Einführung
Das autonome Nervensystem (ANS) steuert lebenswichtige Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Verdauung und Atmung. Eine Störung des ANS kann sich vielfältig äußern, oft begleitet von Schmerzen, Sensibilitätsstörungen, Taubheitsgefühlen der Extremitäten und Muskelschwäche. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für das Zusammenspiel von autonomem Nervensystem und Muskelschwäche, die Symptome und die diagnostischen Möglichkeiten.
Symptome einer Störung des autonomen Nervensystems
Die Symptome einer Störung des autonomen Nervensystems können vielfältig sein und sich in verschiedenen Bereichen des Körpers manifestieren. Sie können sich äußern in:
- Orthostase-Intoleranz: Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen und gelegentlich auch Bewusstseinsverlust im Rahmen von Synkopen.
- Kopfschmerzen und Nackenschmerzen.
- Allgemeinsymptome: Abgeschlagenheit, Tagesmüdigkeit, verminderter Antrieb.
- Blasenfunktionsstörungen: Überlaufblase, Inkontinenz.
- Sexuelle Dysfunktionen: Impotenz.
- Mastdarmstörungen: Obstipation oder Diarrhoe.
- Gastrointestinale Störungen: Untergewicht, vorzeitiges Sättigungsgefühl.
- Sicca Syndrom: Trockene Augen, trockener Mund, trockene Haut.
- Störungen der Pupillomotorik: Nachtblindheit, vermehrtes Blendungsempfinden.
- Störungen der Sudomotorik: An-/ Hypo- oder Hyperhidrosis (gestörtes Schwitzen).
- Vasomotorische Störungen: Kalte Hände und Füße.
Diese Symptome werden oft begleitet von Schmerzen, Sensibilitätsstörungen, Taubheitsgefühlen der Extremitäten, Muskelschwäche und Gangstörungen.
Screeningfragen können helfen, eine mögliche Störung des autonomen Nervensystems zu erkennen:
- Leiden Sie unter Schwindel nach dem Aufstehen oder längerem Stehen?
- Wenn ja, sind Sie schon einmal ohnmächtig geworden?
- Haben Sie Probleme beim Wasserlassen oder der Harnblasen-Kontrolle bemerkt?
- Beträgt das Intervall zwischen den Stuhlgängen mehrere Tage?
- Haben Sie Schwierigkeiten beim Schlucken?
- Verschlechtert sich Ihr Sehvermögen am Abend deutlich?
Ursachen von Muskelschwäche und Störungen des autonomen Nervensystems
Das Ursachen-Spektrum für Muskelschwäche in Verbindung mit Störungen des autonomen Nervensystems ist breit gefächert. Es kann in nicht-neurogene und neurogene Ursachen sowie Medikamenten-induzierte Faktoren unterteilt werden.
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Nicht-neurogene Ursachen
- Häufig:
- Diabetes mellitus (Hba1c)
- Toxische Einflüsse (Alkohol, Chemotherapie)
- Sjögren Syndrom
- Lupus erythematodes
- Vitamin-B12-Mangel
- Medikamenten-induziert
- Paraneoplastische Syndrome
- Hypothyreose
- Infektionen
- Selten:
- Sarkoidose
- Amyloidose
- Zöliakie
- M. Fabry
Neurogene Ursachen
- M. Parkinson u.a. neurodegenerative Erkrankungen
- Querschnittsyndrom
- Multiple Sklerose
- Hirnstammischämie
Medikamente
- Sympatholytika
- Vasodilatantien
- Antidepressiva (bes. trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva)
- Anti-Parkinson Medikamente (Dopamin Agonisten, L-Dopa, Selegilin)
Primäre Formen
- Chronische idiopathische Anhidrosis
- Posturales Tachykardiesyndrom (POTS)
- GI-Dysmotilität
- Infekte
- Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
- Autoimmune autonome Neuropathien
- Pure autonomic failure
Neuromuskuläre Erkrankungen als Ursache für Muskelschwäche
Neuromuskuläre Erkrankungen beeinträchtigen das Zusammenspiel zwischen dem Nervensystem und den Muskeln. Dabei können verschiedene Bereiche des neuromuskulären Systems betroffen sein, einschließlich der Nerven, die Muskeln steuern, Muskelfasern selbst oder neuromuskuläre Verbindungen zwischen Nerven und Muskeln. Neuromuskuläre Erkrankungen können zu Schwäche, Bewegungsproblemen und anderen Symptomen führen.
Mögliche Ursachen neuromuskulärer Erkrankungen
Neuromuskuläre Erkrankungen können durch eine Vielzahl von Ursachen ausgelöst werden. Häufig spielen genetische Veränderungen oder Mutationen eine Rolle, die die Funktion von Nerven und Muskeln dauerhaft beeinträchtigen. Andere Formen sind autoimmun bedingt, das heißt, das Immunsystem richtet sich fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen. Auch Infektionen oder entzündliche Prozesse können Auslöser einer neuromuskulären Erkrankung sein. Darüber hinaus kommen Umwelteinflüsse oder Schädigungen des Nervensystems infrage.
Auswirkungen auf Muskeln und Körper
Je nach Erkrankungsform treten verschiedene Symptome auf, die von Muskelschwäche, Muskelschwund und Schmerzen bis hin zu Beeinträchtigungen von Herz und Atmung reichen können. Abnahme von Kraft, Ausdauer und Muskelmasse sowie Veränderungen der Muskulatur können zu Einschränkungen der Gehfähigkeit und anderer wichtiger Funktionen führen. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf Alltagsbewältigung, Teilhabe am sozialen Leben und damit die Lebensqualität haben. Je nach Art der neuromuskulären Erkrankung muss auch auf eine mögliche Beteiligung der Herz- und/oder Atemmuskulatur geachtet werden. Dies kann den Verlauf der Erkrankung zusätzlich beeinflussen und erfordert eine besondere medizinische Überwachung. Durch die neuromuskuläre Erkrankung selbst oder durch ihre Folgen, wie Skoliosen oder Gelenkdeformitäten, kann es zu Schmerzen und Krämpfen kommen, die die Belastung für die Betroffenen zusätzlich erhöhen.
Diagnosestellung und Behandlung
Durch die Fortschritte der Genetik in den letzten Jahrzehnten wurde eine zunehmend differenzierte Diagnosestellung möglich. Unter anderem bei neuromuskulären Erkrankungen ist dies von großer Bedeutung, um den weiteren Verlauf der Erkrankung besser einschätzen und Patienten beispielsweise zur Berufswahl, Familienplanung oder ggfs. Pränataldiagnostik möglichst genau beraten zu können. Auch für die zunehmenden kausalen Therapien ist eine möglichst genaue Diagnosestellung erforderlich. Sie bildet zudem die Grundlage für zielgerichtete Untersuchungen bei spezifischen Komplikationen, die beispielsweise Herz oder Atmung betreffen. Darüber hinaus hilft eine präzise Diagnosestellung, unnötige Untersuchungen zu vermeiden und frühzeitig die passende Therapie einzuleiten.
Je nach Ursache und Schweregrad kann die Behandlung neuromuskulärer Erkrankungen variieren und muss individuell angepasst werden. Die Betreuung erfolgt in der Regel durch Spezialisten wie Neurologen, neuromuskuläre Mediziner und Physiotherapeuten. Zu den wichtigsten Ansätzen gehören:
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- Symptomatische Behandlungen zur Linderung der Symptome
- Medikamente (meist bei entzündlichen neuromuskulären Erkrankungen)
- Physiotherapeutische Maßnahmen zur Erhaltung von Beweglichkeit und Kraft
- Hilfsmittel wie Rollstühle oder Krücken zur Unterstützung der Mobilität
- Chirurgische Eingriffe (falls notwendig)
Polyneuropathie als Ursache für Muskelschwäche
Bei einer Polyneuropathie handelt es sich um eine Erkrankung des peripheren Nervensystems. Also der Nerven, die außerhalb von Gehirn und Rückenmark verlaufen und dafür verantwortlich sind, Berührungen, Temperatur oder Schmerzempfindungen wahrzunehmen sowie die Bewegungen der Muskeln zu steuern.
Bei Menschen mit einer Polyneuropathie sind mehrere periphere Nerven geschädigt. Dadurch ist die Weiterleitung von Signalen zwischen Gehirn, Rückenmark und den übrigen Körperregionen beeinträchtigt - und zwar sowohl in Richtung der Gliedmaßen als auch zurück zum Zentralen Nervensystem (ZNS).
Symptome einer Polyneuropathie
Je nachdem, welche Nerven betroffenem sind, stehen unterschiedliche Beschwerden im Vordergrund:
- Schäden an den sensiblen Nerven (Empfindungsnerven): Sensible Nerven übermitteln Informationen von der Haut zum Gehirn. Bei Beeinträchtigungen treten oft stechende oder brennende Schmerzen auf. Betroffene haben das Gefühl, als ob tausende Ameisen über ihre Haut krabbeln. Manchmal entwickeln sie eine Überempfindlichkeit, bei der selbst leichte Berührungen (Allodynie) schmerzhaft sein können.
- Schäden an den kleinen Nervenfasern: Diese Nerven vermitteln Schmerz-, Temperatur- und Berührungsempfindungen. Bei Nervenschäden nehmen Betroffene Hitze, Kälte und Schmerzen nur noch abgeschwächt oder gar nicht mehr wahr. Zusätzlich treten oft Taubheitsgefühle auf, besonders in Händen und Füßen. Die Haut fühlt sich pelzig und fremd an. Als Folge steigt die Verletzungsgefahr erheblich: So wird beispielsweise die Wassertemperatur beim Duschen oder Baden nicht mehr als zu heiß empfunden. Auch kleine Verletzungen wie Schnittwunden, Brandblasen oder Druckstellen bleiben oftmals unbemerkt und werden erst spät entdeckt. Dadurch erhöht sich das Risiko für Entzündungen oder chronische Wunden.
- Schäden an motorischen Nerven: Motorische Nerven steuern die Muskeln. Sind sie betroffen, können die Impulse, welche die Muskeln zum Bewegen anregen, nicht mehr richtig weitergeleitet werden. Die Folge sind Muskelschwäche oder Lähmungen, insbesondere in den Beinen und Füßen. Bei einigen Menschen sind auch in die Arme und Hände betroffen. Langfristig kann die fehlende Nutzung der Muskeln zu einem Abbau der Muskelmasse führen, was die Bewegungsfähigkeit weiter einschränkt.
- Schäden an den autonomen Nerven: Autonome Nerven steuern das vegetative Nervensystem. Sind sie geschädigt, können sie Kreislaufprobleme wie Schwindel oder Ohnmacht beim Aufstehen verursachen. Zudem kann die Verdauung beeinträchtigt sein, was zu Symptomen wie Verstopfung, Durchfall oder Inkontinenz führen kann. Auch Probleme mit der Blase, etwa eine Blasenschwäche oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen, sind durch die Nervenschäden möglich.
Ursachen und Diagnose von Polyneuropathie
Typischerweise beginnt die Polyneuropathie schleichend. Zu den häufigsten Auslösern zählen:
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit): Ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel schädigt die Nerven.
- Langjähriger Alkoholmissbrauch: Alkohol greift das empfindliche periphere Nervensystem an und schädigt die Schutzschicht (Myelinschicht) der Nervenfasern oder die Nervenfasern selbst.
Weitere Auslöser der Polyneuropathie sind unter anderem:
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- Infektionskrankheiten, wie etwa Borrelien oder Herpes zoster-Viren
- Autoimmunreaktion, wie das Guillain-Barré-Syndrom und rheumatoide Arthritis
- Vitaminmangel, z. B. Vitamin B12
- Schilddrüsen, Leber- oder Krebserkrankungen
- Genetische Faktoren
Entscheidend ist die umfangreiche, gründliche Suche nach möglichen Ursachen - nur so lassen sich Polyneuropathien gezielt behandeln. Zu den Untersuchungen zählen eine umfangreiche Labordiagnostik (Blutuntersuchungen, eventuelle Untersuchung des Nervenwassers mittels Lumbalpunktion) und Messung der elektrischen Nervenleitung (Elektroneurographie oder Elektromyographie). Bei der körperlichen Untersuchung werden Reizempfinden, Geh- und Stehvermögen, Muskelstärke und Reflexe geprüft. In etwa 20 Prozent der Fälle bleibt die Ursache trotz umfassender Abklärung ungeklärt.
Therapiemöglichkeiten bei Polyneuropathie
Die Therapie der Polyneuropathie richtet sich nach der Ursache.
- Diabetische Polyneuropathie: Eine stabile Blutzuckereinstellung ist der entscheidende Faktor. Gelingen kann dies durch eine angepasste Ernährung, ausreichend Bewegung und gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie.
- Alkoholbedingte Polyneuropathie: Hier hilft nur konsequenter Verzicht auf Alkohol.
- Entzündungsbedingte Nervenschädigung: Je nach Erreger kann eine Antibiotika-Therapie oder eine antivirale Medikation helfen.
- Autoimmunentzündung: Entzündungshemmende Medikamente wie Kortison oder Immunglobuline kommen zum Einsatz.
- Vitaminmangel: Gezielte Ernährungsumstellung oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Wichtig ist das Vermeiden einer Überdosierung, etwa von Vitamin B6.
Schmerzen oder Gangstörungen bei Polyneuropathie können medikamentös oder durch eine physikalische Therapie gebessert werden. Dazu zählen etwa Physiotherapie, Gleichgewichts- und Gehtraining sowie gelenkschonende Sportarten wie Aqua-Fitness. Diese können helfen, Beweglichkeit, Kraft und Gleichgewicht zu verbessern. Spezielle Schienen oder orthopädische Einlagen können zusätzliche Stabilität geben.
Diagnostische Verfahren
Die Diagnostik umfasst verschiedene Schritte, um die Ursache für die Beschwerden zu finden und die Art der Schädigung zu bestimmen:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte einschließlich Medikamente, Vorerkrankungen, Beginn der Beschwerden und Verlauf (akut oder chronisch), durchgemachte Impfung, Infekt, Familienanamnese.
- Klinisch-neurologische Untersuchung: Prüfung von Muskelkraft, Sensibilität und Muskeleigenreflexe. Am häufigsten beginnen die Symptome und Ausfälle an den unteren Extremitäten, meist an den Füßen oder Fußspitzen. An den Extremitäten können sich Sensibilitätsstörungen socken-, strumpf- oder handschuhförmig ausbreiten. Zu den weiteren Symptomen gehört einerseits eine gesteigerte Schmerzempfindlichkeit, z. B. auf Berührung, Wärme oder Kälte. Je nach Schädigung der Nerven kann aber auch das Berührungs- und Schmerzempfinden abgeschwächt sein.
- Elektrophysiologische Untersuchung:
- Elektroneurographie (ENG): Mit Stromimpulsen werden periphere Nerven stimuliert und Antworten von Muskeln oder sensiblen Fasern abgeleitet. Damit lässt sich die Art der Nervenschädigung feststellen.
- Elektromyographie (EMG): Untersucht Muskeln mit Nadeln und stellt so das Ausmaß der Schädigung fest.
- Apparative Diagnostik:
- 24-Stunden-Blutdruck-und EKG-Monitoring
- Echokardiographie
- Schellong-Test
- Laboruntersuchungen: Schilddrüsenwerte, Hba1c, Kreatinin, Elektrolyte
- Weitere Untersuchungen: Ggf. ophthalmologische, urologische, gastroenterologische, endokrinologische Untersuchung. Bei anhaltenden Beschwerden bzw. Polyneuropathien sind Erkrankungen des „peripheren Nervensystems“ auszuschließen.
Behandlungsmöglichkeiten
Entscheidend ist stets die Behandlung der Grunderkrankung, z. B. bei Diabetes mellitus eine Verbesserung der Blutzuckereinstellung, das strikte Vermeiden von Alkohol oder die Behandlung einer Tumorerkrankung. Bei autoimmunvermittelten, entzündlichen Polyneuropathien gibt es verschiedene gegen die Entzündung wirkende Medikamente (Immunglobuline, Kortikoide, Immunsuppressiva). Bei schweren Verläufen kann auch eine Blutwäsche durchgeführt werden. Bei erblichen Neuropathien gibt es bisher keine Therapie. Bei ca. einem Viertel der Polyneuropathien kann die Ursache nicht geklärt werden, meist haben diese Formen jedoch eine gute Prognose. Reizerscheinungen und Muskelkrämpfe lassen sich mit verschiedenen Medikamenten dämpfen. In Abhängigkeit von der Ursache besteht nur begrenzt die Aussicht auf Heilung. Zum Beispiel sind die weniger häufig vorkommenden entzündlichen Neuropathien mit Medikamenten meist sehr gut zu behandeln, akute Formen heilen oft komplett aus.
Berufliche Aspekte
Je nach Schwere der Ausfälle bestehen Einschränkungen beim Ausüben verschiedener beruflicher Tätigkeiten. Es sollten Tätigkeiten auf Leitern und Gerüsten gemieden werden, Vorsichtsmaßnahmen beim Laufen auf unebenem Untergrund (Baustellen) oder im Dunkeln müssen beachtet werden. Feinmotorische Tätigkeiten (z. B. Uhrmacher) sind oft nicht mehr möglich. Dennoch sollten Patienten mit einer Polyneuropathie so lange wie möglich am Berufsleben teilhaben. Zur Verbesserung der Alltagsaktivitäten wird in Abhängigkeit vom Schweregrad die Versorgung mit Hilfsmitteln empfohlen.
Pathogenese von Muskelschmerzen (Myalgien)
Die Pathogenese von Muskelschmerzen (Myalgien) ist vielfältig und hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.
- Entzündliche Mechanismen: Myalgien können durch entzündliche Erkrankungen wie Polymyositis, Dermatomyositis oder virale Myositiden verursacht werden. Diese Erkrankungen führen zu einer Immunreaktion, bei der die Muskelfasern angegriffen und geschädigt werden.
- Trauma und Überlastung: Muskelverletzungen durch Überlastung, Zerrungen oder Prellungen führen zu einer Schädigung der Muskelfasern, was eine lokale Entzündungsreaktion und die Freisetzung von Schmerzmediatoren auslöst.
- Metabolische Störungen: Störungen des Energiehaushalts in den Muskeln, wie sie bei Stoffwechselerkrankungen wie Glykogenspeicherkrankheiten oder Mitochondriopathien auftreten, führen zu einer unzureichenden Energieversorgung der Muskeln.
- Toxisch-medikamentös induzierte Myopathien: Ein relevanter exogener Auslöser von Myalgien sind Medikamente, insbesondere Statine (Cholesterinsenker). Die Pathogenese ist multifaktoriell und umfasst u. a. eine mitochondriale Dysfunktion, Störungen des Energiestoffwechsels und eine erhöhte Empfindlichkeit der Muskulatur gegenüber mechanischer Belastung.
- Infektionen: Viren, Bakterien oder Parasiten können Myalgien verursachen. Typische virale Infektionen, die Muskelschmerzen verursachen, sind z. B. die Influenza (Grippe) oder das Epstein-Barr-Virus.
- Autoimmunerkrankungen: Bei Autoimmunerkrankungen kommt es zu einer Fehlregulation des Immunsystems, bei der körpereigenes Gewebe, darunter die Muskulatur, angegriffen wird.
- Chronische Schmerzen: Bei länger bestehenden Myalgien kann eine zentrale Sensibilisierung im Nervensystem entstehen, bei der die Schmerzschwelle im Rückenmark und Gehirn gesenkt wird.
- Ischämie: Eine reduzierte Durchblutung der Muskeln führt zu einem Sauerstoffmangel in den Muskelzellen.
Weitere mögliche Ursachen für Muskelschmerzen
Neben den bereits genannten Ursachen gibt es weitere Faktoren, die Muskelschmerzen verursachen können:
- Langes Sitzen
- Psychische Belastungen
- Maladaptive Stressbewältigung
- Carnitin-Palmitoyl-Transferase-Mangel (CPT1, CPT2)
- Porphyrie bzw. akute intermittierende Porphyrie (AIP)
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
- Vaskulitiden
- Virale Infektionen wie durch das Coxsackie-B-Virus
- Dermatomyositis
- Myopathien mit Enzymdefekten sowie auch toxische Myopathien
- Polymyositis
- Rheumatoide Arthritis
- Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
- Amyotrophische Lateralsklerose (ALS)
- Coturnismus
Präventive Maßnahmen
Die Prävention gegen Polyneuropathie und das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) umfasst verschiedene Maßnahmen. Sie sollen die Risikofaktoren minimieren und die allgemeine Nervengesundheit fördern. Bei Diabetes mellitus ist eine konsequente Kontrolle des Blutzuckerspiegels ausschlaggebend, um das Risiko einer diabetischen Neuropathie zu verringern. Eine ausgewogene Ernährung ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Sie unterstützt die Nervengesundheit. Da bestimmte Infektionen wie Campylobacter jejuni mit dem Guillain-Barré-Syndrom (GBS) in Verbindung gebracht werden, sollten Sie auf gute Hygiene achten. Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Durchblutung und kann das Risiko einer Polyneuropathie verringern. Chronischer Stress kann das Immunsystem beeinträchtigen und das Risiko für Autoimmunerkrankungen erhöhen. Praktizieren Sie regelmäßig Entspannungstechniken wie tiefe Atemübungen, Meditation oder Yoga. Regelmäßige medizinische Untersuchungen helfen, Erkrankungen frühzeitig zu erkennen, so dass sie behandelt werden können. Halten Sie Ihren Impfstatus auf dem neuesten Stand, um Infektionen vorzubeugen, die Polyneuropathie oder GBS auslösen können. Bei bestehender Polyneuropathie ist eine sorgfältige Fußpflege wichtig, um Verletzungen und Wunden vorzubeugen.
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