Alzheimer: Ursachen für ständige Wiederholungen und Umgang mit dem Symptom

Demenz ist ein Begriff, der viele verschiedene Erkrankungen umfasst, die mit einem Abbau der geistigen Fähigkeiten einhergehen. Zu den typischen Symptomen gehören Gedächtnisverlust, Orientierungsschwierigkeiten und Veränderungen im Verhalten. Ein besonders belastendes Symptom für Betroffene und Angehörige sind ständige Wiederholungen von Fragen, Sätzen oder Handlungen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für dieses Verhalten und gibt Hinweise zum Umgang damit.

Einführung

Die ständigen Wiederholungen sind ein häufiges und oft frühes Anzeichen einer Demenzerkrankung, insbesondere bei Alzheimer. Es ist wichtig zu verstehen, dass dieses Verhalten nicht böswillig ist, sondern eine Folge der fortschreitenden Schädigung des Gehirns. Die Betroffenen haben oft einfach vergessen, dass sie die Frage bereits gestellt haben oder die Handlung schon einmal ausgeführt haben.

Ursachen für ständige Wiederholungen

Die Ursachen für ständige Wiederholungen bei Demenz sind vielfältig und komplex. Sie lassen sich grob in folgende Kategorien einteilen:

Gedächtnisverlust

Einer der Hauptgründe für ständige Wiederholungen ist der Gedächtnisverlust. Menschen mit Demenz haben Schwierigkeiten, neue Informationen zu speichern und sich an vergangene Ereignisse zu erinnern. Dies führt dazu, dass sie die gleichen Fragen immer wieder stellen, weil sie sich nicht daran erinnern, die Antwort bereits erhalten zu haben.

  • Kurzzeitgedächtnis: Besonders betroffen ist das Kurzzeitgedächtnis. Betroffene können sich oft nicht an Ereignisse erinnern, die erst wenige Minuten zurückliegen.
  • Langzeitgedächtnis: Im späteren Verlauf der Demenz kann auch das Langzeitgedächtnis beeinträchtigt sein. Dies führt dazu, dass sich die Betroffenen nicht mehr an wichtige Ereignisse aus ihrer Vergangenheit erinnern können.

Orientierungslosigkeit

Orientierungslosigkeit ist ein weiteres häufiges Symptom der Demenz. Betroffene haben Schwierigkeiten, sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden und die Tageszeit oder das Datum zu bestimmen. Dies kann zu Unsicherheit und Angst führen, was wiederum ständige Wiederholungen auslösen kann.

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  • Räumliche Orientierung: Betroffene können sich in vertrauter Umgebung verlaufen oder nicht mehr wissen, wo sie sich befinden.
  • Zeitliche Orientierung: Sie können Schwierigkeiten haben, die Tageszeit, das Datum oder das Jahr zu bestimmen.
  • Situative Orientierung: Sie können nicht mehr wissen, warum sie sich an einem bestimmten Ort befinden oder was sie gerade tun sollten.

Angst und Unsicherheit

Oftmals ist wiederholtes Fragen auch ein Zeichen von Angst oder Unsicherheit. Die Betroffenen leben in einer Welt, die sich für sie dauernd verändert, und sind deshalb ständig beunruhigt, weil sie nicht wissen, was sie als Nächstes erwartet. Ein plötzlicher lauter Satz oder eine Situation, die sie überfordert, können dazu führen, dass sie ängstlich werden und die gleichen Fragen immer wieder stellen, um sich zu beruhigen.

  • Verlust von Kontrolle: Menschen mit Demenz haben oft das Gefühl, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren. Dies kann zu Angst und Unsicherheit führen.
  • Fremdheit: Die zunehmende Fremdheit in ihrer Umgebung und der Verlust des Bezuges zu sich selbst treibt Menschen mit Demenz dazu, sich einen festen Bezugspunkt zu suchen: Jemanden oder Etwas, das ihnen Sicherheit und Halt gibt.

Innere Unruhe und Anspannung

Im mittleren Stadium der Demenz zeigen viele betroffene Menschen einen ausgeprägten Bewegungsdrang, gepaart mit starker Unruhe. Mögliche Ursachen sind innere Anspannung oder Nervosität, die oftmals durch krankhafte Veränderungen im Gehirn hervorgerufen werden. Hinzu kommt, dass das Gehen für sie von besonderer Bedeutung ist. Es gehört zu den wenigen Tätigkeiten, die noch selbstständig ausgeführt werden können. Gehen stärkt ihr Selbstwert- und Körpergefühl, gibt ihnen eine gewisse Entscheidungsfreiheit und wirkt sich positiv auf ihre Stimmung aus.

  • Krankhafte Veränderungen im Gehirn: Die Demenz führt zu Veränderungen im Gehirn, die innere Unruhe und Anspannung auslösen können.
  • Bewegungsdrang: Viele Menschen mit Demenz haben einen starken Bewegungsdrang. Dies kann dazu führen, dass sie ständig umherwandern oder die gleichen Handlungen immer wieder ausführen.

Sprach- und Kommunikationsprobleme

Mit dem Fortschreiten der Demenz können auch die Sprach- und Kommunikationsfähigkeiten beeinträchtigt werden. Dies führt dazu, dass die Betroffenen Schwierigkeiten haben, sich auszudrücken und ihre Bedürfnisse mitzuteilen. Sie können die gleichen Fragen immer wieder stellen, weil sie nicht in der Lage sind, ihre Gedanken anders auszudrücken.

  • Wortfindungsstörungen: Betroffene haben Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, um sich auszudrücken.
  • Sprachverständnis: Sie haben Schwierigkeiten, das Gesagte zu verstehen.
  • Inhaltsleere Aussagen: Ihre Aussagen können inhaltsleer sein.

Das Leben in der Vergangenheit

Mit dem Fortschreiten der Demenz wird die Lebenswelt der Betroffenen weitgehend von den noch vorhandenen Erinnerungen geprägt. Sie leben mit den Vorstellungsbildern einer bestimmten Lebensphase und verhalten sich dementsprechend: Sie machen sich auf den Weg zur Arbeit oder suchen ihre Eltern. Oftmals gibt das Leben in der Vergangenheit Halt und Sicherheit.

Umgang mit ständigen Wiederholungen

Der Umgang mit ständigen Wiederholungen kann für Angehörige sehr belastend sein. Es ist wichtig, geduldig und verständnisvoll zu bleiben und sich daran zu erinnern, dass dieses Verhalten eine Folge der Erkrankung ist. Hier sind einige Tipps, die helfen können:

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Geduld und Verständnis

Das Wichtigste ist, geduldig und verständnisvoll zu bleiben. Versuchen Sie, sich in die Lage des Betroffenen hineinzuversetzen und sich daran zu erinnern, dass er oder sie nicht absichtlich ärgern will.

  • Nicht ärgern: Reagieren Sie nicht ärgerlich oder ungeduldig.
  • Verständnis zeigen: Zeigen Sie Verständnis für die Situation des Betroffenen.
  • Geduldig antworten: Beantworten Sie die Fragen immer wieder geduldig, auch wenn es schwerfällt.

Ablenkung

Versuchen Sie, den Betroffenen abzulenken, wenn er oder sie die gleichen Fragen immer wieder stellt. Bieten Sie eine andere Aktivität an, wie z.B. Musik hören, spazieren gehen oder ein Buch anschauen.

  • Aktivitäten anbieten: Bieten Sie Aktivitäten an, die den Betroffenen interessieren und ablenken können.
  • Umgebungsreize reduzieren: Reduzieren Sie Umgebungsreize, die den Betroffenen ablenken oder überfordern könnten.

Beruhigung und Sicherheit

Bieten Sie dem Betroffenen Beruhigung und Sicherheit. Sprechen Sie ruhig und freundlich, geben Sie ihm oder ihr das Gefühl, dass er oder sie nicht allein ist.

  • Körperkontakt: Geben Sie dem Betroffenen Körperkontakt, wie z.B. eine Umarmung oder eine Hand zu halten.
  • Vertraute Umgebung: Sorgen Sie für eine vertraute und sichere Umgebung.
  • Rituale: Etablieren Sie Rituale, die dem Betroffenen Sicherheit geben.

Validation

Validieren Sie die Gefühle des Betroffenen. Das bedeutet, dass Sie die Äußerungen Ihres Familienangehörigen, aber auch seine Handlungen und seine Sichtweisen gelten lassen und nicht korrigieren. Zeigen Sie Verständnis für seine oder ihre Ängste und Sorgen.

  • Gefühle anerkennen: Erkennen Sie die Gefühle des Betroffenen an.
  • Nicht korrigieren: Korrigieren Sie den Betroffenen nicht, wenn er oder sie etwas Falsches sagt.
  • In die Welt des Betroffenen eintauchen: Versuchen Sie, in die Welt des Betroffenen einzutauchen und seine oder ihre Sichtweise zu verstehen.

Kommunikation anpassen

Passen Sie Ihre Kommunikation an die Bedürfnisse des Betroffenen an. Sprechen Sie langsam und deutlich, verwenden Sie einfache Sätze und vermeiden Sie Fremdwörter.

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  • Einfache Sprache: Verwenden Sie einfache Sprache und kurze Sätze.
  • Deutliche Aussprache: Sprechen Sie deutlich und langsam.
  • Nonverbale Kommunikation: Achten Sie auf Ihre nonverbale Kommunikation, wie z.B. Ihre Mimik und Gestik.

Professionelle Hilfe

Suchen Sie professionelle Hilfe, wenn Sie mit der Situation überfordert sind. Es gibt viele Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die Ihnen Unterstützung anbieten können.

  • Beratungsstellen: Suchen Sie eine Beratungsstelle auf, um sich über die Erkrankung und den Umgang damit zu informieren.
  • Selbsthilfegruppen: Treten Sie einer Selbsthilfegruppe bei, um sich mit anderen Angehörigen auszutauschen.
  • Pflegedienste: Nehmen Sie die Hilfe eines Pflegedienstes in Anspruch, um sich zu entlasten.

Weitere Verhaltensweisen und Handlungsmuster bei Demenz

Neben den ständigen Wiederholungen gibt es noch weitere Verhaltensweisen und Handlungsmuster, die bei Demenz auftreten können:

Unruhe und Bewegungsdrang

Im mittleren Stadium der Demenz zeigen viele betroffene Menschen einen ausgeprägten Bewegungsdrang, gepaart mit starker Unruhe. Mögliche Ursachen sind innere Anspannung oder Nervosität, die oftmals durch krankhafte Veränderungen im Gehirn hervorgerufen werden. Hinzu kommt, dass das Gehen für sie von besonderer Bedeutung ist. Es gehört zu den wenigen Tätigkeiten, die noch selbstständig ausgeführt werden können. Gehen stärkt ihr Selbstwert- und Körpergefühl, gibt ihnen eine gewisse Entscheidungsfreiheit und wirkt sich positiv auf ihre Stimmung aus. Schlafstörungen und die zunehmende Unfähigkeit, Tag und Nacht zu unterscheiden, führen häufig dazu, dass sich „Gehen“ und „Wandern“ auch auf die Nacht ausdehnen. Das ständige Hin-und-her-Laufen kann die Nerven der betreuenden Personen stark strapazieren. Wandern Menschen mit Demenz auch nachts umher, besteht die Gefahr, dass die Gesundheit und das Wohlbefinden der gesamten Familie leiden.

Falsche Beschuldigungen und Verdächtigungen

Die eingeschränkte Fähigkeit der Betroffenen, Situationen und Wahrnehmungen richtig zu deuten, führt häufig zu Erklärungsversuchen, die nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen. So beschuldigen sie beispielsweise ihre Angehörigen, Geld gestohlen zu haben, oder halten Verwandte für verkleidete Fremde. Die Abweichungen zwischen der mit Demenz erlebten Welt und der Realität der Angehörigen führen leicht zu Konflikten im Betreuungsalltag. So kann es ein äußerst schockierendes Erlebnis sein, vom Vater oder von der Ehefrau als Dieb bezeichnet zu werden. Der Umgang miteinander wird daher erleichtert, wenn sich die Pflegenden vor Augen führen, dass die „Beschuldigungen“ keine bösartigen Verleumdungen darstellen, sondern lediglich ein Versuch sind, Lücken in der Erinnerung zu füllen. Oft verstecken Menschen mit Demenz wichtige Gegenstände wie Schlüssel, Geld, aber auch Lebensmittel aus einem vermeintlichen Sicherheitsbedürfnis heraus. Finden sie diese Gegenstände dann nicht wieder, erscheint ihnen „Diebstahl“ die einzige Erklärung zu sein.

Aggressives Verhalten

Menschen mit Demenz verhalten sich manchmal verbal oder körperlich aggressiv. Auslöser für Wutausbrüche und aggressives Verhalten sind weniger krankheitsbedingte Veränderungen im Gehirn als vielmehr die erschwerten Lebensbedingungen und die daraus resultierende Angst der Betroffenen. Sie leben in einer Welt, die sich für sie dauernd verändert, und sind deshalb ständig beunruhigt, weil sie nicht wissen, was sie als Nächstes erwartet. Ein plötzlicher lauter Satz oder eine Situation, die sie überfordert, können dazu führen, dass sie aggressiv reagieren. Gerade wenn sich Menschen mit sanftmütigem Charakter plötzlich aggressiv verhalten, ist dies für die Angehörigen ein Schock. In solchen Momenten ist es mitunter hilfreich, daran zu denken, dass ihr Verhalten durch die Demenz verursacht wird und nicht durch sie selbst. Um solchen Aggressionen vorzubeugen, ist es wichtig, die Anlässe für dieses Verhalten herauszufinden und, wenn möglich, zu beseitigen. Gelingt dies nicht, kann Ablenkung eine sinnvolle Strategie sein. Wenn Menschen mit Demenz beispielsweise bei der Körperpflege aggressiv reagieren, reicht es unter Umständen schon aus, in solchen Situationen gemeinsam deren Lieblingslieder zu singen. Versuchen Sie, gelassen zu bleiben und die betroffene Person zu beruhigen. Achten Sie auch auf Ihre Sicherheit, falls der Mensch mit Demenz zu aggressivem Verhalten neigt und dabei gefährliche Gegenstände benutzt.

Leben in der Vergangenheit

Mit dem Fortschreiten der Demenz wird die Lebenswelt der Betroffenen weitgehend von den noch vorhandenen Erinnerungen geprägt. Sie leben mit den Vorstellungsbildern einer bestimmten Lebensphase und verhalten sich dementsprechend: Sie machen sich auf den Weg zur Arbeit oder suchen ihre Eltern. Oftmals gibt das Leben in der Vergangenheit Halt und Sicherheit. Erwarten die Angehörigen von ihnen, dass sie sich ihre Verirrung eingestehen, wird dies als Bedrohung erlebt. Deshalb ist es meist sinnvoller, den Betroffenen auf der Gefühlsebene zu begegnen, statt den Wahrheitsgehalt ihrer Äußerungen anzuzweifeln.

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