Autofahren mit Spastik: Möglichkeiten und Perspektiven

Mobilität bedeutet Lebensqualität. Für Menschen mit Spastik kann das Autofahren jedoch eine Herausforderung darstellen. Dieser Artikel beleuchtet die Möglichkeiten, trotz Spastik mobil zu sein, und gibt Einblicke in technische Hilfsmittel, rechtliche Aspekte und persönliche Erfahrungen.

Einführung

Spastik, eineForm erhöhter Muskelspannung, kann die Bewegungsfähigkeit einschränken und das Autofahren erschweren. Dennoch ist es in vielen Fällen möglich, mit entsprechenden Anpassungen und Hilfsmitteln sicher am Straßenverkehr teilzunehmen. Die Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) fordert eine eigenverantwortliche Vorsorge zum eigenen Schutz und zum Schutz anderer im Straßenverkehr.

Ursachen und Auswirkungen von Spastik

Spastik kann verschiedene Ursachen haben, darunter Hirnschädigungen, Schlaganfall oder Multiple Sklerose (MS). Die Auswirkungen sind vielfältig und können einzelne Muskeln oder ganze Körperabschnitte betreffen. Dies kann zu unkontrollierten Bewegungen, Krämpfen und eingeschränkter Beweglichkeit führen.

Rechtliche Aspekte

Grundsätzlich besteht für Menschen mit Behinderung das Recht zur Teilnahme am Straßenverkehr. Die Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) regelt in den Anlagen 4 und 6, unter welchen Voraussetzungen bei bestimmten körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen eine Fahrerlaubnis erteilt werden kann.

Individuelle Beurteilung

Ob ein Führerschein trotz Spastik erworben werden kann, muss stets im Einzelfall entschieden werden. Der Ausprägungsgrad der Spastik ist hierbei entscheidend. Es wird empfohlen, zunächst mit dem behandelnden Arzt zu sprechen, um eine erste Einschätzung zu erhalten.

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Gutachten und Fahrprobe

Bestehen keine Bedenken, steht der Führerscheinausbildung nichts mehr im Wege. Je nach Schweregrad der Spastik kann ein neurologisches Gutachten mit verkehrsmedizinischer Qualifikation erforderlich sein. Auch eine Fahrprobe kann verlangt werden, um die Fahrtauglichkeit zu überprüfen.

Eintragungen im Führerschein

Ein Eintrag im Führerschein über die Spastik kann Vor- und Nachteile haben. Einerseits kann er bei einem Unfall vor ungerechtfertigten Schuldzuweisungen schützen. Andererseits kann er regelmäßige medizinische Gutachten zur Folge haben.

Technische Hilfsmittel und Fahrzeugumbauten

Für Menschen mit Spastik gibt es eine Vielzahl technischer Hilfsmittel und Fahrzeugumbauten, die das Autofahren ermöglichen oder erleichtern.

Handsteuerung für Gas und Bremse

Bei Funktionsstörungen der Beine kann das Fahrzeug mit einer Handsteuerung für Gas und Bremse ausgestattet werden. Bei Verlust oder Funktionsstörungen des rechten Beines wird das Fahrzeug mit Linksgas ausgestattet.

Lenkhilfen

Bei Funktionsstörungen der Arme kann das Fahrzeug mit einem Multifunktionsdrehknauf am Lenkrad ausgestattet werden. Sollten beide Arme betroffen sein, wird das Fahrzeug mit einer Knie- bzw. Fußlenkung umgerüstet.

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Pedalerhöhungen und Sitzanpassungen

Bei Kleinwuchs oder Dysmelie können Pedalerhöhungen und spezielle Sitzerhöhungen die Bedienung des Fahrzeugs erleichtern.

Elektronische Fahr- und Lenkhilfen

In schweren Fällen können elektronische Fahr- und Lenkhilfen (Drive-by-Wire Systeme) die Steuerung des Fahrzeugs übernehmen.

Rollstuhlverladesysteme

Für Rollstuhlfahrer gibt es Rollstuhlverladesysteme, die das Verladen des Rollstuhls in das Fahrzeug erleichtern.

Individuelle Anpassungen

Für nahezu jeden Grad einer Behinderung und die unterschiedlichsten Krankheitsbilder gibt es eine technische Lösung. Spezialisierte Unternehmen bieten individuelle Fahrzeugumbauten an, die auf die spezifischen Bedürfnisse des Fahrers zugeschnitten sind.

Autofahren mit spezifischen Erkrankungen

Multiple Sklerose (MS)

Auch mit MS kannst Du weiterhin aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Um Dich und andere zu schützen, solltest Du Deine Fahrtauglichkeit selbstkritisch und verantwortungsvoll hinterfragen. Fühlst Du Dich an einem Tag vielleicht einmal nicht so gut, dann lass das Auto lieber stehen. Deine MS ist grundsätzlich kein Grund, das Auto stehen zu lassen. MS-Symptome sowie die Einnahme von Medikamenten können jedoch zu einer eingeschränkten Fahrtüchtigkeit führen.

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Schlaganfall

Ein Schlaganfall kann unter anderem eine Halbseitenlähmung (Hemiparese), Gefühlsstörungen in Armen und Beinen und Spastik zur Folge haben, ebenso Epilepsie und Gleichgewichtsstörungen. Alle diese Faktoren können die Mobilität beeinträchtigen und sich negativ auf das Führen eines Kfz auswirken. Ebenso hinderlich sind Gesichtsfeldausfälle (Hemianopsien), Augenbewegungsstörungen sowie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Auch die Einnahme von Medikamenten kann dem Führen eines Fahrzeugs entgegenstehen.

Muskeldystrophie

Progressiv verlaufende Krankheitsbilder wie Muskeldystrophie benötigen perfekt angepasste und nachjustierbare Bedienelemente. Aufgrund des individuellen und fortschreitenden Verlaufs kann das Ausmaß der Bewegungseinschränkungen und Muskelschwäche nur durch Tests festgestellt werden.

Persönliche Verantwortung und Selbstkritik

Unabhängig von den technischen Möglichkeiten ist die persönliche Verantwortung des Fahrers entscheidend. Jeder sollte wissen, wann und wie lange er noch fahrtauglich ist. Es ist wichtig, die eigene Situation objektiv zu beurteilen und sich im Zweifelsfall professionellen Rat einzuholen.

Erfahrungswerte

Einige Betroffene berichten, dass sie selbst gemerkt haben, dass das Autofahren nicht mehr so unbeschwert funktionierte wie es sollte. Andere haben die Erfahrung gemacht, dass sie nach einer Diagnose oder einem Unfall nicht mehr Auto fahren können oder wollen.

Angehörige

Auch Angehörige können eine wichtige Rolle spielen, indem sie Bedenken äußern und den Betroffenen ins Gewissen reden.

Finanzierung und Förderung

Die Kosten für Fahrzeugumbauten können erheblich sein. Es gibt jedoch verschiedene Kostenträger, die finanzielle Unterstützung leisten können. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Krankenkassen
  • Rentenversicherungsträger
  • Sozialämter

Junge Menschen mit Behinderung, die am Anfang eines Berufslebens stehen, können Anträge auf die Finanzierung eines Fahrzeugs stellen.

Fahrschulen und Beratung

Spezialisierte Fahrschulen bieten Fahrstunden für Menschen mit Behinderung an. Sie verfügen über die notwendige Erfahrung und die entsprechenden Fahrzeuge, um auf die individuellen Bedürfnisse der Fahrschüler einzugehen.

Kompetente Ansprechpartner

Es ist ratsam, sich an eine Fahrschule zu wenden, die Erfahrung mit Menschen mit Spastik hat und über entsprechend ausgebildete Fahrlehrer verfügt.

Individuelle Bedarfsermittlung

Eine individuelle Bedarfsermittlung ist wichtig, um die geeigneten technischen Hilfsmittel und Fahrzeugumbauten zu ermitteln.

Die Bedeutung von Mobilität

Selbstständige Mobilität ist eine Steigerung der Lebensqualität, die nicht zu messen ist. Sie gehört zu den wichtigsten Privilegien unserer Gesellschaft. Gerade für Menschen mit körperlichen Einschränkungen kann der eigene PKW für den Erhalt der Mobilität wichtig sein.

Fallbeispiele und Erfahrungsberichte

Alfons Hemauer

Alfons Hemauer aus Regensburg bildet Menschen aus, die trotz Behinderung den Führerschein machen wollen oder nach einer Krankheit - wie einem Schlaganfall - zurück ans Steuer möchten. Er verdeutlicht: "Es gibt nur wenige Behinderungen und Krankheitsbilder, die den Führerschein unmöglich machen."

Betroffene

Viele Betroffene berichten, dass der Führerschein es ihnen ermöglicht, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, ihren Beruf auszuüben und ihre Unabhängigkeit zu bewahren.

Risiken und Gefahren

Trotz aller technischen Hilfsmittel und Anpassungen birgt das Autofahren mit Spastik auch Risiken. Es ist wichtig, sich dieser Risiken bewusst zu sein und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Selbstüberschätzung

Eine Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten kann zu gefährlichen Situationen führen.

Überforderung

Auch eine Überforderung durch lange Fahrten oder schwierige Verkehrsbedingungen kann die Sicherheit beeinträchtigen.

Medikamente

Die Einnahme von Medikamenten kann die Fahrtüchtigkeit einschränken.

Alternativen zum Autofahren

Wenn das Autofahren mit Spastik nicht möglich oder nicht sicher ist, gibt es alternative Mobilitätsmöglichkeiten.

Öffentliche Verkehrsmittel

Öffentliche Verkehrsmittel sind eine gute Alternative, wenn sie barrierefrei zugänglich sind.

Behindertenfahrdienste

Behindertenfahrdienste bieten eine individuelle Transportmöglichkeit für Menschen mit Behinderung.

Mitfahrgelegenheiten

Mitfahrgelegenheiten können eine kostengünstige Alternative sein.

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