Schwindel ist ein weit verbreitetes Symptom, das viele Menschen betrifft und ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Er kann in verschiedenen Formen auftreten, von kurzem Drehschwindel bis zu anhaltendem Schwankgefühl. Die Ursachen für Schwindel sind vielfältig und reichen von harmlosen Kreislaufproblemen bis hin zu ernsthafteren Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans. Eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Neuritis vestibularis) ist eine mögliche Ursache für plötzlichen und heftigen Schwindel.
Was ist Schwindel?
Schwindel, oder lateinisch Vertigo, ist ein subjektives Gefühl der Bewegung oder Drehung, obwohl keine tatsächliche Bewegung stattfindet. Es handelt sich um eine Störung der räumlichen Orientierung, die sich in verschiedenen Formen äußern kann:
- Drehschwindel (vestibulärer Schwindel): Hierbei hat man das Gefühl, dass sich entweder man selbst oder die Umgebung dreht - ähnlich wie nach einer Karussellfahrt.
- Schwankschwindel: Man fühlt sich wie auf einem Boot, das Gefühl von Schwanken und Unsicherheit überwiegt.
- Benommenheitsschwindel: Ein Gefühl von Unsicherheit und Benommenheit, oft beschrieben als „Gefühl neben sich zu stehen“.
- Lagerungsschwindel: Der Schwindel tritt besonders beim Liegen oder bei Lageveränderungen des Kopfes auf.
Schwindel wird fast immer von weiteren Symptomen begleitet. Das Spektrum reicht von leichter Benommenheit bis hin zu starken Gleichgewichtsstörungen mit Übelkeit und Erbrechen. Manchmal treten die Beschwerden nur kurz auf, etwa, wenn man zu schnell aufsteht. Wenn einem im Liegen schwindelig wird oder das Gefühl von Drehen und Schwanken nicht nachlässt, kann dies sehr belastend sein - besonders nachts, wenn man eigentlich zur Ruhe kommen möchte. Ein klassischer Lagerungsschwindel macht sich meist durch ein plötzliches Drehgefühl bemerkbar, wenn man sich im Bett umdreht oder den Kopf bewegt. Ein plötzlich auftretender Schwindel kann verschiedene Ursachen haben - von harmlosen Kreislaufproblemen bis hin zu ernsthafteren Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans.
Ursachen von Schwindel
Die Ursachensuche bei Schwindel gleicht oft einem Puzzle, da viele verschiedene Gründe dafür verantwortlich sein können. Hier sind einige häufige Ursachen:
- Halswirbelsäule (HWS)-Probleme: Verspannungen im Nacken- und Rückenbereich können Auswirkungen auf das Gleichgewicht haben, da die dort verlaufenden Nerven und Muskeln eng mit dem Gleichgewichtssystem kommunizieren. Zervikogener Schwindel fühlt sich fast wie Schwankvertigo an und wird meist durch eine Bewegung im Bereich der Halswirbelsäule ausgelöst.
- Gleichgewichtsorgan im Innenohr: Störungen in diesem Bereich können verschiedene Formen von Schwindel auslösen. Besonders häufig ist der gutartige Lagerungsschwindel, bei dem sich kleine Kristalle im Gleichgewichtsorgan gelöst haben.
- Altersschwindel: Bei vielen Patienten im höheren Lebensalter tritt ein sogenannter Altersschwindel auf, bei dem sich alles wie in einem Karussell zu drehen scheint.
- Kreislaufprobleme: Ein kurzzeitiger Blutdruckabfall kann Schwindel verursachen.
- Stress und psychische Belastungen: Auch Stress, psychische Belastungen oder bestimmte Medikamente können Schwindel auslösen.
- Entzündung des Gleichgewichtsnervs (Neuritis vestibularis): Neuritis Vestibularis heißt auf deutsch übersetzt: Entzündung des Nervens, der vom Gleichgewichtsorgan zum Gehirn führt. Man geht davon aus, dass es durch Herpes-Viren zu der Entzündung des Gleichgewichtsnerves kommt. Der entzündete Nerv schwillt an und stößt an die knöcherne Begrenzung des ihn umgebenen Tunnels.
Neuritis Vestibularis: Entzündung des Gleichgewichtsnervs
Die Neuritis vestibularis ist eine Entzündung des Nervs, der vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr zum Gehirn führt. Typischerweise kommt es zu einem plötzlich einsetzenden, heftigen Drehschwindel, der auch in Ruhe nicht aufhört. Häufig besteht eine deutliche Schwierigkeit zu gehen, verbunden mit einer Fallneigung zur Seite. Das Bild scheint aus dem Blickfeld zu einer Seite „wegzulaufen“. Begleitet werden die Symptome oftmals durch starke Übelkeit und Erbrechen. Hörprobleme treten nicht auf. Die Symptome nehmen innerhalb von wenigen Tagen an Schwere ab.
Lesen Sie auch: Nervenbehandlungsmethoden erklärt
Ursachen:
Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Es wird vermutet, dass die Erkrankung durch die Aktivierung eines Virus ausgelöst wird, den die meisten Menschen im Körper haben (Herpes-simplex-Virus), was zu einer Entzündung des Gleichgewichtsnervs (N. vestibularis) führt. Dies wiederum verursacht eine vorübergehende Störung der Nervensignale zwischen dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr und dem Gleichgewichtszentrum im Gehirn.
Diagnose:
Die Schilderung der typischen Symptome akuter Schwindel, Übelkeit und Fallneigung zu der betroffenen Seite sind wegweisend für die Diagnose. Es können unwillkürliche Augenbewegungen (Nystagmus) beobachtet werden. Eine körperliche Untersuchung inklusive neurologischer Befunderhebung wird durchgeführt, ebenso eine Untersuchung der Gehörgänge und des Trommelfells. Das Hörvermögen muss bei HNO-Ärzt*innen durch einen Hörtest abgeklärt werden, dort erfolgen auch ggf. weitere Tests. Bei einer Neuritis vestibularis ist das Hörvermögen normal. Andere Ursachen für einen Schwindel müssen ausgeschlossen werden, insbesondere ein Schlaganfall. Dafür sind teilweise zusätzliche Untersuchungen notwendig.
Therapie:
In den ersten Tagen kann die Gabe von Antiemetika (Medikamente gegen Übelkeit) und Antiverginosa (Medikamente gegen Schwindel) in Kombination mit Kortison sinnvoll sein. Anschließend ist es wichtig, frühzeitig ein Rehabilitationsprogramm zu beginnen:
- Mobilisierung mit Schulung der Gleichgewichtsfunktion im Stehen und Gehen auf ebenen und unebenen Flächen
- Training der Fähigkeiten zur Blickfixierung
Diese Aktivitäten verursachen zu Beginn erhöhtes Unwohlsein und Müdigkeit, werden aber auf längere Sicht die Symptome reduzieren, die Funktionsfähigkeit verbessern und zu einer schnelleren Heilung beitragen.
Homöopathie bei Schwindel
Schwindel lässt sich oft gut mit homöopathischen Mitteln behandeln. Wichtig bei dieser besonderen Therapieform ist, das gesamte Krankheitsbild mit allen Begleitsymptomen und Lebensumständen zu erfassen. Nur so kann der Therapeut auch das passende homöopathische Mittel finden.
Lesen Sie auch: Wie man ZNS-Entzündungen erkennt und behandelt
Bei der homöopathischen Therapie müssen die individuellen Symptome eines jeden Krankheitsfalles genau betrachtet werden, um eine dazu passende Arznei verordnen zu können. Entscheidend sind dabei die subjektiven Beschwerden, die seitens des Behandlers möglichst detailliert erfragt werden.
Wichtige Fragen für die homöopathische Anamnese:
- Unter welcher Art Schwindel leiden Sie? Ist es eher ein Drehschwindel oder ein Schwankschwindel? Handelt es sich um ein Gefühl wie betrunken oder um eine Benommenheit?
- Wann beziehungsweise unter welchen Umständen tritt der Schwindel auf?
- Hat Lageveränderung einen Einfluss, zum Beispiel das Aufrichten vom Liegen oder Bücken, das Aufstehen vom Sitzen, das Hinlegen oder das Umdrehen im Liegen?
- Wie wirken sich Kopfbewegungen auf den Schwindel aus?
- Macht Ihnen Bewegung - aktive, wie auch passive z. B. Fahren im Auto - etwas aus?
- Gibt es einen Zusammenhang mit dem Sehen, zum Beispiel beim Blicken nach oben oder unten oder auf sich bewegende Gegenstände?
- Hat das Schließen oder Öffnen der Augen einen Einfluss?
Darüber hinaus möchte der Homöopath auch alle weiteren Beschwerden erfahren, die mit dem Schwindel verbunden sind. Dazu kommen die objektiven Befunde, die man bei der Untersuchung erhebt. All dies zusammen ergibt das vollständige Krankheitsbild, anhand dessen der Homöopath eine passende Arznei auswählt.
Einige homöopathische Mittel bei Schwindel:
Es gibt eine Vielzahl von homöopathischen Mitteln, die bei Schwindel eingesetzt werden können. Die Wahl des richtigen Mittels hängt von den individuellen Symptomen des Patienten ab. Einige häufig verwendete Mittel sind:
- Anamirta cocculus (Indische Kokkelskörner): Bei Schwindel, der durch Reisekrankheit oder Erschöpfung verursacht wird.
- Conium maculatum (Gefleckter Schierling): Bei Schwindel, der durch Kopfbewegungen oder Drehen des Kopfes ausgelöst wird.
- Ambra grisea (Grauer Amber): Bei Schwindel, der durch Nervosität oder emotionale Belastung verursacht wird.
- Petroleum rectificatum (Steinöl): Bei Schwindel, der durch Reisekrankheit oder Übelkeit verursacht wird.
Es ist wichtig zu beachten, dass die homöopathische Behandlung sehr individuell ist und das jeweils passende Mittel sorgsam ausgewählt werden sollte. Komplexmittel werden nicht empfohlen, da die Mittelauswahl so genau wie möglich auf den individuellen Menschen und seine jeweilige Gesundheitssituation abgestimmt sein sollte.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten und Tipps bei Schwindel
Neben der homöopathischen Behandlung gibt es noch weitere Möglichkeiten, Schwindel zu behandeln und die Beschwerden zu lindern:
Lesen Sie auch: Trigeminusneuralgie: Ein umfassender Überblick
- Ärztliche Abklärung: Eine gründliche ärztliche Abklärung ist der erste wichtige Schritt, um die Ursache des Schwindels zu ermitteln und die geeignete Behandlung festzulegen.
- Physiotherapie: Bei Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich können gezielte Übungen unterstützend wirken.
- Lagerungsübungen: Bei gutartigem Lagerungsschwindel können spezielle Lagerungsübungen helfen, die abgelösten Ohrsteine in eine feste, unbewegliche Position zu führen.
- Medikamente: In manchen Fällen können Medikamente helfen, akuten Schwindel sowie Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Migräne zu lindern.
- Bewegung: Die richtige Bewegung kann bei Schwindel eine wichtige Rolle spielen. Allerdings kommt es dabei auf die Art und Ausführung der Übungen an.
- Kreislauftraining: Trainieren Sie Ihren Kreislauf, um einem niedrigen Blutdruck entgegenzuwirken. Moderate Wechselduschen sind gut geeignet, aber auch Wassertreten in der Badewanne.
- Ausreichend trinken: Trinken Sie ausreichend und regelmäßig, um einer Dehydrierung vorzubeugen.
- Ingwer: Ingwerwasser trinken oder ein Ingwerbonbon lutschen ist empfehlenswert, wenn sich zum Schwindelgefühl auch eine leichte Übelkeit einstellt. Ingwer soll die Durchblutung anregen und zugleich den Magen beruhigen.
- Stressmanagement: Da Stress Schwindelattacken auslösen kann, ist es sinnvoll, sich Strategien zu überlegen, wie man am besten damit umgeht. Auch Pausen, in denen Sie Tätigkeiten nachgehen, die Ihnen Freude bereiten, können hilfreich sein.
- Schlafhygiene: Schlafmangel kann Schwindel auslösen. Achten Sie daher auf eine gute Schlafhygiene.
- Vitamin- und Mineralstoffversorgung: Ein Mangel an Vitamin B12 sowie ein Vitamin-D-Mangel wurde bereits in einigen Studien mit Vertigo in Verbindung gebracht. Lassen Sie daher Ihren Vitamin- und Mineralstoffstatus überprüfen und nehmen Sie bei Bedarf Nahrungsergänzungsmittel ein, um Ihren Mangel zu beheben.
- Antioxidantien: Studien zeigen, dass oxidativer Stress bei der Entstehung von peripherem Schwindel eine Rolle spielt. Achten Sie daher darauf, Antioxidantien etwa in Form von Vitamin C, Vitamin E, OPC aus dem Traubenkern oder Glutathion zu sich zu nehmen.
tags: #entzundung #gleichgewichtsnerv #homoopathie