmäßige Blutungen (außerhalb der Tage)
- Blähungen
- Völlegefühl
- Allgemeine Müdigkeit und Erschöpfung
Häufige Ursachen für einen aufgeblähten Bauch sind das Reizdarmsyndrom, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Verstopfung.
5. Depressionen
Frauen leiden häufiger unter Depressionen als Männer. Zu den wichtigsten Symptomen gehören eine ständig gedrückte Stimmung, Reizbarkeit, Antriebslosigkeit sowie Konzentrations- und Schlafstörungen.
„Eine Depression ist eine schwere seelische Erkrankung, die unbedingt behandelt werden sollte. Wochenbettdepressionen werden häufig unterdiagnostiziert. Viele Frauen scheuen sich, Hilfe zu suchen. Das liegt auch daran, dass die Erwartungen an frischgebackene Mütter oft sehr hoch sind“, erklärt Dr. Rosen.
6. Ungewöhnlicher Ausfluss
Ausfluss ist normal und hält die Vagina feucht und schützt sie vor Infektionen. Gesunder Ausfluss ist geruchlos und entweder klar oder weiß. Menge und Konsistenz können sich im Laufe des Menstruationszyklus verändern.
„Wenn du bei dir Veränderungen des Ausflusses feststellst, solltest du mit deiner Frauenärztin darüber sprechen“, rät Dr. Rosen. „Ungewöhnlicher Ausfluss könnte ein Anzeichen für eine Infektion sein.“ Häufige Infektionen wie Scheidenpilz lassen sich oft mit rezeptfreien Medikamenten behandeln.
Veränderter Ausfluss kann auch ein Symptom für eine sexuell übertragbare Krankheit wie Gonorrhöe oder Chlamydien sein. Unbehandelte sexuell übertragbare Infektionen können zu einer entzündlichen Erkrankung des Beckens führen, die die Fortpflanzungsorgane schädigen und manchmal zu Unfruchtbarkeit führen kann.
„Du solltest die Symptome nicht ignorieren. Denn wenn eine Infektion ausgeschlossen wird, könnte ein krankhafter Ausfluss auch ein Anzeichen für Gebärmutterkrebs sein“, erklärt Dr. Rosen.
7. Unterleibsschmerzen
Unterleibsschmerzen sind weit verbreitet: 1 von 6 Frauen leidet wiederholt darunter. „Häufige Ursachen für Unterleibsschmerzen sind der Eisprung, eine Endometriose, Harnwegsinfektionen oder entzündliche Erkrankungen des Beckens. Wenn du schwanger bist, können Unterleibsschmerzen durch eine Eileiterschwangerschaft, Fehlgeburt oder vorzeitige Wehen ausgelöst werden.
Weitere Ursachen sind Eierstockzysten, Reizdarmsyndrom, Verstopfung, Blinddarmentzündung, entzündliche Darmerkrankungen und Eierstockkrebs“, so Dr. Rosen. Bei plötzlich auftretenden, starken und langanhaltenden Schmerzen im Unterleib sollte ein Arzt aufgesucht werden. Bei sehr starken krampfhaften Schmerzen während der Monatsblutung kann es sich auch um ein Anzeichen für eine sogenannte Endometriose handeln.
8. Schmerzen beim Sex
Fast 3 von 4 Frauen hatten irgendwann in ihrem Leben einmal Schmerzen beim Sex. „Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sind nicht normal, doch viele Frauen leiden bereits in jungen Jahren darunter. Häufig holen sie sich aus Scham keinen ärztlichen Rat“, berichtet Dr. Rosen.
Schmerzen beim Sex können verschiedene Gründe haben:
- Endometriose
- Scheidentrockenheit
- Atrophische Vaginitis (Ausdünnung und Austrocknung der Scheidenwand, meist nach der Menopause)
- Entzündliche Erkrankungen des Beckens
- Eierstockzysten
- Myome
- Infektionen
- Vulvodynie (Schmerzen im Bereich der Vulva)
- Vaginismus (Scheidenkrampf)
Es ist wichtig, mit einer Frauenärztin über die Symptome zu sprechen, um die Ursachen für die Schmerzen herauszufinden.
9. Starke Kopfschmerzen
Das Hauptsymptom bei einer Migräne sind einseitige, starke Kopfschmerzen. Frauen sind dreimal so häufig davon betroffen wie Männer. Laut Dr. Rosen liegt dies am schwankenden Östrogenspiegel. Bei vielen Frauen tritt die Migräne regelmäßig zum gleichen Zeitpunkt im Zyklus oder während der Perimenopause auf. Es gibt auch die menstruelle Migräne, bei der in den Tagen vor Einsetzen der Regelblutung bis drei Tage danach Migräneattacken auftreten.
„Weitere Migränesymptome sind Übelkeit, Sehstörungen und erhöhte Lichtempfindlichkeit. Gelegentlich kann es zu Schweißausbrüchen, Durchfall und Konzentrationsstörungen kommen. In sehr schweren Fällen ist das Nervensystem betroffen - es können Sprachstörungen, Schwindel und Ohnmacht auftreten. Du solltest diese Symptome abklären lassen, um schwere Erkrankungen wie einen Tumor auszuschließen“, erklärt Dr. Rosen.
Eine Studie der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat ergeben, dass betroffene Frauen während der Menstruation besonders große Mengen an CGRP bilden. CGRP steht für ‚Calcitonin Gene-Related Peptide‘ und ist eine körpereigene Substanz, die bei Migräne vermehrt ausgeschüttet wird und die Blutgefäße im Gehirn stark erweitert.
10. Ständige Müdigkeit
Hin und wieder müde zu sein ist normal. Ständige Müdigkeit kann jedoch ein Hinweis auf eine Krankheit sein. Dr. Rosen zufolge kann Müdigkeit viele verschiedene Gründe haben, darunter:
- Eisenmangel
- Vitamin-D-Mangel
- Depression
- Herzkrankheiten
- Schlafstörungen
„Müdigkeit ist ein Hauptsymptom bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), eine Autoimmunerkrankung, die hauptsächlich bei Frauen auftritt. Zu den Symptomen zählen Müdigkeit, Frieren, Konzentrationsmangel, Depressionen, trockene Haut, brüchige Haare und Nägel, Verstopfung, Gewichtszunahme, niedriger Blutdruck, Muskelschmerzen und Schwäche. Diese Symptome solltest du ärztlich abklären lassen.“
PMS (Prämenstruelles Syndrom)
PMS bezeichnet sämtliche Zyklusbeschwerden, die kurz vor der Menstruation auftreten. Dazu zählen z.B. Kopfschmerzen, Brustschmerzen oder Stimmungsschwankungen. Es ist die Phase vor der Menstruationsblutung, in der sich viele Frauen bzw. PMS kann aus verschiedenen Gründen auftreten, wie zum Beispiel:
- Manche Personen besitzen aufgrund ihrer genetischen Veranlagung eine höhere Anfälligkeit für PMS.
- Während des Menstruationszyklus treten Schwankungen der Östrogen- und Progesteronkonzentrationen auf, auf die manche Menstruierende und möglicherweise auch du empfindlicher reagieren.
- Serotonin ist ein Neurotransmitter, der Nervenzellen bei der Kommunikation unterstützt und als wirksames Mittel gegen Stimmungsschwankungen gilt. Bei PMS kann es sein, dass der Serotoninspiegel bei dir niedriger ist.
- Wenn dein Körper nicht genug Magnesium oder Kalzium hat, kann dies die Entstehung von PMS fördern.
Typische PMS-Symptome sind:
- Stimmungsschwankungen
- Kopfschmerzen/Migräne
- Müdigkeit/Abgeschlagenheit
- Wasser in den Beinen
- Unreine Haut
- Brustschmerzen bzw. Spannungsgefühl in den Brüsten
- Bauchschmerzen bzw. Bauchziehen
- Rückenschmerzen
- Heißhunger
- Blähbauch
Was tun bei PMS?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, PMS-Symptome zu lindern:
- Mönchspfeffer: Dieses natürliche Kraut kann in Tropfen- oder Pillenform über mindestens 3 Monate täglich eingenommen werden. Mönchspfeffer wirkt ähnlich hormonstabilisierend wie die chinesische Angelikawurzel und unterstützt dich in deinen unterschiedlichen Zyklusphasen.
- Kräuter wie Frauenmantel, Schafgarbe & Co.: Das Kraut Frauenmantel ist ein echter PMS-Spezialist und kann auch als Tee getrunken werden! Spezielle Frauen-Kräuterteemischungen, die u.a. Schafgarbe, Himbeerblätter oder Ingwer enthalten, wirken auf den gesamten Körper und insbesondere auf Kopf und Bauch entspannend und krampflösend.
- Bewegung: Leichter Ausdauersport in der 2.
- Magnesium: Du kannst deinem Körper auch Gutes tun, indem du ihm besonders magnesiumhältige Lebensmittel zuführst, wie z.B. Nüsse, Linsen, Bohnen und Haferflocken.
- Schokolade: Meide lediglich besonders zuckerhältige Süßigkeiten.
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